Ausgabe 
13.8.1853
 
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Dich. Meine Thereſe wird Dich wie eine Schweſter auf nehmen und lieben. Du weißſt vielleicht, daß wir ſeit dem Ausbruche des Krieges unſern kleinen Hof von Sancy an der Sarthe bewohnen, und da Du den Weg nicht kennen wirſt, und Dein Alter und Dein Geſchlecht auf einer Reiſe von vier Stunden des Schutzes bedürfen, ſo wird Dich dieſer brave Mann begleiten. Er hat, um ohne Hinderniß zu paſſiren, den nöthigen Ausweis. Ich hielt die Augen zu Boden geſchlagen, denn ich zitterte, man möchte in meinen Zügen leſen, was in meinem Innern vorging; und als ich es endlich wagte, den Prä ſidenten von der Seite anzuſehen, hatte er die frühere Unterhaltung wieder aufgenommen, und ſchien ſich mit Nichts Anderem mehr zu beſchäftigen.

Möge ſich der Schutz Gottes über alle Tage er ſtrecken, die Dir noch verliehen ſind! ſprach ich in der Tiefe meines Herzens; möge er ſich über Deine Familie und über alle, die Du liebſt, erſtrecken, und wenn es Dir nicht vergönnt iſt auf Erden, in dieſen Zeiten der Ver dorbenheit und Grauſamkeit, das volle Gluck zu genießen, welches Du verdienſt, ſo möge die himmliſche Güte Dir im ewigen Leben, auf die Wünſche, die ſich für Dich aus ſprechen, es Dir vergelten.

Ich ging mit meinem Führer ab, und war nicht wenig in Verlegenheit über den Gegenſtand der Unterhal tung, welche ich wohl mit ihm führen ſollte, in einer Ge gend, in der mir weder die Perſonen, noch die Ortſchaften bekannt waren, und wo alſo die geringſte Ungeſchicklich keit meinen Betrug verrathen und mein Wohl gefährden konnte; ich bemerkte aber bald, daß dieſer Mann nicht ohne Grund Herrn Aubert's Vertrauen genoß. Einige Worte eines gewiſſen Wohlwollens, welche zwar nicht die Abſicht kund gaben, mich zu einer Erklärung zu ver anlaſſen, die mir aber hinreichend Aufſchluß gewährten, daß ich ſie ohne Gefahr geben könnte, wenn zufälliger Weiſe die Unterhaltung es mit ſich brächte, machten, daß ich meine vollkommene Ruhe wieder gewann. Nach und nach ſammelten ſich arme Bauern um uns, welche die Angſt vor den Armeen von ihrem Herde vertrieben hatte, und die ſich nun beeilten, ihn mit ihren Kindern auf den Ar men wieder aufzuſuchen. Die einzelnen Reden, welche ich von dieſen guten Leuten erlauſchte, unterrichteten mich theilweiſe von dem, was ich wiſſen mußte. Sie beſtätigten meine Anſicht, die ich mir vom geſtrigen Tage und ſeinen Folgen gemacht hatte, und zeigten mir die Unmöglichkeit, wieder zu den Trümmern der königlichen Armee zu ſtoßen, und die Nutzloſigkeit eines Beſtrebens, welches, im Falle des Gelingens, am Ende zu nichts gedient hätte, als ihren Rückzug mit einem Proſcribirten weiter zu beſchweren. Sie trugen dazu bei, mich das Glück um ſo höher an ſchlagen zu laſſen, für einige Tage eine Freiſtätte zu finden, bis ſich mir eine günſtigere Gelegenheit darbieten

dürfte, zu meinen unglücklichen Kameraden zu ſtoßen; das

Glück, mich überdieß in Herrn Aubert's Hauſe zu befin den, deſſen edlen Charakter einige Umſtände meinen Augen noch deutlicher zeigten. Denn aus Allem, was ich hörte, ging hervor, wie ich auch gleich von Anfang an vermuther hatte, daß Herr Aubert, welcher ſich aus Mangel an ge höriger Ueberlegung oder Begeiſterung den erſten Bewe gungen der Revolution angeſchloſſen hatte, ihrem Fort gange aus Gründen der Vernunft und Tugend gefolgt war, um wenigſtens einigen Nutzen von dem gerechten Einfluſſe zu ziehen, den ſein gerades, gefühlvolles Gemüth auf die blinde Menge ausübt, und um ſo lange als mög lich ſich jener leicht vergänglichen Volksthümlichkeit, die man ſich nur durch Uebermaß forterhalten kann, zu be dienen, um einigen Unglücklichen Hülfe zu leiſten und ſie

