Kellnerin. In dieſem Augenblicke kömmt auch der Burſche herein und übergibt dem Mädchen einen Brief. Sie wirft einen fluͤchtigen Blick auf die Adreſſe und ſteckt den Brief ohne ein Wort zu ſagen, hinter den Spiegel über dem Kamin.

Was war nun zu thun? Ich grübelte, ſchielte nach der Stelle, wo der intereſſante Brief ſtack, ich ſchlürfte Schluck für Schluck mein Glas Grog aber meine Er findungsgabe blieb unfruchtbar. Jetzt verlange ich ein Zimmer; doch es war Markttag und Alles beſetzt. Ich mußte mich demnach anderswo einquartieren. Nichts deſtoweniger machte ich imWarwick-Wappen häufige und lange Beſuche. Der Brief hatte noch immer ſeinen alten Platz. Endlich hatte ich das unthätige Warten überdrüſſig und ſchrieb ſelbſt an Herrn Pigeon; nur daß ich, anſtatt Thomas P., John P. auf die Adreſſe ſetzte. Am anderen Morgen, es war ein entſetzliches Regen wetter, lauerte ich auf den Briefträger und ſehe ihn end lich, meinen Brief in der Hand, in's Hotel hineingehen. Wohnt hier ein Herr John Pigeon? fragt er, als ich mit ihm in den Saal trat.Nein, antwortet die Kellnerin,doch... warten Sie einen Augenblick. Sie lauft aber zum Spiegel und holt den Brief hervor.Der

iſt es nicht meint ſieer heißt Thomas; aber thun Sie mir den Gefallen, dieſen Brief hier mit auf die Poſt zu nehmen.Sehr gern, erwidert der

Briefträger und nimmt das Schreiben, nachdem es von der Kellnerin neu couvertirt worden war.

Dießmal war mir's leicht, die Adreſſe meines Mannes zu erfahren. Die Aufſchrift lautete: Thomas Pigeon, poste restante in R... Northamptonſhire. Ich eile nach dem Orte und halte wiederum Wache auf dem Poſtamte. Am vierten Tage endlich kömmt ein Burſche zu Pferde und fragt nach Briefen für Thomas Pigeon. Woher kömmſt Du? fragt man ihn zurück.Aus der neuen Herberge bei R... Der Brief wird ihm ein gehändigt, und der Bote reitet in kurzem Galopp davon. Ich erfahre durch eingezogene Erkundigungen, daß die neue Herberge ein einzeln ſtehendes Haus, eine Meile von der Eiſenbahn iſt. Ich begebe mich dahin und finde in der erſten Stube Niemanden als die Wirthin. Ich knüpfe mit ihr ein Geſpräch an, frage wie die Geſchäfte gehen, ſpreche vom guten und ſchlechten Wetter, als ploͤtz lich eine Seitenthür geöffnet wird in einer Art Küche drei Männer, am Heerde ſitzend und in einer Unterhaltung be griffen, ſichtbar werden. Einer von den Dreien ſtimmt zu dem Signalement, das man mir von meinem Pferde diebe, Herrn Tally-ho-Thompſon, gegeben hatte. Ich trete ohne Umſtände ein, ſetze mich zu den Männern und verſuche den Angenehmen zu ſpielen. Indeſſen ſind ſie auf ihrer Hut und ſcheinen feſt entſchloſſen, im Schweigen zu verharren; nur dann und wann bedenken ſie mich mit einem argwöhniſchen Blicke. Ich ſehe ſie mir genau an, ſie ſcheinen mir um Vieles ſtärker als ich; dazu die ein ſame Lage des Wirthshauſes, die Entfernung von der Eiſenbahn, das Herannahen der Nacht kurz, die Sache mußte entſchieden werden, oder ich gerieth in keine kleine Gefahr.

Wie ich ſo nachdenkend vor dem Feuer ſaß, ſtand

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derjenige von den Dreien, den ich für den fraglichen Thompſon hielt, auf und ging hinaus. Ich hatte den Spitzbuben nie geſehen und, um ſeine Identität feſtzu⸗ ſtellen, mußte ich ihm folgen, ihn bei'm Kragen faſſen und ihn geradezu bei ſeinem vermeintlichen Namen nennen. Der Zufall wollte, daß er einmal mit einem Polizeibe amten aus Northampton zu thun gehabt, der, wie ich, mit Pockennarben gezeichnet war. So kam es, daß Thompſon mich für jenen anſah. Ich fand ihn in Unter haltung mit der Wirthin, klopfte ihm auf die Schulter und ſagte:Geht, Tally⸗ho-Thompſon, macht keine Kin dereien. Ich weiß, wer Ihr ſeid; ich bin Polizeibeamter aus London und nehme Euch in Haft wegen Diebſtahls, und nun, mein Lieber, macht Euch fertig, wir gehen mit ſammen.Hol' Euch der Teufel! war Thompſon's ganze Antwort.

