1885.
Dunnerstag den 27. August.
4 10ʃ.
Oberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Bad-Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben. ö
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.
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per Post nachgenommen.
Deutsches Reich. Darmstadt, 24. Aug. D die Prinzessin Victoria von Battenberg, Tochter Alice, sowie die Prinzessinnen und Alix sind gestern Nachmittag aus England hier eingetroffen. Dieselben wurden am Bahn- hof von den Prinzen Heinrich und Wilhelm begrüßt und fuhren darauf nach dem Großher— zoglichen Schlosse, woselbst die Herrschaften ab— gestiegen sind. Der prov. Reallehrer Bingen wurde zum definitiven
Anstalt ernannt. — Schluß des Regierungsblatts, Beilage Nr. VII. Ruhestandsversetzungen. Es wurde: Der Schul
Falkenhagen Lehrer
zu an dieser
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lehrer Eidmann zu Darmstadt auf Nachsuchen, der Schullehrer Büchler zu Lorsch auf Nachsuchen, der Schullehrer Lutz zu Erbes büdesheim auf Nachsuchen,
der Schullehrer Metzler Nuß zu zu
unter Anerkennung seiner Dienste, zu Hackenheim auf Nachsuchen, der Schullehrer Urberach auf Nachsuchen, der Schullehrer Klingel Hopfgarten auf Nachsuchen, der Lehrer an dem Gymnasium zu Bensheim Armbruster, auf Nachsuchen, der Gehilfe bei dem Kreisamt Mainz Thiery, der Schullehrer Schönherr zu Ober⸗ Roden auf Nachsuchen, der Schullehrer Horr zu Klein⸗Steinheim auf Nachsuchen, unter Anerkennung seiner Dienste, der Bibliothekdiener Dorfeld in Mainz, unter Anerkennung seiner Dienste, auf Nachsuchen in den Ruhestand versetzt.
VIII. Konkurrenzeröffnungen. Erledigt sind: Die ev. Pfarrstelle zu Stockstadt. Eine Lehrerstelle zu Ober Ofleiden, Gehalt 900 M. Eine Lehrerstelle zu Hacken heim, Gehalt 900 M. Eine Lehrerstelle zu Nieder Mörlen, Gehalt 900 M. Eine Lehrerstelle zu Jüges heim, Gehalt 1200 M.
IXx. Sterbefälle. Gestorben sind: Der ev. Pfarrer Hüffel zu Groß Linden; der Lehrer Dörsam zu Nieder Olm; der Reallehrer Simon zu Mainz; der Schullehrer Früauff zu Dornbeim; der ev. Pfarrer Jung zu Eich; der Oberkonsistorialsekretär Ackermann zu Darmstadt; der ev. Pfarrer Ritsert zu Rodheim; der Schullehrer Stork zu Alzey; der Schullehrer Schindel zu Queckborn; der Lehrer an dem Gymnasium zu Mainz Dr. Umpfenbach; der Gesanglehrer Weiß zu Bingen; der Ober-Rechnungs revisor Bausch zu Darmstadt: der Steuer-Kommissär Klingelhöffer zu Schotten; der ev. Pfarrer Moxter zu Wöllstein; der Justizrath Elwert zu Gießen; der Land— gerichts⸗Assessor Schmitt zu Darmstadt; der Forst
er Großherzog, wird nebst ung aufmerksam gemacht, als die Spanier 1875 Irene die Karolinen-Inseln als spanisches
Spanien ohne Gesetzeskraft sei. Schließlich auf eine deutsche und englische Verwahr—
Eigenthum reclamirten. Gegen diese Verwahrung habe die spanische Regierung seit zehn Jahren keinerlei Widerspruch erhoben.— Wie der„K. Z.“ von zuverlässiger Seite telegraphirt wird, hat die deutsche Regierung vorgeschlagen, die Streitfrage wegen der Karolinen-Inseln dem Schiedsgericht einer befreundeten Macht zu unterbreiten.
einheitlichen
Tele
— Außer der Annahme eines Tarifsystems wurde in der Sitzung der graphen-Conferenz am 22. August unter Anderem beschlossen, daß künftighin die Bezeichnung des Bestimmungsortes für ein Wort zu rechnen sei, auch wenn begleitende Zusätze zur näheren Be⸗ zeichnung erforderlich wären.
