Ausgabe 
5.10.1853
 
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hat er Kopf und Herz auf dem rechten Flecke; verſteht ſeine Kaufmannſchaft wacker; kennt die Buchhaltung und Alles, was darauf einſchlägt, und iſt kein Spekulant, wie des Franz Vater war, ſondern verſtändig und, wo es gilt, raſch und entſchieden. Dabei iſt ſein Leben ohne Flecken, ſein Herz treu und gut, und die Kinder haben ſich von Kindesbeinen an lieb. Was ſollt' ich da gegen die Verbindung haben? Wär' er nur aus dem Militär⸗ zuge! Liebſter Gott, wie ſchlimm wäre es, wenn er ſich dran ſpielte! Denn da kommt Keiner wieder, er ſei denn zum völligen Krüppel gehauen oder geſchoſſen.

Aus dieſem Selbſtgeſpräche des Kaufmannes Lorenz konnte man wohl merken, daß das ſchöne Rickchen nicht weit davon war, des Fritz Wilken's Braut zu ſein. Jeder mann wußte das auch; freute ſich des bildſchönen Paares und gönnte Fritz das Glück einer reichen Parthie, wie die Leute ſagten.

Nur Einer gönnte ihm das ſchöne treffliche Mädchen nicht, weil er ſie auch mit einer glühenden Leidenſchaft liebte, und dieſer Eine war Franz, der ſich vom Militär, Gott weiß wie, durch des Poſthalters Hülfe frei gemacht, und durch deſſelben Vermittelung, weil er ihn nicht miſſen konnte, zum wirklichen Poſtſecretär ernannt worden war.

Das war in der That für den jungen Mann ein großes unerwartetes Glück; allein das ſollte bald noch größer werden. Man fand es für gut, in der Verwal tung die Briefpoſt von der Fahrpoſt zu trennen, und da Franz gut empfohlen war und ſeinen Dienſt nicht nur gut verſtand, ſondern bisher auch treu und gut geführt hatte, ſo wurde er Poſtexpeditor oder Verwalter der Brief poſt, und erhielt damit eine Stellung, die eine kleine Familie, deren Anſprüche beſcheiden waren, ernähren konnte.

Die Großeltern freuten ſich darüber, obwohl Franz, ſeit er Poſtſecretär geworden war, die Großeltern ſelten beſuchte, und daran nicht im Mindeſten dachte, von ſeinem Gehalte ihre alten Tage zu verſchönern. Er wohnte in einec gemietheten Stube und im Wirthshauſe.

Obgleich nun das die guten Alten tief kränkte, ſo konnten ſie's ja doch nicht ändern.

Franzen's Auſtellung erfolgte in dem Jahre, als Fritz, den er überall mied und, wo er mit ihm zuſammen⸗ traf, höhnte und neckte, in den Zug kam, was damals ſo viel hieß, als militärpflichtig wurde und das Loos ziehen mußte.

In den Herzen derer, die dies näher berührte, war große Bangigkeit vor dieſem Zeitpunkt, und nicht um ſonſt; denn Fritzen's unglücklicherweiſe zitternde Hand zog eine Nummer aus dem erſten Hundert, mußte alſo ohne Gnade und Barmherzigkeit marſchiren.

Als er mit dieſer Kunde, bleich und zitternd, vom Rathhauſe heimkam, war der Jammer der Großeltern dem Rickchen's und ihres Vaters völlig gleich; aber Franz hatte Mühe, ſeine Freude zu verbergen. Die Tage, die Fritz noch im Kreiſe der Seinigen verweilte, floſſen hin in der Gemeinſchaft mit ihnen. Er wollte ja noch die Stunden auskaufen. Endlich ſchlug die ſchwere Stunde des Scheidens. Es war hundert gegen Eins die Scheideſtunde für dieſe Welt!

O, da mag jedes gefühlvolle Herz unter den Leſern der Spinnſtube es ſich denken, wie es den Großeltern, die am Rande des Grabes ſtanden; wie es Herrn Lorenz war, der ſo große Hoffnungen auf Fritz geſetzt; wie es endlich um Rickchen ſtand, die ihn ſo treu liebte. Alles, was ſie ſich geträumt hatten von ihrem nahen Glück, es war zertrümmert!

Fritz eilte endlich, ſich losreißend, hinweg.

