Ausgabe 
1.9.1885
 
Einzelbild herunterladen

verneurs in dem unter deutschen Schutz gestellten Neu-Guinea Gebiete zu übernehmen. Wie die Wiesb. Ztg. jetzt erfährt, haben sich jedoch die Verhandlungen zerschlagen, und der Admiral hat das Anerbieten zurückgewiesen.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 28. Aug. DieNeue Freie Presse meldet: Der öster reichische und der russische Kaiser sandten dem deutschen Kaiser von Kremsier am 26. d. Mts. ein gemeinschaftliches Telegramm, in welchem sie denselben herzlichst begrüßten und zugleich aussprachen, daß beide den deutschen Kaiser im Geiste als anwesend betrachteten. Das Antwort telegramm Kaiser Wilhelm's dankt und ver sichert, er erwiedere die Gefühle beider Mo narchen. Das genannte Blatt bezeichnet dies als den deutlichsten Beweis für die innigen Be ziehungen der drei Kaiserreiche. Das Gerücht, daß in Kremsier Rußland in die Annexion Bos niens durch Oesterreich gewilligt habe, wird hier als tendenziös erfunden betrachtet.

28. Aug. Das Armee-Verordnungsblatt veröffentlicht die Ernennung des Großfürsten Thronfolgers Nikolaus zum Oberst-Inhaber des fünften Ulanenregiments und des Großfürsten Georg zum Oberstlieutenant des Ulanenregiments Kaiser von Rußland.

Pilsen, 27. Aug. Kaiser Franz Joseph ist heute Nachmittag hier eingetroffen und enthu siastisch empfangen worden..

Frankreich. Paris, 28. Aug. Der Leichen feier Courbet's im Invalidenhötel wohnten sämmt liche Minister, Deputationen der Kammer, die Marschälle Mae Mahon und Canrobert, die fremden Militärattachses und zahlreiche Officiere bei. Nach der Feier wurde der Sarg vor dem Juvalidenhötel aufgestellt, wo die Truppen de filirten. Reden wurden nicht gehalten. Trotz des Regenwetters war eine überaus große Menschenmenge zusammengeströmt.

Großbritannien. London, 28. Aug. Im Dorfe Mullinavatt(Grafschaft Kilkenny) fanden gestern ernste agrarische Ruhestörungen statt. Hundert Polizeiagenten, welche einige Pächter, die ihr Pachtgeld nicht bezahlt, aus den Pachtgütern entfernen wollten, wurden von einer Menge von ungefähr 2000 Personen an gegriffen. Die Polizei schritt mit Bajonnetten ein; beiderseits kamen zahlreiche Verwundungen vor.

Türkei. Constantinopel, 29. Aug. Der Sultan empfing heute Drummond Wolff in feierlicher Audienz.

Rußland. Kiew, 29. Aug. Der Kaiser und die Kaiserin trafen gestern Abend hier ein und wurden auf dem Bahnhof von den Spitzen der Militär- und Civilbehörden empfangen. Das Stadtoberhaupt brachte Salz und Brod auf einer kunstvoll gearbeiteten Holzschüssel dar, während der Gouvernements-Adelsmarschall ein prachtvolles Blumenbouquet in einem silbernen vergoldeten Halter überreichte. Nachdem der Kaiser und die Kaiserin eine Andacht in der Sophien-Kathedrale verrichtet hatten, begaben sie sich nach dem Palais. Der Empfang seitens der Bevölkerung war enthusiastisch. Die Stadt ist glänzend geschmückt und illuminirt.

Aus Stadt und Land.

h. Friedberg. Unsere Dekanatssynode am 26. Aug. dieses Jahres ist in ganz erwünschter Weise verlaufen. Der den Verhandlungen vorausgehende Gottes dienst war recht gut besucht, man war erfreut, auch namentlich Vertreter der kirchlichen Gemeindevertretung unter den Besuchern desselben zu sehen. Neben der zur Thätigkeit für unsere Kirche anregenden und zugleich erbaulichen Predigt des Dekans Meyer wurde der Gottes dienst durch den schönen Gesang des Musikvereins in hohem Grade gehoben und verherrlicht. Alle Zuhörer waren voll des Lobes über den schönen zu Herzen gehenden Gesang. Die Synode ist darum für diese Leistung dem Musik verein und dem Seminar, insbesondere dem Leiter des Gesanges, Seminarlehrer Schmidt, von Herzen dankbar. Die Verhandlungen der Synode wurden in anregender, ernster Weise und zugleich im Geiste der Liebe und des Frledens geleitet und geführt. Kirchenrath Baur er stattete Namens des Dekanatsausschusses den Rechen schaftsbericht des abgelaufenen Jahres. Derselbe ent hielt des Interessanten viel, doch müssen wir uns hier