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zu retten. Bis jetzt hatte ich dieſe Art von Aufopferung und Muth nicht unter die Tugenden gezählt, welche der Menſchheit Ehre bringen, aber von nun an war ich völlig geneigt, ſie zu würdigen. Ich dachte mir ſogar, daß ſie ſich vielleicht weniger ſelten vorfinden, als man im erſten Augenblicke zu glauben geneigt ſei, daß es in den Reihen der Böſen viele Menſchen geben möchte, welche mit dieſen nur durch ein Uebermaß von erhabener Selbſtverläugnung vermiſcht blieben, und daß, wenn man die aus Irrthum oder Schwäche fehlenden abzöge, wahrſcheinlich wenige durchaus Böſe, im ſtrengen Sinne des Wortes, übrig blieben. Dieſe Gedanken beruhigten mein Herz; ſie ver ſüßten mir das Gefühl, noch zu leben, warfen einen Reiz auf alle die Eindrücke, welche äußere Gegenſtände auf mich machten, und die Empfindung des Wohlbehagens, welches meinen Buſen bewegte, vermehrte ſich noch beim Anblicke des kleinen Hofes von Sancy. Nie hatten meine Augen auf einem angenehmern Bilde geruht! Wahrlich! ſelbſt heute noch empfinde ich ein gewiſſes Vergnügen da bei, es mir in's Gedächtniß zurückzurufen, wie wenn mein Daſein von da anfinge, als ich es das erſte Mal ſah, und als wenn das, was ſeither geſchehen iſt, noch der Zukunft angehörte.

Sancy beſteht nur aus drei oder vier Häuſern, unter welchen ſich das des Herrn Aubert durch ſeine vier weißen Kamine und die Große ſeiner Gärten auszeichnet. Man gelangt auf einem ſich ſchlängelnden Fußwege dahin, der in einen kleinen felſigen Abhang, nur für eine Perſon gangbar, eingeſchnitten, aber ſehr maleriſch iſt, indem eine Menge zerriſſener Felsblöcke, unter den bizarreſten und mannichfaltigſten Formen ſich dem Auge darſtellen. Einige Brombeer⸗, Stechpalmen-, Wachholderſträuche und Mooſe von verſchiedenen Schattirungen ſind die einzige Vegetation, welche man während des größten Theiles des Jahres da ſelbſt bemerkt, aber im Fruͤhjahre gleicht ſie ihre gewöhn liche Armuth durch eine ganz außerordentliche Verſchwen⸗ dung aus. Sie bringt Veilchen, gelbe Schlüſſelblumen, und eine unzählige Menge jener hübſchen Windröschen hervor, die nur an ſchattigen Orten gern und unter dem Schutze feuchter Felſen leicht fortkommen. Dieſer Schmuck verſchwindet bei den erſten heißen Strahlen der Maiſonne. Auf dem Gipfel des Berges, auf einem grünen freien Platze, von welchem ſich das Auge weit auf köſtliche Ge filde verirrt, erhebt ſich ein ſteinernes Kreuz, welches man zwar ſchon wanken gemacht, aber noch nicht zum Fallen hatte bringen können, denn es ſtand feſt zwiſchen Steinen, an welche ſein Fundament durch feſte eiſerne Bande be feſtigt war, und ſenkte ſich ſo weit vor, daß es, von unten betrachtet, gerade über dem jähen Sturze des Abhanges zu hängen ſchien, ſo daß es zugleich einen ſonderbar wil den Eindruck, und den Eindruck einer wunderbaren Ruine hervorrief. Ein niedliches Bächlein, welches zwiſchen zwei Reihen Weiden dahinfließt, und eine Viertelſtunde weiter unten in die Sarthe ſich ergießt, bewäſſert den Fuß des Hügels, um den es rings herumfließt, und deſſen ſtumme Einſamkeit es durch ſein Gemurmel belebt. Jenſeit deſſel ben breiten ſich lachende Felder aus, ſtreckenweiſe durch die zierlichſten, mit Gehölz bewachſenen Hügel, oder durch einzelne Baumſchläge unterbrochen, welche grünen Inſeln gleich, aus der Landſchaft hervorragen. Das entzückte Auge, welches in dieſem wilden und doch ſo harmoniſchen Umkreiſe umherſchweift, begegnet hie und da der glänzen den Silberſpur des Bächleins oder des Fluſſes, welche jeden Augenblick von anderen Gegenſtänden unterbrochen wird, und ſo den Anſchein zerſtreuter Seen hervorbringt, welche in den Proſpekt aufgenommen worden zu ſein ſcheinen, um die Mannigfaltigkeit deſſelben zu vermehren.

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