Ausgabe 
27.8.1885
 
Einzelbild herunterladen

in russischer Uniform, waren dem Kaiserpaare gestern bis Hullein entgegengefahren. Die Be⸗ grüßung der beiden Monarchen war überaus freundschaftlich. Dieselben umarmten und küßten sich wiederholt. Am Bahnhofe erwartete Kaiseein Elisabeth die russischen Herrschaften und bewill kommte dieselben herzlichst.

Dänemark. Kopenhagen, 24. August. Berlingske Tidende meldet, es verlaute, der König von Griechenland werde im Laufe dieser Woche hier eintreffen und bei dem Kronprinzen wohner.

Belgien. Brüssel. Zahlreiche heftige An griffe, welche von den verschiedensten Seiten gegen das Congo-Unternehmen und vor Allem gegen seine Leiter gerichtet werden, nehmen einen immer größeren Umfang an und bilden, wie man demHamb. Corresp. schreibt, das Tagesgespräch der politischen Kreise. Vieles ist übertrieben; daß aber nicht Alles in der Congo Regierung klar und zweifellos ist, ist nicht zu bezweifeln. Die Congo-Regierung schweigt, bedenkt aber nicht, daß sie damit dem Werke selbst schadet. Diese Geheimnißthuerei ist ein großer Fehler. Heute ermannt sich ihr Organ, dasMouvement géographique, und fordert die Regierung auf, ihr Schweigen zu brechen, im Interesse der großen Sache Aufklärungen zu geben, damit nicht die systematischen Hetzereien und Verleumdungen gegen den Congostaat, seine Leiter und Agenten bei der leichtgläubigen Menge festen Boden fassen.

Großbritannien. London. DieMorning Post meldet: Das britische Cabinet empfing neue russische Vorschläge, wonach der Zulfikarpaß Afghanistan, und die Weideplätze Rußland ver bleiben sollen.

Das Kriegs-Departement ordnete die Demobilisirung der Armee-Reserve an. Lord Salisbury conferirte gestern mit dem russischen Botschafter Staal und reiste zu einem längeren Landaufenthalt ab.

Spanien. Madrid, 24. Aug. Die Ant wort des deutschen Reichskanzlers wegen der Karolinen-Angelegenheit ist heute hier einge troffen. Das Gerücht geht, Spanien werde 25,000 Mann nach den Philippinen schicken. Die Regierung erhielt zahlreiche Adressen, welche die Aufrechterhaltung der Unverletzbarkeit des Gebietes verlangen. Das in dem Minister rathe unter Vorsitz des Königs verlesene Ber liner Telegramm erklärt, die deutsche Regierung lege dem Zwischenfall betreffs der Karolinen Juseln, welcher die guten Beziehungen zu Spanien nicht alteriren könne, keine Wichtigkeit bei; sie betrachte die Karolinen-Inseln bis zum Beweise des Gegentheils als Niemanden angehörig. Spanien habe dort keine Behörde eingesetzt. Eingehende Erklärungen würden durch Courier erfolgen. Auf dem Prado fand heute Nach mittag eine Kundgebung von 150,000 Personen statt, welche mit etwa 60 Fahnen aufgezogen waren. Verschiedene Redner haranguirten die Menge. Die Demonstranten zogen vor dem Ministerrathshotel und dem Ministerium des Innern vorbei unter den Rufen:Es lebe die Integrität Spaniens! Es lebe die Armee! Das deutsche Gesandtschaftspalais wurde in keiner Weise belästigt. Die Regierung hatte die nöthigen Maßregeln, um Ausschreitungen zu verhindern, getroffen. Es verlautet, daß die verabschiedeten Marine-Officiere wieder einbe

rufen worden seien.

Rußland. Petersburg. Das Reichsbudget weist per 1. Juni 279,282,051 Rubel Ein⸗ nahmen auf, gegen 252,068,007 Rubel für den selben Zeitraum des vorigen Jahres und 286,892,104 Rub. Ausgaben, gegen 266,531,291 Rubel im gleichen Zeitraum des vorigen Jahres.

Riga. Das Stadtoberhaupt von Riga, Büngner, und das Stadtoberhaupt von Reval, Greiffenhagen, wurden auf Befehl des Kaisers wegen Auflehnung gegen den Gebrauch der russischen Sprache im officiellen Verkehr ihres Amtes entsetzt.