des überlassenen Raumes wegen ein Eingehen auf den⸗ selben versagen. Nach dem Berichte hat sich der Kirchen besuch an nicht wenigen Orten gehoben. Wir dürfen zu diesen Orten auch Friedberg rechnen, was wir zu unserer Freude gerne aussprechen. Prof. Dr. Köstlin trug nun seine interessanten Thesen über kirchliche Beerdigung vom evangel. Standpunkte aus vor und begründete sie, beides in der tiefgemüthvollen und eingehenden Art, die wir an diesem Manne gewohnt sind. An der lebhaften Diseussion betheillgten sich mehrere der anwesenden Synodalmitglieder. Hiernach gab Seminarlehrer Wahl Namens des Dekanats-Ausschusses, ein Referat über Gründung einer Herberge zur Heimath. Er verbreitete sich über Begriff, Nothwendigkett, Erfordernisse und die Wege zur Beschaffung der nöthigen Mittel. Dekan Meyer knüpfte hieran einige Thesen, die einstimmig von der Synode angenommen wurden. Ein Comité von 15 Mit⸗ gliedern wurde gewählt, das mit der Ausführung be traut ist. So dürfen wir zuversichtlich hoffen, daß dieses heilsame Werk bet uns in's Leben treten wird und wir dürfen das erhebende Bewußtsein haben, zur Lösung der soeialen Frage auch etwas beigetragen zu haben. Nun schritt man zu den nöthig gewordenen Wahlen. In den Dekanats-Ausschuß wurde Kirchen-Vorstand Geberinger von Bad-Nauheim als ordentliches weltliches Mitglied und Pfarrer Walz von Bad-Nauheim und Bürgermeister Best von Assenheim als Ersatzmänner ge wählt. Nachdem Dekan Meyer noch der verstorbenen Mitglieder der Synode: Buͤrgermeister Schutt von Bad Nauheim und Bürgermeister Geibel von Bönstadt ehrend gedacht hatte, sprach Professor Dr. Weiffenbach das Schlußgebet. Der gesellige Theil der Synode verlief ebenfalls in schönster Weise und einige Toaste wuͤrzten das Zusammensein nach ernster Arbelt. Mit dem Be wußtsein, daß unser kirchliches Leben im Dekanat auf's Neue durch diese Synode gefördert worden set, trennten sich die Mitglieder und Freunde der Synode.

h. Friedberg. Das Sedansfest wird bei uns in

herkömmlicher Weise verlaufen. Morgens ¼⁰10 Uhr findet Festgottesdienst statt, Festprediger wird Director Or. Diegel sein. Um 1½½, ‚Uhr Beginn des Festzuges. Auf dem Festplatze Rede, gehalten von Prof. Dr. Köstlin, Gesang der Seminaristen, Gesang der Schulkinder, Spiele derselben, Bretzelverthetlung an dieselben und an eine bestimmte Anzahl Abgabe von Freikaffee. An dem, was zum leiblichen Wohle gehört, wird's auch nicht fehlen. Selbst auf Besuch sind wir vorbereitet, so daß es dem selben bei uns gefallen wird. Lehrer von auswärts mit ihren Schulkindern sollen Gelegenheit finden, Festbretzeln zu acqutriren. gegen 8 Uhr aber, so hat das Comité verabredet, will man sich im Hötel Trapp noch einmal vereinigen, um in geselligem Kreise von Männern der Bedeutung des patriotischen Gedenktages weiter gerecht zu werden. d. Friedberg. Es wird vielleicht manchem Leser ein Lächeln abgewinnen, wenn zu den 32 in unserer Stadt bestehenden Vereinen, einem neuen Verein hier das Wort geredet werden soll. Allein wenn irgend ein Verein An⸗ spruch auf Existenzberechtigung hat, so ist es doch jeden falls der, welcher die Erhaltung unserer Stadt kirche bezweckt. Wenn man beobachtet, wie segensreich gleiche Vereine in anderen Städten für die Erhaltung ihrer Kirchen und Baudenkmäler wirken, so drängt sich Jedem die Frage aufWarum ist nicht schon längst etwas für diese Sache geschehen! Denn die dringende Noth wendigkelt wird wohl Niemand bestretten können. Soviel dem Einsender bekannt ist, hat sich schon seit einiger Zelt zu diesem Zwecke ein Comité gebildet, welches die Vor arbeiten erledigen soll, zu einer Constituirung ist die Sache bis jetzt noch nicht gediehen. Wo die Verzöger ung liegt, soll hier nicht untersucht werden; wenn sedoch diese Zeilen etwas dazu beitragen können die Angelegen heit zu fördern, so ist ihr Zweck erreicht, denn jedes fernere Zögern ist verlorene Zeit.

