Ausgabe 
8.6.1853
 
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gen, meine Freude bei Nachrichten von Dir, die ſoll ich in mir verſchließen? Wie werde ich ſie tragen, ohne mich zu verrathen, wie wird es mich foltern, nicht offen nach eurem Schickſale, nach Deinem vor Allem fragen zu dür, fen, wenn die Männer im Dorfe unter ſich davon ſprechen! Und wenn ich unruhig bin und der Vater mich forſchend dabei anſieht, mit einem Blicke, Du kannſt Dir nicht den⸗ ken wie; wenn er gar nachfragt, o ich könnte ihn nimmer täuſchen! ſchon das letzte Mal hab' ich ſchon recht wie ein armer Sünder vor ihm geſtanden. Emil, Emil, das ertrag' ich nimmer; es wird mich zerſprengen, nicht von Dir zu wiſſen, ob Du noch lebeſt und ob Du mich noch liebeſt, denn in der Welt draußen und beſonders im Kriege ſoll ja ſchon Mancher ſeiner alten Liebe vergeſſen haben!

Emil verwies dem leidenſchaftlichen Mädchen dieſen Kleinglauben und verſicherte ſie, daß die Entfernung ſeine Liebe nur noch mehr befeſtigen werde. Was aber die Heimlichkeit ihres Verhältniſſes betreffe, ſo müſſe die auf⸗ hören, er werde nur als ihr Verlobter von hinnen ziehen und deßhalb mit ihrem Vater ſprechen, ſo dürfe ſie dann ohne Scheu nach ihm fragen und aus Freud und Leid in ihrem Herzen kein Hehl machen, er könne Nachrichten an ſie gelangen laſſen und habe die Beruhigung in den Müh ſalen und Stürmen des Kriegslebens, daß ihm daheim ein treues und liebendes Herz, eine ſtille geborgene Zu flucht ſicher ſei.

Wohl erſchrack Marie beim Gedanken, ihres Herzens Geheimſtes vor Jemand, und war's auch vor dem Vater, zu offenbaren, hatte doch gerade der Vater den aller ſchärfſten Blick und fühlte ſie, daß ſie ganz in ſeiner Ge walt ſtehe, einer Gewalt, der ſich zuerſt und allein ihre verborgene Liebe zu Emil, ſie wußte ſelbſt nicht wie, ent zogen hatte. Aber welches liebende Mädchen wehrte es ernſtlich dem Geliebten, vom Vater die Zuſtimmung zu verlangen? Sie verabredeten daher, der Jüngling ſolle morgen ſchon mit François Rückſprache nehmen, um die Hand ſeiner Marie werben und darauf getroſt nach ſeinem Sammelplatze abgehen. Zum Abſchied erhielt Emil noch die ſchönſten dreifarbenen Bänder und einen Kuß oben drein, der dießmal weder ertrotzt noch erzwungen war, wie jener erſte in der Maulbeerhecke. Sonderbar! innig und feſt waren die zwei jungen Leute jetzt verbunden und vorher war doch nie ein Wort von Liebe zwiſchen ihnen gewechſelt worden. Im tiefſten Innern hatten ſie Alles abgemacht und nun war es mit einem Mal aus dem Dunkel getreten, plötzlich, mächtig, ohne Scheu und als etwas Fertiges und längſt Bekanntes: das Plötzliche der drohenden Trennung, das Erſchütternde der nächſten Zu kunft hatte dieſen Ausbruch gezeitigt. Nicht etwas Neues (darum erſchracken ſie nicht darob), ſondern nur etwas Verborgenes war an's Tageslicht gekommen.

Als der junge Freier wieder nach der Schenke ging, tönte ihm wilder Jubel, Gläſerklingen und überlauter Ge ſang in die Ohren; er fand ſich nicht gut in den herr ſchenden Ton hinein, wie er ſo plötzlich aus dem ſtillen einſamen Gärtlein unter die lärmenden Zecher vor der Schenke getreten war. Als er daher einige Scherzreden und Fragen und Vermuthungen über ſeine ſchönen neuen Bänder angehört und mit einigen der Geſellen das Glas zuſammengeſtoßen, machte er ſich wieder ſtille davon.

