Ausgabe 
23.7.1885
 
Einzelbild herunterladen

Oberdeck derart belastet ist, daß der Dampfer selbst bei geringem Seegange in Gefahr geräth zu kentern. Der Admiralitätsrath Dietrich war aus Berlin hier anwesend und ist nach ein gehender Inspicirung des Schiffes die Ordre ertheilt, dasselbe abzudecken und umzubauen.

Homburg. Nach Mittheilung desT. B. wird Kaiserin Augusta, wie eine dem Schloß castellan telegraphisch zugegangene Benachrichtig ung besagt, nach dem 24. Juli zu längerem Aufenthalt in Homburg eintreffen.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Salzburg, 20. Juli. Statthalter Graf Thun begibt sich heute nach Gastein, um den Kaiser Wilhelm daselbst morgen zu empfangen.

Frankreich. Paris. Ein Telegramm der Agence Hawas aus Zanzibar dementirt, daß mit den Howas auf Madagaskar Verhandlungen eingeleitet seien und daß Admiral Miot 4000 Mann Verstärkungen erwarte; derselbe habe nur 1200 Mann verlangt.

Großbritannien. London. DerStan

dard behauptet, Rußland habe es bei dem Zulfikarstreite in Wirklichkeit auf Merutschak

abgesehen.Daily Telegraph behauptet, die Stärke der russischen Truppen am Herirud übersteige das Friedensbedürfniß; England solle darüber weitere Erklärungen verlangen.

Egypten. Kairo. Eine Depesche des Ka pitäns Chermside meldet, daß die Aufständischen am 16. und 17. Juni mit großer Macht Kassala angriffen. Dieselben wurden von der Garnison nach heftigem Kampfe zurückgeschlagen. Die Auf ständischen verloren dabei 3000 Todte. Die Garnison erbeutete gegen 1000 Ochsen, eben soviel Schafe und 700 Gewehre.

Aus Stadt und Land.

n. Friedberg. Audiatur et altera pars. Wie wir von zuständiger Seite in Bezug auf die von dem hiesigen Verein für Handels- und gemeinnützige Zwecke ausgehende Agttation gegen die von der Postverwaltung beabsichtigte Erwerbung eines Theils des Klosterkasernen-Grundstücks zur Errichtung eines reichseigenen Postgebäudes erfahren, ist lediglich durch die für jeden Sachverständigen auf der Hand liegende Unmöglichkeit, den jetzigen Postdienst räumen den nöthigen Zusammenhang und eine solche Einrichtung zu geben, wie sie den Bedürfnissen des Be triebes und den Anforderungen des Publikums entspricht, die Postverwaltung in die Nothwendigkeit versetzt worden, die Errichtung eines eigenen Dienstgebäudes anzustreben. Schon vor Jahren hat sich ein höherer Beamter im Auftrage des Staatssecretärs des Reichspostamts davon überzeugt, daß die jetzigen Diensträume nicht derart umgestaltet und erweitert werden können, wie es für den Postbetrieb unumgänglich notbwendig ist. Nachdem die Erwerbung eines Theils des Klosterkasernen-Grund stücks von den zufändigen obersten Reichs behörden längst genehmigt worden, ist nicht abzusehen, was die beabsichtigte Petition, welche einen von der Postverwaltung schon vor Jahren als völlig unausführbar erkannten Plan verfolgt, noch bezweckt.

H. Friedberg, 21. Juli. Im Anschluß an die Mittheilung des Vorstandes des Vereins für Handels und gemeinnützige Zwecke in der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes theile ich Ihnen mit, daß auch unterm 11. ds. Mts. in gleichem Sinne von Seiten unserer Stadt eine Eingabe mit Plan zum Umbau der jetzigen Posträume an den Staatssekrelär des Reichs-Postamts eingereicht wurde, deren Eingang von der betreffenden Behörde heute schon der Großherzoglichen Bürgermeisterei angezeigt ward.