X. Bad⸗ Nauheim, 28. Aug. Der hiesige Turn verein feierte am letzten Sonntag das Fest seiner Fahnen weihe in Verbindung mit dem 25jährigen Stiftungsfeste. Die Feier wurde eingeleltet durch einen am Vorabend stattgefundenen Zapfenstreich, sowie durch eine Reveille am Festtage. Um ½3 Uhr setzte sich der imposante Festzug in Bewegung, voran eine Abtheilung Turner, dann die Festmusik, das Festeomité und der Stadtvor stand, die Festjungfrauen in weißen Kleidern und rothen Schärpen, das Fahnen Comité, die verhüllte Fahne tragend, und schließlich die hiesigen Vereine. Nachdem der Festzug auf dem Festplatze angekommen war, begrüßte Bürgermelster Wörner die Festtheilnehmer recht herzlich und brachte am Schlusse ein Hoch auf Katser und Groß herzog aus, worauf das Turnerlied:Elin Ruf ist er klungen, gemeinschaftlich gesungen wurde. Lehrer Reuß, einer der Mitgründer des hiesigen Turnvereins, hielt sodann die sehr gediegene Weiherede. Redner schloß mit

enthüllte Fahne dem Fest-Präsidenten Lehrer Wagner, welcher mit dankenden Worten dieselbe entgegen nahm. Mit einemGut Heil auf den Kaiser, als den Förderer und Pfleger des deutschen Turnwesens, schloß Redner und übergab die Fahne dem Fahnenträger W. Horn. Gauvertreter Demuth von Gleßen beglückwünschte eben falls den Verein zu seinem Jubelfeste. Einen würdigen Abschluß des feierlichen Aktes bildete das unter Leitung des Lehrers Görlach sehr gut vorgetragene Weihelied der Gesangsabtheilung. Das darauf folgende Schau turnen bot ein sehr interessantes und hübsches Bild und wurden die einzelnen Uebungen recht präeis ausgeführt. Um ½5 Uhr fand unter Leitung des Turn⸗Lehrers Schröder von Barmen, welcher zufällig als Kurgast hier anwesend ist, der Ringkampf statt. Gegen 9 Uhr nahm

Um 6 Uhr ist Schluß auf der Seewiese,

einemGut Heil auf die Turneret und übergab die

dann in dem schön deeorirten Fritz'schen Saale der Fest⸗ ball seinen Anfang. Anderen Tages schloß elne kleine Nachfeter, verbunden mit Tanz und Ringkampf speziell für die hiesigen Turner, bei welchem Jacob Fleischhauer mit dem J. und Wilhem Stamm mit dem II. Preis bedacht wurden, das nach allen Seiten gelungene Fest.

n. Bad-Nauheim. Unsere Vorbereftungen zum Sedanfest sind im Gange. Wse alljährlich, feiern wir auch diesmal den 2. September mit Gottesdienst, Jugend fest im Hochwald und Abendfest im großen Coneertsaale des Kurhauses. Den letzteren Festtheil möchten wir nicht entbehren; denn er ist in seinem Gesammtverlauf und durch die allgemeinen Lieder, welche die Mitwirkung jedes Festgenossen erfordern, sehr geeignet, bei Erwach senen die Feststimmung patriotisch zu gestalten, zu er wärmen und das ganze Fest zu einem Abschlusse zu bringen, der bet allen denkenden Theilnehmern nachklingt bis zur Wiederholung des Festes im nächsten Jahr. Unser bevorstehendes Sedan-Abendfest, unter Mitwirkung der Kurkapelle und des Gesangvereins Concordia, ge währt eine schöne Abwechselung in Orchester- und Ge sangs-Vorträgen, in allgemeinen Liedern, sowie in Fest rede, Ansprachen und Toasten. In dem Abendfest am Sedantag geben sich die hiesigen Einwohner und die noch anwesenden Badegäste gegenseitig gewissermassen ein Fest, welches bei beiden Theilen eine freundliche Er innerung zurück läßt und stets die beste Beurtheilung findet, auch bei den Kurgästen aus den großen Städten Deutschlands und des Auslandes. Manche Kurgäste richten ihre Wiederkehr im nächsten Jahre so ein, daß sie das Sedanfest nochmals mit uns feiern können. Diese Reelame einer Badestadt hat den Vortheil einer beldersettigen Befriedigung. So möge unser Sedanfest sympatisch wirken! In diesem Sinne ist uns auch der Besuch aus den Nachbarorten sehr willkommen.

u. Kaichen, 30. Aug. Heute sollte auf der Hain⸗ mühle eine geheime Soclalistenversammlung stattfinden und waren Parteigenossen von Frankfurt, Friedberg, Heldenbergen, Groß-Karben, Burggräfenrode, Ostheim und Kaschen erschtenen. Die Polizet hatte jedoch Wind von der Sache bekommen und bevor noch die Verhand lungen beginnen konnten, erschien ein Gensdarm und löste die Versammlung auf.

b. Büdesheim, 30. Aug. Heute Nacht brannte der benachbarte Marienhof fast ganz nieder. Durch die in den Scheunen aufgehäuften Vorräthe fand das Feuer so viele und rasche Nahrung, daß alle Hülfe zu spät kam.

