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zehn Tagen in der Zeit von Samstag Abend bis Montag früh entwendet worden sein.
— Der„Köln. Volkszeitung“ geht die Nachricht zu, daß eine durchgreifende Neu⸗ organisation in der allgemeinen Verwaltung Preußens, verbunden mit Ersparnissen, geplant werde. Es handelt sich darum, eine Zwischen⸗ instanz fallen zu lassen, die Landräthe oder die Regierungspräsidenten, wahrscheinlich die letzteren. Diese Angelegenheit bilde den Gegen⸗
stand der Erwägung von Berathungen bei den
zuständigen Ministerien.
Ausland. Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 26. 5 Der Kaiser ist heute Abend in Begleitung des Generaladjutanten Graf Klar und F. M. v. Bolfras nach Budapest abgereist. Budapest, 27. Dez. Der Kaiser nahm die Demission des Kabinets an und betraute letzteres
mit der Fortführung der Geschäfte bis zur
Ernennung eines neuen Kabinets.
Holland. Haag, 26. Dezbr. Gestern wurde hier der erste Kongreß der revolutio— nären Sozialistenpartei abgehalten. Er erklärte die Sozialistenliga für aufgelöst, nachdem die Liga durch Urtheil des Cassationshofes als durch das niederländische Gesetz verboten be— zeichnet worden sei. Dem Beschluß, eine neue Liga zu gründen, stimmten 52 Sektionen zu; ferner wurde beschlossen, in Zukunft die Kon— gresse öffentlich abzuhalten.
Frankreich. Paris. Die deutsche Bot— schaft hält aufs Bestimmteste ihre früheren Dementis aufrecht, welche besagen, daß niemals ein Mitglied der Botschaft Beziehungen zu Dreyfus unterhalten habe.
— Es sind ernannt worden: Der französische Gesandte in Belgien Bourrée zum Gesandten in Athen, der bisherige dortige Gesandte Graf de Montholon zum Gesandten in Brüssel, der Bot—
schaftssekretär erster Klasse Danant zum Minister⸗ Residenten in Luxemburg und der Botschafts-
rath Desprez zum Minister-Residenten in Montenegro.
24. Dez. In der Kammer brachte der Kriegsminister ein Gesetz ein, das die Todes— strafe für den Verrath festsetzt für alle Staats— beamten, Soldaten, Reservisten, Landwehrleute, auch die Strafbestimmungen gegen die Spionage verschärft.— 27. Dezbr. Die Kammersession wurde heute geschlossen. Die Kammerkommis— sion reduzirte die Artikel des Spionagegesetzes auf fünf. Jeder Ausländer, der in die Ge— heimnisse der Nationalvertheidigung eindringt oder einzudringen versucht, wird wegen Spionage mit Zwangsarbeit bestraft. Die Todesstrafe für Verrath seitens eines Franzosen wird auf— rechterhalten. Die wegen Spionage angeklagten Ausländer sowie die meisten wegen Verraths angeklagten Franzosen werden vom Kriegsge— richt abgeurtheilt.
Das Abkommen Frankreichs mit Spanien verlängert den handelspolitischen modus vivencli, der am 31. Dez. erlöschen würde, auf unbe— stimmte Zeit, so daß er bis zur ausdrücklichen Kündigung, die 3 Monate vorher auszusprechen ist, in Gültigkeit bleibt.
— Das„Reuter'sche Bureau“ meldet aus Tamatave vom 13. d. M.: In Isovnivana an dem Nordrand der Antongil-Bai feuerte ein Hova-Vorposten auf den französischen Kreuzer „Dupetit-Thouars z. Der das Feuer. Drei Hovas wurden getödtet, die anderen flüchteten. Auf Seiten der Franzosen wurde ein Mann verwundet. Das französische Kriegsschiff„Bien-Aimés“ hat ein Fort der Hovas in der Nähe von Tamatave genommen. Die Hovas haben den Ort Ivondrona, acht englische Meilen südlich von Tamatave, nieder— gebrannt.
Italien. Rom, 24. Dez. Der Papst empfing heute im Thronsaale die Kardinäle und Prälaten, um die Glückwünsche anläßlich des Weihnachtsfestes entgegenzunehmen.
Kreuzer erwiederte
ö In seiner Ansprache an die Kardinäle stellte der Papst a
das Wiedererwachen des Glaubens fest. Die Nationen seien in Folge von Enttäuschungen, Unglücksfällen und wachsenden Gefahren zu der Erkenntniß gelangt, daß die bürgerlichen Tugenden, Gesetze und strenge Maßnahmen allein nicht ausreichen, die Massen im Zaume zu halten. Es erscheine deshalb von höchster Wichtigkeit, daß Alle zusammenwirken, damit der Glaube das öffentliche und das Privatleben durchdringe, der Name Gottes in den ge⸗ setzgebenden Versammlungen, Vereinen und (Familien mit Ehrfurcht genannt werde, und die Regierenden die Religion in den Heeren und in der Bevölkerung fördern. Dezbr. Fast alle großen Blätter Italiens, mit Ausnahme der in Rom er— scheinenden, verzeichnen die Nachricht, daß Crispi nach dem Hochzeitsfest seiner Tochter, d. h. Mitte Januar, den Vorsitz im Minister— N und das Portefeuille des Innern„interi— mistisch“ an Saracco abgibt, damit es nicht scheine, daß er in den von ihm angestrengten Prozessen einen ungehörigen Einfluß auf die Gerichte übe. — 26. Dez.
