zuwider gehandelt werde. Sie haben daher dieſem Gegen⸗ ſtande die erforderliche Aufmerkſamkeit zu widmen, und etwaige Contraventionsfälle alsbald den Polizeibeamten zur Beſtrafung anzuzeigen. ö f 8) Damit übrigens gegenwärtige Vorſchriften immer in friſchem Andenken bleiben, ſo haben die Beamten dafür zu ſorgen, daß ſie alljährlich vor Anfang der Spinnzeit in den Ihnen untergebenen Gemeinden bekannt gemacht werden. Gieſſen den 31. Dezember 1812. b Großherzoglich Heſſiſche Regierung. Freiherr v. Stein. vt. Eckſtein.
Das ſel be an die Gr. Bürgermeiſter und Gendarmerie.
Betreffend: Das Vermiſſen des 14jährigen Knaben Karl Bierbrauer von Staden.
Der 14jährige Karl Bierbrauer von Staden, welcher dahier bei Kaufmann W. Hanſtein in der Lehre ſtand, hat ſich am 20. d. Mts. von hier entfernt, ohne daß bis jetzt deſſen Aufenthalt bekannt geworden wäre. Sämmtliche Gr. Bürgermeiſter des Kreiſes werden daher hiermit auf⸗ gefordert, nach demſelben Nachforſchungen anzuſtellen und bei allenfallſiger Ermittelung des Aufenthalts des genannten Knaben unverzüglich Nachricht hierher gelangen zu laſſen.
Nach Angabe des Vaters ſoll derſelbe bei dem Ent— weichen bekleidet geweſen ſein mit:
1) einem dunkelblauen tuchenen Turnerwamms,
2) einer grauen Tuchweſte,
3) mit dunkelblauen tuchenen Hoſen,
4) mit einem neuen leinenen Hemd ohne Zeichen und 5) mit ledernen Schuhen. l
Er entlief mit entblößtem Kopf und trug in einem ungeſäumtem Sacktuche gebunden ein Hemd, ein Paar wirkene Hoſen und einen Hoſenträger. Der Knabe iſt mittlerer Größe, mindeſtens 5 Fuß hoch, unterſetzter Statur und hat weißgelbe Haare.
Friedberg den 28. Dezember 1852.
de Beauclair, Kreisaſſeſſor.
Antonio, der Kiſcher von Capri. Eine Erzählung von W. O. von Horn.
Es war im Sommer des Jahres 1850, als mich ein hartnäckiges Leiden nach Baden Baden führte. Dort wohnte mit mir in demſelben Hauſe ein Engländer, welcher leidend war wie ich. Das zieht die Menſchen zu einander, und da ich mit ihm in ſeiner Mutterſprache ver- kehren konnte, ſchloß er ſich eng an mich an, und ich ge⸗ wann ihn lieb. Er war ein Mann, der viele und große Reiſen in allen Ländern Europas nicht nur, ſondern auch in Aſien gemacht hatte. Da wurde Einem keine Stunde lang. Er wußte ſo viel Erlebtes zu erzählen, hatte auch ſo viel erlebt, daß man ihm mit der geſpannteſten Auf⸗ merkſamkeit zuhören konnte.
Eines Tages waren wir den Weg zum alten Schloſſe von Baden hinaufgeſtiegen. Die Sonne drückte uns faſt zu Boden und wir freuten uns, als endlich der prächtige dunkle, ſchattige Tannenwald uns aufnahm. Etwa zwei Drittheile des Weges zur Burg hatten wir erſtiegen, da ſahen wir rechts auf dem hohen Ufer des Weges unter den Tannen Tiſch und Bänke, die dort roh, aber höchſt angenehm zum Ausruhen angebracht ſind, und ſchnell bogen wir ab und nahmen Beſitz von dem köſtlichen Plätz⸗ chen. Hier war's prächtig! Heute konnte man vor dem
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Zudrange der Badegäſte ſicher hier oben ſein, da die Hitze zu groß war und der Strom mehr in die Lichtenthaler Allee ſich gezogen hatte.
