Ausgabe 
9.2.1889
 
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angenommen, seien getheilt. Die Regierungen hätten sich daher mit Recht stets abwartend ver halten. Jedenfalls böten die deutschen Münz verhältnisse zum Aufgeben dieses Standpunktes keinen Anlaß. Ein gemeinsames Vorgehen mit anderen Regierungen sei nur möglich, wenn deren Vorgehen hinreichende Garantien für das Aufgeben der geltenden Währung biete. Kar

dorff zieht den von ihm mitgestellten An trag zurück. 6. Febr. Ein dem Abgeordnetenhaus zu

gegangener Antrag von Rickert und Genossen ersucht die Staatsregierung um die Vorlegung eines Gesetzentwurfs, wodurch Beginn und Ende der Schulpflicht für den preußischen Staat gleichmäßig geregelt, und gleichzeitig um Er wägung, ob nicht das Anfangsalter für den obligatorischen Schulunterricht hinauszuschieben sei. Die Erhöhung der Krondotation wurde in der Budgetcommission mit allen Stimmen gegen die der Freisinnigen Richter und Virchow bewilligt.

München. DasBerl. Tagebl. verzeichnet ein Gerücht, wonach König Ludwig II. von Bayern vor seiner Entmündigung einem Mäd chen in Schwandorf eine Kassette mit zum Theil politischen Briefschaften übergeben haben soll. Die Kassette soll von dem Mädchen bei einem Münchener Rechtsanwalt deponirt sein; wegen Auslieferung derselben soll ein Proceß bevor stehen. Die Nachricht ist jedenfalls mit größter Vorsicht aufzunehmen.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 5. Febr. Heute Nachmittag fand in sehr würdiger Weise und unter großartiger Betheiligung der Bevöl kerung die Beerdigung des Kronprinzen statt, der sonst übliche Pomp wurde jedoch unterlassen. Es scheint jetzt festzustehen, daß der Tod des Kronprinzen und derjenige der Baronin Vetsera in gewissem Zusammenhange stehen. Es gilt andererseits auch wiederum als sicher, daß lediglich diese und keine andere Dame an den Vorgängen, die sich um den Tod des Kron prinzen gruppiren, betheiligt ist. Es steht fest, daß die Baronin Vetsera in Heiligenkreuz, eine Stunde von Mayerling entfernt, begraben wor den ist. Man ist nicht sicher, jedoch deuten alle Anzeichen darauf, daß sie zu einer Zeit beerdigt wurde, die wohl den Schluß rechtfer tigt, daß die Baronesse Vetsera und Kronprinz Rudolf an demselben Tage gestorben sind. Die Baronesse Vetsera ist gleichfalls eines gewalt samen Todes gestorben. Ob sie sich selbst er schossen, ob eine fremde Hand mit oder ohne ihren Willen den Schuß auf sie abgefeuert, darüber gehen die Behauptungen auseinander. Jedenfalls kann an der Thatsache des Zusammen hanges beider Morde nicht gezweifelt werden. Da der Wunsch des Kronprinzen, die Ehe mit seiner Gemahlin gelöst zu sehen, auf den festen Widerspruch des Kaisers stieß, habe sich das Weitere von selbst ergeben. Am Montag der vorigen Woche fuhr der Kronprinz, nachdem er die fünf Briefe an seine Familie geschrieben, nach dem Jagdschloß Mayerling; am Dienstag schützte er Unwohlsein vor, um dort bleiben zu können. An demselben Dienstag soll, wie in Wien be hauptet wird, auch Baronesse Vetsera mit dem kronprinzlichen Leibfiaker Bratfisch nach Mayer ling gefahren sein. Andeutungen, die sie der Gräfin Larisch hinterlassen, führten zu discreten polizeilichen Nachforschungen; während diese ge schahen, vollzog sich die Katastrophe. Diese kennt

man; von dem, was ihr vorangegangen, wird man schwerlich mehr als Bruchstücke erfahren. Baronesse Vetsera, die mit einer Kugelwunde mitten im Haupte aufgefunden worden sein soll, wurde in aller Stille auf dem Kirchhofe in Heiligkreuz, unweit Baden, in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag begraben. Bis dahin war das Jagdschloß und der Wald für Jeder mann gesperrt. Die Mutter der verstorbenen Vetsera ist mit der anderen Tochter am Sonn tag nach Venedig abgereist. Wie es heißt, hinter ließ die Baronesse einen Brief an ihre Mutter, in welcher der Entschluß, gemeinsam mit dem Kronprinzen sterben zu wollen, ausgesprochen ist. Ein Telegramm derNat.⸗Ztg. aus Wien erklärt autoritativ, daß sämmtliche Berichte über französisch-russische Sympathien des verstorbenen Kronprinzen Rudolf von Oesterreich erfunden seien.

7. Febr. Das belgische Königspaar ist heute Nachmittag nach Brüssel abgereist. Auf ausdrückliche Bitte begleitete kein Mitglied der kaiserlichen Familie dasselbe zum Bahnhof.

Für Anfang März steht eine österreichische Bischofs-Conferenz in Wien in Aussicht betreffs Stellungnahme des Episcopates zu der von der Regierung ausgearbeiteten Schulvorlage.

Belgien. Brüssel, 6. Febr. Bei einem Zusammenstoße streikender Arbeiter mit Gen darmen in den Steinbrüchen von Quehast gaben nach demFr. J. die Gendarmen Feuer. Eine Person wurde getödtet, mehrere verwundet.

