Ausgabe 
14.7.1885
 
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Deutsches Reich.

Darmstadt. Militärdienstnachrichten. Die Assistenz Aerzte J. Kl. der Landw. Dr. Baas, Dr. König, vom 1. Bat. 4. Gr. Hess. Landw. Regts. Nr. 118., Dr. Vier⸗ heller, vom 1. Bat. 3. Gr. Hess. Landw. ⸗Regts. Nr. 117, wurden zu Stabsärzten der Landw. befördert; Dr. Michaelis, Assistenzarzt II. Kl. vom 3. Gr. Hess. Inf.⸗Regts. Nr. 117, zum 3. Ostpr. Gren.⸗Regt. Nr. 4 versetzt.

Der Amtsrichter Obenauer in Mainz wurde zum Landrichter am Landgericht der Provinz Rheinhessen und der Amtsrichter Fa bricius in Oppenheim zum Amtsrichter in Mainz ernannt.

Berlin, 10. Juli. Fürst Bismarck hat vor seiner Abreise nach Varzin den Afrikareisen den Denhardt empfangen, der sich soeben zu einer neuen Reise nach Afrika anschickt.

Selbst dieKreuzzeitung erklärt jetzt, daß der Herzog Cumberland in Braunschweig unmöglich geworden sei und ein Verzicht auf Hannover jetzt keinen Glauben mehr finden könne.

In Sachen des projectirten Nordsee Canals haben nunmehr alle Minister Preußens schriftlich votirt und sich für die Ausführung des Canals ausgesprochen. Es erübrigt daher nur noch ein formeller Beschluß des Staats ministeriums, worauf die Ausarbeitung der Vor lage für den Bundesrath erfolgt. Preußen leistet bekanntlich einen Präcipualbeitrag von 50 Million Mark.

Amtlicherseits wird die Warnung erlassen, niederländische Gerichtsvollzieher mit der Ein klagung von Wechseln u. s. w. seiteus deutscher Kaufleute zu beauftragen, da, wenn diese sich Pflichtwidrigkeiten zu schulden kommen lassen, im Disciplinarwege nichts auszurichten sei.

12. Juli. Aus Ems wird mitgetheilt, daß der Kaiser nach beendeter Kur am nächsten Donnerstag von dort mit den Herren seiner Begleitung abreisen und sich wie alljährlich wieder auf einige Zeit nach Wildbad Gastein be geben wird. Vorher jedoch stattet der Kaiser noch der Kaiserin in Coblenz und demnächst mit derselben der großherzoglich badischen Familie auf der Mainau mehrtägige Besuche ab. Nähere Nachrichten über die ferneren Reisedispositionen des Kaisers von Bad Ems aus sind jedoch bis zur Stunde noch nicht hier angelangt. Die kronprinzliche Familie wird sich in der zweiten Hälfte dieses Monats nach der Schweiz, zunächst nach Zermatt, begeben. Der Kronprinz wird, nachdem er seine Familie begleitet hat, voraus sichtlich anfangs August wieder in Potsdam eintreffen. Prinz Georg wird sich zunächst auf etwa vier bis fünf Tage nach Wilhelmshöhe bei Cassel begeben; von dort gedenkt derselbe dann am 16. d. M. zu mehrwöchigem Kur⸗ gebrauch in Ems einzutreffen.

Der Premier-Lieutenant Friedrich vom Eisenbahn-Regiment zu Berlin wird sich, Berliner Blättern zufolge, in den nächsten Tagen als Organisator der chilenischen Armee nach der Republik Chile in Süd⸗Amerika begeben. Die chilenische Regierung hatte sich bereits vor einiger Zeit durch ihren diesseitigen Gesandten an unsere Regierung um Ueberlassung eines Militär-In structeurs gewandt, da sie beabsichtigt, in Chile die allgemeine staatliche Wehrpflicht nach deutschem Muster einzuführen.

Ems, 10. Juli. Am gestrigen Diner beim Kaiser nahmen außer dem Fürsten Schwarzburg⸗ Rudolstadt, dem Fürsten und der Fürstin Wied und General Stosch, noch Prinz Nikolas von Nassau, Gräfin Fürstenberg, Fürst Urussow Theil. Abends geleitete der Kaiser das Fürsten⸗ paar Wied zum Bahnhofe.