— Aus Temesvar meldet man dem„Wiener Tageblatt“: Der Erbprinz Wilhelm von Nassau, der in Ungarisch-Weißkirch Oberst des Husaren-Regiments Nr.. in Garnison liegt, ist nach Berlin gereist. In Offizierskreisen verlaute, er sei für den Herzoglichen Thron n Braunschweig in Aussicht genommen.
— Die Fuͤrstin Bismarck, welche am 20. August aus Homburg nach Berlin zurückgekommen war, begab sich am 21. August nach Varzin.
— Offiziös wird dementirt, daß der eingetroffene außerordentliche persische Gesandte Gohsin Khan von seiner Regierung beauftragt sei, hier Offiziere und Civilbeamten für Persien zu engagiren.
— Ein Gerücht will wissen, daß D land eine japanesische Insel besetzt habe.
Eupen, 23. Aug. Heute Nachmittag be⸗ merkte ein am hiesigen Bahnhof postirter Grenz— aufseher einen wohlgekleideten Mann, der, von Belgien kommend, mit einem Packet in der Hand in die Stadt eilte. Der Beamte folgte dem Fremden bis zur Post, wo letzterer das Packet
als
—
eutsch—
Inspektor Löwer zu Nleder-Ramstadt; der Gerichts schreiber Steinacker zu Butzbach; der Forstwart Müller zu Groß-Gerau; der ev. Pfarrer Draudt zu Worms; der Lehrer Jung zu Gießen; der Schullehrer Reinig zu Bickenbach; der Notar Gaßner zu Masnz; der Medieinal— rath Ebel zu Darmstadt; der Schullehrer Roos zu Heppenheim.
— Das Regierungsblatt Nr. 23 enthält: Bekannt⸗ machung, die Ausführung des Reichsgesetzes gegen den verbrecherischen und gemeingefährlichen Gebrauch von Sprengstoffen betr.
Berlin. Das in Rom verbreitete Gerücht, der deutsche Kronprinz werde seine Gemahlin und die Prinzessinnen-Töchter in Baveno ab— holen und darauf dem italienischen Königspaare in Monza einen Besuch abstatten, erhält sich, wie man aus Rom meldet. Der Prinz Leopold und die verwittwete Prinzessin Friedrich Karl von Preußen sollen ebenfalls beabsichtigen, binnen Kurzem Italien zu bereisen.
— Die„Nordd. Allg. Ztg.“ bringt den Wortlaut einer Kundgebung des augenscheinlich von der spanischen Regierung beeinflußten Madrider Blattes„Correspondencia“, und macht
dagegen auf die Thatsachen aufmerksam, daß das Factum der Entdeckung einer Insel bei
weitem keinen Besitztitel ergebe; daß die miß— lungenen Versuche eines religiösen Ordens, heid— nische Bewohner zu evangelisiren, das Gegen— theil einer beabsichtigten Besitzergreifung bewiesen, und daß die vom Papst Alexander VI. decretirte „Theilung der Welt“ zwischen Portugal
nach einer größeren deutschen Stadt aufgeben wollte. Auf Verlangen des Grenzbeamten wurde das Packet geöffnet; es enthielt, wie der„K. 3 geschrieben wird, eine Menge Exemplare der Julinummer des„Rebell, Organ der Auarchisten deutscher Sprache.“ Der Träger der anarchisti— schen Lectüre sitzt hinter Schloß und Riegel. Kiel. Von hier wird der„Voss. Ztg.“ unterm 20. d. geschrieben: Die Befürchtungen über das
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—
Schicksal der Kreuzerkorvette„Augusta“ sind fast zur Gewißheit geworden. Obwohl noch
immer Notizen in den Blättern gebracht wer— den, daß das Schiff glücklich in Sidney einge— troffen sei oder daß es nur eine schwere Havarie erlitten habe, gilt die„Augusta“ in Marine— kreisen für verloren. Das Schiff wird der furcht— baren Gewalt des Cyklons zum Opfer gefallen und von den Wellen verschlungen worden sein. Der Verlust von 238 Mann, welche die Besatz ung bildeten, ist außerordentlich herb; er wird selbstverständlich zunächst von den Familien der Verunglückten auf das Schwerste empfunden, aber er drückt auch alle Kreise, die mit der Marine in Verbindung stehen, und das ganze
Volk wird ihn betrauern.— Dagegen wird der „Nat.⸗Ztg.“ aus Kiel geschrieben: Seitens eines
Marineoffiziers wird mir betreffs des Schicksals der„Augusta“ bemerkt, daß dieselbe moͤglicher—
und! weise vertrieben und in Calmen(vollständig von
hier
windstille Regionen) gerathen sein kann. Schiffe, welche, wie die„Augusta“, mit einem kleinen Kohlenraum nur auf das Segeln angewiesen sind, müssen bis zum 40. Grad südlicher Breite gehen und dort die Passatwinde aufsuchen. Die „Augusta“ hat vielleicht Havarie gelitten und liegt irgendwo in einer entlegenen Bucht der Südseeinseln und zimmert. Sie ist übrigens ein vortrefflicher Segler und läuft je nach der Wind— stärke 8— 12 Knoten in der Stunde.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Pest, 24. Aug. Die Generalversammlung des Vereins der deut— schen Eisenbahnverwaltungen trat im Sitzungs— saal des Abgeordnetenhauses zusammen und wurde von dem Arbeitsminister Kemeny auf das wärmste Zum Präsidenten wurde einstimmig ctionspräsident Wex gewählt.
