in kürzeſter Zeit allen Gefahren, die mir drohen, zu ent⸗ gehen, daß ich Ihnen nur darum empfehle, meinen Brief zu vernichten, um ihre Geheimniſſe und ihr Leben nicht blos zu ſtellen. Das meinige iſt von nun an für die Unglücklichen unnütz, und wenn ich es in Folge eines Urtheilsſpruches verlieren müßte, ſo würde die Confis⸗ cation des Vermögens meine Familie aller ihrer Hülfs⸗ mittel berauben. Aus dieſem Grunde habe ich mich ent— ſchloſſen, frei zu werden, und habe mir die Mittel hierzu aufgeſpart. Ich ſchwöre Ihnen, daß Alles in dieſer Be⸗ ziehung zu meiner Zufriedenheit geglückt iſt. Zufolge der Verhältuiſſe, in welche Sie die jüngſten Ereigniſſe ge— bracht haben, weiß ich für Sie nichts Beſſeres, als nach Sancy zurückzukehren. Ich fordere Sie alſo, vor Allem in ihrem eigenen Intereſſe, dazu auf, weil dieſes Haus eine Zufluchtsſtätte für Sie abgeben wird, ſo lange Sie eine ſolche nöthig haben; ſpäter aber kann meine Tochter ihr Glück einer Verbindung verdanken, die ſie mit Ihnen geſchloſſen hat, und in Ihrer Freundſchaft, in Ihrem Schutze, den Lohn für die unbedeutenden Dienſte ernten, die ihr Vater Ihnen geleiſtet hat. Sie bedarf Ihrer heute noch. Man ſchreibt mir zum zweiten Male ſchon, daß ſie krank, ſehr krank ſei, und ich fürchte ſogar, daß man mir verbirgt, in welcher Gefahr das Leben meiner Thereſe ſchwebt! Eilen Sie alſo nach Sancy, liebe An— tonie! Ihr Vater, der Sie liebt, bittet darum! Sprechen Sie aber weder vor meiner alten Mutter noch vor meiner armen Thereſe von meiner Gefangenſchaft. Ich wieder⸗ hole Ihnen nochmals, daß es nicht der Mühe werth iſt, denn meine Gefangenſchaft wird endigen. Peter Aubert.
Dieſer Brief verſetzte mich in die lebhafteſte Unruhe über das Schickſal Thereſens; auch über das Herrn Au— bert's vermochte er mich nicht hinreichend zu beruhigen, deſſen Hülfsmittel und Hoffnungen ich mir nicht klar zu machen wußte. Der Erlaubnißſchein gab Dominik das Recht, täglich in das Gefängniß zu gehen; ich beſchloß daher den folgenden Tag noch abzuwarten. Dominik kehrte dieſen Tag, nach kurzer Abweſenheit, ſo frühzeitig zurück, ſo daß ich kaum Zeit gehabt hatte, ungeduldig und unruhig zu werden. Er ſtrahlte vor Freuden.—„Der Herr iſt nicht mehr im Gefängniſſe,“ ſagte er, nachdem er ſeine Gedanken und Kräfte gehörig geſammelt hatte, um ſprechen zu können.
„Er iſt nicht mehr im Gefängniſſe!“ rief ich aus. „Aber wo iſt er? Wiſſen Sie es?“
Dominik ſah mich verlegen an.—»Ich weiß es wahrhaftig nicht, aber ſo viel iſt gewiß, daß Herr Aubert nicht mehr in dem Gefängniſſe iſt, in dem ich ihn geſehen habe, und daß er auch in kein anderes verſetzt worden iſt. Ich habe mich deſſen ſelbſt, überall herum, verſichert, überdieß hat mir der Schließer in düſterem Tone und
284 e-
noch finſteren Blicken geantwortet, gerade wie ein Mörder, der die Spur ſeines Opfers verloren hat, ehe er ihm den Garaus gemacht hat: Er iſt nicht mehr da; hat er mir barſch geſagt.— Ich antwortete ihm: Iſt er in einem andern Hauſe?— Er erwiderte: Nein, und hat die Thüre mir vor der Naſe zugeſchlagen. So wahr Gott Gott iſt,, fuhr Dominik fort,„ſo behaupte ich, daß der Herr gerettet iſt.“
Ich überlas Herrn Aubert's Brief noch einmal;
zwar lag allerdings etwas Unbeſtimmtes darin, was mich im erſten Augenblicke erſchreckt hatte, aber ich fand doch,
daß er dieſe Auslegung zulaſſe. Während ich ſo nach— dachte, gelangte das Gerücht vom Ausbruche mehrerer
Gefangenen zu uns, und beſtätigte meine Gedanken. Ich
hatte alſo jetzt nichts Anderes mehr zu thun, als die Wünſche meines Wohlthäters zu erfüllen, und dem Drange meines Herzens Genüge zu leiſten, welches von den hef— tigſten Beklemmungen gequält war, ſeit ich mir Thereſen vergegenwärtigte, wie ſie krank, vielleicht ſterbend, vex— geblich nach ihrem Vater und mir verlange. Ich um— armte daher Dominik und machte mich auf den Weg.
