Ausgabe 
12.11.1853
 
Einzelbild herunterladen

1

2357

früher vergeblich gekingelt, ſaß, als der Oelner in's Schlafzimmer trat, aufgerichtet im Bette, roth wie ein welſcher Hahn vor Zorn, die Kolleradern angeſchwollen wie Peitſchenrieme, und donnerte ihn mit ſeiner Löwen ſtimme an 5Ihn ſoll ja das Donnerwetter, ſchon drei mal hab' ich geſchellt und Er fauler Racker ſchläft ſtatt zu wachen, und kömmt nicht; Er iſt nicht mehr werth als ich ſchieß' Ihn nieder. Zugleich ergriff er eine der ge⸗ ladenen Piſtolen, die immer vor ihm auf dem Tiſch lagen, ſpannte den Hahn, und legte auf Oelner an. Der aber hatte im ſelben Momente die andere ergriffen, hielt ſie ebenſo ſchußfertig dem Herrn entgegen, und ſagte ganz kaltblütig:Jetzt treffen aber Ihre Durchlaucht, denn ich werde nachher nicht fehlen. Geſchlafen hab' ich nicht, ob⸗ gleich ich ſeit drei Wochen kein Bett geſehen, und kaum zwei Stunden täglich Morgens auf dem Stuhle ſchlum⸗ mern können. Da legte der Prinz, der während dieſer Rede ſeine Augen immer weiter geöffnet hatte, ſo daß man ringsum das Weiße ſah, die Piſtole wieder langſam auf den Tiſch nieder. Der Kammerdiener that daſſelbe, machte eine halbe Schwenkung zur Thüre hinaus, in's Vorzimmer zurück, ließ einen andern Diener an ſeine Stelle rufen, und ging nach Hauſe.

Am andern Tage ließ ihm der Prinz ſagen, er ſolle kommen, da kam er auch, aber nur um ſeinen Ab ſchied einzureichen, mit den Worten:Ihre Durchlaucht ſind hitzig, ich bin hitzig, da möcht's einmal ein Unheil abſetzen, denn ich hab' Ehre im Leibe, und die Furcht verlernt beim großen Preußenkönig. Er erhielt aber erſt ein Jahr ſpäter ſeinen Abſchied und die Poſtmeiſter⸗ ſtelle, mit beigefügter Erlaubniß als ehemaliger Hofchirurg öffentlich zu prakticiren.

So geht's in der Welt, und ſo ſind die großen

Herren, oder ſo waren ſie, denn jetzt moͤcht ich dem Oelner

nicht rathen, noch einmal auf ſolche Art ſich Genugthuung zu nehmen wie damals.

Monatsbericht der Blinden-Anſtalt zu Friedberg.

Für alle Gaben, die uns im Monat Oktober zugegangen find, ſagen wir hiermit den herzlichſten Dank. Außer den Naturalien gingen 486 fl. ½ kr. ein. Die Ausgabe betrug 530 fl. 28/ kr. Die Mehr- ausgabe haben wir entliehen, um allen Anforderungen zu genügen. Das Meiſte dieſer Summe floß in die Baukaſſe. Die Bauſchulden ſind der Grund, warum es uns immer, auch bei den beſten Einnahmen an Geld gebricht. Noch haben wir 477 fl. 33 kr. Baukoſten zu bezahlen und dann wird vollſtändige Rechnung über den Hausbau abgelegt wer den. Das Haus ſelbſt gehört den Aktionären ſo lange, bis dieſelben durch Rückzablung der Aktien befriedigt ſind, und alsdann gehört es nicht dem Vorſteher, wie Einige böswillig ausſprengen, ſondern der Blinden⸗Anſtalt, als milde Stiftung, die bis dorthin Cor⸗ porationsrechte haben wird. Vor der Hand mußte jedoch der Unter- zeichnete alle Verpflichtungen übernehmen, um den Aktionären Garantie zu bieten. Alle weitere Auskunft ſind wir jedem Berechtigten mit Vergnügen zu geben bereit. Unſere ſämmtlichen Bücher liegen zu Jedermanns Einſicht offen.

Friedberg den 1. November 1853. J. P. Schäfer, Vorſteher.

Guſtav-Adolf-Stiftung.

Wegen unvorhergeſehen eingetretener Hinderniſſe konnte die Jahresverſammlung unſeres Wetterauer Zweigvereins in dieſem Herbſte nicht mehr, wie es anfänglich beſtimmt war, in Kaichen abgehalten und mußte für das kommende Frühjahr verſchoben werden. Indem wir dieß den, Gliedern des Vereins hierdurch kundgeben, bitten wir zugleich die Vorſtände der einzelnen Ortsvereine, nunmehr für die Er hebung der Beiträge für 1853, ſoweit dieſelben nicht ſchon Statt gehabt, gütige Sorge tragen zu wollen. Herr Apotheker Wahl verſieht fortwährend in gewohnter Un eigennützigkeit die Geſchäfte des Caſſirers.