Am andern Morgen war Marie ſchon ſehr fruͤhe auf und hatte bald im Keller, bald auf dem Eſtrich, bald im Zimmer, bald in der Küche oder einem Kämmerlein etwas zu ſuchen und zu beſorgen; eine auffallende un⸗ ruhige Geſchäftigkeit litt ſie nirgends längere Zeit an dem ſelben Orte. Zwiſchenein blickte ſie dann wieder verſtohlen zum Fenſter hinaus auf die Straße, als erwarte ſie Je

mand und ließ ſich in der Nähe ein Geräuſch hoͤren, ging eine Thüre oder nahte ſich ein Tritt, eine Stimme, ſo

fuhr ſie zuſammen, wie das böſe Gewiſſen ſelber und

ward roth. Schon beim Frühſtück hatte dieſe Haſt des Vaters Aufmerkſamkeit erregt; zwar war ſein Kaffee nie ſo gut geweſen, die Milch nie ſo fett, das Brod nie ſo ausgewählt, aber der Zucker war vergeſſen, ſein Stuhl ſtand verkehrt am Tiſche und er mußte ſich das Brod ſelber vorſchneiden, denn Marie hielt ſich beinahe ſcheu ſtets in weiter Entfernung von ihm. Kurz vor Mittag ſah man das Mädchen in größter Eile und mit angehal tenem Athem die Treppe hinaufeilen nach der oberſten Kammer und bald darauf ließen ſich unten im Stübchen

zwei männliche Stimmen vernehmen, es waren die Emil's Emil rückte gerade und offen, ohne lange

und Francois. Einleitung, mit der Sprache heraus:er liebe Marie und Marie ihn, nun aber habe ihn das Loos zum Kriegs- dienſt beſtimmt, er müſſe fort und da möchte er gerne die Zuſicherung der Hand ſeiner Geliebten von ihrem Vater erhalten, im Fall er, nach überſtandener Dienſtzeit, glück⸗ lich wieder heimkehre. Er denke, es ſei beſſer ſo, als aus der Sache ein Geheimniß machen und ſich im Ver⸗ borgenen zu ſehnen und zu härmen. s 5

François hatte ihn ohne Unterbrechung zu Ende reden laſſen, doch waren im Verlauf ſeine Augen merklich größer, das Geſicht länger geworden und zuletzt ließ ſich eine Unruhe an ihm bemerken, die dem feſten Manne ſonſt durchaus fremd war. Noch ſchwieg er, aber es fing in ihm gewaltſam an zu arbeiten; in langen Schritten, die Augenbraunen auf und nieder ziehend, ging er im Zimmer umher, drehte heftig ſeinen Schnurrbart, als ſollte der Feuer geben und ſetzte mehrmals zum Sprechen an, doch blieb es beim bloßen lautloſen Bewegen der Lippen. Selbſt dem kecken und zuverſichtlichen Emil wurde allgemach etwas bedenklich zu Muthe; der erſte Zweifel, daß Jemand ſeine Bewerbung anders beurtheilen könnte, als er, ſtieg in ihm auf, forſchend und mit einiger Scheu blickte er in die unruhigen großen Augen des alten Soldaten. Endlich blieb dieſer vor dem Freier ſtehen, ſein Auge heftete ſich feſt auf den Jüngling, eine gewaltſame Ruhe ſprach ſich in ſeinem ganzen Weſen aus, als er fragte:ob Marie mit dem Geſagten einverſtanden ſei? Auf die erhaltene Verſicherung fügte er feſt und kurz bei:daraus kann nichts werden! und drehte Emil den Rücken. Dieſer aber ließ ſich nicht ſo bald abweiſen; ohne es recht zu wiſſen, was er ſagte, forſchte er:warum denn nicht? Ein eigenthümlicher Zug von Ueberlegenheit und leiſer Verachtung flog über das braune runzlige Soldatengeſicht, als Meiſter Francois erwiderte:er begreife nicht, wie ein bloßer Rekrut um die Tochter eines Sergeanten der alten Garde werben könne, dem der Kaiſer ſelber einſt bei der Schlacht von Borodino einbrav, Kamerad! zu gerufen. d.(Fortſetzung folgt.)

Neunter Jahresbericht des Vereins zur Unterſtützung armer Kranken vom Lande zu Darmſtadt unter dem Schutze J. K. H. der Großherzogin von Heſſen.

Am 30. Auguſt v. J., dem Geburtsfeſte der hohen Beſchützerin, hat der Verein ſein neues Landkranken⸗ haus eingeweiht. Die Beſchreibung dieſer ſchönen Feier ſowie des Hauſes ſelbſt hat eine befreundete Hand in Nr. 242 der Darmſtädter Zeitung v. J. bereits gegeben. Betten, Weißzeug, Mobilien und Hausgeräthſchaften des neuen Hauſes ſind zweckgemäß umgeſchaffen und neu ge ſchafft worden, ſo daß das Landvolk des Großherzogthums

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