Intelligenz-Vlatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen im Allgemeinen, l
den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
aller neueſten
2—
M79.
Sonnabend den S. Oktober
1853.
Amtlicher Theil.
Das Großherzoglich Heſſiſche Kreisamt Friedberg an ſämmtliche Großh. Bürgermeiſter des Kreiſes.
Betreffend: Die Ueberhandnahme der Feldfrevel.
Von vielen Seiten her wird über zahlreiche und freche Felddiebſtähle an Kartoffeln, Rüben, Obſt u. ſ. w., Klage geführt. Ich nehme hieraus zu der Aufforderung an Sie Veranlaſſung, die Feldſchützen zu ſtrenger Erfüllung ihrer Dienſtpflichten zu ermahnen und, wo es als nothwendig erſcheint, zur Handhabung des Feldſchutzes Sicherheitsmann— ſchaft zuzuziehen und beſondere Nachtwache anzuordnen.
Friedberg den 8. Oktober 1853.
de Beauclair, Kreisaſſeſſor.
Die Geſchwiſterkinder. Eine Geſchichte von W. O. von Horn. (Fortſetzung.)
Aber dieſe Rede wollte nirgends als Same der Hoffnung auf ein fruchtbar Erdreich fallen.
Auch Franz, der überhaupt ſehr eingezogen und ſolid lebte, ſich ſchon etwas Hübſches erſpart hatte, wie die Leute ſagten, nahm den, wie es ſchien, herzlichſten Antheil an dem Leide der beiden vereinigten Familien, und trauerte mit ihnen um Fritzen's Verluſt, mit dem er in Unfrieden gelebt zu haben oft laut und aufrichtig bereute.
Die Menſchenſeele hat von dem lieben Gott eine wunderbare Kraft erlangt, zu dulden und zu tragen. Wenn es auch ſcheint, das Leid und Weh zermalme ſie, beuge ſie in den Tod; ſie trägt, duldet und hält ſelbſt die mor⸗ ſcheſte Hütte des Leibes noch aufrecht.
Auch den tiefſten Schmerz überwanden die Groß— eltern und Rickchen. Allmählich machte er einer ſtillen Trauer Platz, durch die dann und wann ein Hoffnungs⸗ ſtrahl hindurchblitzte, aber dann auch ſchnell wieder erloſch.
Franz mußte übrigens wirklich ſich ein Schönes er— ſpart haben, denn er kaufte ſich ein recht huͤbſch gelegenes Haus am Markte, und begann dort ganz unerwartet einen Glas- und Porzellanladen, der ſo reich ausgeſtattet war, daß er, bei verhältnißmäßig billigen Preiſen, ſchnell den größten Zuſpruch in der Stadt bekam.
Jetzt trat er aber auch mit den lang und muͤhſam
verhehlten Abſichten hervor. Er warb bei Lorenz um die Hand Rickchen's. Lorenz war nicht abgeneigt, in die Ver⸗ bindung zu willigen, denn er hatte fünf Kinder, und, da ſeine Frau im Wochenbette mit dem jüngſten geſtorben war, ſo zählte dies erſt ſieben Jahre. Drei Knaben waren zwiſchen den Mädchen, die theils in der Lehre waren, theils, wie der älteſte, ausgelernt hatten, und nun bald ihn unterſtützen konnten. An jungen Männern, die heirathen und eine Familie gründen konnten, war Mangel, denn die Schlachten Napoleon's rafften ſie weg wie Schneeflocken. Er redete mit den Großeltern, und auch ſie waren ſeiner Meinung. Aber als ſie es Rickchen mit⸗ theilten, wies ſie mit glühender Entrüſtung und mit dem größten Widerwillen den Antrag hinweg. Nie, ſagte ſie, werde ſie Fritz untreu werden, und wenn es Gottes Rathſchluß ſo gefügt, daß er nicht mehr unter den Leben⸗ den ſei, ſo wolle ſie ihr Leben unvermählt beſchließen.
Keine Bitten, keine Vorſtellungen vermochten den Entſchluß wankend zu machen.
Franz nahm mit einem innern Grimme dieſe Ent— ſcheidung hin, der ihn nur mit Entſetzen anſehen ließ. Seine Liebe zu Rickchen wurde Haß, und er führte ſeit— dem ein wahrhaft einſiedleriſches Leben, während ſein Geſchäft ſich immer mehr erweiterte und einen Glanz ent— wickelte, der bei ſeiner urſprünglichen Armuth Manchem räthſelhaft erſchien.
II.
Mit dem Schickſale, das Fritz in Spanien getroffen, muß ich Euch, liebe Leſer, jetzt auch bekannt machen.
Er war ſchon in Straßburg von Seiten ſeiner Fähigkeiten und insbeſondere ſeiner genauen Kenntniß der franzöſiſchen Sprache den Offizieren ſeines Regimentes bekannt geworden, und da man ein ſolches Pfund nicht vergraben wollte, dort ſchon bis zum Wachtmeiſter be— fördert worden.
Kaum in Spanien angelangt, wurde er Lieutenant. Alle die Beſchwerden des weiten Marſches von Straß— burg durch ganz Frankreich, dann über das hohe Gebirge, welches Spanien von Frankreich trennt, hatte er mit Leichtigkeit ertragen, und ebenſo leicht gewohnte er ſich an das Leben im ſpaniſchen Kriege. Da war es meiſt kein Kampf von großen Heeren gegen große Heere, ſon— dern die Brigands, wie die Franzoſen die Spanier nann— ten, fielen ihre Feinde, die Franzoſen, bald von vornen, bald von hinten, bald von der Seite, bald bei Tage und bald bei der Nacht, in kleinen Trupps an, machten Ge—
1 er W 1
9. 8 en*
* N g 8 3—— r—
0
2 1 n 27


