Ausgabe 
5.1.1853
 
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Bischen Nähen, das ſie aber nicht ernähren kann. Wir haben von Kindesbeinen an in Liebe tren an einander gehalten, und ſeit unſere Aeltern ſtarben, ſind wir unzer trennlich. Ohne mich müßte ſie verhungern und ohne ſie möchte ich nicht leben. Nun war ich in der letzten Zeit im Fiſchfange unglücklich. Es ſchwebte ein wahrer Un ſtern über mir und ich hatte doch die Miethe von zweien Jahren zu bezahlen. Da kam der unbarmherzige Beſitzer unſerer kleinen Wohnung, während ich meine Netze aus warf, zu meiner armen Schweſter, fluchte, tobte und drohte, und aus dem Hauſe zu werfen. Das arme Mäd⸗ chen zitterte und bebte, und als ich wieder von einem un glücklichen Fiſchfange heimkam, ſelbſt traurig und miß muthig, fand ich ſie troſtlos und in Thränen faſt zer fließend. Um den Menſchen zur ſchonenden Nachſicht zu ſtimmen und das arme Madchen zu beruhigen, ging ich zu ihm; aber er ſtel über mich her, als wollte er mich tödten. Sein Grimm hatte kein Maß und ohne Weiteres kündigte er mir an, acht Tage Friſt wolle er mir geben. Sei dieſe um, ſo würde er uns hinauswerfen laſſen und uns verfolgen, bis wir die Schuld getilgt hatten, und ginge Boot, Netze und Alles darauf, was wir hätten. Das beugte mich bis zum Staube. Ich mußte aber mein Leid ſtill in mir tragen, um nicht meine gute Schweſter noch unglücklicher zu machen. Am andern Morgen fuhr ich, nachdem ich die ganze Nacht fruchtlos meine Netze aus geworfen, nach Neapel, verkaufte, was ich hatte, und ging troſtlos am Molo auf und nieder. Da ſah mich ein Bekannter.

Antonio, rief er, willſt du ins Kloſter gehen oder in die Berge?*) Du ſiehſt aus, als ſträube ſich gegen das Eirſte Dein Herz, gegen das Zweite Dein Gewiſſen. Machs kurz, daß Deine Seele entlaſtet wird! Oder komm mit in die Oſteria, auf ein Glas Falerner ſolls mir nicht ankommen, denn ich habe einem Ingleſe den Weg nach Caſtellamare gezeigt, und der hat bezahlt wie ein Duca!

Er zog mich in die Oſteria und ich widerſtrebte nicht. Da ſaßen noch andere Leute, die Maccaroni aßen. Hier loſte mir der Wein die Zunge und ich erzählte ihm mein Leid. Er trank mir immer zu und am Ende ſtieg mir der Falerner in den Kopf. Da kam ein Mann zu mir, der aufmerkſam meine Erzählung angehört hatte, legte die Hand auf meine Schulter und ſagte: Fünfzehn Ducati quälen Dich ſo, guter armer Junge? Du kannſt ſechs und dreißig auf der Stelle haben, wenn Du Dich als Korallenfiſcher verdingſt. Da bezahlſt Du Deine Schuld und Annunciata kann im Ueberfluß leben, bis Du wiederkommſt.

(Fortſetzung folgt.)

Miscellen.

Ueber die Unglücksfälle mit Dampfbooten auf dem Miſſiſſippi theilt Lyell in ſeiner Reiſe Folgendes mit: Ich hatte viel von den Gefahren des Miſſiſſippi gehört und ſelbſt ehe ich Neu-England verließ, hatten mir einige meiner Freunde, theils in Scherz und theils um mir in der Wahl der Schiffe und Kapitäne die nöthige Vorſicht einzuflößen, endloſe Geſchichten von der Gefahr erzählt, der wir uns ausſetzten. Einer von dieſen hatte mir eine Zeitung gegeben mit einer ſchrecklichen Liſte aller Unglücks⸗ fälle vom letzten Jahre. Fünfzig Schiffe waren in Baum ſtämme gerannt(suagged), ſiebenundzwanzig waren ge⸗ ſunken, bei ſechszehn war der Dampfkeſſel geſprungen, dreizehn waren verbrannt, zehn geſcheitert und ſieben von

*) So viel als: Straßenräuber werden.

