Straßburg. Die Befestigungen von Straß— burg sollen, wie es heißt, durch ein Vorwerk zum Schutze des neuen Bahnhofes vermehrt werden.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Pest, 24. Nov. Das Abgeordnetenhaus nahm mit großer Majo— rität den Gesetzentwurf betreffs der Ehe zwischen Christen und Juden als Basis für die Spezial— debatte an, sowie ferner eine Resolution Iranyi's, durch welche die Regierung zur baldigsten Unter— breitung einer Vorlage über die obligatorische Civilehe angewiesen wird.
Holland. Haag, 23. Nov. Die zweite Kammer genehmigte den Zutritt Hollands zur Reblaus⸗Convention. In Folge der gestrigen Ablehnung des Capitels, betreffs der 2 indischen Budgets, durch die zweite Kammer hat der Colonialminister demissionirt. Die Berathung des indischen Budgets wurde ausgesetzt.
Frankreich. Paris, 23. Nov. Die Kammer setzte die Berathung des Cultusbudgets fort und nahm zwei Anträge des radicalen Abgeordneten Roche an, wovon der eine das Gehalt des Erz— bischofs von Paris von 45,000 Fr. auf 15,000 Fr. herabsetzt, der andere die Stipendien für die Seminarien aufhebt. Der Justizminister hatte beide Anträge bekämpft. Im weiteren Fort— gange der Sitzung genehmigte die Kammer alle übrigen Artikel des Cultusbudgets unverändert.
Großbritannien. London, 23. Novpbr. Die Polizei verhaftete gestern in einem Hause am Vincent Square in Westminster einen Mann, in dessen Besitze sich zwei Höllenmaschinen von großer Zerstörungskraft befanden. Der Ver— haftete heißt Wilhelm Wolff und ist einer der Führer der deutschen Socialisten. Es wird ihm die Absicht zugeschrieben, die deutsche Botschaft in die Luft zu sprengen. Seit heute früh steht deßhalb die deutsche Botschaft unter polizeilicher Schutzwache. Die Polizei machte derselben heute früh die erste Mittheilung von dem Anschlag. Graf Münster war gestern zum Besuch des Lord Sudeley nach Toddington gereist; derselbe wurde heute von dem Vorfall benachrichtigt.
Italien. Rom. Man spricht von der Ernennung des Generals Ricotti zum Kriegs— minister, da der bisherige Kriegsminister General Ferrera sein Portefeuille niederlegen will, um fernerhin als Hofmeister des italienischen Kron— prinzen zu fungiren.
Spanien. Madrid, 23. Nov. Gestern Abend fand zu Ehren des Kronprinzen von Deutschland in Valencia im Palais des General— capitäns ein Diner statt. Nach demselben be— suchte der Kronprinz das Theater, wo derselbe wiederum Gegenstand begeisterter Kundgebungen war. Nach Beendigung des zweiten Actes nahm der Kronprinz die von der Municipalität und dem Generalrath dargebotenen Erfrischungen an, verließ alsdann, geleitet vom Präfecten und dem Bürgermeister, das Theater und begab sich nach dem Bahnhofe, um die Reise hierher fort— zusetzen. Bei der Verabschiedung von den Be— hörden äußerte der Kronprinz wiederholt seine lebhafte Befriedigung über die warme Aufnahme in Valencia. Das dortige Journal„Provin— cias“ sagt, noch kein Fürst sei in Valencia so herzlich empfangen worden. Der Extrazug, mit dem der Kronprinz von Valencia hierher ge— fahren, traf um 11½ Uhr Morgens hier ein. Auf allen Bahnhöfen, an den Wärterhäusern und dem Bahugeleise auf der ganzen Wegstrecke von Valencia bis Madrid entlang standen Doppel— posten der Nationalgarde in Parade und erwiesen dem Kronprinzen während seiner Vorbeifahrt die Honneurs. Der Madrider Bahnhof war mit Guirlanden und Wappen sehr reich geschmückt— Als der Zug einlief, brach die nach vielen Tausenden zaͤhlende Menschenmenge am Bahn— hofe in brausende Hochrufe aus, während die Musik der Ehrenwache, die aus einer Com—
pagnie Jufanterie mit der Fahne bestand, die preußische Nationalhymne intonirte. König Alfous, welcher die Uniform seines preußischen Ulanen— regiments mit dem Band des Schwarzen Adler—