Der Vorſtand des Wetterauer Zweigvereins der 4 Guſtav⸗Adolf⸗Stiftung

Sell. Dr. Matthias.

Dr.

n 1

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

NN ν e N

Anlehen der Stadt Alzey. (1732) Bei heutiger Verlooſung find die Nummern 33, 40, 57, 59, 61, 88, 92, 93, 100, 115, 126, 133, 137, 138, 141, 143, 147, 151, 152, 172, 186, 196, 200, 204, gezogen worden und können die Beträge ſowobl bei der Stadtkaſſe hier, als auch bei dem Banquier⸗ hauſe J. Lindheimer in Frankfurt a. M. am 1. Januar 1854 in Empfang genommen werden.

Alzey den 15. September 1853.

Der Großherzogl. Bürgermeiſter

Se ü beer k.

Hie fer un g von ledernen Feuereimern und Spritzenſchläuchen für die Gemeinde Stammheim. (1740 Freitag den 18. d. M., Vormittags 10 Uhr, ſoll auf dem Gemeindehaus dahier die Anfertigung: a) von 50 Stück ledernen Feuer⸗ eimern, veranſchlagt zu b) von 100 laufende Fuß lederne Spritzenſchläuche, veranſchlagtzu 60 fl. öffentlich an den Wenigſtfordernden in Accord gegeben werden. Stammheim den 4. November 1853. Der Großherzogl. Bürgermeiſter Pauly.

Bekanntmachung.

117435) Alle diejenigen, welche aus der 18531 Erndte noch Holz im Wickſtädter Walde ſitzen

125 fl.

haben, werden hiermit aufgefordert, ſolches um ſo gewiſſer binnen 8 Tagen entweder abzufah⸗ ren, oder deſſen Betrag an den Rechner Veith zu Wickſtadt zu entrichten, als nach Ablauf dieſer Friſt eine nochmalige Verſteigerung vorgenom⸗ men werden wird. Forſthaus Beinhards am 10. November 1853. Der Gräfl. Revierförſter Hartmann.

Verſteigerung alter Baumaterialien.

(1746 Mittwoch den 16. d. M., Vormit⸗ tags 10 Uhr, ſollen in dem Zuchthauſe zu Marienſchloß nachſtehende alte Baumaterialien gegen gleichbaare Zahlung meiſtbietend verſtei⸗ gert werden:

1) Ein hölzernes Hofthor von 168 Zoll Breite und 128 Zoll Höhe.

2) Eine Pumpe mit hölzernem Steigrohr, gußeiſernem ausgebohrtem 26 Pfund ſchwe⸗ rem Stiefel, bleiernem 142 Pfund ſchwe⸗ rem Saugrohr und ſchmiedeiſernem Schwen⸗ gel, Arme, Ringen und Kolbenſtange, zu⸗ ſammen 86 Pfund wiegend.

3) Eine Pumpe mit hölzernem Steigrohr, gußeiſernem 26 Pfund ſchwerem Stiefel, bleiernem 98 Pfund ſchwerem Saugrohr, ſchmiedeiſernem Schwengel, Arme, Ringen und Kolbenſtange, zuſammen 75 Pfund ſchwer und einem kupfernen Ausgußrohr.

4) Ungefähr 36 Centner Gußeißen(alte Oefen).

Gießen den 8. November 1853.

Gr. Kreisbauamt Gießen Holzapfel.

8 D 8 W 2

8 ne 0

Arbeits-Verſteigerung.

(1747) Montag den 14. November l. J., Vormittags um 10 Uhr, ſollen verſchiedene Bau⸗ arbeiten am Schulhauſe zu Oberrosbach, be⸗ ſtehend in Maurer-, Schreiner- und Pflaſter⸗ arbeit, ſodann die Lieferung von 860 Stück Backſteinen, auf dem Rathhauſe daſelbſt an den Wenigſtnehmenden verſteigert werden. Oberrosbach den 9. November 1853. Der Großherzogl. Bürgermeiſter Blecher.

N

Privat Bekanntmachungen. Ein Logis, (1709) beſtebend in 5 heizbaren Zimmern, 3 Kammern, Küche, Waſchküche, Keller zc. iſt zu vermiethen und kann bis den 1. Februar k. J. bezogen werden bei W. Hanſtein,

Friedberg. Wagnermeiſter.

Anlehen der Landgräfl. Reſidenzſtadt Homburg v. d. Höhe.

(1786) Von dem unterm 1. Juli 1847 bei Simon Lindheimer zu Friedberg negoctirten An⸗ lehen find folgende Obligationen, No. 21 a fl. 300. No. 51 u. 55 à fl. 100. fl. 200.

fl. 500. zur Rückzahlung auf den 1. Januar 1854 gezogen worden und können die Beträge zur Verfallzeit an meiner Caſſe in Empfang genom⸗ men werden. Frankfurt a. M. den 1. November 1853. J. Lindheimer.