Ausgabe 
20.8.1885
 
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Reporter, welche der gestern stattgehabten Enthüll ung des Monumentes für Chanzy beigewohnt, sind von Le Mans zurückgekehrt. Zuverlässige Reporter berichten, daß die officielle Feier ohne besonderen Zwischenfall verlaufen ist.

Officiell wird gemeldet, daß der franzö sische Gesandte in Rumänien, Ordega, der sich bekanntlich in Bukarest unmöglich gemacht, aus Gesundheitsgrunden einen längeren Urlaub er halten habe und vorläufig durch den Grafen Diesbach ersetzt sei. Offieiös wird hinzugefügt, daß Ordega nicht nach Bukarest zurückkehren werde. Dadurch erhält die rumänische Regier ung die verlangte Satisfaction, sodaß die gleich zeitig eingeleiteten Unterhandlungen zur Besei tigung des Zollconflictes Aussichten auf Erfolg haben.

Egypten. Kairo. Khartum war am 26. Juli der Schauplatz eines von blutigen Kämpfen begleiteten Aufruhrs. Das Schatzamt wurde angegriffen und geplündert und der Schatzmeister getödtet. Mahomed-el-Kheir und Abdulla-Kalifa⸗el-Taishi, der Nachfolger des Mahdi, wurden sammt ihren Vakils erstochen, während sie den Aufrührern Widerstand leisteten. Die Derwische haben an der Spitze großer Araber-Abtheilungen Berber verlassen, um nach Dongola zu marschiren. Einige Anhänger Os man Digma's sind in Suakin mit der Nachricht angekommen, daß er sich mit 14 Mann, da runter Mahomed Adam Sadun, insgeheim nach Khartum begeben haben soll. Sie überbrachten auch einen Brief an Mahmud Ali, das Haupt der freundlich gesinnten Stämme, worin derselbe ersucht wird, sich mit Amed Mahamur, dem Haupte der Amarastämme, über die besten Mittel, sich mit der britischen Regierung aus einanderzusetzen, in einer persönlichen Zusammen kunft zu verständigen.

Indien. Simla, 16. Aug. Es arbeiten jetzt 3000 Menschen an den Befestigungen von Herat, welches gegenwärtig von 12,000 Mann Truppen besetzt ist. Die Russen spinnen Intriguen, deren Zweck zu sein scheint, Herat dem Emir abwendig zu machen und eine der Politik Ruß⸗ lands günstig gesinnte Partei in der Stadt zu schaffen.

Amerika. Rio de Janeiro, 17. Aug. Das gesammte Cabinet demissionirte wegen der Oppo sition, welche die Majorität in der Kammer ihm in Sachen der Sclavenbefreiungsfrage machte.

Aus Stadt und Land.

