Ausgabe 
2.2.1889
 
Einzelbild herunterladen

furt a. M. erledigt zurück. Friedberg den 28. Januar 1889.

Erledigung. Mein Ausschreiben gegen Schneider, Wilhelm, von Holzheim nehme ich als durch Gendarm Keller in Rockenberg und Schutzmann Schmidt in Frank⸗

Der Großherzogliche Amtsanwalt Krämer.

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Jan. Der Reichstag geneh⸗ migte in seiner heutigen Sitzung die ostafrikanische Vorlage nach unerheblicher Debatte in dritter Lesung unverändert. 31. Jan. Der Präsi⸗ dent gedachte in tief bewegten Worten des Todes des Kronprinzen Rudolf, des Jugendfreundes Kaiser Wilhelms II. und Sohnes des nahever bündeten österreichischen Herrschers. Dem öster reichischen Botschafter hatte der Präsident schon vor der Sitzung die Theilnahme des Hauses ausgesprochen. Abg. Lieber begründete hierauf den Antrag betreffend die Sonntagsarbeit. Bun descommissär Lohmann erklärte, der Bundesrath habe beschlossen, dem bereits vom Reichstage angenommenen gleichlautenden Antrag keine Folge zu geben. Nach unerheblicher Debatte wurden die Erörterungen geschlossen.

31. Jan. Die außerordentliche marok kanische Gesandtschaft, an deren Spitze sich der Botschafter Sid Abdessalam ben Rechi del Harisi befindet, ist heute Vormittag 9 Uhr über Bremen mittelst Extrazuges in Berlin eingetroffen und hat im Hötel Kaiserhof Wohnung genommen.

DerReichsanzeiger publicirt die Er nennung des Staatssecretärs v. Schelling zum Staatsminister und Justizminister.

Die Dynastie Bismarck ist ein Artikel uüberschrieben, der in der Februar-Nummer der

Contemporary-Review erschienen ist. Als Autoren dieser Schmähschrift nennt man in

London die beiden Ehrenmänner Sir Morell Mackenzie und Sir Robert Morier.

DieNational-Zeitung sagt: In den hiesigen leitenden Kreisen schreibt man der Wahl Boulanger's keine besondere Tragweite zu und hält auch die politische Lage dadurch in keiner Weise für geändert. Namentlich hält man die Lebenskraft der französischen Republik durch die Wahl in Paris keineswegs in Frage gestellt. Man lehnt durchaus eine tragische Betrachtung der dortigen Vorgänge ab. Die Aussichten des europäischen Friedens werden fortwährend als in hohem Grade befriedigend betrachtet.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 30. Jan. Eine Meldung aus Maierling bei Baden, wohin sich der Kronprinz Rudolf von Oesterreich vor gestern Abend zu einem Jagdausflug begeben, sagt, daß derselbe plötzlich, wahrscheinlich in Folge eines Schlaganfalls, verstorben sei. Die N. Fr. Pr. meldet jedoch, Kronprinz Rudolf sei heute früh in dem Jagdschloß Maierling todt im Bett mit einer Schußwunde aufgefunden worden; man glaubt andererseits, daß der Tod durch Herzschlag eingetreten sei. Der Kronprinz äußerte jüngst, sein Gesundheitszustand sei ein solcher, daß er nicht mehr lange leben könne. Der Kronprinzessin Stefanie wurde nach 1 Uhr die Nachricht hinterbracht. 31. Jan. Ein Extrablatt der officiellenWiener Zeitung meldete gestern: Der Kronprinz, der sich vor gestern mit mehreren Jagdgästen, u. A. dem Prinzen Philipp von Coburg, dem Grafen Hoyos zur Jagd nach Mayerling begeben hatte, befand sich schon gestern etwas unwohl und wohnte deshalb dem Familiendiner in der Hof burg nicht bei. Als die Jagdgäste sich heute Morgen versammelten, um sich nach dem Kron prinzen zu erkundigen, wurden dieselben durch die entsetzliche Nachricht vom Schmerz über wältigt, daß der Kronprinz in Folge eines Schlaganfalles seine edle Seele ausgehaucht habe. Der Leibjäger des Kronprinzen, Brat fisch, erzählte, daß er gestern Morgen um 7 Uhr im Zimmer des Kronprinzen war, um zu melden, daß der Jagdwagen bereits ange spannt, daß es aber noch stockfinster sei. Der Kronprinz sagte, er werde noch ein Stündchen ruhen. Als Bratfisch dann neuerlich gekommen sei, habe er wiederholt an die Thüre geklopft, ohne Antwort zu erhalten. Nach Bratfisch's