Braunschweig. Interessant ist die Vor⸗ geschichte des für den Herzog von Cumberland so verhängnißvoll gewordenen Briefes an die Königin von England, aus welchem Graf Görtz Wrisberg in der geheimen Sitzung des braun⸗ schweigischen Landtags die entscheidende Stelle mittheilte, daß der Herzog von Cumberland, auch wenn er den braunschweigischen Thron be stiegen, seine Ansprüche auf Hannover niemals fahren lassen werde. DemHannover'schen Courier wird jetzt berichtet, wie der Herzog

überhaupt dazu gekommen, jenen Brief an die Königin von England zu schreiben, und danach hat sich die Sache solgendermaßen zugetragen: Vor Beginn des Berliner Congresses, ehe Lord Beaconsfield nach Berlin abreiste, verabsäumte die Königin Victoria nicht, ihrem ersten Minister zu eröffnen, wie sehr es ihr am Herzen liege, einen Ausgleich zwischen Preußen und dem Hause Hannover herbeigeführt zu sehen, und ihn zu bitten, über die Anbahnung eines solchen Aus gleiches mit dem deutschen Reichskanzler zu be rathen. Lord Beaconsfield mochte finden, daß das britische Staatsinteresse, für welches er den Kanzler auf dem Congreß mehrfach in Anspruch zu nehmen gedachte, möglicherweise Schaden nehmen könnte, falls vom Fürsten Bismarck eine Interpellation wegen Braunschweig-Hannover unliebsam vermerkt werden sollte. Der englische Premier ließ deshalb den Kanzler zuvor durch eine Vertrauensperson beiläufig befragen, ob ihm eine solche Besprechung uberhaupt gelegen sei, worauf Fürst Bismarck bereitwillig erklärte, mit Lord Beaconsfield recht gern auch diese Angelegenheit erörtern zu wollen. Der Lord trug demnächst dem Kanzler die Wünsche der Königin Victoria rückhaltslos vor und erhielt die loyale Antwort, daß der Thronbesteigung des Herzogs von Cumberland in Braunschweig zur Zeit durchaus Nichts im Wege stehe, sofern derselbe einen in aller Form offenen, bindenden Verzicht auf Hannover aussprechen und die Zu sage ertheilen wolle, niemals in Braunschweig welfische Restaurationsbestrebungen dulden, den selben vielmehr mit der einem deutschen Bundes fürsten pflichtmäßigen, unnachsichtlichen Schärfe entgegentreten zu wollen, wo immer sich ein Herd solcher Bestrebungen anzusetzen im Begriff sei. Lord Beaconsfield übermittelte die Antwort des Reichskanzlers der Königin, und diese, sowie alle Mitglieder der englischen Königsfamilie waren der Ansicht, daß der Herzog von Cumberland, wie er dies der Königin selbst in Aussicht ge stellt hatte, die von Preußen, bezw. dem Reiche geforderten Garantien unbedingt geben könne und solle; auch zweifelte damals kein Mitglied des englischen Königshauses, daß der Herzog von Cumberland dieselben in der verlangten Form geben werde. In dieser Voraussetzung und ihren Wunsch angelegentlich empfehlend, schrieb die Königin Victoria an den Herzog von Cumber land. Der vom Staatsminister Grafen Görtz Wrisberg auszugsweise bekannt gegebene Brief ist die Antwort des Herzogs, die im Kreise der euglischen Verwandtschaft desselben eine so tief greifende Verstimmung erzeugte, daß seitdem von London aus nicht die geringste Bemühung zu Gunsten des Herzogs von Cumberland mehr stattgefunden hat. Hiernach ist es klar, daß für den Herzog von Cumberland alle Brücken abgebrochen sind, die ihn in das Land Braun schweig hätten führen können.

Schillingsfürst, 10. Juli. Der deutsche Botschafter Fürst Hohenlohe ist mit Familie über München nach Aussee abgereist.

Ausland.

Frankreich. Paris. Ein von den re publikanischen Gruppen erlassenes Manifest spricht sich für Neduction des Militärdienstes in den mit den Erfordernissen der nationalen Ver theidigung verträglichen Grenzen aus, sowie für öconomische Reformen, namentlich für Abänderung des Abgabewesens und ernstliche Herstellung des Gleichgewichts des Budgets. Bezüglich der Frage der Trennung der Kirche vom Staate heißt es in dem Manifest: Wenn es auch bezüglich dieses Punktes Meinungsverschiedenheiten in der republikanischen Partei gebe, könne man doch in Uebereinstimmung sein über eine Politik, welche die Freiheit des Gewissens respectiren, aber entschieden das Priesterthum bekämpfen wolle, welches unter der Maske der Religion nur eine Vereinigung aller der Republik feind lichen politischen Parteien sei. Das Manifest

blikanischen Union gegen die Monarchisten.

