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Verluſt eines treuen Geliebten, aber niemals über den Verluſt eines treuloſen Liebhabers!«— Fanuy's Auge funkelte bei dieſen Worten, ihr Mund warf ſich auf in ſtolzer Verachtung, als ihre von Natur fröhliche und muntere Stimme tiefer und ſtärker wurde ob der Ent⸗ ruͤſtung, welche ſich in ihrem ganzen Weſen ausſprach. Da fiel es auf einmal wie Schuppen von Frau v. Schön⸗ feld's Augen, und ſie erblickte in dem ſchlanken jungen Mädchen das leibhaftige Ebenbild eines Mannes, den ſie einſt genau gekannt und innig geliebt hatte,— in dieſen zornigen Worten glaubte ſie die Töne einer Stimme wie⸗ derzuerkennen, die ſie zwar ſchon lange nicht mehr gehört hatte, deren Echos aber noch immer friſch in ihrem Ge⸗ dächtniß lebten. Nun begriff ſie, welch ein geheimniß⸗ voller Drang ſie gleich von Anfang zu Fanny Dalling hingezogen,— ſie ſah in ihr nur das ſanftere Abbild deſſen, welchen ſie einſt für den Herrn ihres Geſchicks be⸗ trachtet— von Guſtav Wartmann, der ihr lange wie verſchollen geweſen, aber nicht von ihr vergeſſen war. Allein in welcher Beziehung konnte Guſtav Wartmann mit Fanny Dalling ſtehen? woher dieſe auffallende Aehn⸗ lichkeit, die nicht ſowohl in Geſtalt und Geſichts zügen, als in jener unnennbaren, unerfaßlichen Aehnlichkeit der Sprache, des Ausdrucks, der Geberden, des ganzen Be⸗ nehmens und der Stimme lag, wie ſie Glieder Einer Fa⸗ milie ſo häufig zeigen? f
Sobald Frau v. Schönfeld ſich vom Tiſche entfernen konnte, flüchtete ſie ſich auf ihr Zimmer und dachte eine Weile ernſthaft über dieſe Wahrnehmung nach. Das Er⸗ gebniß dieſes Nachſinnens war der Entſchluß, dieſes Ge⸗ heimniß zu ergründen, wenn es je ein ſolches war. Jeden⸗ falls verſprach ja ſchon dieſer Verſuch, den Schlüſſel zu dem Räthſel ihres eigenen Geſchicks zu liefern. Sie ſuchte daher noch am gleichen Tage Gelegenheit, mit Fanny Dalling und mit ihrem Sohne allein zu ſein, und fragte die Erzieherin:„Wenn ich nicht irre, meine Liebe, ſo haben Sie mir geſagt, Ihr Vater ſei noch am Leben 27.
„Ei freilich,“ rief Fanny lebhaft.„Er iſt gottlob noch am Leben, und ich wollte, Sie würden ihn kennen, gnädige Frau! Er würde Ihnen gewiß gefallen, und ich bin überzeugt, auch Er würde Sie liebgewinnen und be— wundern.“
„Gleicht Ihr Vater Ihnen im Aeußern?“ fragte Emilie weiter.
„Ich weiß es in der That nicht. Viele Leute be— haupten, ich ſehe ihm ähnlich, und ich habe dieß immer fuͤr ein großes Kompliment angeſehen, denn Papa iſt noch immer ein ſehr ſchmucker Mann, und muß in früheren Jahren noch ſchöner geweſen ſein, bevor die Sorgen und Kämpfe ſein Haar bleichten. Ich habe noch ein Miniatur— bild von ihm bei mir, welches vor ſeiner Verheirathung aufgenommen wurde, und das will ich Ihnen gerne zeigen, wenn Sie mir dieſe Eitelkeit zu gute halten wollen!“
106.
Frau v. Schönfeld verlangte dieß ſogar als eine Gefälligkeit, und Fanny hüpfte fort und kam im Nu wie⸗ der mit einem altväteriſchen Saffianetui in der Hand. Frau v. Schönfeld hatte dieß niemals geſehen, erinnerte ſich aber noch, daß ſie einſt ein ſolches genau von der— ſelben Größe, Form und Farbe für ein Miniaturportrait beſtellt habe, welches Guſtav ihr hätte malen laſſen wollen. Ihr Herz pochte unwillkürlich, und ſie ahnte eine nahe wichtige Entdeckung! Fanny öffnete das Etui und hielt es Frau v. Schönfeld unter die Augen mit der Frage:„Nun, iſt das nicht ein ſchöͤner Mann?“ Emilie vermochte nicht zu antworten— ein einziger Blick hatte hingereicht, ſie aufzuklären— es flimmerte ihr vor den Augen und ſie mußte ſich an einer Stuhllehne halten.