Als wir zu den Uebrigen zurückkehrten fand ich die ſelben nicht zum Frenndlichſten gegen mich geſtimmt.Laßt Thompſon in Ruhe, ſagte der Eine,was habt Ihr vor mit ihm?Was ich mit ihm vorhabe? Ich nehme ihn heute Abend mit nach London, ſo wahr als ich lebe. Und dann müßt Ihr wiſſen, liebe Lente, daß ich draußen

Verſtärkung habe. Miſcht Euch alſo nicht in meine An-

gelegenheit; es wäre das ſehr thöricht von Euch, denn ich kenne Euch in- und auswendig Nun hatte ich ſie zwar niemals geſehen; aber mein Großthun imponirte ihnen, und ſie ließen Thompſon ruhig ſein Bündel ſchnüren. Noch aber war ich wenig geſichert. Wie, wenn die beiden Männer unter dem Schutze der Nacht über mich herfielen und mir meinen Pferdedieb entführten? Ich wandte mich demnach an die Wirthin.Wie viel Männer habt Ihr im Hauſe? fragte ich.Gar keine, erwiderte ſie in mürriſchem Tone.»Wie, nicht einmal einen Stallbuben? Allons, Madame, keine Umſtände, ſchicken Sie mir den Hausknecht; ich habe keine Zeit zu verſäumen. Der Hausknecht, ein ſtaͤmmiger Burſche, tritt ein.Gebt wohl Acht, mein Freund, ſage ich zu ihm,ich bin von der Londoner geheimen Polizei; der Mann hier heißt Thompſon und iſt von mir wegen Diebſtahls verhaftet. Nun fordere ich Euch auf im Namen der Königin, mir Hülfe zu leiſten bei ſeinem Transport nach dem nächſten Bahnhof. Seht Euch vor, wenn Ihr mir nicht beiſteht; es könnte Euch ſchlimm bekommen. Nie vormals hatte ich ein ſo verblüfftes Geſicht geſehen als das des Stall buben in jenem Augenblicke. Nach dieſer Seite hin ſicher, rief ich:Nun auf, Thompſon, es wird ſpät, und bei dieſen Worten ziehe ich die Handſchellen aus der Taſche. Weg da mit dem Spielzeug, ſchreit er.Nein, bei meiner Mutter Seele, Ihr werdet ſie mir nicht anlegen. Ich folge Euch ruhig, aber ohne Schellen.Thomp ſon,, ſage ich,gebt ihr mir Euer Wort, Euch wie ein honnetter Burſche zu betragen, ſo laſſe ich Euch die Hände frei. Wie Ihr zu mir, ſo will ich zu Euch ſein. Bleibt's dabei?Ja,, antwortete der Gefangene, leerte ein Abſchiedsglas mit ſeinen Gefährten, und am nächſten Morgen ſaß er unter Schloß und Riegel in Newgate. Er wurde zwar wegen mangelnden Beweiſes freigeſprochen; ich höre jedoch, daß er mich in den Himmel hebt und ein Muſter von Polizeibeamten nennt.(Schluß folgt.)

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

MN

Garten ⸗Verſteigerung.

(98) Dienſtag den 8. März d. J., Vormit⸗ tags 11 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe ein zum Nachlaß der bier verſtorbenen Adolph Jungs Wittwe gehörendes Gründſtück:

Gemarkung Stadt Friedberg: Pag. 122 No. 5 25 Ruthen Garten in den Liebfrauengärten, öffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg den 19. Januar 1853. In Auftrag Großh. Heſſ. Landgerichts Der Großherzogl. Bürgermeiſter Bender.

Güte der ſte iger un g.

(126) Dienſtag den 15. März, Morgens um

11 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe nach⸗

ſtehende in hieſiger Gemarkung liegende zwei

Grundſtücke meiſtbietend verſteigert, als:

Pag. 447 Nr. 11 186 Ruthen= 363[◻Klftre im Großgalgenfeld beim Dachs⸗ pfad an Wilhelm Reuß Jun., gibt 37 kr. Tilgungsrente,

dem hiefigen 100

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