Schreibe oft! riefen ſie Alle noch ihm nach und: Gott ſchütze und behüte dich!

312.

Wie im Taumel eilte er hinweg. Die Trommel raſſelte und die Rekruten marſchirten ab. Thränende Augen ſahen ihnen nach. Segenswünſche begleiteten ſie. Nur Ein Auge ſah mit Freude dem Zuge nach, und kein Segenswunſch ſtieg aus dem Herzen auf, zu dem es gehörte.

Das Depot oder der Ort, wo die Rekruten des Regimentes, zu dem Fritz beſtimmt worden war, ausge bildet und einexerzirt wurden, war Straßburg. Das Re giment aber ſtand in Spanien. Sobald ſie alſo ausge bildet waren, kannten ſie ihre Beſtimmung. Es war der mörderiſche Vertilgungskampf in Spanien, der ſie er wartete.

Ueber den beiden Familien lag eine tiefe Trauer.

Rickchen ging gar nicht mehr aus. Ihr einziger Gang war zu den betrübten Großeltern, und wenn ſie dahin kam, mußte ſie tröſten, die doch des Troſtes ebenſo ſehr bedurfte, als ſie. Es war recht auffallend! Seit Fritz weg war, kam Franz wieder täglich zu den Groß eltern, und was ihnen noch mehr auffiel, war das, daß er mit großer Liebe und Theilnahme von ihm redete, und meiſt die Briefe, die er ſchrieb, ſelber den guten Alten brachte; auch ſich allemal mit großer Theilnahme nach ihm erkundigte.

Traf er Rickchen, ſo erwies er ihr große Aufmerk ſamkeit und verhehlte die Liebe gar nicht, die er zu ihr fühlte. Die Großeltern ſöhnten ſich in ihrer Gutmüthig keit und Argloſigkeit mit ihm aus. Rickchen ſah tiefer und ihr Abſcheu wuchs mit jedem Augenblick, indem ſie die Abſichten Franzen's mehr und mehr durchſchaute.

So lange Fritz in Straßburg war, kamen ſeine Briefe regelmäßig an, und ihre Ankunft war ein Freuden feſt; aber während des Marſches nach Spanien blieben ſie aus und auch ſpäter kamen ſie ſelten. Als aber die Franzoſen nach Portugal zogen, um den Engländern zu wehren, da blieben ſie ganz aus.

Die Nachrichten aus dem Lande des Krieges waren überhaupt in eben dem Maaße ſelten und kümmerlich, in dem die Lage der Franzoſen ſich verſchlimmerte, und die Siege der Spanier und Engländer, welche zuſammen gegen die Franzoſen ſtritten, erfolgreicher und häufiger wurden.

Herr Lorenz ſah, wie der Schmerz ſein ſchönes blühendes Kind verzehrte, wie er die alten Großeltern dem Grabe näher brachte. Er ſelbſt litt dadurch doppelt.

War er todt oder gefangen? Das war die Frage; aber wer ſollte Antwort geben?

Herr Lorenz ſchrieb an das Kriegsminiſterium nach Paris. Schnell kam die Antwort: Friedrich Wilken habe tapfer geſtritten, habe ſich das Kreuz der Ehrenlegion auf dem Schlachtfelde von Cindad Rodrigo erworben; ſei darauf ſeiner Tapferkeit und Fähigkeiten wegen zum Lieutenant, dann ebenſo ſchnell von Stufe zu Stufe bis zum Hauptmanne geſtiegen, ſei aber, wie ſeine Kameraden berichteten, in dem erſten Treffen gegen die Engländer gefallen. Ein eigentlicher Todtenſchein könne nicht ge ſendet werden, weil authentiſche Nachrichten fehlten und es auch noch möglich ſei, daß der Schwerverwundete in die Hand der Feinde gefallen ſei. Die Nachrichten ſeien jedoch der Art, daß auch dann an ſeiner Lebensrettung mit Grund gezweifelt werden müſſe.

Als dieſe Nachricht eintraf, war das Maaß des Leidens voll. Rickchen wandelte umher, wie ein Schatten, und die Großeltern wankten ſichtlich dem Grabe zu. Selbſt Herr Lorenz war tief gebeugt. Und doch ſagte er oft: Warum beweinen wir ihn denn als todt, und es iſt doch noch ein Schimmer von Hoffnung vorhanden?

(Fortſetzung folgt.)

Bekam

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