Angabe sei die Thüre versperrt gewesen und habe Prinz Philipp von Coburg befohlen, die selbe aufzusprengen. Bratfisch wurde heute zur Audienz beim Kaiser befohlen. Der Wagen zur Ueberführung der Leiche von Mayerling nach Baden wurde von der Badener Gemeinde ge stellt. Derselbe war von Gendarmen begleitet, setzte sich gestern um ½8 Uhr in Bewegung und traf um ½9 Uhr am Badener Bahnhofe ein, wo eine ungeheure, lautlose Menschenmenge die Leiche mit entblößten Häuptern begrüßte. Die Leiche wurde zu Wagen von Baden im Hofzug nach Wien überführt, wo dieselbe um 1 Uhr anlangte und vom Obersthofmeister Hohenlohe am Südbahnhof empfangen wurde. Sodann wurde sie in sechsspännigem Hofwagen nach der Hofburg übergeführt. Die Ueberreste des Kronprinzen wurden unterwegs und im Burghofe von der Menge entblößten Hauptes und in stummer Ehrerbietung begrüßt. In der Hofburg wurde der Sarg sofort in die Appar tements des Kronprinzen getragen. Die Leiche wurde heute Morgen aus dem Sarg auf das Bett des Kronprinzen in seinem Schlafgemache in der Hofburg gelegt, woselbst das Kaiserpaar und die Kronprinzessin-Wittwe Stefanie ein stilles Gebet verrichteten. Das Leichenbegängniß soll Dienstag stattfinden. Der heute stattgehabten Obduction wohnten die Leibärzte Ur Wieder hofer und Dr. Auchenthaler und ferner der Direktor der Hof-Apotheke bei. Der Obduc tionsbericht wird nicht veröffentlicht werden. Nach stattgehabter Secirung der Leiche wurde dieselbe einbalsamirt und in Generals-Uniform gekleidet und in einen Metallsarg gelegt. Dieser wurde von mehreren Lakaien gehoben in den großen Speisesaal getragen. In der Mitte desselben befindet sich das Paradebett. Auf dieses wurde der Metallsarg gestellt. Die Leiche bleibt hier bis Montag; Dienstag wird sie in der Hofkapelle aufgebahrt und der allgemeinen Besichtigung zugänglich sein.

Pest, 30. Jan. Die Ruhe wurde gestern überall hergestellt, ohne daß das Militär von den Waffen Gebrauch gemacht hätte. Ehe das Militär angriff, wurde auf die herankommenden Polizisten aus der Menge geschossen und zwei Polizisten verwundet. Infolge der gestrigen An sammlung wurde heute um das Parlamentsge bäude ein Cordon gezogen, um Ausschreitungen gegen Parlamentsmitglieder zu verhindern. In der heutigen Abgeordnetenhaussitzung erhob die Opposition gegen diese Vorkehrungen Einsprache, weil dadurch angeblich die freie Berathung des Parlaments gehindert sei und beantragte die Vertagung der Sitzungen. Hierauf hob der Präsident die Sitzungen für eine halbe Stunde auf, um sich zu überzeugen, ob der freie Ver kehr der Abgeordneten behindert sei. Im wei teren Verlaufe der Sitzung wurde ein Antrag des Präsidenten angenommen, wonach der Prä sident im Einvernehmen mit den Behörden wegen freier Bewegung der Parlamentsmitglieder die Sicherstellung der öffentlichen Ruhe unter Wah rung der Wuͤrde des Parlaments verfügen kann.

31. Jan. Bei den gestrigen Straßen tumulten wurde der Schwager Tisza's, einer der geachtetsten Magnaten des Landes, Graf Tibor Karolyi, schmählich beschimpft. Trotzdem wurde im direkten Auftrag Tisza's alles vermieden, was zu Blutvergießen hätte führen können.

Frankreich, Paris, 31. Jan. Abgeordne tenkammer. Jouvencel begründet seine Interpel lation über Regierungsmaßregeln, um den öffent lichen Gewalten Achtung zu verschaffen. Die Zugänge der Kammer sind dicht besetzt, es hat sich kein Zwischenfall ereignet. Boulanger ist nicht in der Kammer erschienen. Floquet ver langt, vor Beantwortung der Interpellation, den Gesetz-Entwurf, betr. die Wiederherstellung der Bezirksabstimmung, vorlegen zu können.(Iro nischer Beifall rechts). Cuneo(Bonapartist) ruft, die einzige Lösung sei die Aufloͤsung der Kammer.

