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Intelligenz-Blat
fuͤr die
Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,
den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
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Mittwoch den S. Juni
1853.
Amtlicher Theil.
Das Großherzoglich Heſſiſche Kreisamt Friedberg
an die Schulvorſtände des Kreiſes. Betreffend: Die Einſendung der Schulverſäumniß⸗Verzeichniſſe vom 1. Quartal 1853.
g Ich erinnere Sie an Einſendung der obigen Verzeich⸗ niſſe innerhalb 8 Tagen, als ſonſt ich genöthigt ſein würde, ſchärfere Maßregeln zu ergreifen.
Friedberg am 26. Mai 1853. de Beauclair, Kreisaſſeſſor.
Der alte Sergeant. Von Dr. Th. Meyer. (Fortſetzung.)
In dem Gärtchen auf der Terraſſe vor Francois Hauſe ging nachdenklichen und unruhigen Schrittes die kleine Marie auf und nieder; oft blieb ſie ſtill ſtehen und horchte, dann ſeufzte ſie und blickte ſich um. Als ſie ſich unbeobachtet ſah, fuhr ſie mit dem Taſchentuch über die Augen, indeß ihr Herz ziemlich heftig arbeitete. Unruhe, Angſt, Hoffnung und Beſorgniß kämpften ſichtlich in ihrem Innern. Da ſchreckte ſie plotzlich aus ihren ſchweren Ge⸗ danken der leiſe Ruf ihres Namens auf, der aus der Laube zu klingen ſchien, die an der Ecke des Gärtleins ſtand, zu Ende des Maulbeerhages.„Marie, Marie!“ vernahm ſie ganz deutlich. Sie blickte hin, horchte und war ſchnell am Eingang des Gebüſches, vor dem ſie dann, ſich beſinnend, ſtehen blieb.
„Biſt Du es wieder, Emil?“ rief ſie, erſchreckt und doch ohne den Vorwurf, den ſie in die Frage zu legen vergebens bemüht war. 5
„Ich ging ſchon dreimal heute an Deinem Fenſter vorüber, aber ich ſah Dich nie; weißſt Du. und hier ſtockte der Jüngling, er deutete bloß auf ſeinen Hut und die Bänder drauf, der zur Seite am Boden lag.
„Jeſus! ſo iſt's denn wirklich wahr und es iſt mir nicht umſonſt ſo Angſt geweſen! brach das Mädchen, aller Rückſicht vergeſſend, jetzt heraus und die Thränen ſtürzten ihr in dicken ſchweren Tropfen aus den Augen. Emil ſuchte die Geliebte zu tröſten, er ſprach vom Wiederſehen und wie er dann ein gemachter Burſche ſein werde und Jedem unter's Geſicht treten dürfe; ja er verlor ſich in der Schilderung des afrikaniſchen Kriegslebens, wie ſich's ſeine heiße Phantaſie ausmalte, merkte nicht, daß er des Mädchens zartes Herz durch ſeine militäriſche Begeiſterung
nur tiefer verletzte.„Ach!“ unterbrach ſie ihn,„Du liebſt mich gar nicht, daß Du nur an Solches denken magſt und nicht an mich und meine traurige Lage; geh! Du biſt nicht werth, daß ich ſo an Dir hange und mir's zu Herzen nehme!“ Der Jüngling wurde durch dieſe Anklage ziem— lich empfindlich aus ſeinen Träumen aufgerüttelt, er be⸗ theuerte der Geliebten ſeine aufrichtigſte Zärtlichkeit und Treue und wie ihn ja Alles nur freue, um ihrer einſt würdiger zu ſein. Wenn er zu Ehren gelange, werde er ihr dieſe zu Füßen legen, wenn ſie nicht wäre, würde er dieſes Ehrgeizes, dieſer freudigen und muthigen Zuverſicht auch nimmer mehr fähig ſein. Das Maͤdchen zeigte ſich für dieſen ritterlichen Sinn nicht unempfindlich, war ſie doch auch Franzöſin und die Tochter eines alten Soldaten; aber gleichwohl wollte ſie's nicht eingeſtehen, Emil mußte ſie noch freuriger und beredter ſeiner Liebe verſichern. Ob daran mehr ihr Unglaube die Schuld trug, oder ob ſie dieſe ſchmeichelhaften Geſtändniſſe gern wiederholt und in immer lebhafterem Grade vom Munde des Geliebten ver— nahm, iſt freilich nachgerade bei der Unergründlichkeit des weiblichen Herzens ſchwer zu entſcheiden. Endlich aber ward Marie doch von dem kühnen Muthe, der feurigen felſenfeſten Zuverſicht Emil's mit hingeriſſen und ſie ſprachen, natürlich mit beſtändigem Hinblick auf das Wie⸗ derſehen, ruhiger und getroſter von der nahen Trennung; denn in wenig Tagen ſollten die Conſcribirten abziehen und bald nachher, wie es allgemein hieß, nach Afrika ein— geſchifft werden. Ehre und Gefahr theilten ſich in die Zukunft und bald hob dieſe, bald beugte jene das Herz des zärtlichen Mädchens. Wie freute ſie ſich im Stillen darauf, den Vater einſt die Heldenthaten der jungen Truppen anerkennen zu hören und ſein Geſtändniß: ja, ſie wären würdig geweſen, unter der alten Garde zu fechten! Denn Heldenthaten und Geliebten konnte ſie nimmer von einander trennen, ſich nicht die Einen ohne den Andern denken. Aber da erinnerte ſie ſich nur wieder der wilden treuloſen Beduinen; jener Patagan blitzte ihr in die Augen, welchen einſt ein Algierer in ihr abgelegenes Dorf als Beute gebracht und deſſen furchtbare Handha— bung vorgewieſen; ſie hörte die Verwundeten in der glühen⸗ den Wüſte ſtöhnen und lechzen oder in den Lazarethen die Fieberkranken raſen und ächzen, und ſo war auch hinter dieſen dunkeln ſchreckenden Wolken all der Glanz einer heitern Zukunft erblichen, enger ſchmiegte ſich das ge- ängſtete Kind an ihren Emil und Thränen traten aus ihren Augen, Seufzer über ihre Lippen.„Ach!“ brach ſie da aus,„und meine Angſt um Dich, und meine Hoffnun⸗