2. Friedberg, 21. Juli. Am verflossenen Samstag und Sonntag feierte der hiesige Junggesellenverein sein viersähriges Stiftungsfest in feuchtfröhlicher, üblicher Weise. Am ersten Festtage fand im Binzel'schen Lokale ein solennes Abendessen statt, an das sich ein Commers anschloß, der die frohe Versammlung in heiterster Stim mung bis zum frühen Morgen zusammenhielt. Von aus wärtigen Vereinen waren Gießen, Stuttgart, Ilbenstadt, Worms und Waldmichelbach durch Deputatfonen ver treten. Am folgenden Tag fand Frühstück in Gala statt. Den Schluß des Festes bildete eine Ausfahrt einer größeren Anzahl von Festgenossen nach dem Ossenheimer Wäldchen, wo ein edler Gesanges wettstreit mit den Wetterauer Gesangvereinen die Tüchtigkeit des Vereines auch in dieser Beztehung doeumentirte. Jedem Fest⸗ genossen wird daswürdig und glanzvoll verlaufene Fest unvergeßlich bleiben.

s. Friedberg. DerTaunuselub Wetterau be absichtigt am 26. Juli einen weiteren Ausflug zu ver anstalten und hat vorläufig Folgendes festgesetzt: Abfahrt per Bahn von hier um 7 Ubr 7 Minuten nach Bad⸗ Nauheim; daselbst Zusammentreffen mit der Seetlon Nauheim; dann zu Fuß nach Steinfurth; daselbst Be sichtigung der Rosenanlagen von Gebrüder Schultheiß;

ö

ö ö

sodann Marsch nach Münzenberg, woselbst etwa um

12 Ubr Mittagsmahl; zuglesch Zusammentreffen mit dem Haus berg Verein- Butzbach; Marsch nach Butzbach und Abends von dort mit der Bahn 8 Uhr 35 Min. nach Nauheim resp. Friedberg zurück.

k. Friedberg. Ein neuer Komet ist am 7. Juli von Barnard in Nordamerika entdeckt worden. Der Komet ist zur Zeit noch sehr lichtschwach, so daß er nur durch größere Fernrohre gesehen werden kann; er ist von der elften Größe und ohne Schweif. Derselbe ist bereits aufgefunden worden in Straßburg, in Palermo, in Berlin und Kiel.

f. Bad⸗Nauheim. Der Mainzer Liederkranz, unter der Direction des Kapellmeisters Heinr. Rupp stehend, veranstaltet nächsten Sonntag den 26. Jult im Kursaale dahier ein großes Vocal- und Instrumental-Concert, bei welchem mehrere namhafte Solisten mitwirken werden. Das Programm wird dieser Tage veröffentlicht.

Mainz, 19. Juli. In der Bauschreinerei und Kistenfabrik von Laible u. Co, entstand um die Mittags- stunde auf eine bis jetzt nicht aufgeklärte Weise Feuer, welches mit solcher Heftigkeit, genährt durch die un geheuren Holzvorräthe, um sich griff, daß in wenigen Minuten die ganzen Fabrikräumlichketten, das Maschinen haus, die Holzschneiderel ze. in Flammen standen. Es konnte von der ganzen Fabrik gar nichts gerettet werden. Der Schaden wird auf 50,000 Mark geschätzt. Die Fabrik war bei der Magdeburger Feuerversicherungs Gesellschaft versichert.

Allerlei.

Wiesbaden, 17. Juli. Ein hübsches, junges Fräulein betraf gestern Nachmittag bald nach 4 Uhr in der Kirchgasse nahe demRothen Hause der Unstern, daß es seine Tournüre verlor; als es denAbfall bemerkte, machte es sich schleunigst aus dem Staube. Bald hatte sich um das Unding eine Menge Neugieriger gesammelt, einige der Beherztesten untersuchten das sonder bare Verschöͤnerungsmittel, da zeigte es sich, daß es mit etwas Roßhaar und viel Heu ausgestopft war. Um weitere Menschenansammlungen zu verhüten, beseitigte die Poltzei die kostbare Rarität.