— 25.
Der Leiter der„Correspondence [de Rome“, Darcourt, ist heute aus Italien ausgewiesen worden. Der„Fanfulla“ bemerkt dazu, der wahre Name desselben sei Delafosse; seine Ausweisung sei erfolgt, wegen zweier von französischen Gerichtshöfen ausgesprochener Ver- urtheilungen wegen Betruges und versuchten Betruges.
Neapel, 27. Dez. Der Exkönig Franz von Neapel ist heute in Arco in der Südschweiz gestorben.
Türkei. Constantinopel. Die„Armenische Zeitung“ meldet aus Trapezunt, daß die Garni— sonen in Türkisch-Armenien verstärkt werden.
Rußland. Petersburg, 24. Dez. Das
Kaiserpaar begab sich gestern nach Zarskoje— Sselo. Das Kaiserpaar kehrt am 5. Jan.“ aus Zarskoje Sselo hierher zurück. Die Reise der Kaiserin-Wittwe nach dem Kaukasus ist auf unbestimmte Zeit verschoben. f— Der„Handels- und Industrie-Zeitung“ zufolge soll der Reichsrath demnächst zu den Vorlagen des Finanzministeriums, betreffend die Ueberweisung von 24,333,524 Rubel seitens der Staatskasse an die Staatsbank behufs Er— höhung des Grundkapitals der Bank bis 50 Million Rubel, und betreffend die Förderung des Ausbaues billiger Lokaleisenbahnen, Stellung nehmen.
Warschau, 27. Der Exgouverneur General Gurko ist mit seiner Familie ins Aus— land abgereist. Die Behörden und eine Ab- [theilung Militär gaben ihm das Geleit. Amerika. Lima, 21. Dez. Ein Aufruhr
sentstand hier, als die Behörden, dem Befehle [des Präsidenten Caceres folgend, eine Menge shungernder Weiber und Kinder auseinander- treiben wollten. Die Ruhestörungen dauerten Todte und Verwundete bedeckten
Dez Vez.
drei Stunden. die Straße. g Korea. 22. ez.
einer [Meldung der„Central News“ hat die koreanische; Regierung eingewilligt, dem fremdländischen Handel in Korea zwei neue Häfen zu eröffnen, nämlich Mokpo in der Provinz Tschollado und Tschiunampo am Tatungufer.
*
Nach
— Die Tonghaks haben Haiju, die Haupt⸗ stadt der Provinz Hwanghaido eingenommen, den Gouverneur vertrieben und einen ihrer Häuptlinge als Gouverneur eingesetzt. haben sie drei Städte im Süden des Landes in Brand gesteckt.
Japan. Yokohama. Eine Division stieß am 19. d. westlich von Heitschang auf eine 10,000 Mann starke chinesische Truppenmacht des Generals [Sung. Nach fünfstündigem Kampfe und vier Sturmangriffen auf die chinesische Stellung
japanische
0
ergesprengt.
glieder und deren Angehörige eine ö Sie fand am 2. Christfesttage im Schmitt'schen Saale
Professor he. Flöring.
Minuten von der Stadt, ein Pistolenduell statt.
Ferner
Mts. sieben Meilen
wurden die Streitkräfte des Generals Sung
Aus Stadt und Land.—
M. Friedberg. Im Monat November besuchten 359 Verpflegungs- und 139 Herbergsgäste die Herberge zur Heimath. Außerdem hatte 1 Geselle drei Tage lang Kost und Logis daselbst und einer wohnte 25 Tage im Hospiz. An Arbeitsverdienst wurden von den Ver⸗ pflegungsgästen 2 Mk. eingenommen. In der Wirth⸗ schaft hatte man eine Einnahme von 512.91 Mk. und eine Ausgabe von 325.19 M., und wurde demnach ein Ueberschuß von 187.72 M. erzielt.
o.— Der Evang. Arbeiter- und Haudwerkerverein veranstaltete auch dieses Jahr wieder für seine Mit ⸗ Weihnachtsfeier.