Kremsier, 24. Aug. Das österreichische Kaiserpaar, der Kronprinz und deren Suite, darunter Graf Kalnoky, Popp, Nopsa mit Ge— mahlin, Graf Pejacsevich, Gräfin Goeß, Graf Nostitz, Fräulein Majlatb, haben heute Vormit⸗ tag mit Separathofzug die Reise von Wien hier— her angetreten. Ebenso wird die in der letzten Nacht erfolgte Abreise des Katsers und der Kal— serin von Rußland gemeldet, begleitet von dem dem Großfürsten Georg Alexau— drowitsch, sowie dem Großfürsten und der Groß⸗ fürstin Wladimir Alexandrowitsch. Anläßlich der Kaiserbegegnung sind bereits hier eingetroffen der Erzbischof von Olmütz, Cardinal von Fürsten— berg, der Ministerpräsident Graf Taaffe, die Grafen Pallavicini und Larisch, der Juntendant des Hoftheaters, der Landeshauptmann von Mähren, Graf Vetter, und der Corps Comman— dant Graf Stubenrauch. Heute früh zog mit klingendem Spiele die aus dem Alexander-Re— giment gebildete Ehrencompagnie und ein In— fanterie-Bataillon zum Wachtdieust ein. Ju der ersten Etage des Schlosses befinden sich die für die österreichischen und russischen Majestäten be— stimmten Wohnräume, über letzteren die Wohn— ung des Großfürsten und der Großfürstin Wla— dimir. Bisher sind 38 Berichterstatter einhei— mischer und ausländischer Blätter eingetroffen. Der Verkehr in der Stadt, abgesehen von den Schloßräumlichkeiten und deren nächster Umgeb— ung, wohin der Zutritt nicht mehr gestattet ist, ist ganz unbehindert. herrlichem Wetter erfolgte die Ankunft des österreichischen Kaiser⸗ paares. Nach kurzer Begrüßung am Bahnhofe durch die Grafen Taaffe und Schönborn und einige Generäle fuhr das Kaiserpaar rasch nach dem Schloß, von der dichtgedrängten Menschen⸗ menge mit donnernden Slavarufen begrüßt. Ein heftiger Gewitterregen verdarb den Eindruck des slavischen Festzuges, indem er die Lebendigkeit desselben vollständig zerstoͤrte. Die Zahl der Theilnehmer belief sich auf etwa 4000 Personen, welche zur Hälfte aus berittenen Fähnlein, zur Hälfte aus Turnvereinen, Veteranen, Feuer— wehren und Jungfrauen bestanden. In der Mitte bewegte sich ein farbenprächtiger hanak— ischer Hochzeitszug. Ueberall wurden boͤhmische
begrüßt. der preußische Dir
Thronfolger,
Bei
Fahnen und slawische Tricoloren geschwenkt. Die Deutschen hielten sich von der Feier sern.—
25.
Aug. Kurz vor 10 Uhr heute früh traf das
Der Kaiser
Ver beide
russische Kaiserpaar hier ein. Oesterreich und Kronprinz Rudolph,