Frankreich. Paris, 6. Febr. Sämmtliche Journale bringen den Text eines Tagesbefehls des Oberst Senart, Commandeur des 90. In fanterie Regiments, worin das Verfahren der deutschen Botschaft als unmenschlich bezeichnet wird, weil dieselbe(nach der übrigens ungenauen Behauptung des Obersten) dem Stabsarzte seines Regiments, Eudes, welcher sich nach Straßburg zu seiner schwer erkrankten Mutter begeben wollte, das Paßvisa verweigert habe. Der Tagesbefehl weist die Compagnieführer an, diesen Tagesbefehl den Mannschaften vorzulesen und gehörig zu commentiren, damit denselben diejenigen Gefühle eingeprägt werden, wovon jeder französische Soldat gegen Deutschland be seelt sein müsse. Der Kriegsminister ordnete die Einleitung einer Untersuchung an wegen dieses vom Obersten Senart veröffentlichten Tagesbefehls.

Einer aus Hanoi an den Marineminister gerichteten Depesche zufolge griff der General Desbordes am 2. Febr. die Dörfer Dinteintong und Cochu an. Der Angriff erfolgte in einer Entfernung von 11 Kilometern von Cochu. Die Aufständischen gaben entmuthigt successive sämmt liche Stellungen auf; der Feldzug wird als be endigt angesehen.

Großbritannien. London, 7 Febr. Aus Clonmel wird gemeldet: Der parnellitische De putirte Condon ist wegen Verletzung des irischen Ausnahmegesetzes zu zwei Monaten Gefängniß mit Zwangsarbeit verurtheilt worden.

Spanien. Madrid. Der Senat lehnte mit 66 gegen 53 Stimmen den Antrag auf Erhöhung der Eingangszölle für Getreide und Vieh ab.

Rumänien. Bukarest. In der Kammer brachte Blaremberg den Antrag ein, den ehe maligen Minister Bratiano in den Anklagezu stand zu versetzen.

Rußland. Petersburg. DerNowoje Wremja zufolge soll der englische Botschafter in Petersburg, Sir Morier, seinen Posten verlassen.

Asien. Shanghai, 6. Febr. Einer Reu termeldung von hier zufolge fanden in Chinkiang

ernsthafte Unruhen statt. Das britische Consulat und mehrere Ausländern gehörende Haͤuser wurden f niedergebrannt. Ein englisches Kriegsschiff ist nach dem Schauplatz der Unruhen abgegangen.

Afrika. Sansibar. Die freundschaftlichen Handelsbeziehungen zwischen den Gallas und den Küstenstämmen sind wieder hergestellt und

ist wieder eröffnet.

Aus Stadt und Land.

Darmstadt, 5. Febr. Bei den Schießübungen auf dem Exerelerplatz hat sich heute ein schrecklicher Unglücks⸗ fall zugetragen. Beim Entladen der Gewehre ging einem Soldaten das Gewehr los und die Platzpatrone fuhr dem Vordermann, Einjährig-Freiwilligen Wünzer, einem Sohne des Hoftheater-Direktors Wuͤnzer, in den Hinter⸗ kopf. Der tödtlich Verletzte wurde mittelst Tragbahre in das Lazareth verbracht, wo er verstarb.

Allerlei.

London, 5. Febr. Sonntag Nacht stieß im Canal das DampfschiffNereid mit dem eisernen SchiffeKill⸗ schan zusammen. Beide sanken binnen 15 Minuten und nur dem Umstande, daß der SchlepperRed Rose in der Nähe war, ist es zuzuschreiben, daß wenigstens ein Theil der Mannschaften gerettet werden konnte. Von 42 Personen sind jedoch 23 ertrunken.

New Pork, 5. Februar. Ein Wirbelsturm hat in Nebraska furchtbare Verwüstungen angerichtet, in Omaha ist eine Schule eingestürzt, viele Kinder sind im Schutt begraben, die meisten getödtet.

Kirchliche Anzeigen für Friedberg Ebangelische Gemeinde. 5. Sonntag nach Epiphania. Pfarramtswoche: Herr Pfarrer Meyer. Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags, Uhr: Herr Pfarrer Meyer. Abendmahl. Nachmittags Uhr: Herr Candidat Drescher. Abends 5 Uhr: Herr Missionär Thum m.

Katholische Gemeinde. Samstag von 4 Uhr an Beicht. Sonntag Morgen 6 Uhr: Beicht; ¼7 Uhr: Austheilung der hl. Communton. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Übr: Cbristenlebre und Andacht.

(Eingesandt.) Musikaltsches.

Für nächsten Sonntag den 10. Februar ist es Herrn Theobald gelungen, Großherzogl. Musikdirektor Krause mit seiner Kapelle, der des 2. Gr. Hess. Inf. Regt. Nr. 116, wiederum für ein Conzert zu gewinnen. Die vorzüglichen Leistungen, welche uns von vergangenen Jahren her noch in lebhafter Erinnerung stehen, lassen uns mit Recht auch diesmal einen besonderen künstlerischen Genuß erwarten. Die Kapelle, welche sich vergangenen Sommer auf einer Kunstreise durch die thüringischen Hauptstädte ihren bisher schon anerkannt guten Ruf bedeutend erwelterte, erndete durch ihre wirklichen Kunstvorträge, gelegentlich der Ma növerzeit, in den Saalbau Conzerten in Darmstadt, neue Lorberen. Auch das für nächsten Sonntag bestimmte Programm, welches besonders durch die Namen Mozart, Volkmann, Weber, Brahms, Raff, Gounod ꝛc. geziert ist, bietet dem Kunstkenner sowie Laten genug des Guten und Interessanten. Wünschen wir Herrn Theobald und der Kapelle recht guten Erfolg. 583

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