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ſchlechter Ordinari-Wägen, deſto mehr verdiente der Poſt⸗ halter. Der alte Oelner wollte ſeinen wilden Jungen zum Nachfolger im Amte haben, dem aber ſtack das Sol⸗ datenleben im Kopfe, und weil jedesmal der Alte tobte wie ein Löwe, wenn er davon anfing, gab der Sohn vor, er wolle Mediein ſtudiren.
Endlich erlaubte das der Alte. Das Studentenleben gefiel auch dem Herrn Sohn gut genug, ſo daß er drei Jahre in Jena herumtollte, das ſchwarze und weiße Köſt⸗ ritzer vom Lichtenhainer Bier beſſer unterſcheiden lernte als Muskeln und Bänder, und bald den Stoßdegen und Hieber beſſer handhabte, als die Lanzette oder den damals noch gebräuchlichen Aderlaßſchnepper. So lange der Alte Geld ſchickte, that es gut. Als er aber gar zu viel brauchte, ſchickte er einmal am Ende des Semeſters kein Geld, ſondern nur eine tüchtige Strafpredigt. Das ver- droß natürlich den Herrn Sohn ſo, daß er ſeinem Alten durch die Lappen ging und ſich bei den Preußen anwerben ließ, als der ſiebenjährige Krieg eben angefangen hatte. Der alte in Eisfeld, als er es hörte, wollte hauen und ſtechen, und fing ſelbſt einen ſiebenjährigen Krieg in ſeinem Hauſe darüber an, half aber nichts mehr, der Junge war einmal und blieb Soldat. Doch hatte er bei all dem wüſten Studentenleben noch ſo was von der Baderkunſt weggeſchnappt, und manchmal an verwundeten Soldaten probirt, drum wurde er bald Feldchirurg. Als Poſthalters— ſohn ritt er ſchon von Haus aus wie der Teufel, drum kam er zum alten Ziethen unter die ſchwarzen Huſaren. Er hätte nun als Chirurg eigentlich bei den Herren Stabs— offtzieren, der Feldmuſik und Bagage hinter der Front bleiben können, allein der Teufel hatte ihn immer vorn unter den Freiwilligen, wenn der Tanz los und es zum Einhauen ging. Erſt wenn ſchon genug Verwundete hinter die Fronte getragen waren, ließ er ſich zurück zum Chi⸗ rurgendienſt beordern. Aber auch das Geſchäft ging ihm raſch von der Hand, er handirte mit dem Verbindezeug ſo geſchickt und glücklich im Feld und den Spitälern, daß der alte Fritz, dem ſchon ſeine kriegeriſche Hitze, Uner— ſchrockenheit und Geiſtesgegenwart bekannt geworden, ihn bald auszeichnete, öfter mit ihm ſprach und zuletzt zum Oberfeldſcheer des Regiments machte. Mein Schwager ſchämte ſich aber auch nicht, überall wo es Gelegenheit gab, etwas zu lernen, und ſollte es von einem Curſchmidt, einem Scharfrichter oder einer alten Frau ſein, wenn ſich das Mittel nur bewährte. Einmal anf dem Rückzug nach der Schlacht von Collin, wo Huſar und Feldſcheer genug zu thun gehabt, ging's etwas drunter und drüber. Die Reiterei war in der Nacht durcheinander gerathen. Mein Schwager war auf ſeinem Gaul eingeſchlafen, und ſo ritt denn der Herr Oberfeldſcheer bald mitten unter der Be— gleitung des Königs, dicht neben ihm, ohne es zu wiſſen, mit fort. Ein General wollte ihn wecken, der alte Fritz aber, der es bemerkte, hielt ihn ab und ſagte:„Laß Er's nur, der hat heute gut mitgearbeitet, wiewohl auch um— ſonſt, und doppelt ſo viel wie wir, auch verſäumt er nun nichts mehr, denn ſeine Bleſſirten werden, der Dewel hole mir! von den Oeſtreichern verbunden.“
Als der Tag kam, ſchlug der König dem Oelner mit der Hand auf die Schulter und ſagte, als der erſchrocken vom Schlafe auffuhr, die Augen mit dem Aermel aus— wiſchte, und dann doppelt ſo weit aufriß, als er den König neben ſich ſah:„hat Er endlich ausgeſchlafen, junger Fleiſchhacker und Hautflicker! nun ich wollte, ich könnte wieder einmal ſo ſanft im Bette ſchlafen, als Er auf ſeinem Gaule, nun reit Er aber wieder zum Regi— ment an Seinen Poſten, Adieu!“ Das Wort war dem Oelner lieber, als hätt' ihm der alte Fritz einen Beutel
voll Dukaten geſchenkt. der alte Preußenkoͤnig.