W. Nieder-Erlenbach. Bei der am 20. d. Mts. auf Grund des von dem Reichs-Versicherungsamt ge nehmigten Statuts der Berufsgenossenschaft der Fein mechanik im Saale des Café Nowack zu Karlsruhe stattgehabten Generalversammlung der Section VIII., umfassend das Großherzogthum Hessen, Baden und Elsaß⸗Lothringen, wurden Fabrikant G. Heyne in Offen⸗ bach a. M. und zu dessen Ersatzmann Fabrikant Louis Wetzell in Nieder-Erlenbach in den Seetionsvorstand gewählt. Als Vertrauensmann für den Bereich des Großherzogthums Hessen wurde Fabrikant L. Wetzell und zu dessen Ersatzmann Fabrikant A. Opel in Rüssels⸗ heim für die Dauer von 4 Jahren gewählt.

? Vilbel, 28. Aug. In der gestrigen öffentlichen Gemeinderathssitzung, in welcher der neugewählte Bei geordnete vereidigt und in seinen Dienst eingewiesen wurde, ging es nicht ohne besondere Zwischenfälle ab. Als aber die Oeffentlichkeit ausgeschlossen, das anwesende Publikum sich entfernt hatte, und die Frage betr. die Gehalts verhältnisse des Schuldteners zur Verhandlung kam, entstand ein solcher Lärm, daß der Gr. Bürgermeister es für angezeigt hielt, die Sitzung zu schließen.

n. Hungen, 26. August. Das landwirthschaftliche Fest der Provinz Oberhessen nahm, begünstigt von dem schönsten Wetter und unter Betheiligung einer ungeheuren Menschenmenge, den schönsten Verlauf. Der Festzug war prächtig. Nachdem derselbe auf dem Festplatze auf⸗ gezogen war, eröffnete der Präsident des landwirthschaft lichen Provinzialvereins, Baron A. von Nordeck zur Rabenau, das Fest mit einer kurzen Ansprache. Hierauf begannen die Preisrichter ihr schwieriges, mühevolles Amt, während das Publikum durch die herrlichen Klänge der Kapelle des 88. Infanterie-Regiments aus Mainz, unter persönlicher Leitung ihres Kapellmeisters Baunack, sowie allerhand Volksbelustigung unterhalten wurde. Die Viehausstellung war in allen Vieharten sehr gut beschickt. Wir sahen wahre Prachtexemplare in allen Rassen. Besonders aber war die Vogelsberger Rindvieh⸗ rasse im Vergleiche zu den Thserschauen in den letzten Jahren zahlreich und durch sehr schöne Thlere vertreten. Ebenso sehenswerth war die sehr reichhaltige Ausstellung der landwirthschaftlichen Maschinen und Geräthe, an welcher sich auch der Oberhessische Blenenzüchterverein in dankenswerther Weise bethelligt hatte. Namentlich hatte die Firma Buch in Hungen das Schönste und Neueste auf diesem Gebiete zur Schau gestellt. Die Vertheilung der Prämien verzögerte sich etwas in An betracht der großen Menge des zu besichtigenden Vieh's. Sowohl deßhalb, als auch wegen des colossalen Menschen andrangs konnte ein eigentliches Festbankett nicht statt⸗ finden. Die Menschenmasse bemächtigte sich der reser⸗ virten Stühle, so daß auch die eingeladenen Gäste suchen mußten, wo sie gerade Platz finden konnten. Die Namen derjenigen, deren Vieh prämlirt wurde, werden später noch amtlich bekannt gemacht werden. Was die Wagen des Festzuges anlangt, so wurden bezüglich der land wirthschaftlichen Darstellungen die Wagen aus den Ge meinden Wohnbach, Bellersheim, Hungen(Cereswagen), Villingen und Nidda in der angegebenen Reihenfolge

und bezüglich der gewerblichen Darstellungen die Wagen der Grube Friedrich(Trais⸗Horloff), Hungen, Langsdorf

1

Verbr eute 10* wordt der Laub. hier Herb ung k in Oe und betruf und det U in de sollte vier entsch unbed darar oder Blut Mor welch liche fund gefun als