Ausgabe 
10.9.1853
 
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genz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M 71.

Sonnabend den 10. September

1853.

Amtlicher Theil.

Das Großherzoglich Heſſiſche Kreisamt Friedberg

an die Großh. Bürgermeiſter des Kreiſes und die Gensdarmen.

Am Sonntag Abend zwiſchen halb 8 bis 9 Uhr purde zu Homburg vom Fenſter des Nagel'ſchen Hauſes it der Kiſſeleffſtraße ein achteckiger von Roſenholz und Neſſingdraht angefertigter Vogelkäfig entwendet. Auf dem Loden deſſelben nächſt dem Schieber iſt der Name des Ver- frtigers(Andrewes) angebracht. Sie werden beauftragt, deßfalls geeignete Nachforſchungen anzuſtellen und den Er⸗ olg einzuberichten.

Friedberg den 8. September 1853.

de Beauclair, Klreisaſſeſſor.

Thereſe Aubert. Wahrheit und Dichtung in Form einer Memoiren-Novelle. Von Charles Nodier. (Fortſetzung.)

Es war ſehr ſpät, als ich endlich die Stadt betrat, und die Dunkelheit begünſtigte meine Abſichten. Ich ge angte ſehr leicht in Herrn Aubert's Haus, da Thereſe es mir ſehr genau beſchrieben hatte, und der alte Diener, welcher mir zu öffnen kam, erkannte mich ſogleich, da er mich auf der Meierei geſehen hatte, als er von ſeinem Herrn dahin geſchickt worden war. Seine Traurigkeit und Niedergeſchlagenheit überraſchten mich, und ich be merkte deutlich, beim Scheine der Lampe, welche ſein Ge ſicht beleuchtete, daß ſo eben erſt Thränen ſeine Wimper defeuchtet hatten. So lange die Thüre offen war, ſprach er kein Wort, aber kaum hatte er ſie in's Schloß fallen laſſen, als er ſich beeilte, die Lampe, welche in ſeiner zitternden Hand ſchwankte, niederzuſetzen, auf einen Stuhl zurückſank und in Thränen ausbrechend, mir mittheilte, daß Herr Aubert verhaftet ſei.Verhaftet! rief ich aus.Seit zwei Tagen.)»Und warum? Weiß denn irgend Einer, warum man in's Gefängniß und vom Gefängniſſe auf's Blutgerüſt geführt wird? antwortete er, den Kopf ſchüttelnd;dieß konnte aber

auch früher oder ſpäter nicht ausbleiben. Er war ein viel zu ehrlicher Mann für dieſe Leute hier, und ſchon ſeit langer Zeit dachte ich ſo für mich ſelber, daß ſie ihn am Ende umbringen würden, um ihn dafür zu ſtrafen, daß er nicht ſo nichtswürdig iſt, wie ſie.VSie werden ihn nicht umbringen, oder ich werde mit ihm ſterben! Antonie! rief der Greis erſtaunt aus. Was war ich denn, und wie konnte ich verſuchen, jetzt meines Theils, meinen edlen Erretter zu befreien, ohne ihn vol lends in's Verderben zu ſtürzen?

Jedenfalls mußte ich das Mögliche verſuchen, und dieß zu können, mußte ich mit ihm verkehren. Dieß war nicht leicht zu bewerkſtelligen, und ſo vergingen acht Tage, ohne daß ich etwas zu Wege gebracht hätte, weil Herr Aubert im Geheimgefängniſſe ſaß; und als endlich der Zutritt zu ihm, auf inſtändiges Bitten des alten Dieners geſtattet wurde, war ich nicht in die Erlaubniß einge ſchloſſen. Zugleich wurde demſelben Herrn Aubert's Corre ſpondenz, ganz offen, durch den Gefängnißwärter über geben; es waren zwei Briefe von Sancy dabei, aber die nach meinem Abgange daſelbſt geſchrieben worden waren.

Ich brachte den Tag in unausſprechlich angſtvoller Erwartung hin, obgleich ich weder irgend eine Möglichkeit vor Augen ſah, Herrn Aubert durch einen gewagten Handſtreich zu retten, oder daß der Stand der Dinge ſo verzweiflungsvoll war, daß ich in allen meinen Voraus ſetzungen ſtets immer nur die Wahrſcheinlichkeit ſeines Verderbens zu finden vermocht hätte; ſondern nur weil ein mir völlig unerklärliches Gefühl die Rückkehr Dominik's mir immer nothwendiger machte, wie wenn von dem, was er mir ſagen würde, mein Leben abhinge. Als er endlich wieder erſchien, ſuchte ich mit Ungeduld aus ſeinen Augen zu leſen, ob ſich irgend etwas Neues zugetragen habe, was meine Angſt rechtfertigen möchte. Er ſchien ruhig, aber ſelbſt ſeine Ruhe vermochte nicht mich zuverſichtlicher zu machen. Endlich ſetzte er ſich und zog aus einem Aufſchlage ſeines Rockes einen an Antonie adreſſirten Brief, deſſen ich mich haſtig bemächtigte. Er enthielt Folgendes:

Liebes Kind, als ich an Thereſe ſchrieb, Sie nach Mans zu ſchicken, glaubte ich ſicher Sie in Kurzem Ihren Verwandten zurückgeben zu können. Sie wiſſen, wie gänzlich mein Geſchick ſich verändert hat, das Intereſſe, welches Sie daran nehmen, iſt mir bekannt. Mein ein ziges Unglück beſteht nun darin, dem Ihrigen kein Ende machen zu können. Ich, für meine Perſon, laufe keine Gefahr, oder vielmehr ich habe ſo poſitive Gewißheit,