„Um Gotteswillen, gnädige Frau, ſind Sie unwohl?“ —„Liebe Mama, was iſt Ihnen?“ riefen Fanny und Edmund beinahe gleichzeitig.
„Es iſt Nichts— nur ein vorübergehender Schwin— del!“ entgegnete die Dame, ſich ſchnell ſammelnd, und fügte mit der Selbſtbeherrſchung, welche ſie ſich durch lange Gewohnheit erworben hatte, und mit ihrer gewohn—
ten ruhigen Freundlichkeit hinzu:„Ich konnte beinahe er⸗
rathen, daß ich ihren Vater ſchon früher geſehen, obſchon ich keine andere Perſon mit dem Namen Dalling kenne als Sie!-
(Fortſetzung folgt.)
Aufruf zur Mildthaͤtigkeit!
In der Nacht vom 29. auf den 30. d. M. wurde unſere ohnehin arme Gemeinde von einem entſetzlichen Brandunglücke heimgeſucht. Neunundachtzig Gebäude ſind gänzlich niedergebrannt, achtzehn mehr oder weniger be— ſchädigt. Alle darin vorhanden geweſene Habe iſt mitver— brannt; dabei auch vieles Vieh. Groß iſt die Noth der Unglücklichen. Hülfe thut dringend nöthig und je ſchneller, je wirkſamer. f
Das unterzeichnete Comité iſt zur Empfangnahme milder Gaben und pflichtmäßer Vertheilung an die Be— dürftigen bereit, worüber demnächſt öffentliche Rechen⸗ ſchaft abgelegt werden ſoll.
Wir bitten daher alle edlen Menſchenfreunde ihr Scherflein zur Minderung der großen Noth der Unglück— lichen beizutragen.
Die Redaction dieſes Blattes wird die Gefälligkeit haben gleichfalls Unterſtützungen jeder Art in Empfang zu nehmen und an das unterzeichnete Comité abzuliefern. Die Beträge werden in dieſem Blatte veröffentlicht.
Gambach den 31. März 1853.
Tröſter, Pfarrer. Repp, Gr. Bürgermeiſter. Schneider, Gemeindeeinnehmer—
Bekanntmachungen von Be⸗ hörden.
N
Oeffentliche Aufforderung.
(412) Von nachſtehenden Holzwerken Gemarkung Rockenberger und Oppershofer Markwald:
157/625 drei Mark ein und ½ Pferd⸗Theil
Holz im gemeinſchaftlichen Markwald auf Reinhard Münzner und Conſorten eingetragen, gehören laut vorgelegter Beſcheini— gung dem Heinrich Alles in Wölfers⸗ heim, zwei Pferd⸗Theile oder eine halbe Mark
ausſchließlich, und er hat deßhalb deren Ueberſchreibung auf ſeinen Namen beantragt. Zu dem Ende und weil die vorgelegte Nach— weiſung nicht überall genügt, ſind etwaige An⸗ ſprüche an die vorbezeichnete halbe Mark Holz binnen einer Friſt von 2 Monaten dahier ſo gewiß anzumelden, als ſonſt die beantragte und zur Ueberſchreibung erforderliche gerichtliche Ur kunde ausgefertigt werden wird. Butzbach den 11. März 1853.
Garten ⸗ Verpachtung.
(488) Mittwoch den 6. April l. J., Vor⸗ mittags 11 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe
auf freiwilligen Antrag des Gr. Kreisdieners Karl Rauber zu Grünberg deſſen in der Lang⸗ gaſſe dahier gelegener Garten in zwei Abthei— lungen und im Ganzen, je nachdem Liebhaber ſich einfinden, auf drei Jahre öffentlich meiſt⸗ bietend verpachtet. Friedberg den 30. März 1853. In Auftrag: Der Großherzogl. Bürgermeiſter Ben dee
Edietalladung.
(487) Oberfeldwebel Kahl zu Büdingen hat gebeten, daß ihm das Grundſtück 163/12 95 Ru⸗ then Garten beim Fauerbacher Thore, in hieſiger Gemarkung, das noch auf Schullehrer Stumpfs
Gr. Heſſ. Landgericht Ebel.
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