Ausgabe 
25.7.1889
 
Einzelbild herunterladen

Deutsches Reich.

Darmstadt. Der Gerichtsschreiber Braun in Lorsch wurde zum Gerichtsschreiber in Höchst, der Gerichtsfchreiber Paul in Groß Umstadt zum Gerichtsschreiber in Lorsch, der Realqym nastallehrer Dr. Keller zu Mainz zum Direktor der höheren Mädchenschule zu Mainz und der Kanzleigehülfe bei der Hauptstaatskasse Breunig zu Darmstadt zum Ministerialkanzlisten ernannt.

Berlin, 22. Juli. Nach 24stündigem, durch Kohleneinnahme veranlaßten Aufenthalte in Trom soe setzte Kaiser Wilhelm die Reise bis zu der unterm 69. Breitegrad gelegenen Insel Heloe, dann um die Nordspitze von Andoe nach den Lofoten fort. Die Mitternachtssonne gewährte ein ungemein prächtiges und farbenreiches Bild, welches der Kaiser vom Deck aus betrachtete. Die Hohenzollern erreichte Mittags Diggermulen. Nachmittags bestieg der Kaiser die Anhöhe daselbst und kehrte Abends 7 Uhr im 9 5 Wohlsein an Bord zurück. 23. Juli. Die kaiserliche Pacht verließ gestern Abend 10 Uhr Diggermulen, kam heute früh 4 Uhr in Bodoe an und fuhr Nach mittags in den Holandfjord. Der Kaiser begab sich an Land, um den bis fast an das Meeres niveau hinuntergehenden Gletscher der Svartisen kette zu besuchen. Das Wetter war unvergleich lich schön. Die Tagestemperatur war 150 Re aumur. Der Kaiser setzte die Fahrt um 8 Uhr Abends bei spiegelglatter See nach Bergen fort.

Essen. Der Landrath von Gelsenkirchen löste zwei Versammlungen von Bergarbeitern der Zechen Rhein-Elbe, Alma und Hibernia auf

Kiel. In Marinekreisen verlautet, daß die Torpedobootflotille, welche demnächst aus Swine münde hier eintrifft, um Kohlen, Proviant ꝛc einzunehmen und Ende dieses Monats nach Wilhelmshaven geht, das Kaisergeschwader bis zum Canal begleiten solle. Es heißt ferner, daß der AvisoGrille in den Geschwaderverband treten werde, um die Englandsreise mitzumachen. Demnach würde sich eine Londoner Mittheilung, daß der Kaiser mit derHohenzollern und zwölf Kriegsschiffen(Kaiser,Deutschland, Preußen,Faiedrich der Große,Baden, Sachsen,Oldenburg,Irene,Zieten, Wacht,Greif undGrille) der englischen Flottenrevue beiwohnen werde, bestätigen.

Hamburg, 22. Juli. Die Harburger Po lizei löste gestern Morgen eine geheime sozia listische Versammlung auf und nahm mehrere Verhaftungen vor.

Karlsruhe, 22. Juli. Nach einer officiellen Darstellung des Verlaufs der Krankheit des Erb großherzogs wurde gestern Abend die Mit erkrankung eines thalergroßen Theiles des Lungen gewebes nachgewiesen. Außer dem behandelnden Geh. Hofrath Bäumler sind die Geheimeräthe Tenner und Kußmaul anwesend, dieselben stimmen in der Beurtheilung der Krankheit überein.

Juli. Das Befinden des Erbgroßherzogs war im Laufe der verflossenen, durch Husten etwas mehr gestörten Nacht im wesentlichen das gleiche wie gestern. Der Kräftezustand ist heute recht gut, das Fieber mäßig. Die örtlichen Er scheinungen in den hinteren und unteren Theilen der Lunge sind localisirt, die Erscheinungen auf der linken Seite im Rückgang begriffen.

Ausland.

Schweiz. Bern. Die deutsche Regierung hat den Niederlassungsvertrag mit der Schweiz gekündigt; derselbe trut am 20. Juli 1890 außer Kraft.