Cassel. Hier hält man es für wahrscheinlich, daß Lieske nicht, wie manche Blätter angaben, nach Halle a. S. transportirt worden set, sondern sich noch in der neuen, ungemein festen Strafanstalt bei Wehlheiden befinde, in der eine sichere Ueberwachung leicht ist Wenigstens der Umstand deutet darauf hin, daß die Militärwache des genannten Gefängnisses seit einiger Zeit um das Vier fache verstärkt ist und die innerhalb der großen Mauer, welche den ganzen Gebäudecomplex umschließt, aufge stellten Posten die strengsten Weisungen bei Annäherung von Fremden haben, die sich nicht genügend legitimiren können. So möchte ein Flucht- oder Befreiungsversuch ein Ding der Unmöglichkett sein.

Mailand, 18. Juli. In dem Orte San Dona an der Tiroler Grenze verschwanden bereits seit mehreren Monaten Kinder auf unerklärliche Weise. Gestern wurde der Räuber dieser Kinder verhaftet und gab an, die ver schwundenen Kinder wegen Mangels anderer Nahrung gefressen zu haben. Der Mörder ist Tiroler von Ge burt. In den Kerker gebracht, wurde er von einem Tob suchtsanfalle erfaßt.

New⸗Morker Bettler.

Betteln zu gehen war in den Vereinigten Staaten eine große Schande und ist es noch. Ein Verbrecher ist in der Regel der Sympathien eines Theiles der Bevölkerung sicher, der Bettler ist allgemein verachtet, weil man ihn für arbeits schen hält. Der Amerikaner sagt zu dem um Brot Bittenden:Spalte mein Holz, begieße meine Blumen im Garten, entferne die Steine von meinem Felde dann komme zu mir herein und Du sollst eine tüchtige Mahlzeit haben und Deinen Tagelohn; aber etwas schenken, das kenne ich nicht.

Ganz anders ist es allerdings in den Groß städten, und ganz besonders, wie wir einer Correspondenz desVolkswohl entnehmen, in New⸗Vork. Es gibt viele Arbeitslose in dieser Stadt über 70,000 aber Diejenigen, die von Thür zu Thür betteln gehen, sind nur ar beitslos, weil sie arbeitsscheu sind. Auf der Ostseite New-Vorks, also da, wo die Deutschen wohnen, hat der Unfug des Bettelns derart überhand genommen, daß man bereits von einer Plage sprechen kann. An meiner Thür klopfen durchschnittlich ein halbes Dutzend Bettler per Tag, trotz der Warnungstafel an der Hausthür. Selbst noch um 9 Uhr abends, ja sogar an Sonntagen, stellen sie sich zwischen die Wohn ungsthüren, und sprechen die stereotype Klage aus:Ich bin so und so lange arbeitslos! Junge Bursche, kräftige Männer schämen sich nicht, diesen Weg zu betreten.

Auf der Westseite NewPorks, wo die englisch sprechende Bevölkerung wohnt, sind die Bettler weit seltener zu finden, wenigstens dringen sie

erschwert, daß die Häuser der euglisch sprechenden Familien gewöhnlich geschlossen sind, und der Amerikaner kann grob werden, wenn er durch Läuten eines Unberufenen gezwungen wird, sein Zimmer zu verlassen und das Thor zu öffnen. Anders bei den Deutschen. Die nehmen es Niemandem übel, wenn ihnen Jemand ur plötzlich in die Wohnung guckt; auch sind sie weichherziger, leichtgläubiger, undein Cent ist ja kein Vermögen! Gewiß nicht; aber jeder einzelne Cent ist eine Ermuthigung, auf Kosten Anderer zu leben und geht es nicht mit dem Betteln allein Gelegentlich macht ja Diebe!