General Courcy theilt in einer Depesche mit, daß er die Notablen und die Kaufleute aufgefordert habe, unter dem Schutze Frankreichs nach Hue zurückzukehren. Den Aufstaändischen habe er eine 10tägige Frist zur Unterwerfung gegeben und die Entlassung der annamitischen Armee binnen längstens 21 Tagen verlangt. Die Waffen sollen unter der Verantwortlichkeit der Gouverneure der Provinzen nach Hue ge sandt werden.

Großbritannien. London, 9. Juli. Unterhaus. Hicks-Beach wies gegenüber Childers zurück, daß mit der Untersuchung des Handels Nothstandes eine Rückkehr zum Schutzzoll be⸗ absichtigt sei. Die Budgetbill wurde in erster Lesung angenommen. Ferner erklärte Hicks Beach auf eine Anfrage von Childers, er gebe dessen Vorschlag, den Alkoholgehalt der Weine von 26 auf 30 Grad zu erhöhen, auf. Hicks Beach wies ferner die Annahme zurück, daß mit der Uutersuchung des Nothstandes im Handel eine Rückkehr zum Schutzzollsysteme beabsichtigt sei. Die Budgetbill wurde in erster Lesung angenommen. Das Unterhaus nahm sodann die Bill zum Schutze junger Mädchen gegen die Verleitung zu unsittlichem Lebenswandel und die Bill wegen Errichtung eines australischen Bundesraths in zweiter Lesung an. Im Unterhaus erklärte Hicks⸗Beach, die Regierung beabsichtige selbst die Einbringung einer Vorlage, betreffend die Aufhebung der Wahlrechts-Ent ziehung.

DieTimes erwähnt ein Gerücht, daß die baldige Ausführung der egyptischen Finanz⸗ convention durch England und Frankreich er folgen werde, bevor die Ratification durch die anderen Mächte stattgefunden.

Aus der amtlichen Correspondenz über den Rückzug der englischen Truppen aus Dongolo geht hervor, daß General Wolseley auf ein Telegramm des Kriegsministers Smith vom 26. v. M. antwortete, es wäre leicht, die auf⸗ gegebenen Positionen in Dongola wieder zu besetzen. Gleichzeitig protestirte Wolseley gegen die Räumung Dongolas energisch. Die Briten könnten Egypten vor Ablauf mehrerer Jahre nicht verlassen, und man werde früher oder später den Mahdi bekämpfen müssen. Einen Einfall des Mahdi in Egypten werde keine Truppenmacht an der Grenze hindern können. Ein Herbstfeldzug gegen Khartum sei leicht, Erfolge seien gewiß.

Spanien. Madrid, 12. Juli. Minister⸗ präsident Canovas verlas gestern im Senat und in der Kammer ein Decret, welches die Cortes sitzuungen vertagt. In mehreren Orten sind wegen der Zölle Unruhen ausgebrochen; in Lerida wurde ein Soldat getödtet und drei ver wundet, die Soldaten tödteten drei der Aufüh rer, vierzehn wurden schwer verwundet. Griechenland. Athen, 10. Juli. Delyannis gab gestern das Finanzexposs. In den drei letzten Rechnungsjahren betrug das Defielt 39 Million, darunter 11 Million pro 1885. Im Jahre 1886 werde das Gleichgewicht her gestellt werden. Der Minister legte einen Ge setzentwurf vor, welcher das Finanzsystem modi ficirt und den Minister ermächtigt, die Mono: pole abzuschaffen.

Egypten. Kairo, 12. Juli. Ein Tele⸗ gramm des Generals Brackenbury aus Fatmeh vom 10. d. meldet, er habe den Brief eines Kaufmanns in Handak erhalten, welcher besagt, der Mahdi sei todt, seine Anhänger befänden sich im Kampfe miteinander. Nach einem weiteren Telegramm Brackenbury's von heute ist ein egyptischer Soldat auf der Flucht in Fatmeh eingetroffen, welcher am 1. d. M. einen Araber aus Khartum in Dbudom getroffen haben will, der den Tod des Mahdi bestatigt habe.

Asien. Simla. Die indische Regierung erhielt von London aus die Versicherung, daß

verwirft jede äußere Politik der Abenteuer und verlangt eine würdige und feste Politik.

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die Unterhandlungen zwischen Rußland und Eng⸗ land einen guten Fortgang nähmen. Das

Manifest schließt mit einem Appell der repu⸗

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