? Friedberg. Am letzten Sonntag beging der Wetterauer Zweig verein der Gustav Adolf⸗ Stiftung sein Jahresfest in Bönstadt, zu dem sich auch eine größere Zahl auswärtiger Festgäste, darunter etwa 20 Friedberger Damen(meist Mitglieder des Frauen⸗ Vereins) und Herren eingefunden hatten. Durch die Freundlichkeit und die Freigebigkeit des Bönstädter Ge- meinderaths, den Eifer des dortigen Kirchenvorstandes und das sehr anerkennenswerthe und erfreuliche Hand inbandgehen des Lehrers Volk mit dem Ortsgeistlichen Pfarrer Möbius war es gelungen, nicht nur das ganze Dorf mit jungen Fichten, Kränzen, Ehrenpforten und Fahnen schön zu schmücken, sondern auch der ganzen Feier Schwung zu geben und ein festliches Gepräge auf⸗ zudrücken. Nach dem von dem Ortsgeistlichen verrichte ten(liturgischen) Altardienst hielt Pfarrvicar Dr. Flöring von Bickenbach eine erweckliche Predigt über Jes. 35, 3 ff., in der er durch eine interessante Schilderung der in früheren Jahrhunderten über die Evangelischen ergangenen Leiden und Verfolgungen die Wichtigkeit und den Segen des die müden Hände stärkenden und die strauchelnden Knlee erquickenden Gustav Adolf Vereins geschichtlich nachwies. Hierauf begrüßte der Präsident, Director Dr. Diegel von Friedberg, die Festversammlung durch eine kurze, aber sehr kräftige und wirksame Ansprache, in welcher er u. a. auch Allen, die zum Gelingen des Festes beige tragen, insbesondere den oben genannten Corporationen und Personen Bönstadt's und der Gemeinde überhaupt herzlich dankte. An diese Ansprache schloß sich der durch Professor Pr. Weiffenbach von Friedberg erstattete Rechen⸗ schaftsbericht, aus dessen reichem Inhalt wir hier nur er⸗ wähnen, daß die Einnahmen des Zweigvereins im Rechnungsjahr 1884/85 zusammen 731 M. 46 Pf. be⸗ trugen, wozu noch 53 M. an Geld und eine Anzahl Kleidungsstücke kamen, die der sehr eifrige Friedberger Frauenverein gesteuert hatte. Hervorgehoben verdient noch zu werden, daß der Berichterstatter mit großem Nachdruck auf die immer unleugbarer zu Tage tretende Thatsache hinwies, es habe die evang. Kirche gegenüber dem allerorten sich neu regenden feindlichen Ansturm einen Existenz⸗Kampf zu führen und allen Grund, innerlich und äußerlich ihre ganze Kraft zusammenzufassen. Die

sehr reichliche Collecte ertrugß etwas über 40 M., die der böhmischen Dlaspora-Gemeinde Bochuslawitz zuge wiesen wurden. Bei der nach einer ½stündigen Pause sich anschließenden, sehr stark besuchten Nachfeler in einem gütigst überlassenen großen Pfarrgarten wechselten geistliche und weltliche Gesänge eines tüchtig geschulten Kinderchors und eines gut geleiteten Männergesangvereins mit Ansprachen, die von Dir. Dlegel und Professor Weiffenbach gehalten wurden. Ersterer erinnerte daran, daß in dieses Jahr(18. October) der 200jährige Jahres- tag der Aufhebung des Edietes von Nantes falle, und gab eine fesselnde und bewegliche Schilderung der dadurch über die Evangelischen Frankreichs herbei geführten Leiden und Verfolgungen. Prof. Weiffenbach aber gab eine Reihe drastischer Belege(aus neuerer Zelt) zu der Behauptung des Berichtes, daß der evang. Kirche immer mehr aufs Neue elnKampf um das Dasein aufgenöthigt werde. Beide Redner verfehlten übrigens nicht, auch andererseitsim Interesse der Wahr; heit und Gerechtigkeit auf mehrere Beispiele ächter christlichen Liebe und Toleranz gegnerischerseits mit ge bührendem Nachdruck hinzuweisen. Das Fest war ein schönes und erhebendes und wird, so Gott will, nicht nur in guter Erinnerung bleiben, sondern auch dauernden Segen an Glauben, Liebe und Hoffnung bringen.

Babenhausen. Im Garten des Lehrers Bock dahier befindet sich eine Schlangengurke von seltener Länge; dieselbe ist 1 Meter 60 Centimeter lang.

Allerlei.

Bad Soden, 16. Aug. Heute kehrte Graf Herbert Bismarck, dessen Königsteiner Kur beendet ist, von hier aus nach Berlin zurück. Die Fürstin Bismarck und Dr. Schwenninger fuhren heute Morgen von Homburg per Wagen nach Königstein, von wo sie dem Grafen bis zu unserem Bahnhofe das Geleit gaben und hierauf wieder über Niederhöchstadt nach Homburg zurückkehrten.