Dem Professionsbettel, der hier unglaubliche Blüthen treibt, rücken die Beamten der New Porker Wohlthätigkeitsgesellschaft hart auf den Leib, freilich nicht mit besonderem Erfolg, so lange das Publikum den Bettelschwindel in Schutz nimmt. Hier einige Beispiele:

An einer der belebtesten Straßen im Centrum New⸗Porks stand im letzten Winter, selbst in der strengsten Kälte, ein Mann mit gebrechlichem Aussehen. Er trug Krücken, ein Fuß war mit Lappen hinaufgebunden, als ob er ihm bei irgend einem Unfall verstümmelt worden wäre. Sein Gewinsel erweichte die Herzen vieler Vorüber gehender, und die Almosen floßen reichlich. Ein Beamter der Wohlthätigkeitsgesellschaft forderte ihn wiederholt auf, sich in seinem Distrikte zu melden, es wurde für ihn gesorgt werden; da er sich aber weigerte, dies zu thun, so veran laßte der Beamte dessen Arretirung. Im Hof raume des Gefängnisses spazierte er jedoch munter umher, und nur, wenn er den Aufseher sah, benutzte er rasch die Krücken. Eine Unter suchung ergab die vollkommene Gesundheit und Brauchbarkeit des Beines.

Ein anderer Schwindler saß an einer Straßen ecke der stark frequentirten Bowery mit einer Tafel auf der Brust:Ich bin blind! Auch dieser machte reiche Erndte. Niemanden fiel es ein, diesen Mann näher zu beobachten, ja auch nur Mißtrauen zu hegen. Und dieser Mann, wenn er seinen Posten verläßt, geht langsam, mit dem Stocke vor sich hertappend, in eine weniger belebte Seitenstraße, schleicht sich vorsichtig in einen Hausflur, nimmt den grünen Schirm herunter und geht raschen Schrittes in seine Stammkueipe, läßt sich vorzügliche Ge tränke und Speisen gutschmecken, liest Zeitungen und unterhält sich auf's Angenehmste. Personen, die sich blind stellen, sind in letzterer Zeit übrigens mehrere entlarvt worden.

Frauen lieben folgende Art von Schwindel: Sie stellen sich irgendwo auf die Straße und weinen über den Verlust ihrer Geldbörse. Sie wohnt in der Regel sehr weit weg, hat nicht einmal so viel Geld, um die Dampffähre oder Straßenbahn zu bezahlen, besitzt mehrere Kinder, fürchtet sich vor ihrem Manne, wenn sie ohne Geld kommt, das gewöhnlich für die Miethe oder derlei Ausgaben bestimmt war ꝛc. Die Menge sammelt sich immer dichter um die arme händeringende Frau. Da macht Jemand in der Menge, von Mitleid überwältigt, den Vorschlag, der Frau durch Collecte zu helfen flugs geht der Hut herum, 5 Cents-, 10 Cents-, ja manchmal fallen sogar Thalerstücke hinein; das Ergebniß wird der Frau in die Schürze geschüttet; sie fällt nicht aus der Rolle, sie weint noch immer, als begriffe sie gar nicht, daß ihr angeblicher Schaden ersetzt, vielleicht sogar dreimal ersetzt sei und läßt sich noch von den mitleidigen Herren bis zum nächsten Tramwaywagen geleiten aber weiter folge man ihr nicht denn diese Frau wohnt sehr komfortabel, ernährt ihre Familie durchaus nicht armselig, denn eine oder zwei solcher Scenen in der Woche bringen ihr mehr Geld ein, als ein fleißiger Arbeiter in einem ganzen Monat verdienen kann.

Eine große Anzahl Leute fristet das Leben durch Bettelbriefe. Sie spielen sich gewohnlich als die Verschämten auf und lassen sich das Geld geben, ohne sich zu zeigen. Dadurch sind diese Leute im Stande, die Geber immer wieder

nicht in die Hauser. Dies ist übrigens dadurch

ul,...

Di kohlen

melder 55

s

Bt. gation rückzu dem! 1. Ni zu n

Tage

N *

2576 Die ist ar binne

Gette 0

2581

wenn Zahn gleich kahle mehr seit

wege nend Mach Cors Kopf glanz um 4