Ausgabe 
14.5.1853
 
Einzelbild herunterladen

chaft

det freien Preiſe von

25000, Amal

10000 2. 1

90, 4000,

1000 bis zu ſattfindende

84 Schie⸗ Hlicher Sh

utt a M., tbriefe

ddernagel *

Intelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M38.

Sonnabend den 14. Mai

1853.

Des Pfingſtfeſtes wegen erſcheint naͤchſten Mittwoch keine Nummer dieſes Blattes.

Amtlicher Theil.

Das Großherzoglich Heſſiſche Kreisamt Friedberg an die Gr. Bürgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Kunſtproduktionen während der Hanauer Meſſe.

Auf Erſuchen des Kurfürſtlichen Landrathsamts zu Hanau werden Sie angewieſen, den Orgelſpielern, Gym naſtikern, Gauckelſpielern und dergleichen Perſonen nach Hanau während der am 23. d. M. beginnenden Meſſe nicht zu viſiren und ſie zugleich zu bedeuten, daß ſie auf Erlaubniß zu Produktionen nicht zu hoffen hätten.

Friedberg den 8. Mai 1853.

de Beauclair, Kreisaſſeſſor.

rbe an die Gr. Bürgermeiſter und Gendarmerie des Kreiſes.

Betreffend: Die Entweichung des Karl Ludwig Wilhelm Raſch, Sohn des Philipp Raſch von Fauerbach II.

Der Rubrikat hat ſich wiederholt von Hauſe entfernt und treibt ſich auf einem lüderlichen Lebenswandel umher.

Indem ich nachfolgend das Signalement deſſelben folgen laſſe, beauftrage ich Sie ihn betretenfalls zu arre tiren und an mich abzuliefern.

Friedberg den 8. Mai 1853. f

de Beauclair, Kreisaſſeſſor. hinge ent;

Alter: 16 Jahre, Größe: 5 Fuß, Haare; blond, Stirne: niedrig, Augen: grau, Augenbraunen: blond, Naſe: ſtumpf, Mund: breit, Kinn: rund, Geſicht: oval, Geſichtsfarbe: geſund, Statur: ſtark, beſondere Zeichen: Am linken Auge eine Narbe.

Kleidung:

Schwarze Tuchhoſen, geflickt. ſpencer. Kappe von blauem Tuch. Palatin. Weſte von alter Seide.

Kamiſol, Militär⸗ Halsbinde, geſtreifter

Der alte Sergeant. Von Dr. Th. Meyer. (Fortſetzung.)

Wie es die Hausordnung ſeit Langem mit ſich führte, erſtattete Marie nach dem Eſſen ihren Tagesrapport über die häuslichen Ereigniſſe. Sie ſprach vom Flachs, den man heute eingethan, von dem Geſundheitszuſtand einer erkrankten Kuh, von der Wolle, die der Färber geſchickt, wie im Keller drunten nun bald die Holzverſchlaͤge zum Aufbewahren des Obſtes herzurichten ſeien und von noch andern wirthſchaftlichen Gegenſtänden. In kurzen, com mandoartigen Antworten und Ausſprüchen erledigte der Vater dieſe Fragen und Mittheilungen. Als Marie end lich ſchwieg, blickte ſie der Alte forſchend an:nun, und von der Maulbeerhecke haſt Du mir nichts zu ſagen? fragte er. Siedend überlief es das Mädchen, die an brechende Dunkelheit allein vermochte ihre vollſtändige Verwirrung zu verbergen, und ſchon war ſie, an Hinter halt und Verſtecken nicht gewöhnt, im Begriff, dem Vater Alles zu entdecken und zu bekennen, als ihr dieſer noch zuvorkam: Ich dächte doch, ſprach er,der Nachbar Chretien muß hier geweſen ſein und wegen des Abpflückens der Blätter für ſeine Seidenraupen Bericht gegeben ha ben; will er auf meine geſtellten Bedingungen eingehen? Eine Bergeslaſt fiel vom Herzen des guten Mädchens, und neu auflebend gab ſie den erwünſchten Aufſchluß: die Raupen hätten ſich ſchon alle eingepuppt, Meiſter Chretien brauche das Futter nicht mehr.

Der alte Sergeant lachte, indem er ſeine gegen wärtige friedliche Beſchäftigung und Sorge um das Haus weſen mit ſeinem frühern Wander- und Soldatenleben ver glich und ſich ſelber ſo wie eine eingeſponnene Seiden raupe vorkam. Marie meinte, es müſſe ihm aber nun doch wohler ſein, als bei dem unſtäten und gefahrvollen Kriegsleben. François vernahm dieß mit jener überlegenen Ruhe, welche das Urtheil eines völlig Incompetenten nicht erſchüttern, ſondern nur befeſtigen kann.Glaubſt Du wohl? fragte er.Thörichtes Mädchen, das verſtehſt Du nicht, Männer ſogar verſtehn es heutzutage nicht, wie einem war, ſo die Muskete im Arm, Einer von hun derttauſend zu ſein und doch als Einziger das muthige Gefühl und die Ueberzeugung der Unwiderſtehlichkeit dieſer