Ausgabe 
9.11.1853
 
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N88.

Intelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

i im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke

im Beſonderen.

Mittwoch den 9. November

1853.

Amtlicher Theil.

Das Großherzoglich Heſſiſche

Keisamt Friedberg

an ſämmtliche Großh. Bürgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Der Ausbruch der Lungenſeuche zu Büdesheim.

Nach einer Benachrichtigung Gr. Kreisamts Vilbel iſt in Büdesheim die Lungenſenche ausgebrochen. Indem ich Ihnen hiervon Kenntniß gebe, weiſe ich Sie zugleich an, darauf zu achten und achten zin laſſen, daß dieſe Krankheit nicht in den Orten dieſſeitigen Kreiſes eingeſchleppt wird.

Friedberg am 3. November 1853.

de Béeauclair, Kreisaſſeſſor.

Oeffentliche Belaantmachung. 2 gebracht, daß zenberg beſtimmt

Es wird zur allgemeinen R 1) als Amtstage ür Tratau ſind: a) Donnerſtag für dien ſtreicige Gerichtsbar keit, das Aurufen und Mahnverfahren, b) Freitag für die freiwillige Gerichtsbarkeit; 2) daß für die Orte: Kirchgöns und Pohlgöns vom 15. November d. J. ab der Donnerſtag aufhört, Amts tag zu ſein und dagegen der Dienſtag als Amtstag eintritt. Butzbach den 31. Oktober 1853. Gr. Heſſ. Landgericht Ebel.

Ueber Seidenzucht. (Von M. Kuhl.)

In der dießjährigen Verſammlung des landwirth⸗ ſchaftlichen Bezirksvereins des Kreiſes Friedberg hielt ich (bei Vorlegung der von mir producirten Seide) einen Vortrag über die Seidenzucht und entſpreche hiermit meiner Zuſage einer Veröffentlichung hierüber, da ich mich ſeit einigen Jahren mit dieſer Zucht beſchäftige, die im Kleinen erzielten Ergebniſſe als gelungen zu betrachten ſind, und ſie in ausgedehnterer Weiſe zu betreiben beab⸗

ſichtige.

IJ. Von dem Maulbeerbaum.

Die Seidenraupe nährt ſich von den Blättern des ſchwarzen und weißen Maulbeerbaums. Die des letzteren liefern eine feinere Seide und werden vorzugsweiſe zur Seidenzucht verwendet. Schwarze Maulbeerbäume findet man vereinzelt in Hausgärten, in welchen ſie wegen ihrer angenehmen und wohlſchmeckenden Frucht gezogen werden; von weißen Maulbeerbäumen habe ich in hieſiger Gegend noch nichts geſehen. Der Maulbeerbaum kommt überall da fort, wo Obſtbäume wachſen und wird als Hochſtamm, Strauch und Hecke gezogen. Als Hochſtamm kann er an Wegen, auf Friedhöfen und ſonſtigen Plätzen angepflanzt werden und hier oft die Stelle anderer unnützen Bäume erſetzen, da ſein Laub nach beendigter Seidenzucht ein gutes Futter für Schafe, Ziegen und Rindvieh iſt und ſein Holz ſich für Dreher und Schreiner eignet. Als Strauch kann er zwiſchen Obſtbäume gepflanzt und als Hecke zu jeder Einfriedigung benutzt werden. Stämmchen und Saamen ſind durch den Seidenbauverein in Darm ſtadt zu beziehen. Das Tauſend Ljährige Pflanzen(Mo⸗ retti) koſteten in dieſem Jahre ab Darmſtadt 10 fl., der Saamen das Pfund 2 fl. 30 kr. Da der Verein für 1854 nur ſehr wenig und theuren Saamen ankaufen kann, wird er ſich wenigſtens auf 8 fl. berechnen. Herr Netz in Darmſtadt zieht von der beſten Sorte den chineſiſchen Loubaum und gibt jährige Pflänzlinge zu 6 und 2jährige zu 12 Kreuzer ab. Der Saamen geht leicht auf und es wird am beſten ſein durch ihn die Pflänzlinge zu ziehen. Vor dem Säen wird er 48 Stunden in Salzwaſſer eingeweicht, mit Aſche vermiſcht und in gut vorbereiteten Boden in Rinnen geſäet. Bei trocknem Wetter iſt der Saamen, wie ſpäter die Pflänz linge öfters zu begießen und das Land von Unkraut ſauber zu halten. Die 23jährigen Sämlinge ſind zu Heckenan⸗ lagen verwendbar, ſollen ſie aber zu Buſchbäͤumen und Hochſtämmen gezogen werden, dann werden ſie erſt in die Baumſchule verſetzt und nach 4 resp. 6 Jahren an ihren Standort gebracht.

0 II. Von der Seidenraupe.

Im Frühjahr, wenn die Blätter gekeimt haben, werden die Eier in friſches Waſſer getaucht, von der Leinwand abgelößt und in ein Käſtchen von ½ Zoll hohem Rande gebracht. In den erſten Tagen werden ſie einigemal umgerührt, dann ſtehen gelaſſen und das Kaͤſt⸗ chen mit einem Stückchen Tüll überſpannt, durch deſſen Maſchen die in mehreren Tagen ausſchlüpfenden Räup⸗

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