Ach, Antonio, kommſt Du ſchon? rief ſie und eilte dem jungen Fiſcher entgegen, der ihre Hand herzlich drückte. Wen bringſt Du denn da? fragte ſie, mich neu— gierig betrachtend. 1 ö„
Der Signor Ingleſe will ſich bei uns einmiethen, ſagte der Bruder. Aengſtlich verſetzte die Schweſter: Wie ſoll das geſchehen?—
Laß mir dir Sorgen, liebe Annunciata, verſetzte er. Ich werde das ſchon machen. Du weißt, ich muß in ein paar Tagen fort. Da räume ich ihm mein Stüb⸗ chen ein.
Aber wo wirſt Du ſchlafen? fragte ſie. ö
Laß mir die Sorge dafür, erwiderte der Bruder lä⸗ chelnd, und wir traten in das Häuschen ein. Es hatte zwei niedere Stockwerke und das Dach fiel vom zweiten Stockwerke zu beiden Seiten ab, ſo, daß es eine Dach⸗ ſtube bildete. Ich ſtieg hinauf; allein das Stübchen war ſo niedrig, daß ich faſt mit dem Kopfe an die Balken der Decke anſtieß. Da konnte ich nicht wohnen. Einen Au⸗ genblick war Antonio in Zweifel; aber er wußte Rath.
Wie wäre es, liebe Ann unciata, ſagte er, wenn Du dem Signor Deine Unterſtube einräumteſt und dieſe bezoͤgeſt?
Bei der großen Armuth war ihm die Miethe don hohem Werthe. Die Schweſter lächelte ſchmerzlich und ſagte: Sehr gerne!
Mau führte mich herunter, und das reinliche, nette Stübchen gefiel mir. Indeſſen ſagte ich, daß es mir un— angenehm wäre, Annunciata aus ihrer Wohnung zu vertreiben. Dieſe Bemerkung wurde jedoch ſchnell und genügend widerlegt. Ein Mahl von vortrefflichen friſchen Seefiſchen wurde nun aufgetragen, dem eine duftige Me— lone folgte. Ich hatte mich mit Kaffee verſehen, und da Ziegenmilch leicht zu bekommen war, braute ich auf mei⸗ ner Spiritusmaſchine einen guten Kaffee, der uns Dreien herrlich ſchmeckte. Nach dem Mahle ging ich mit Antonio in eine kleine Bucht, wohin er ſein Boot brachte, und wir ſtachen in See, um da Netze zu werfen. Die Bucht war zum Angeln vortrefflich, und da ich meine Geräth— ſchaften im beſten Zuſtande hatte, verſprach ich mir vielen Genuß für meine Liebhaberei und ſchloß um einen Preis, der an ſich unbedeutend, für Antonio aber ein wahrer Reichthum war, die Miethe und Verköſtigung für drei Monate ab. Unſer Fiſchfang war ergiebig und bald lan— deten wir fröhlich wieder in der Bucht. Als wir zur Hütte kamen, war mein Stübchen im ſchönſten Zuſtande. Ich ließ mich häuslich nieder. Am Abend ging ich auf einen Felſen an der Küſte, wo die herrlichſte Ausſicht ſich mir darbot. Von der Abendſonne vergoldet, lag der Golf wie ein Spiegel vor mir da. Einzelne Boote ſchwammen gleich weißen Schwänen auf der gräulich-blauen Fluth. Stolz wiegte ſich ein engliſches Kriegsſchiff auf dem Meere und rechts brauste ein Dampfer daher, um den Hafen von Neapel zu erreichen. Eine Wolkenſäule ſtieg aus dem Krater des Veſuvs auf und Neapel lag im herrlich— ſten bläulich-violetten Schimmer in unbeſchreiblicher Schön— heit, von ſeinen Höhen im Rücken geſchützt, vor meinem trunkenen Blicke. Die Luft war ſo würzig, daß ich ſie mit gierigen Zügen einſog und der friſche Seewind trug die Düfte blühender Orangen herüber. Der Himmel ſtand wie im Feuer und keine Wolke ſchwamm der untergehen— den Sonne nach. Rings war tiefe Stille. Nur die Brandung an dem Felſen der Inſel brauste dumpf her⸗ auf und der ſchrille Ton der Möven miſchte ſich mit dieſen eigenthümlichen Klängen.
