„Ceres.“
Intelligenz-Blatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,
den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.
M 438.
Sonnabend den 4. Juni
1853.
Ausſchußſitzung des landwirthſchaftlichen Vereins für die Provinz Oberheſſen.
Der auf Donnerſtag den 16. Juni d. J. anberaum⸗ ten Hauptverſammlung des landw. Vereins von Oberheſſen (ſ. nachſtehende Einladung) wird eine Sitzung des Aus— ſchuſſes vorausgehen. Die verehrlichen Mitglieder werden hiermit, ſtatt beſonderer Schreiben, auf eine Stunde früher, alſo auf 9 Uhr Vormittags, ergebenſt eingeladen.
Laubach den 10. Mai 1853.
Der Präſident des landwirthſchaftlichen Vereins von Oberheſſen: Otto, Graf zu Solms Laubach.
Einladung
zur Hauptverſammlung des landw. Vereins von Oberheſſen.
Der Unterzeichnete bringt zur Kenntniß der verehr— lichen Mitglieder des landw. Vereins von Oberheſſen, daß die dießjährige Hauptverſammlung dieſes Vereins Donnerſtag den 16. Juni, Vormittags 10 Uhr, in dem Gaſthauſe zum Einhorn in Gießen ſtatt⸗ finden wird, wozu die verehrlichen Mitglieder und Freunde der Landwirthſchaft, da die Verſammlungen öffentlich ſind, ergebenſt eingeladen werden.
Diejenigen, welche in der Verſammlung Vorſchläge zu machen und mündliche Vorträge zu halten beabſichtigen, werden nach§. 33 der Statuten erſucht, vor dem Anfang der Verſammlung dem Präſidenten Anzeige daruͤber zu machen.
Schriftliche Mittheilungen, welche ein Mitglied zur Kenntniß der Verſammlung zu bringen wünſcht, ſind nach dem gedachten§. 33 der Statuten wenigſtens einige Tage vorher dem Präſidenten einzuſenden.
Nach Erſtattung des Berichts über das Wirken des Vereins in dem letzten Jahre werden folgende Gegenſtände zur Berathung kommen:
1) Welche Grundſätze wären für die Folge von dem oberheſſiſchen Vereine in Bezug auf die Verbeſſerung der Rindviehzucht zu befolgen?
2) Welche Erfahrungen liegen über den Anbau des Tabaks in Oberheſſen vor? Erſcheint es zweckmäßig, dieſen
Anbau Seitens des Vereins, etwa durch Ertheilung von Preiſen, zu unterſtützen?
3) Warum wird der Gartenbau in vielen Gemeinden ſo ſehr vernachläſſigt? Wären keine Mittel zu finden, ihn daſelbſt zu heben?
4) Wie wäre der verderblichen Viehverſtellung am zweckmäßigſten abzuhelfen?(vid. Nr. 2 Pag. 12 der landw. Zeitſchrift v. 1834.)
5) Welche landw. Werkzeuge haben ſich außer den von jeher landesüblichen als praktiſch für unſeren Acker— bau bewährt, welche Erfahrungen ſind namentlich über die verſchiedenen in neuerer Zeit eingeführten Pflüge gemacht worden?
6) In wie weit iſt es Beduͤrfniß, eine geſetzliche Währſchaft der Hauptmängel beim Viehhandel überhaupt noch fortbeſtehen zu laſſen?
7) Iſt die Gründung einer eigenen Hagelverſiche— rungsgeſellſchaft für das Großherzogthun Heſſen immer noch wünſchenswerth?
Laubach den 10. Mai 1853.
Der Präſident des landwirthſchaftlichen Vereins von Oberheſſen Otto, Graf zu Solms-Laubach.
Miscellen.
Ein Herr hatte einen Kutſcher, der ſich faſt alle Tage betrank. Nur die Treue und Ehrlichkeit des Menſchen und ſein oft treffender Witz ließ ſeinen Herrn nicht dazu kom— men, ihn fortzuſchicken. Eines Tages begegnete er ſeinem Herrn gerade im Hofthor. Er ſchwankte wieder bedenklich, und der neue Rock, den er ihm vor Kurzem erſt hatte machen laſſen, war vornen voller Flecken.
Es iſt denn doch mit dir nicht mehr zu ertragen, Johann, ſagte der Herr unwillig. Faſt jeden Tag trunken; wo ſoll das am Ende hinaus? Ich werde dich doch fortſchicken müſſen! Sieh'mal deinen neuen Rock, wie der befleckt iſt!
Verzeihen Sie, ſagte der Kutſcher, es iſt doch ſo arg nicht mit mir, und dieſe Flecken kommen nicht vom Trinken!—
Wovon denn? fragte der Herr, noch unwilliger über die Gegenrede.
Ach, gnädiger Herr, ſagte der Johann weinerlich, die Flecken kommen— vom Verſchütten!


