Ausgabe 
12.1.1853
 
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in der Hand und es war unverkennbar, daß er ſich zu faſſen ſuchte. Endlich ſchlug er das ſchöne Auge auf, das von Thränen feucht war.

Signor, ſagte er, und ſeine Stimme wankte, Ihr waret uns kein Fremder, nein, Ihr habt, als ich fern war, wie ein Vater für meine gute Schweſter geſorgt; Ihr habt uns große Wohlthaten erwieſen das kann ich nicht vergelten; aber Gott wird es und wir werden alle Tage fur Euch beten. Vergeßt uns nicht! Unſer Dank iſt ewig. Alle Heiligen ſeien mit Euch! Er reichte mir ſeine braune Hand, drückte die meine und rannte dann weg.

Ich trat zum Fenſter und ſah, wie er ſeine Thränen trocknete und, Sie werden es mir wohl glauben, auch ich zerdrückte eine. Am Nachmittage ordnete ich Alles zur Abreiſe; allein mein Paß forderte noch die Viſa des Ge ſandten, und die konnte ich erſt am andern Morgen ein holen. Zum Glück ging der Dampfer erſt am Abende dieſes Tages nach Livorno ab, wohin ich zunächſt wollte, um den Winter dort zuzubringen.

In Gedanken an das Geſchwiſterpaar und ſeine reiche Liebe ſchlief ich ein. Ich malte mir die Scene, wenn nun Annunciata ihm die Documente einhändi⸗ gen würde, lebhaft aus, und ſelbſt im Traume ſpann ſich der Faden fort.

Ich erwachte frühe, kleidete mich an, um zeitig in das Hotel des Geſandten zu gehen, und war eben be ſchäftigt, mir auf meiner Spiritusmaſchiene den Kaffee zu bereiten, als ich mehrere Perſonen die Stiege herauf ſtürmen hörte. Meine Thüre wurde aufgeriſſen, und mit dem jubelnden Ausruf:»Da iſt er noch! ſtürzte An⸗ tonio herein, und ihm ſolgte Annunciata auf dem Fuße.

Sie ſtürzten zu meinen Füßen und umklammerten meine Kniee. Strome von Thränen entrannen ihren Augen. Selbſt der Kellner, der ſie vergeblich hatte ab⸗ halten wollen, in mein Gemach zu dringen, ſtand gerührt in der Thüre.

Es koſtete mich Mühe, ſie aufzuheben. Von dem Danke Beider will ich nicht reden; aber glücklichere, ſeligere Menſchen ſah ich nie. Sie blieben bei mir, bis ich den Dampfer beſtieg, und es war gerade Zeit für mich, denn Antonio erzählte Alles den Umſtehenden, deren Evivas ich noch lange hörte, ſelbſt durch das Brau ſen der Räder. Als aber das verhallt war, ſah ich noch mit Rührung, wie zwei rothe Tücher in der Luft ſchwenk ten, und ich antwortetete vom Radkaſten mit meinem Gegengruß.

Thornton ſchwieg. Ich drückte ſeine Hand und ſagte: Sie haben den reichſten Segen einer echten Wohl⸗ that geärntet! Und auch das waren Italiener! ſagte er.

Miscellen.

Ein Bauer ging neben einem einrückenden Bataillon Soldaten her, und hielt ſich beſonders nahe zur Muſik, weil ihm das kriegeriſche Geſchmetter der Trompeten un⸗ endlich wohlgefiel. Eine Weile ſah er einem Trompeter zu, der mit aufgeblaſenen Backen und immer röther werdendem Geſichte ſein Inſtrument auf und nieder zog, und glaubte endlich, der arme Mann bemühe ſich vergeblich, das untere Ende heraus zu ziehen. Da ſchreit er:Dat möß doch met den Düwel to gohn, wenn dat öͤſige Ding nich herut wöll!l,, reißt mit einem kräftigen Ruck das Ende heraus und überreicht es freundlich dem erſtaunten Trompeter.