Belgien. Brüssel, 23. Juli. Die Kammer nahm mit 88 von 94 Stimmen den Gesetzent wurf an, welcher die Regierung ermächtigt, sich mit zehn Millionen an dem Bau der Kongo Eisenbahn zu betheiligen.

Frankreich. Paris, 22. Juli. Der König von Griechenland ist hier eingetroffen und im Hötel Bristol abgestiegen.

Juli. DemTemps zufolge entließ der Minister des Innern heute 40 Subaltern beamte des Ministeriums des Innern, der Seine präfectur und der Polizeipräfectur, weil dieselben

in der Boulangisten- Angelegenheit comporomit⸗ tirt sind.

Gutem Vernehmen nach ist die Meldung, daß gegen Boulanger und Genossen eine Ver lustordonnanz der bürgerlichen Rechte am nächsten Samstag von der Commission des Staatsge richtshofes erlassen werden solle, unrichtig. Die Ordonnanz setzt lediglich eine weitere zehntägige Frist fest.

Großbritannien. London. Nach dem Bericht der Unterhauscommission in der Dota tionsfrage verzichtet die Königin auf das Recht, für andere Enkelkinder als diejenigen des Prinzen von Wales eine Dotation vom Parlamente zu verlangen.

23. Juli. Das Oberhaus nahm in dritter Lesung die Bill betreffend die Errichtung eines Ackerbauministeriums an.

Italien. Rom. DerOsservat. Rom. bemerkt gegenüber derRiforma, wenn der Papst abreise, so geschehe dies nur, wenn ein Verbleiben durch das Vorgehen der Regierung unmöglich gemacht werde und die provisorische Entfernung durch zwingende religiöse Gründe geboten sei. Der Papst werde niemals der Anstifter eines Krieges werden, sondern immer der souveräne Träger der Ordnung und des Friedens bleiben.

Türkei. Konstantinopel, 23. Juli. König Milan ist gestern nach Belgrad abgereist. Scheker Ahmed Pascha begleitete den König bis Mustafa Pascha. Der Sultan empfing König Milan am Sonntag in Abschiedsaudienz, worauf König Milan an dem ihm zu Ehren im Palais ver anstalteten Galadiner theilnahm.

Kreta, 22. Juli. Einer Reutermeldung aus Syra zufolge haben kretensische Insurgenten die Behörden in Vamos und Cidonia vertrieben. Die Aufrührer verbrannten die Archive. Die Bauern flüchteten vor den Insurgenten.

Serbien. Belgrad. Zwischen dem Metro politen Michael und der Regierung ist wegen der Opposition der letzteren in Kirchensachen ein Conflict ausgebrochen.

23. Juli. DerMalenornia zufolge ist Ristitsch infolge eines Schlaganfalles in Vranskabonja bedenklich erkrankt.

Bulgarien. Sofia, 22. Juli. An der serbisch-bulgarischen Grenze, unweit Widdin, tauchte eine zwanzig Mann starke bewaffnete Bande auf; die bulgarischen Behörden leiteten sofort eine Verfolgung ein. Gleichzeitig wurden zwei die Donau aufwärts fahrende Schiffe einer russischen Dampfschiffgesellschaft gemeldet.

Rußland. Petersburg, 22. Juli. Das Kaiserpaar besuchte gestern den Großfürsten Con stantin Nikolajewitsch, dessen Gesundheitszustand besorgnißerregend ist. Er erhielt bereits am Samstag das heilige Abendmahl.

Ein Telegramm desStandard aus Erzerum berichtet, daß die russischen Truppen an der türkischen Grenze während der letzten Wochen Bewegungen vornahmen, die zu dieser Jahreszeit ganz ungewöhnlich sind. Die Zahl der zwischen der türkischen Grenze und der Linie Kultais-Tiflis-Alexandropol-Eriwan con centrirten Truppen aller Waffengattungen be laͤuft sich auf etwa 80000 Mann, und es ver lautet, daß noch mehr Ae sind.

