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In den letzten Jahren war Maulbeerſamen nicht zu erhalten und für dieſes Jahr bezog ich durch den Verein % Pfund zu 1 fl. 15 kr. Ich habe denſelben an ver— ſchiedenen Orten geſät und er iſt überall gut aufgegangen, ſelbſt auf einer 1350 Fuß hohen, dem Nordwind ausge— ſetzten Anhöhe. In meinem Hausgarten haben aber die Schnecken die dicht aufgegangene Saat nach und nach zerſtört und es ſind nur noch wenige 1 Fuß hohe Pflänz— chen vorhanden; ebenſo iſt es mit einer Saat in einem Grasgarten gegangen, in welchen ich durch dieſe eine Hecke ziehen wollte. Mehrere Hundert Ljährige Pflänz— linge— Moretti— die ich zur Heckenanlage verwendete, ſind gut angegangen; Zjährige möchten hierzu aber geeig— neter ſein. Die Loupflanzen haben beſonders in meinem Hausgarten, in weichem ich denſelben gute Pflege ange— deihen ließ, ſtark getrieben. Die dießjährigen Zweige bis zu 4 Fuß Höhe,(Herr Netz hat deren bis zu 11 Fuß Höhe) die im vorigen Jahr geſetzten bis zu 6 Fuß und die Blättex derſelben ſind bis zu 10 Zoll lang und 7 Zoll breit. Von dem in 1848 geſäeten Saamen habe ich Stämmchen von 6—7 Zoll Umfang.
Mit dieſer Darſtellung iſt der Beweis geliefert, daß der Maulbeerbaum in hieſiger Gegend fortkommt, und da man da, wo Maulbeerbäume ſind, auch Seide produciren kann, ſo iſt es Aufgabe der Landwirthſchaft für Anpflan⸗ zung derſelben beſorgt zu ſein.
Hierzu werden ſich in jeder Gemeinde Plätze finden, die dermalen unbenutzt ſind und zur Saat des Saamens dürfte ſich in jeder Baumſchule, die die Gemeinden ja größtentheils beſitzen, leicht eine Stelle finden. Die Zucht der Raupen bleibt ſich hier wie in den ſüdlichen Ländern gleich, ſie muß hier wie dort in geſchloſſenen Räumen ge— ſchehen, nur daß bei der erhöhten Temperatur in den ſuͤdlichen Gegenden die Heizung gewöhnlich nicht erforder— lich würde. Zu hohe Temperatur iſt ſchädlich und die Seide aus gemäßigten Klimaten iſt feiner, elaſtiſcher und höher im Preiſe. Die Seidenzucht iſt der Reichthum meh— rerer Länder, und wenn ich mir von derſelben auch einen ſo großen Gewinn nicht verſpreche wie wohl andere, ſo lohnt es ſich immer der Mühe einen Verſuch zu machen, der hier
und da Nachahmung finden und der Seidenzucht Eingang verſchaffen wird. In hieſiger Stadt habe ich einige aufge⸗ muntert und hoffe eine allgemeine Verbreitung des Maul— beerbaumes zu erzielen. Alles Neue hat mit Hinderniſſen zu kämpfen, die durch Ausdauer überwunden werden können, und wenn man bei einem neuen Induſtriezweig nicht ſogleich den Nutzen auf der Hand ſieht, wollen Viele mit demſelben nichts zu thun haben. Manchem hat der Anblick meiner wenigen Seide ſchon Freude gemacht, ſelbſt aber etwas für die Gewinnung derſelben zu thun, dazu hat er ſich nicht entſchließen können.
Ich hoffe, daß dieſe Mittheilung einen oder den andern meiner Mitbürger in Stadt und Land auf dieſen Gegenſtand aufmerkſam macht und namentlich die Herren Geiſtlichen und Lehrer Veranlaſſung nehmen werden, der— ſelben ihre Muße zu widmen und darauf hinzuwirken, daß die Seidenzucht in Ihrer Gemeinde Boden gewinne. Dieß iſt der Zweck dieſer Zeilen. Ueber den Seidenbau gibt es Werke von 20—30 Bogen, dem Anfänger genügt aber eine auf Koſten des Gewerbvereins von dem Seidenbau— verein in Darmſtadt herausgegebene Anleitung zur Seiden—⸗ zucht mit 2 lithographirten Tafeln, welche fuͤr 10 Kreuzer von dem Verein zu beziehen iſt. Mitglied des Vereins kann jeder werden, der die Seidenzucht durch Rath und That zu befördern ſucht und ſich zu einem jährlichen Bei— trag von 24 Kreuzer verpflichtet.