Eis zertrümmert worden. Darauf folgte eine Angabe der Zahl der Perſonen, die ertranken oder beſchädigt wur den. Ein anderer Freund lenkte meine Aufmerkſamkeit auf eine nicht ungewöhnliche Anzeige in den Zeitungen von St. Louis mit der Ueberſchrift:Eine gute Gelegen heit hinabzugehen.Dies, erklärte er,heißt nicht zu Grunde zu gehen, wie Sie wohl ſchließen möchten(ob gleich das ein keineswegs unwahrſcheinliches Reſultat Ihrer Reiſe iſt), ſondern bezeichnet nur den Fluß her unter. Ein Anderer gab mir den folgenden guten Rath: Wenn Sie eine Wettfahrt oder eine Jagd mit einem rivalen Boot machen, und wenn die andern Paſſagiere den Kapitän anfeuern, der auf dem Ventil ſitzt, um es mit ſeinem Gewicht niederzudrücken, ſo gehen Sie ſo weit als möglich von der Maſchine fort, und verlieren Sie ja keine Zeit, beſonders wenn Sie den Kapitän rufen hören: Feuert, Jungens, das Harz drauf! Wenn ein Diener ruft:Die Herren, welche nicht bezahlt haben, mögen ſo gut ſein und in die Damenkajüte gehen, ſo gehorchen Sie der Aufforderung ohne Aufſchub, denn dann iſt eine Exploſion zu befürchten.Warum in die Damenka jüte? fragte ich.Weil es das ſichere Ende des Boots iſt, und weil ſie für die perſönliche Sicherheit derer beſorgt ſind, die ihre Dollars noch nicht bezahlt haben, da ihnen Nichts an den anderen liegt. Bezahlen Sie deßhab nie im Voraus, denn wenn Sie während einer Wettfahrt über Bord fallen und die Wache dem Kapitän zuruft:Ein Paſſagier über Bord! ſo ſagt er: Hat er bezahlt? und wenn dieß bejaht wird, ſo ruft er Go ahead!

Ein Bauernmädchen wurde in der Kinderlehre gefragt: Was ſie mit ihren Sünden verdient habe. Sie antwor tete:Ach, Herr Pfarrer, ich verlange nichts dafuͤr.

Auf Ehre, mir iſt heute recht dumm, ſagte ein Herr zu ſeinem alten Bedienten.Ja, erwiederte die⸗ ſer ängſtlich,Euer Gnaden ſehen auch ganz darnach aus.

Ein armer polniſcher Jude ging durch einen Wald. Ein Wolf kam auf ihn los. Verdutzt, erſchrocken hielt der arme Jude ihm ſeinen Wanderſtock entgegen, und glückli cherweiſe ſchoß ein lauernder Jäger hinter ihm nach dem Wolfe, der, getroffen, todt hinfiel.Gott's Wunder! ſchrie der arme Jude, der den Jäger nicht ſah, und blos den Schuß hörte,hob ich den Stock doch ſchaun zwanzig Johr, und hob nit gewißt, daß er geladen is.

Ein verzogenes Söhnlein gab in Gegenwart ſeiner Mutter der Dienſtmagd einen Schlag in's Geſicht. Wie eine Furie fuhr die Mutter auf ihn zu und rief:Wann wirſt du denn einmal Art lernen? Schon wieder mit der linken Hand!

Ein junger Menſch, der ſich vor dem Anfange der Oper im Parterre damit beſchäftigte, in die Logen herum zu gaffen, fragte ſeinen Nachbar, den er aber nicht kannte: Sehen Sie doch das Affengeſicht da, kennen Sie die nicht? Welche? fragte dieſer.Die dort eben in die Loge

herein kam.)»Das iſt meine Schweſter.Nein, nein, ſagte er ſehr betroffen,ich meine die andere da neben.Das iſt meine Frau.

Als ein Lehrer ſeinen Schülern erklärte, daß im Monde wahrſcheinlich auch Menſchen oder doch menſchen ähnliche Weſen lebten, fragte ein Knabe:Herr Lehrer, wo bleiben denn die Menſchen im Monde, wenn der Mond abnimmt?Nun, die nehmen auch ab! erwiderte barſch der Lehrer.