Ich weiß es eigentlich ſelbſt nicht, wie unſer Ge⸗ ſpräch ſich nach Italien wandte, aber bald war Thorn— ton,— ſo hieß mein Freund,— bei Neapel.
Ja, ſagte er, und es war als ob ein Heimweh ihn beſchliche, denn er ſeufzte tief, wer einmal Neapel, ſeinen Golf, den rauchenden Veſuv, den Poſilipp— die wunder⸗ volle Küſte von Amalfi und Salerno geſehen—; wer dieſe Düfte geathmet hat— er kann es nicht wieder ver— geſſen! Reiner iſt nirgends des Himmels Blau, glänzen⸗ der nirgends das Meer, wonniger nirgends die Luft, als hier. Darum ſagt auch in wonniger Begeiſterung der Italiener: Neapel ſehen— und dann ſterben!
Aber der Menſch in dieſem Paradieſe? ſagte ich— Iſt nicht der Lazzaroni auf dem Molo, der ſich im weichen Schatten dehnt— durchweg ſein Urbild?—
. Halten Sie ein! ſagte Thornton. Wollen Sie mir Ihr Ohr leihen, ſo will ich Ihnen ein Lebensbild ſchildern, das ich dort mit eigenen Augen geſchaut.—
Sehr gerne, ſagte ich, und er erzählte.
Es war etwa vor drei Jahren, als ich in Neapel war, wos damals auch in den Köpfen ſpuckte, wie faſt überall. Ich wohnte in der Straße Toledo, wo es mir nachgerade zu bunt und zu toll wurde. Mich band nichts. Was konnte mich alſo hindern, Neapel einmal von einer andern Seite anzuſehen, der tiefen Stille mich zu freuen und unter einfachen Menſchen froh zu ſein?— Ich nahm einen Lazzaroni, ließ meine Effekten nach dem Hafen bringen und rief: Capri!
Hier! tönte alsbald eine wohllautende Stimme. Sie kam aus einem Fiſcherboote, das eben ſeine Ladung ver⸗ kauft hatte, und gehörte einem jungen Fiſcher an, der alsbald vor mir ſtand. Es war ein Jüngling von 19 bis 20 Jahren, kräftig und blühend. Seine Geſichtszüge hatten etwas ſo Freundliches und Gutmüthiges, daß er mich auf den erſten Blick für ſich eingenommen hatte.
Nach Capri wollen Sie? fragte er und deutete zugleich nach der Felſeninſel, deren Namen er nannte. Ich fahre mit meinem Boote ſogleich ab und weile auch, ſo lange Signor Ingleſe es will, ſetzte er hinzu.
Nun waren wir ſogleich einig. Meine Effekten wurden in das Boot gebracht und ich ſetzte mich. Wenige Ruderſchläge brachten das Boot in See. Leiſe nahm der Schiffer ſeine rothe Mütze vom lockigen Kopfe und betete, und ich that daſſelbe. Freundlicher noch, als vorher ſah er mich jetzt an und es währte nicht lange, ſo waren wir in lebhaftem Geſpräche.
Ich wollte auf der Inſel in Einſamkeit und Abge⸗ ſchiedenheit leben und mich der Natur freuen und dabei die Eigenthümlichkeiten des Volkslebens beobachten, denn ich war des Treibens müde geworden in Neapel. Der junge Schiffer hatte mir bereits geſagt: er heiße An- tonio, habe Niemanden mehr, als eine theure Schweſter, und wohne gar freundlich und ſchön.
Haſt Du denn noch Raum in Deinem Hauſe, daß ich bei Dir bis zum Herbſte und weiter hinaus in die Miethe ziehen könnte, fragte ich ihn.
Er beſann ſich einen Augenblick; dann flog ein Strahl der Freude über ſein Antlitz und er ſagte: Ja Herr, wenn Euch ein Bett von Schilf und ein ſauberes Stübchen mit ſchöner Ausſicht genügt. Mehr kann ich nicht bieten und Ihr konnt es Euch ſelber anſehen.
(Fortſetzung folgt.)
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