Schließlich erklaͤre ich mich zu weiterer mündlicher
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und ſchriftlicher Mittheilung bereit, ſowie zur Vermitte⸗ lung des Ankaufs von Saamen und Pflanzen durch den Verein und die oben erwähnte Anleitung zur Seidenzucht.
Wieder ein Stücklein vom alten Fritz. (Aus der Spinnſtube.)
Ich weiß wohl, daß das Stücklein, das ich Euch da erzähle, vielleicht Vielen von Euch, liebe Leſer, bekannt iſt. Ob aber Allen? Das iſt doch die Frage. Der Spinnſtubenſchreiber kann auch nicht Alles aus dem Aermel herausſchütteln! Darum darf er auch'mal ein alt Stücklein erzählen, wenn's gut iſt. Der alte Fritz war ein Soldatenfreund, das wißt Ihr Alle, und ſeine Soldaten gingen mit Pläſir für ihn in die Schlacht und, wenn's ſein mußte, in den Tod. Nun aber hatte er die ſeltſame Anſicht, deutſche Verſe ſeien nicht ſonderlich ſchön, und auf Dichter, mit Ausnahme des frommen Gellert, hielt er nicht viel.
Zufällig hörte er einmal, unter ſeinen Offizieren ſei ein Dichter, und er ſei zugleich ein tüchtiger Soldat.
Den möcht' ich doch auch'mal kennen lernen, dachte der König und er merkte ſich den Namen und das Re⸗ giment.
Als er nun einmal wieder einen Theil ſeines Heeres muſtert, ſieht er das Regiment, in dem der Dichter Lieu— tenant ſein ſollte, ſprengt auf den Obriſten an, und ſagt zu ihm: Er ſoll ja unter Seinen Offiziers einen haben, der Verſe macht? Wie heißt der Offizier?
Majeſtät, ſagt der Obriſt, es iſt der Lieutenant Fideborn, ein tapferer Offizier, der ſich ſchon manchmal wacker hervorgethan hat.
So? ſagte der König. herbei!
Der Lieutenant Fideborn trat vor und grüßte ehr⸗ furchtsvoll den König; mochte aber in ſeinem Herzen denken: Was wird denn das abſetzen? Bange war's ihm aber nicht, denn er hatte ein gutes Gewiſſen.
Der König ſieht ihn lange, ſcharf und ſchweigend an, und ſagt dann: Ich höre, Er kann Verſe machen?
Ja, Euer Majeſtät, antwortete ruhig der Lieutenant.
Nun, ſagt der König, ſo mach' Er mir'mal einen Vers!
Fideborn beſinnt ſich nicht lange und ſpricht:
Gott ſprach in ſeinem Zorn, Der Lieutenant Fideborn
Soll hier auf dieſer Erden
Nie mehr, als Lieutenant werden!
Der König mußte unwillkürlich über den Einfall lachen. In eine heitere Laune verſetzt, rief der König: Alſo er glaubt, der liebe Gott kümmere ſich um meine Lieutenants? Ich will denn doch zeigen, daß ich meine Offiziers kann avanciren laſſen. Ich ernenne Ihn zum Hauptmann. Mach' Er mir aber gleich einen Vers drauf!
Fideborn verbeugte ſich dankend und ſagte:
Der Zorn hat ſich gewandt; 1
Capitän bin ich genannt;
Doch— hätt' ich Equipage“)
Hätt' ich auch mehr Courage! . Jetzt lachte der König noch mehr und ſagte: die ſoll er auch noch haben; aber nun halt' Er mir mit ſeinen Verſen das Maul! Er könnte mir, wenn das ſo forlginge, mehr aus der Staatskaſſe heraus verſeln, als ich drinnen habe!
Ruf' er mir ihn einmal
*) Sprich Ekipaſche und Kuraſche.— Unter dem Wort Equipage verſteht man bei den Offizieren die ſtandesmäßige Aus rüſtung.