Kassel, 14. Aug. Eine große Feuers brunst wüthet in Korbach; bereits sind 20 Häuser eingeäschert. Korbach, die Hauptstadt des Kreises Eisenberg in Waldeck, an der Itter, hat 2412 Einwohner.

Marseille, 15. Aug. Heute kamen hier 61 Todes fälle vor, darunter 34 Choleratodesfälle. In den Straßen brennt wieder jeden Abend Feuer.

Madrid, 16. Aug. In Spanien erkrankten gestern 4522 und starben 1727 Personen an der Cholera, wo von 46 Erkrankungen und 17 Todesfälle in Madrid und 42 Erkrankungen und 29 Todesfälle in der Pro vinz Barcelona.

New⸗Nork. Ueber Philadelphia wird gemeldet, daß in dem Vulkan Cotopaxi(der Vulkan liegt in den Anden von Quito, ist 17700 Fuß hoch, hat einen Krater von 2800 Fuß Durchmesser und ist beständig in Thätig keit) am 23. Juli eine ernstliche Eruption stattgefunden hat. Lavaströme, Asche und Steine fielen auf Chimbo und zerstörten Hunderte von Häusern. Vlele Menschen kamen um, doch ist die Zahl der Verunglückten noch nicht bekannt. Thüren und Fenster rasselten und die durch die Eruption hervorgerufene Erschütterung wurde in Gayaquil, in einer Entfernung von 185 Kilometer, wahrgenommen. Das Geräusch glich einem ununter brochenen Artilleriefeuer.

Ein Nürnberger Ei.

ImFränkischen Cour. findet sich ein in teressantes Feuilleton überNürnbergs lebendige Eier. So nannte man die ersten zu Anfang des 16. Jahrhunderts in Gestalt eines Hühner oder Tauben-Eies angefertigten tragbaren Uhren. Die in Museen oder Privatsammlungen jetzt noch vorhandenen derartigen Uhren stammen meist aus der Zeit zwischen dem Ende des 16. und dem des 17. Jahrhunderts, während die auf die Erfindungsperiode(1500 1540) zurück- zuführenden äußerst selten geworden sind. Solch ein seltenes Nürnberger Ei ist nun, wie in dem erwähnten Feuilleton desF. C. berichtet wird, von den Hofantiquaren Rösch und Zimmermann in der Nähe Nürnbergs angekauft worden, und zwar ohne Gehäuse, welch' letzteres jedenfalls aus Gold oder Silber war und dem Metall werth nach von unkundiger Hand getrennt vom Werk verkauft wurde. Das Werk selbst war noch in ganz komplettem Zustand und ist dem Hofuhrmacher Gustav Speckhart in Nürnberg zur Nachbildung von den Genannten übergeben worden.

Es werden nun drei solche hochinteressante und bis in die kleinsten Details nachgebildete Eier in der diesjährigen Internationalen Metall ausstellung zu Nürnberg von dem Verfertiger ausgestellt. Das Original selbst ging nach der Nachbildung in den Besitz des Buͤrgermeisters von Köln a. Rh., v. Thevalt, über.

Dieses Ei gehört zu den kleinsten, welche hergestellt wurden, und ist nach den vorhandenen fachgeschichtlichen Merkmalen um 1540 gefertigt, also noch zu Lebzeiten Peter Hele's, oder min