Cazeau(Rechte) verlangt das Wort, um die Dringlichkeit zu beantragen. Der Präsident weigert sich, ihm das Wort zu ertheilen(Wider⸗ spruch rechts), mehrere Mitglieder werden zur Ordnung gerufen. Floquet weist darauf hin, daß die Vorlage, betr. die Wiedereinführung der

Bezirkswahlen, keineswegs eine Beeinträchtigung

des allgemeinen Stimmrechts enthalte. In Aus⸗ übung des Wahlrechts habe sich eine große Um bildung vollzogen. Es sei gewissen Syndicaten, die gleichzeitig gedungene Banden in Sold nehmen, tributpflichtig geworden; es erscheine daher noth⸗ wendig, die Bestimmungen über die Straßenan⸗ schläge und den öffentlichen Zeitungsverkauf neu zu regeln. Nachdem Floquet noch seine allge⸗ meine Politik vertheidigt, fügte er hinzu: Wenn die Majorität unzufrieden sei, wenn die Kammer meine, daß weiter nach rechts oder nach links zu gehen sei, müsse sie sich nach anderen Ministern umsehen. Die Kammer möge durch ihr Votum bekunden, ob sie zu ihm Vertrauen habe oder nicht. Die Kammer votirte Floquet mit 300 gegen 240 Stimmen das Vertrauen.

Amerika. Washington, 30. Jan. Der Senat nahm bei der Berathung der Credite für den diplomatischen Dienst einen Zusatzantrag an, wonach die Gesandtschaften in Berlin, Paris, London und Petersburg zu Botschaften erhoben werden sollen. Der Sengt beschloß, anstatt in geheimer Sitzung, über die Credite für den diplomatischen Dienst in einer öffentlichen Sitz ung zu berathen.

30. Jan. Präsident Cleveland übersandte dem Congreß den Schriftwechsel, welcher aus führlichere Berichte über die jüngsten Vorgänge auf Samoa enthält. Er bemerkt dazu, es wäre ein von dem Fürsten Bismarck ausgehender Vor⸗ schlag für eine neue Conferenz zwischen Deutsch⸗ land und den Vereinigten Staaten über Samoa nach Washington unterwegs; der deutsche Ge sandte Graf Arco Valley wäre jedoch nicht unterrichtet, ob des Kanzlers Schreiben eine Fortsetzung früherer Unterhandlungen oder ohne Rücksicht auf diese eine vollständig neue Behand⸗ lung der Samoa-Frage vorschlage.

Australien. Auckland, 30. Jan. Nach⸗ richten aus Samoa zufolge wurde gegen den König Mataafa deutscherseits der Krieg erklärt.

Afrika. Sansibar. Von hier sind der Nordd. Allg. Ztg. zufolge Nachrichten einge laufen, nach denen die Lage in Bagamoyo und Dar⸗es-Salaam noch immer die fortwährende Anwesenheit von zwei deutschen Kriegsschiffen nothwendig macht. Die Fieber- Erkrankungen auf den Schiffen haben erheblich nachgelassen.

Aus Stadt und Land.

r. Bad⸗Nauheim. Dem Lehrer Wagner dahier. erster Weltsprachlehrer in Hessen, wurde von dem Präsi⸗ denten der weltsprachlichen Akademie in Constanz, Pfarrer Schleyer, das Diplom alsOberlehrer der Weltsprache verliehen.

K. Ockstadt. Auch der hiesige Kriegerverein feierte wie allerorten den Geburtstag unseres Kalsers. Nachdem der Verein sich im Schulhause versammelt, schritt er im Zuge, voran die Schüler der II. Schulklasse, nach der Wohnung des Präsidenten, zur Abholung der Fahne. Unter abwechselnden Gesängen der Krieger und der in gleichem Marschtempo schreitenden Jugend, bewegte sich der kleine Festzug durch die Straßen und wieder zurück nach dem Schulhause, wo Kamerad H. Müller eine von patriotischem Geiste durchdrungene Ansprache hielt, die in einem Hoch auf den Katser gipfelte, nach welcherHell Dir im Siegerkranz gesungen wurde. Darauf bewegte sich der Zug nach der Hermes'schen Wirthschaft, woselbst der Kriegerverein und andere hiesige Einwohner die Fest⸗ feier in freudiger Stimmung fortsetzten.

Allerlei.

Hanau. Der Gefangen⸗Aufseher, welchem der zu 12 Jahren Zuchthaus verurtheilte Wilderer Morlock ent⸗ wischte, wurde zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt. Von Morlock fehlt bis heute jegliche Spur.

Peking. Ein Theil des Kaiserpalastes in Peking ist abgebrannt. Trotz der Hungersnoth verausgabte die Regierung ungeheure Summen für die Hochzeit des jungen Kaisers. Das Hülfscomltés in Shanghai theilt mit, daß es vollkommen unmöglich sei festzustellen, wie viel Tausende Hungers sterben; allein in einem einzigen Distrikt, in Hofe, könne man sie auf eine halbe Millon

Heboren, nd die acht hatt I Pro 10 wied 1 Giche 5 Uher, b aun Dir. 110

enn Cn onzüglie en Herliche dam det Sch ehalten, Mit un was ih Höglichf wird ih

3

Dom anfangen Disirkt 98

Die b Persal