Afrika. Sansibar, 22. Juli. In Folge von Drohungen der irregulären Truppen des Sultans, die persische Leibwache niederzumetzeln, veranlaßte der englische Geschäftsträger Portal den Sultan, die persischen Soldaten theils an Bord des englischen KriegsschiffesAgamemnon, theils nach dem Fort zu senden

Aus Stadt und Land.

M. Friedberg.

in Steinbäußer's Gartensaal tagenden General Versamm lung des Wetterauer Obstbau- Vereins hatten sich gegen 130 Mitglieder eingefunden. Eröffnet wurde diese Ver sammlung vom prod. Präsidenten Kreisrath Dr. Braden mit der Begrüßung der Erschienenen und wurde mitge theilt, daß der Verein jetzt nahe an 600 Mitglieder hat. Auf die Anfrage des Präsidenten, ob sich der Verein nun fest constituiren wolle, wurde dies einstimmig bejaht und in die Tagesordnung eingetreten. Dr. von Peter

8 S Zu der am vergangenen Sonntag

verlas nun den Entwurf der Vereinssatzungen und wur⸗ den diese ohne wesentliche Aenderung angenommen. Dem⸗ nächst werden dieselben gedruckt und im Vereinsorgan den Mitgliedern bekannt gegeben. Die Bestimmung der Satzungen, daß der Jahresbeitrag auf 1 Mark festgesetzt bleiben und vorläufig 50 Pfennig für das Zeitungs- Abonnement entrichtet werden soll bis 1000 Mitglieder erreicht sind, wurde damit begründet, daß von Anfang an nicht vorgesehen war, ein eigenes Organ herauszu- geben, daß dies jedoch nachträglich im Interesse des Verkehrs mit und unter den Mitgliedern als nothwendig erkannt worden sei. Ferner wurde beschlossen, daß in Anbetracht der durch die Organisation höheren Kosten und der Thatsache, daß bereits seit Anfang dieses Jahres die Vereinsthätigkeit begonnen babe, der jetzt zu er⸗ hebende Beitrag für das Vereinsjahr 1889 gelten solle. Der Voranschlag über Einnahme und Ausgabe, für die Zeit bis Ende Dezember d. J. in der Hohe von 1850 M., zum größten Theil aus öffentlichen Mitteln stammend, wurde mitgetheilt und genehmigt. Dieser Betrag findet Verwendung fur laufende Aus gaben, Porti, Druck und Herausgabe der Zeitung, für Reisekosten des Seereiches und des Technikers und Besoldung des Letzteren, dessen Rath jedes Mitglied unentgeltlich beanspruchen kann. Die nun vorgenommenen Wahlen für das laufende Vexeins⸗ jahr ergaben: als Präsident wurde Kreisrath Dr. Braden in Friedberg, als Vicepräsident Landtagsabgeordneter Graf Ortola in Büdesheim von der General-Versamm⸗ lung gewählt. Die Mitglieder der einzelnen Seettonen traten nun zusammen und wählten als ibre Vorsitzenden; für Butzbach Forstinspeetor Reuß Butzbach, für Fried- berg Buͤrgermeister Reitz Södel und für Vilbel Graf Oriola Büdesheim, sowie als Beiräthe: für Seetion Butzbach Bürgermeister Schneider Ostheim, Bürger⸗ meister Jäger Münzenberg, Reallehrer Wamser Buß⸗ bach und Bürgermeister Krausgrill Nieder-Weisel; für Friedberg: Bürgermeister Steinhäußer Friedberg, Oeed⸗ nom Pfeil Wisselsheim, Bürgermeister DienstOckstadt und Rendant Buschmann Ober-Rosbach; für Vilbel; Rentel Verwalter Stahl Kloppenheim, Landwirth G. Seiboldt Nieder-Eschbach, Rechner Wehrbeim Rodheim und Bürgermeister Fritzel Ober⸗Eschbach Die Seettons; vorstände traten nun als Ausschuß zusammen und wählten als Seeretär und Geschäftsführer Landwirthschaftslehrer Dr. von Peter Friedberg, als Rechnungsrevisor den Vorsteher der Ackerbauschule Dr. Tobisch Friedberg und als Stellvertreter Bürgermeister Steinhäußer Friedberg. Zum Schluß ergriff Graf Orsola das Wort, hinweisend auf den Werth des Unternehmens, dem das beste Glück zu wünschen, und brachte ein Hoch aus auf diejenigen Männer, die dasselbe von Anfang an mit vollster Hingabe geleitet und gehoben, insbesondere Kreisroth Dr. Braden und den Seeretär des Vereins Dr, von Peter, und wünschte, daß' noch in diesem Jahre die Zahl der Mit⸗ glieder das volle Tausend erreichen möge.