mit der Marke M. K. versehen. Die Länge des Werkes ist 25, die Breite 20 Millimeter. Am Zifferblatt von Silber mit eingravirter Rosette zeigt nur ein vergoldeter Messingzeiger die Stunden. Die Platinen sind von vergoldetem Messing, sämmtliche 6 Räder aher aus Eisen und mit Kupfer an ihre Triebwellen gelötet (Als Kuriosität sei erwähnt, daß Eier-Uhren mit 39, 4, 5 und beckigen Rädern gebaut wurden, wovon ein Exemplar sich in der Schatz kammer zu Wien befindet, gefertigt von Gerard Muth in Frankfurt a. M zu Ende des 17. Jahr⸗ hunderts, ein zweites ist im Grünen Gewölbe zu Dresden ohne Angabe des Verfertigers aus dem gleichen Jahrhundert.) Die spiralförmige Zugfeder liegt offen, ähnlich wie heute bei den amerikanischen Schiffsuhren, sie war die Vor bedingung für die von Hele erfundenen Eier, während alle anderen Uhren jener Zeit ohne Ausnahme durch die Kraft eines fallenden Ge wichts getrieben wurden. Der Zug dieser Feder war ein sehr unregelmäßiger, was hauptsächlich auf die schlechten Verhältnisse von Rad und Trieb zurückzuführen ist. Infolge dieser Mängel mußte Abhilfe durch eine Bremse geschaffen werden, welche ähnlich wie die Bremse an einem Wagenrade wirkt. Eine starke, komma artig gebogene Feder, an ihrem Ende mit einer kleinen Rolle versehen, drückt vermittels der letzteren auf die mit einer Hohlkehle eingedrehte Peripherie einer Scheibe, welche mit der Zug feder in Verbindung steht und somit hemmend auf den Zug und die Gangart der Uhr ein wirkt, um zwischen beiden einen günstigen Aus gleich zu schaffen. Diese primitive Konstruktion wurde später glücklich beseitigt durch die Er findung der Schnecke, um welche sich eine Darmsaite und in nicht fernerer Zeit eine Kette wickelte, und es wird letztere Erfindung noch heute an Chronometern verwendet. Die Hemmung oder der Gang an jenem merkwürdigen Ei ist die der alten Hausuhren, eine Spindelhemmung mit Unruhe. Diese ist rund(man machte auch solche ähnlich den Armen einer Kopirpresse) und hat zwei Schenkel, sie macht 30,000 Be wegungen in der Stunde. Zur Regulirung des Werkes ist ein interessantes Stück vorhanden. Es ist dies ein verschiebbarer Hebel, in dem sich in Ermangelung zweier Federchen aus Stahl 2 kleine aufrechtstehende Schweinsborsten befinden, welche die Anregung zu der später erfundenen Spirale gaben, die heute die Seele der Uhr genannt wird. Auf diese Borsten schlägt die Unruhe mit ihren Schenkeln bei ihrer Hin und Herbewegung an. Geht die Uhr vor, so wird der Hebel, resp. die Schweineborsten mehr nach dem Befestistigungspunkte der Unruhe an der Spindel zugeschoben, so daß ihr Schwing ungsbogen ein größerer wird; geht sie nach, so wird in entgegengesetzter Weise verfahren, wo durch der Schwingungsbogen kleiner und ein schnellerer Gang erzielt wird. Freilich ist diese Regulage eine sehr unsicher wirkende, doch sieht man an ihr, mit welcher Anstrengung die Forsch ungen fortgesetzt werden, um nach und nach einen tragbaren, zweckentsprechenden Zeitmesser zu er halten. In unserer heutigen Zeit, der Zeit des Blitzes, des Dampfes und der Elektrizität, ist die Uhr zu einer würdigen, von ihrem Erfinder wohl nie geahnten Vollkommenheit emporgekom men und somit der Regulator der ganzen civili sirten Menschheit geworden.

Künstliche Edelsteine. Der Handel in kuͤnstlichen Edelsteinen, so schreibt Rod. Nellenburg in derNatur, ist in den letzten 70 Jahren ein sehr bedeutender ge worden und die chemischen Experimente, mittelst deren verschiedene Qualitäten von nachgeahmten Diamanten, Rubinen, Smaragden und Saphiren hergestellt worden, sind neuerdings ungemein vervollkommnet und mit einem staunenswerthen Erfolge betrieben worden. Es ist nachgerade selbst fuͤr das Auge des Sachverständigen immer schwieriger geworden, auf den ersten Blick einen

destens kurze Zeit nach seinem Tode, und es ist

künstlichen Edelstein von einem ächten zu unter⸗

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