Egypten. Kairo, 24. Aug. Das kürzlich von demBosphore Egypt. erwähnte Gerücht, daß auf Veranlassung Nubar Paschas Petitionen zu Gunsten eines englischen Protectorats in Um lauf gesetzt seien, wird von offizieller Seite dementirt und als gänzlich erfunden bezeichnet. Der Befehl zur Einschiffung von 4 Infanterie Bataillonen von Alexandrien nach England wurde wieder zurückgenommen. General Grenfell telegraphirt, Dongola sei von 4000 Derwischen besetzt, welche über 800 Gewehre und 7 Ge schütze verfügten.

Amerika. New⸗Vork. Es wird der Aus bruch eines großen Strikes gemeldet. Der Voll zugsausschuß des Verbands der sog.Ritter der Arbeit hat an die bei der Wabash-Eisenbahn angestellten Mitglieder, deren Zahl sich auf 75,000 belaufen soll, die Weisung ergehen lassen, die Arbeit einzustellen.

Aus Stadt und Land.

Gießen. Als Geschworene für das 3. Quartal 1885 wurden ausgeloost: 1) Kaufmann, L., Fabrik. in Gießen. 2) Zöller, Fr., Lederh. in Gießen. 3) Carle, A. 11., Müller in Nieder-Ohmen. 4) Wetz, Balth. J., Landw in Holzheim. 5) Krämer, K., Landw. in Alten Buseck. 6) Kolb, J. II., Bäckerm. in Büdingen. 7) Hörr, L. 111., Landw. in Heuchelheim. 8) Musch, J. C, in Ermenrod. 9) Reibeling, H. III., in Eifa. 10) Becker, L., Gastw. in Lollar. 11) v. Münchow, C, Buchdruckereibes. in Gießen. 12) Wallenfels, J. II., Wirth in Allendorf a. d. Lda. 13) Stritter, G. II., Müller in Ober-Ohmen. 14) Noll, Chr. F., Fabrik. in Gießen. 15) Weith, H. V., Landw. in Nleder-Wöllstadt. 16) Lenz, Ph., Beigeordn. in Albach. 17) Freiherr von der Ropp, G. Dr., Prof. in Gießen. 18) Plank, L., Kaufm. in Gießen. 19) Müller, Fr. IV., Kaufm. in Gießen. 20) Walter, Th. Dr., Gymnasiallehrer in Büdingen. 21) Hofmann, Oberf. in Storndorf. 22) Pfannstiel, K., in Angenrod. 23) Huber, E., Müller in Großen Buseck. 24) Hölscher, H. VI., Oekonom in Alsfeld. 25) Heineck, A., Geom. in Alsfeld. 26) Gatzert, P., Rentner in Friedberg. 27) Setpp, J. XI., Ackerm. in Lethgestern. 28) Koch, H. XIV., Oelmüller in Als feld. 29) Krämer, L., Gemeindeeinn. in Ruttershausen. 30) Reuschling, L., Gemeindeeinn. in Steinbach.

Allerlei.

Frankfurt. Die 5 Engländer waren verhaftet worden, wegen ihrer Aehnlichkeit mit den muthmaßlichen Dieben, welche wegen des bei der Reichsbank in Ham burg verübten Diebstahls von 200,000 Mark verfolgt werden und deren Spur hierher wies. Die Entlassung der Sistirten erfolgte jedoch noch am Abend desselben Tages, nachdem die sogleich angestellten Recherchen die völlige Unverdächtigkeit Aller ergeben hatten.

Wiesbaden. Nachdem Erkrankungen am Typhus in den letzten Tagen nicht mehr vorgekommen sind, be schloß die Regierung, daß die hier aufgetretene Epidemie als erloschen zu betrachten sei und die damit zusammen hängenden Maßregeln einzustellen sind.

Gelnhausen, 22. Aug. Heute fand auf dem un teren Markte die feierliche Enthüllung des dem wirklichen Erfinder des Telephons, Philipp Reis, von seiner Vater stadt errichteten Denkmals statt.

Rüdesheim, 22. Aug. Aus Eihingen bei Rüdes heim(von der Zahnrabbahn-Haltestelle in wenigen Minuten erreichbar) wird soeben ein großer Brand gemeldet. Die Feuerwehren von Rüdesheim und Umgegend wurden alarmirt. Morgens um ½10 Uhr fing es, bis jetzt auf noch unaufgeklärte Weise, in einem Hause an zu brennen und stand dasselbe nebst Scheuer bald ganz in Flammen. Da die erwachsenen Einwohner fast alle um diese Zeit auf dem Felde beschäftigt waren, so eilten die angster füllten Kinder zu diesen hinaus. Ehe die Leute aber ordentlich an's Löschen kamen und weitere Hülfe von hier herbeteilen konnten, waren acht Häuser nebst Scheuern dem Feuer zum Opfer gefallen. Zum Glück sollen die meisten Betroffenen versichert sein.