unter ganz außerordentlich großer Betheiligung statt und hatte den schönsten Verlauf. Die reichhaltige, 169 sinnige und nützliche Gaben umfassende Verloosung, er⸗
regte viel Freude und die Ansprachen des Vorsitzenden
Dekan Meyer, gemeinsame Gesänge, Deklamationen
und Zithervorträge erhöhten noch besonders die frohe Feststimmung. Den Schwerpunkt des Abends aber
bildete die warmempfundene, treffliche Ansprache von Der Redner wies hin auf die soziale Bedeutung des Weihnachtsfestes, die gerade dem
evang. Arbeitervereine ein besonderes Recht verleihe,
dasselbe freudig zu begehen. Während die Welt vor
Christus, trotz mancher rühmenswerthen Thaten der
Großmuth und der Liberalität, eine arme Welt, weil eine Welt ohne Liebe ist, während dort von einer ge⸗
ordneten Liebesthätigkeit keine Rede sein kann, weil das Beste fehlt:
der Hauch einer selbstlosen Liebe, so ist mit Jesus Christus eine Welt der Liebe in die Mensch⸗
heit eingetreten, die zwar nicht mit neuen Formen und Gesetzen, nicht mit einem sozialen
auberheilspruch, son⸗ dern mit einem neuen Geist das Elend und die Selbst⸗ sucht in der Welt bekämpfte. Das Erstaunen der Heiden⸗ welt über die helfende brüderliche Liebe unter den Christen beweise uns, wie unerhört und neu diese Er⸗ scheinung ihr war. Selbst ein so entschiedener Gegner
des Christenthums, wie Kaiser Julian erkannte mit
scharfem Blick, daß die Welt von Christus die Liebe lernen müsse. Dies müsse sie, so fuhr der Redner fort, immer noch, und heute, in unserer für Viele so harten und schweren Zeit, in besonderem Maße. Viele würden in dem sozialen Kampf entweder verbittert, oder muth⸗ los. Wer Weihnachten gefeiert habe, der müsse sich vor beidem hüten. Daß Christus in diese unsere Welt ge⸗ kommen, daß er auch unserer Zeit voranleuchte in seiner
herrlichen Liebe, das gebe uns auch bei schwerem Kampf 5 0
Muth und Vertrauen, Geduld und Hoffnung. Die Rede machte einen tiefen nachhaltigen Eindruck. Eine noch vorgenommene Tellersammlung brachte der Unter⸗ stützungskasse des Evang. Arbeitet- und Handwerker- Vereius einen namhaften Zuwachs. Wir wünschen dem wackeren Verein ferneres Blühen und Gedeihen zum Heile des Arbeiterstandes. 3 — Es naht wiederum der Neujahrstag, da wir Geschenke geben und empfangen. Man möge deshalb auch der Postboten gedenken; ihr Beruf ist ein schwieriger, und namentlich stellt die Zeit um Weihnachten und Neu- jahr die größten Anforderungen an ihre Leistungs-
fahigkeit.
Gießen, 21. Dez. Heute fand zwischen Offizieren unserer Garnison auf einem Waldwege, etwa zwanzig 0 Einer der Gegner wurde ziemlich schwer verwundet und wird dienstuntauglich werden. Ein Streit im Offizierkasino soll den Zweikampf hervorgerufen haben. 0
Eudorf, 22. Dezbr. Gestern starb in dem hohen Alter von 78 Jahren der evangelische Pfarrer Chr. Diefenbach.
Mainz. Die Annahme, daß durch den Streit von zwei Männern aus Finthen die bereits vor 3 Jahren erfolgte Ermordung des Jagdhüters Eschborn aus Heidesheim ihre Aufklärung finden werde, bestatigt sich leider nicht. Der beschuldigte Mann war zur Zeit des Verbrechens bettlagerig krank, und es hat daher der Ankläger gegen denselben eine grundlose Ver⸗ dachtigung ausgesprochen.
Allerlei.
Mannheim, 27. Dez. Im Tanzsaal„Zum Waldhorn“ erstach gestern während des Tanzes der 18jahrige Schlossergeselle Uehlein den 24jahrigen Fuhr⸗ knecht Billian, weil dieser seiner Tänzerin mehrmals auf den Rocksaum getreten hatte. Der Thäter wurde festge nen.
Karlsruhe, 27. Dez. Im benachbarten Durlach hat sich am ersten Weihnachtstage eine entsetzliche Mord⸗ that zugetragen. Der 32 Jahre alte Korbmacher Peter Beck hat um 11 Uhr Nachts seine vier Kinder im Alter von 7, 5, 3 und 1 Jahren mit einem Revolver getödtet und sich dann selber erschossen.
München, 27. Dez. Beim hiesigen Infanterie⸗ Leibregiment sind 19 Mann an Scharlach erkrankt.
Paderborn, 27. Dez. Im Wahmbecker Tunnel
3. 1 stieß 2 Güterzüge aufeinander, wodurch mehrere Be⸗
amte getödtet oder schwer verletzt wurden.
Berlin, 22. Dez. Zu der Ermordung des Nacht⸗ wächters Ziegler wird gemeldet, daß es gelungen ist, drei der Thaäter ermitteln und festzunehmen. Es sind dies die Schiffer Gebrüder Erbel aus Rüdersdorf und ein Schiffer Nelson. Einer der Verhafteten legte bereits ein umfassendes Geständniß ab. Der vierte Mörder ist noch t entdeckt.
Hamburg, 23. Dez.
Infolge des Nordwest⸗ sturmes
von der letzten Nacht entstand hier eine Spring⸗