Allerlei.

Neapel. Ueber eine große Eruption des Vulkans auf der Insel Vulkano, welche am 27. vorigen Monats begann und noch immer andauert, veröffentlichen mehrere italienische Blätter ausführliche Berichte. Der Vulkan ist schon seit ungefähr einem Jabre in unaufhörlicher Be⸗ wegung, aber die jeweiligen Eruptionen dieses kleinen feuerspeienden Berges waren bisher sehr geringfügsg. Erst an dem früher erwähnten Tage nahmen sie größere Dimensionen an. Namentlich während der Abendstunden gewährt die Naturerscheinung einen furchtbar herrlichen Anblick. Tausende von Lavablöcken werden aus den beiden größeren Krateröffnungen des Berges ausgeworfen und manche davon fliegen 500 bis 600 Meter hoch in die Luft. Die Steine fallen auf eine den Vulkan umgren⸗ zende schiefe Ebene und rollen auf der glatten Fläche mit unglaublicher Schnelligkeit dem Meere zu. Die Etup⸗ tionen sind von donneräbnlichem Gepolter und dumpfem Getöse begleitet, welche die Fenster und Thüren der be⸗ nachbarten Ortschaften San Vincento und Riseita erzittern machen und selbst bis nach Stromboli gehört werden. Einer der Krater wirft feste, weißglühende Blöcke und Steine verschtedener Größe aus, während der zweite nur Lava massen in flüssigem Zustande abscheidet. Das Aus sehen des Berges hat sich, seit die Eruptionen in größerem Maßstabe begannen, vollständig verändert. Bis dahin lief der Berg in seinem oberen Theile in drei Spißen aus; jetzt sieht man nur einen Kegel, als ob die drei obersten Ausläufer des Berges zu einem einzigen zusammen⸗ geschmolzen wären. Der die Eruptionen begleitende Aschen⸗ regen wird weithin, bis nach Milazzo und Messina gestreut.

Was der Tag zer riß, soll derselbe Tag heilen! Eine in meiner unmittelbaren Nähe wohnende Familte, mit Glücksgütern mäßig, mit Kindern reichlich gesegnet, gab den Bewohnern des Stadk⸗

viertels, in denen sie wohnte, oft zu denken. 5 Die ganze Wohnung der Familie war ein Muster von Nettigkeit und jeder zum Haushalte gehoͤrige I war immer und zu jeder Zeit in adellosem Zustande. Die Kinder dieser Familie gingen fortwährend sauber gekleidet, ihre Garde⸗ robe zeigte nie mangelhafte Schaden. Es gab

keine zerrissenen Strümpfe bei den Kleinen, keine abgesprungenen Hemdenkuöpfe an der Wäsche des Mannes. Alles, was zum Gebrauche der Familie benutzt wurde, wat fortwährend in der Verfassung, in der es von Rechtswegen sein muß. Dabei

0 Fbaden. baden It Stun er S0 % Tage 1 Bewä 11 Iden Un b u 6 Wie r ier Sch Ut nur r uns a peerade et die Ia Irrt Focige il Apibes W rochen tt Ruß Ir du de bend du Ae lieb dre, be Ie Thal A Tag Icge ge Ich der Wem ld Bitt And Reu Wachte! Dann w mach Wrschulk Ar aus inen h