Endlich war der Krieg vorbei. Der Oelner bekam einen ehrenvollen Abſchied, mit der beſonderen Bemerkung, daß es ihm auch nach Jahren noch frei ſtehen ſolle, in jedem Regimente mit gleichem Rang und Gehalt wieder einzutreten. Da kam er denn wieder nach Eisfeld. Es war ein herrlicher Hufar, mein Schwager, groß und wohl— gebaut, von der Sonne gebräunt und rothwangig. Er kam mit voller Uniform, und der große, gedrehte ſchwarze Schnurrbart ſtand ihm gar gut. Ich meine, ich hätte mein Lebtag keinen ſchmuckern Burſchen geſehen. Jetzt bin ich eine alte ſiebenzigjährige Wittwe, und kann's wohl ſagen, wenn's auch die Schlingel, meine Söhne, hören, ich ſah ihn damals ſo gerne als meine Schweſter, die er bald darauf heirathete.
Damals war der Lakaiendienſt die erſte Staffel zu jedem andern. Alles ging vom Hofe oder vom Stalle aus, nämlich vom Marſtall des Fürſten. Die beſten Schulmeiſterſtellen kamen an gewöhnliche Bediente, die ſchlechten wurden an alte abgedankte Soldaten vergeben. Der niederſte Bediente konnte vom Klingelbeutelträger an der Schloßkirche zum Küſter, und von da zum Stadt— bürgermeiſteramte, oder er konnte vom Schreiber zum Kanzelliſten und Kammerrath mit Sitz und Stimme im Verwaltungs-Collegium emporſteigen. Der Stalljunge avancirte zum Stallknecht, dann Vorreiter, Bereiter und Stallmeiſter, bis zur Mignonſtelle an der Seite des Herrn.
Ein anderer guter Bekannter war ein tüchtiger Or— ganiſt und Muſikus, der bei dem weltberühmten Se— baſtian Bach, dem großen Componiſten, in Leipzig in der Lehre geſtanden hatte, mußte aber, um Dirigent der fürſtlichen Kapelle und Hoforganiſt zu werden, ſich um die Kammerdienerſtelle zugleich bewerben, die er auch bis an ſein Ende verſah. So auch mein Schwager der Poſt⸗ meiſter: ſo widerwillig er darüber ſeinen Schnurrbart auf und abdrehte, mußte er, um Leibchirurg zu werden, den Kammerdienſt zugleich mit übernehmen, bei dem wilden Prinzen und damaligen Vormund-Regenten Joſaphat. Dieſer Herr war früher kaiſerlicher Feldmarſchall, und der großen Maria Thereſia Liebling, hatte die Kriegsſchule im Türken⸗ und Franzoſenkriege unter dem Kriegsfürſten Eugenius mit durchgemacht, und kommandirte im ſieben⸗ jährigen Kriege nach der Schlacht bei Roßbach die Reichs— armee, die bei den gemeinen Leuten die Reißaus-Armee hieß. Es war eigentlich ein guter, freigebiger Herr, aber manchmal aufbrauſend und jähzornig wie's Gewitter. Der Oelner war ihm bald unentbehrlich, mußte ihn auf all die prächtigen Jagden begleiten, von denen die luſtigſte die war, wo die Sauen, jede einen ausgeſtopften Juden, mit langem Flachsbart, das Schwänzlein ſtatt Zaumes haltend, verkehrt auf ſich ſitzen hatten, und ſo durch einen großen Teich geſetzt, während des Darüberſchwimmens niedergeſchoſſen wurden, und ungemeines Gelächter er— ſcholl, wenn ein Schütze den Juden ſtatt des Wildſchweines getroffen. Nun meine Rede nicht zu vergeſſen; der Her— zog Joſaphat war einmal lange unwohl, und litt be— ſonders an Schlafloſigkeit. Mein Schwager mußte da mehrere Wochen lang bei Tag und Nacht Dienſte thun, und ſuchte nach ſeiner Art eine Ehre darin, immer wach und munter zu ſein. Durch Kaffee und andere Mittel
Es war doch ein einziger Herr,
wurde er auch des Schlafes Herr, wurde aber nach und nach, von dem vielen Wachen, ſehr gereizt und ärgerlich. In einer Nacht war's gar arg. Schon ſechs- bis ſieben— mal war er bei dem Herrn geweſen, und hatte noch keine halbe Stunde geſeſſen, da ſchellte es wieder heftiger als Der Prinz vielleicht hatte geträumt, er habe
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