Ein reiſender Kaufmann ging bei ſeiner Ankunft zu Darmſtadt in die Kirche, und fragte einen neben ihm ſte⸗ henden Handwerksmann, was man eben für ein Lied ſinge

Da er ihm jedoch nahe dabei auf den Leib gerückt war, und etwas auf die Zehen getreten hatte, ſo ſagte dieſer unwillig:Tret der Herr auf ſeine Fuße. Und der Kaufmann ſuchte ſogleich dieſen Text in ſeinem Geſang buche auf.

Ein höflicher Maun ſchrieb am Schluſſe ſeines Brie fes:Entſchuldigen Sie, wenn ich Ihnen bei der drücken⸗ den Hitze in Hemdärmeln ſchreibe.

Kirchenbuchs-Auszug vom Monat Dezbr. Friedberg. n

19. Joh. Michael Jung, Bürger und Saamenhändler da⸗ hier, ein Wittwer, und Anna Eliſabetha Habermehl, der Maria Eliſe Habermehl aus Schellnhauſen, ſpäter verehlichten Theis zu Elpenrod außerehlich geborne unverheurathete Tochter.

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7. Dem Ortsbürger zu Rockenberg und Handarbeiter dahier Heinrich Wahl ein Sohn, Karl Friedrich Chri ſtian Hermann, geb. den 16. Nov.

16. Dem Bürger zu Großbieberau und Portier an hieſiger Eiſenbahn Joh. Friedrich Storck eine Tochter, Maria Barbara, geb. den 3. Dezbr.

26. Dem hieſigen Bürger und Taglöhner Thomas Becker II. ein Sohn, Chriſtian Thomas, geb. den 24. Nov. Nachtrag zum Monat Juli 1852.

25. Dem hieſigen Bürger und Schloſſer an der Eiſenbahn zu Gießen Martin Gerſtenmayer ein Sohn, Friedrich Karl Chriſtian Franz, geb. den 6. Juli.

25. Dem hieſigen Bürger und Zeugſchmiede Johannes Fill⸗ mar eine Tochter, Anna Maria, geb. den 15. Juli.

Birr digte 1. Der hieſige Bürger und Bäckermeiſter Karl Chriſtian Graff, alt 33 Jahre und 11 Tage, 1 den 29. Nov.

15. Des hieſigen Bürgers und Schreinermeiſters Georg Friedrich Philipp Karl Ludwig Lothar Faatz am 13. Dezember todt gebornes Söhnlein.

16. Konrad Schmidt, des hieſigen Burgers und Kürſchner⸗ meiſters Philipp Schmidt eheliches Zwillingsſöhnchen, alt 2 Jahre, 6 Monate und 7 Tage, k den 14. Dez.

22. Juſtina Katharina Zobel, geborne Bertram, des hie ſigen Bürgers und Schuhmachermeiſters Johannes Zobel Ehefrau, alt 57 Jahre, 9 Monate weniger 6 Tage, 1 den 20. Dez.

23. Suſanna Vogt, des weiland kaiſerlichen Lieutenantes Johannes Vogt dahier eheliche ledige Tochter, alt 86 Jahre.

20. Katharine Schwalm, geb. Rettinger, des hieſigen Bürgers und Schneiders Heinrich Schwalm Ehefrau, alt 34 Jahre, t den 18 Dez.

22. Anna Burk, des hieſigen Bürgers und Bierbrauers Anton Burk eheliche 15jährige Tochter, 1 den 20. Dez.

29. Friedrich Jakob Michael Berges, des Gr. Feldwebels Hartmann Berges dahier eheliches Söhnchen, alt 3 Monate, weniger 2 Tage, t den 27. Dez.

29. Eine uneheliche Tochter, Johanna, alt 3 Monate, 1 den 28. Dez.

30. Maria Karoline Trapp, des weiland hieſigen Bürgers und Apothekers Ambroſius Conrad Trapp eheliche ledige Tochter, alt 46 Jahre, 5 Monate und 19 Tage, 1 den 29. Dez.