Wer dieß wunderbarſchöne Bild ſich nicht nach eige— ner Anſchauung vergegenwärtigen kann, mag es aus
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meiner unvollkommenen Beſchreibung kaum zu faſſen. Ich war entzückt und pries mich glücklich, dem Gewühl der Toledoſtraße entgangen zu ſein. Daß ich in ein ſtilles Träumen verſank, werden Sie begreiflich finden, wie auch, daß dieſe Eine Stunde mich für alle Entbehrungen des comfortabeln Lebens, die ich mir hier ſelbſt auferlegt hatte, reichlich entſchädigte. Aus meinen Träumen weckte mich Antonio, der ſich mit der Frage nahte, ob ſeine Geſell— ſchaft mir nicht unangenehm ſei?
Als ich das verneint, ſetzte er ſich zutraulich an meine Seite und begann darauf mit der unverſtellten Offenheit eines einfachen Naturmenſchen zu erzählen.
Meine und Annunciatas Aeltern, ſagte er, ſind ſchon ſeit einer Reihe von Jahren verſtorben. Mein Va— ter war ein armer Fiſcher und ich habe ſein Gewerbe wieder ergriffen, das mich und meine Schweſter freilich nur kümmerlich ernährt. Wäre das Hüttchen unſer freies Eigenthum, ſo könnten wir uns nur glücklich preiſen, aber wir wohnen blos zur Miethe, und wenn die uns gekün— digt würde, wären wir ſehr unglücklich. Vergebens habe ich geſtrebt, ſo viel zu erwerben, es zu kaufen. Es iſt mir nicht geglückt. Meiner lieben Schweſter lange Krank⸗ heit hat mich vollends zurückgeworfen, da ich die Miethe von zwei Jahren ſchuldig habe bleiben müſſen.— Er ſeufzte tief auf.— Ach, fuhr er darauf fort, hätte ich ahnen können, daß mir der heilige Januarius das Glück beſcheerte, Euch als Miether zu bekommen, ich hätte nicht gethan, was ich gethan habe!—
Was haſt Du denn gethan? fragte ich neugierig.
Ach, ſagte er, ich habe mich als Sclaven verkauft!
Als Sclaven? rief ich aufſpringend. Wie iſt das möglich? Es gibt ja doch hier zu Lande keine Sclaven!—
Seine Miene nahm den Ausdruck tiefer Betrübniß an. Setzet Euch doch, Signor, ſprach er bittend; ich ſehe, Ihr ſeid mit dem, was ich bezeichnet habe, gänzlich unbekannt. Ich will Euch das Räthſel loͤſen.
Ich ſetzte mich wieder und war nicht wenig auf die Eröffnung geſpannt, die ich empfangen ſollte.
Ihr wiſſet doch, begann er, daß die ſchönen, zum Schmucke ſo ſehr geſuchten rothen, milchweißen und bläu⸗ lichen Korallen an den Küſten der Berberei und Sardiniens gefiſcht werden?— Ach, die vornehmen Leute, die dieſen Schmuck tragen und ſich an den wunderſchönen Schnitze— reien erfreuen, welche in Neapel, Rom, Livorno und Florenz, auch in Genua, gemacht werden, wiſſen es nicht, wie unendlich die Beſchwerden und Laſten ſind, unter und mit denen ſie aus dem Schooße des Meeres hervorge— zogen werden! Jährlich um dieſe Zeit wird in Neapel oder Amalfi eine kleine Flotte von Barken ausgerüſtet. Die Unternehmer ſind reiche Leute, welche auf alle Weiſe junge Schiffer zu dieſer Fiſcherei anzuwerben ſuchen, die ihnen dann leibeigen ſind fuͤr die Zeit der Fiſcherei, die furchtbare Leiden und Entbehrungen zu dulden haben, die mit der kümmerlichſten Nahrung, meiſt faulem Paſſer verſorgt, Tag und Nacht arbeiten müſſen, unter dem eiſernen Gebote eines rohen, unbarmherzigen Kapitäns ſtehen und den kärglichſten Lohn empfangen. Ich will es Euch ſchildern, wie ich für die Fiſcherei geworben wurde, auf daß Ihr Euch davon eine Vorſtellung machen könnt.
Vor vierzehn Tagen iſt es geweſen, da bin ich mit meinem Boote voll Fiſche hinüber nach Neapel gefahren. Herr, mein Herz war ſchwerer belaſtet, als mein Boot! Annunciata, die Arme, die das Unglück hat, mißge— ſtaltet zu ſein, und die doch ein ſo gutes, liebevolles Herz hat, iſt das einzige Weſen, das ich in der Welt habe, und ich bin ihre einzige Stütze— denn zum Dienen iſt die Schwache nicht und ſonſt hat ſie nichts gelernt, als ein
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