Heilbronn. Die hiesige Staatsanwaltschaft erließ einen Steckbrief, wonach der Verdacht, den Lustmord an der Rosine Keller aus Böchingen begangen zu haben, auf einem gewissen Michael Böhringer ruhte, der bisher Arbeiter in der chemischen Fabrik zu Heilbronn war. Böhringer wurde bereits beigebracht, ist aber an der Emordung unschuldig. Die Behörde sucht jetzt einen gewissen Georg Gog, Bäcker von Ehingen. Derselbe wurde am 17. d. M. aus dem Zuchthause in Ludwigs burg entlassen, wo er wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit zum zweitenmale saß, und war am 18. Aug. dem Tage des Verbrechens, hier.

Meiningen. Das Städtchen Lehesten ist in der Nacht vom Sonntag zum Montag wieder von einem größeren Feuer heimgesucht worden. An der Stelle, wo vor einigen Jahren der große Brand seine Grenze gefunden, hat der neue angefangen und in verhältnißmäßig kurzer Zeit 13 Wohnhäuser und ebenso viele Scheunen und Nebengebäude in Asche gelegt. Ueber die Entstehungs ursache ist noch Nichts bekannt.

Pest. In Tavarna(Zempliner Comitat) wurde am 17, b. M. um halb 7 Uhr Abends ein starkes, mehrere Sekunden währendes Erdbeben verspürt, welches große

Verwüstungen anrichtete.

Temes var. Von hier wird gemeldet, daß in den zwei Nachbarstädtchen Vinga und Csakowa die Postämter ausgeraubt wurden. Alles vorhandene Geld, die recom mandirten Briefe und sonstigen Werthsachen wurden entwendet. g

Madrid, 23. Aug. Gestern sind in ganz Spanien 5664 Erkrankungen und 1721 Todesfälle in Folge von Cholera vorgekommen. In der Umgebung von Madrid nimmt die Cholera zu.

Algier, 22. Aug. Unweit Bone sind Waldbrände entstanden, welche augenblicklich 10 Kilometer umfassen. Man befürchtet, dieselben werden über das ganze Gebiet sich ausbreiten.

Ein Taifun.

Nach Mittheilung desReichsanz ist ein deutsches Kriegsschiff, die KreuzercorvetteAugusta, mit einem Talfun(der ostasiatische Name für Cyklon) inBerühr ung gekommen und von dem Verbleib derAugusta bis jetzt noch Nichts bekannt. Unter diesen Umständen wiro die Schilderung eines solchen Unwetters von be sonderem Interesse sein, welche ein deutscher Seemann an Bord derVineta in derVoss. Z. gibt. Er berichtet über die Fahrt von Honolulu nach China; im Verlaufe seines Briefes schreibt er:

Der 25. Mai, Himmelfahrtstag, verlief wieder in heiterem Sonnenschein. Trotzdem Wind nur wenig vor handen war, war doch kein Dampf auf, und stellenweise trieben wir sogar in Stille. Wir befanden uns etwa auf 1260 östlicher Länge und 210 27 nördlicher Breite. Gegen 8 Uhr Abends begann eine starke Dünung aus SO. einzusetzen, das Schliff arbeitete sehr beträchtlich und in die Fenster der Cajüte schlug eine volle See in die dort sitzende Gesellschaft ein Ereigniß, das wir bisher noch nicht erlebt. Bald darauf fing es an, heftig zu wehen, Böe folgte auf Böe, zum Theil von sehr heftigen Regengüssen begleitet. Infolge dessen wurden zur Vorsicht noch Segel dicht gerefft. Ich ging in die Coje, konnte aber wegen des heftigen Schlingerns nicht schlafen. Bald wurde auch die Sache recht ungemüthlich. Die Wind stärke nahm zu, es brauste und sauste in der Takelage, daß man die Commandostimme des Offiziers nicht mehr hören konnte. Das Sopha, der Tisch rissen sich los, die Stühle polterten umher; im Zwischendeck, in der Batterie und der Cadettenmesse flog Alles durcheinander. Es war ein wahres Höllengetöse. Auf einmal stürzte nach einem heftigen Krach eine volle See durch das Skylight in die Messe, eine zweite, dritte folgte, und innerhalb einer Viertelstunde stand der ganze Raum unter Wasser. Der Grund war sehr einfach. In der Cadetten messe hatten sich der Tisch und mehrere Schränke los gemacht, und all' dieses tobte darin umher, hatte die Pforte nach der einen und das Schott nach der anderen Seite eingestoßen, und nun floß Welle auf Welle un gestört in den Schiffsraum. Zu gleicher Zeit schlug aber auch die tobende See über die Reeling und stürzte durch die Luken in die Batterie. Jetzt wurde uns doch etwas bänglich zu Muthe. Wir standen auf, bekleideten uns mit dem Regenrock, um das Schauspiel etwas näher zu besehen. Die Messe stand fußhoch unter Wasser und dieses stürzte bald in die Steuerbord-, bald in die Back bordkammern. Das Verschließen nützt Nichts, denn bei dem stetig zunehmenden Schlingern, das sich bis zu 40 Grad steigerte, spritzte das Wasser oberhalb der Thüren durch die Grätings hindurch, also etwa zwei Meter hoch. Ein Stehen, ja ein Festhalten war ganz unmöglich. Beim unvorsichtigen Herumtasten wurde ich von der einen zur anderen Seite der Messe geschleudert und blieb, mit dem rechten Auge gegen das Clavier geworfen, eine Zeit lang besinnungslos liegen. Indessen, noch war der Humor nicht geschwunden, wir spaßten und freuten uns, endlich einmal einen kleinen Vorgeschmack von Seesturm zu er⸗ leben, noch dachte Niemand an eine wirklich ernsthafte Lage, am allerwenigsten an einen Taifun, zu einer für ibn ganz ungewohnten Jahreszeit. Aber bitter kam die Enttäuschung und die Ernüchterung. Schon beim Hinauf gehen in die Batterie watete man in einem Chaos von umhergestreuten Sachen, die theils aus den Cojen heraus⸗ geschwemmt waren, theils in der Batterie sich losgerissen hatten. Da lagen Jacken, Hosen, Wäsche, Stiefel, Laternen, Bücher, Uhren in dichtem Gewirr durcheinander. Glücklicherweise hatte man die Geschütze noch rechtzeitig festgepurrt und damit das größte Unheil verhütet, die Verletzung der Bordwand durch die Kanonen. Endlich hatte ich an Deck an dem Eingang der Campagne festen Fuß gefaßt, und konnte von diesem Punkt aus das ganze Schiff übersehen, soweit es das Zwielicht oben gestattete. Wie lange ich dort oben gestanden, weiß ich nicht, doch sind es sicher Stunden gewesen, Stunden der tiefsten Resig⸗ nation. Keiner von uns(fast die meisten Offiziere hatten sich an demselben Platze eingefunden) sprach ein Wort, nur ab und zu nahm man einen Schluck Wein, um den sinkenden Muth aufrecht zu erhalten. Mit dicht gerefften Segeln sausten wir zwölf Seemeilen in der Stunde dahin, das Steuer war machtlos, die noch losen Segel festzumachen ging nicht mehr, denn in diesem Moment auch nur einen nach oben zu schicken, wäre sicherer Tod für ihn gewesen. Bereits war uns vor 12 Uhr Nachts die Gig weggeschlagen, mit Krachen folgte ihr der erste Kutter und darauf die zweite Jolle. Bald zerrissen nun auch Großsegel und Großmarssegel, oder vielmehr, sie wehten einfach von den Raagen weg. Ich führe diese Thatsachen hier nur an, um die un⸗ glaubliche Kraft der Windstöße und des Andranges der Sturzseen zu kennzeichnen.

Es ist schwer, in ausführlicher Weise alle die furcht⸗ baren Momente zu schildern, die fast in derselben Zeit auf den machtlos und ohnmächtig dastehenden Zuschauer

8

einde. hoben tro Toppe brechen Muth rassele das wie n dern untettl Aber Die 6 an na surcht Messe ander ölh man. 1

Volg durch Oämte die S liche man fünfz aufth prall trocke wied. Com. schlag ling vier

Boott und festen Plätz erwã CS gekon Abge daß vontt krach Spar oback wort seine 721, zerst. selbf es w e w Noc

geht das zerrt half aber und wilt kon

aber man Sch lich