Obſchon ich zu Thereſen zurückkehrte, und ich wenige Tage zuvor kein größeres Glück gekannt hätte, obſchon ich ſie mehr als je liebte, ſo ſchritt ich doch ſo voll Trauer und ſo langſam vorwärts, als wenn ich gar nicht im Begriffe geweſen wäre, ſie wieder zu ſehen. Noch nie hatte ich mich ſo ſchwach und ſo unbehaglich auf dieſer Welt gefühlt; es lag wie eine trübe Wolke vor mir, die ſelbſt die ſüßeſten Erinnerungen meines Lebens verdunkelte, die Ungewißheit über das zukünftige Schickſal des Herrn Aubert, die Zweifel, in denen er mich über die eigentliche Krankheit Thereſens gelaſſen hatte, die Angſt, ſie in einem gefährlichen Zuſtande zu finden, der Widerwille gegen eine Kleidung, welche mein Geſchlecht verbarg, und die überdieß meiner Ungeduld und meinem Muthe zur Laſt wurde; endlich ein gewiſſer unbeſtimmter Drang zu ſterben, der vielleicht in allen ſehr unglücklichen Menſchen das Vorgefühl des Endes ihrer Leiden iſt, alles dieß zuſammen beſchäftigte zugleich meine Einbildungskraft und mein Herz. Es kam mir immer vor, als wenn ich dort, wohin ich ging, zu frühe ankomme, und daß es am Ende beſſer wäre, gar nicht anzukommen.
Ich ſetzte mich oberhalb des Kreuzberges nieder, um das Haus zu betrachten. Nichts war geändert, man bemerkte keine beunruhigende Beweglichkeit; die Leute waren an ihren gewohnten Beſchäftigungen auf den Fel— dern. Die Luft war ruhig und mild, und ich bildete mir ein, daß, wenn wirkliche Gründe zu Befürchtungen vor— handen wären, die ganze Natur daran Theil nehmen müßte. Dennoch betrachtete ich die Wohnung, die mich ſo glücklich geſehen hatte, unwillkürlich mit Schaudern, und zitterte ſie zu betreten
(Fortſetzung folgt.)
Bekanntmachungen von Be⸗
hoͤrden.
c νι
Hofraithe⸗Verſteigerung. (1325) Dienſtag den 13. September d. J., Vormittags 11 Uhr, wird in hieſigem Rath. hauſe die ſtädtiſche Polizeidienerwohnung in der Vorſtadt dahier, beſtehend in halbem Wohn⸗ hauſe mit gewölbtem Keller, Höfchen und Gärt— chen, öffentlich meiſtbietend verſteigert.
Friedberg den 24. Auguſt 1853. Der Großherzogl. Bürgermeiſter Bender.
Edictalla dung. (1381) Johannes Diefengraͤber und Ehefrau von Ilbenſtadt haben durch Teſtament vom 24. Dezember 1832 ihr Vermögen dem Johan— nes Klein(zweiter) daſelbſt vermacht. Ueber folgende, der Johannes Diefengräbers Wittwe im Grundbuche zugeſchriebene Immobilien 165, 33 Klafter Hofraithe im Ort und 1 64, 38 Klaf⸗ ter Grabgarten im Ort, kann ein Eigenthums⸗ nachweis nicht erbracht, auch nicht nachgewieſen werden, daß ſonſtige Anſprüche auf dieſelben nicht beſtehen. Deßhalb werden alle, welche aus irgend einem Grunde Anſprüche auf die vorbezeichneten Immobilien bilden wollen, auf⸗ gefordert, ſolche ſogewiß binnen 6 Wochen, von heute an, hier geltend zu machen, als ſonſt die⸗
ſelben gebetenermaßen als durch Verjährung resp. Erbſchaft erworben, den Kindern des Johannes Klein zweiter im Grundbuche werden zugeſchrieben werden. Friedberg den 27. Auguſt 1853. Großh. Heſſ. Landgericht Hofmann.
Main⸗Weſer⸗Eiſenbahn. Section Gießen.
(4367) Montag den 12. d. M., des Vormit⸗ tags um 9 Uhr, ſollen auf dem Sectionsbüreau die bei Erbauung des hiefigen Stationshauſes erforderlichen Maurerarbeiten über Sockelhöhe, veranſchlagt zu 7093 Gulden, ſowie die Stein⸗ hauerarbeiten, veranſchlagt zu 17486 Gulden,
a8 2
geoele
gledigt. 1 Bewerber. 9 f
(383 Montag auchn un Jammlags de ih 5 U, wen diz uu deem Hobenden und mc Pfänder, deſtebend Zun, Weiß zeug, Ffentüch meide Gleichzeitig wer Nih⸗Anſtalt Ren resp. dis zum Pfänder auszulo! falls deren Verf lösung und Nen beftimmten, Tag Samfiag ſtatt. Während den bleibt das Pfan Steigeret, welt rungen win Ja zugelaſſen. Friedber—
Schaaf! 43840 N dus um 11 U. bis 10 Sche hren Anfang
Friedberg
O bſt⸗ (1383) Di tags um 2 Uh den ſtädtiſchen Obſt, beſtehent und mehreren Neiſtbietenden
Der Anfange und iſt die 3 brunmm.
öriedberg d
D
Bel (1386) N. gens um 10 h das Beſoldung am ſog. lange lungen, auf d. ohne Obſt, me
Friedberg
5