ordeus trug, eilte, von einer glänzenden Suite gefolgt, auf den Wagen des Kronprinzen zu. Der Kronprinz trug die große preußische Ge— neralsuniform mit dem Band des Schwarzen Adlerordens und dem Orden des Goldenen Vließes. Nach dem Verlassen des Wagens um— armten und küßten sich der König und der Kron— prinz wiederholt. Nachdem der Kronprinz mit dem König die Front der Ehrenwache abge— schritten, begaben sich die hohen Herrschaften unter Vortritt des Obersthofmeisters durch die prachtvoll decorirten Wartesäle nach dem könig— lichen Galawagen. Die ungeheuren Menschen— massen am Bahnhofe begrüßten den Kronprinzen erneut mit Willkommenrufen. Die Madrider Deutschen brachten unausgesetzt stürmische Hochs und Hurrahs aus, die Trompeter des Kürassier— regimentes bliesen die Fanfare. Als der offene vierspännige Wagen mit dem Kronprinz und König sich in Bewegung setzte, schwenkte die Escadron Kürassire als Escorte ein. Die Fahrt ging unter unausgesetzten jubelnden Zurufen den von dichten Menschenmassen besetzten Prado ent— lang, bei der Deputirtenkammer vorbei, durch die mit Fahnen und Teppichen äußerst reich geschmückten Straßen nach dem Palacio Real, wo die Königin den Kronprinzen begrüßte. Auch hier war eine Ehrenwache. Während des Ein— zugs war prächtigster Sonnenschein. Die deutsche Colonie(etwa 120 Personen), der Consul an der Spitze, begrüßte den Kronprinzen bei seiner Ankunft ebenfalls. Zwei Deutsche mit einer Dame überreichten dem Kronprinzen auf der Fahrt nach dem Königspalast Blumenbouquets. Nachmittags machte der Kronprinz mit dem König im offenen Wagen eine Spazierfahrt in Buenretiro und wurde von der Menge enthusiastisch begrüßt. Fast alle Häuser sind festlich beflaggt, im Stadt— centrum auch mit deutschen Fahnen.— 24. Nov. Bei der gestrigen Vorstellung in der Oper er— hoben sich in dem Momente, als der Kronprinz in Begleitung des spanischen Königspaares die Loge betrat und die preußische Nationalhymne gespielt wurde, sämmtliche Zuschauer unter be— geisterten Beifalls-Rufen. Bei der heutigen Truppenschau, welche zur festgesetzten Stunde begann, trug der deutsche Kronprinz Kürassier— uniform, das goldene Vließ und den schwarzen Adlerorden; König Alphons trug Generalcapi— tänsuniform und den schwarzen Adlerorden. Die Suite bildeten zahlreiche Geueralstabs— offiziere und die Militär-Attaches der fremden Mächte. Der König und der Kronprinz ritten langsam die Front ab und nahmen dann Auf— stellung vor den Tribünen, worin die königliche Familie, die Minister, die Senatoren und die Deputirten saßen, worauf die Truppen, 15,000 Mann, defilirten. Der Vorbeimarsch dauerte fast zwei Stunden. Der Kronprinz sprach seine volle Anerkennung über die vorzügliche Haltung der Truppen aus und interessirte sich besonders für die Gebirgsartillerie. Im Laufe des Vor— mittags hatte der Kronprinz das Gemäldemuseum besucht. Heute Abend findet zu Ehren des Kronprinzen ein Banket von 130 Gedecken im königlichen Palais statt. Das Wetter ist prächtig.— 25. Nov. Während des gestrigen Militärbankets im königlichen Palais erhob sich der König zu einem Trinkspruch, in welchem er seinen erlauchten Gast den deutschen Kron— prinz feierte. Der König gedachte dabei der Auszeichnungen, die ihm in Deutschland durch den Kaiser Wilhelm und die kaiserliche Familie zu Theil geworden seien und trank schließlich auf das Wohl der deutschen Kronprinzessin, des Kaisers und der Kaiserin und der gesammten kaiserlichen Familie. Der Kronprinz erwiederte mit verbindlichen Worten des Dankes an den König für die herzliche Aufnahme seitens der königlichen Familie und der spanischen Be— völkerung, und toastete auf die Königinnen Christine und Isabella, die Infanten und auf die Wohlfahrt Spaniens. Nach dem Diner unterhielt sich der Kronprinz mit verschiedenen Personen, insbesondere mit Canovas und den
Ministern Posada und Morel. Der Kronprinz
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besuchte am heutigen Todtenfeste Vormittags 0 den Gottesdienst in der evangelischen Kapelle und wird Nachmittags dem Stiergefecht bei- n
wohnen.
Rumänien. Bukarest. Der Vicepräsident der Deputirtenkammer Voinov ist zum Justiz⸗ minister ernannt worden.
Serbien. Belgrad. Wie von hier ge— meldet wird, soll die Skupschtina Ende Dezember aufgelöst werden. Die Neuwahlen für dieselbe werden vor Mitte des nächsten Jahres nicht stattfinden.
Rußland. Petersburg. Gegenüber der Blättermeldung, daß mehrere Moskauer Gym— nasiasten wegen thätlicher Beleidigung eines Lehrers nach Turkestan verschickt worden seien,
ist, einer Mittheilung des Unterrichtsministeriuns zufolge, auf Grund einer eingezogenen authen⸗ tischen Auskunft constatirt, daß der angegebene
Vorfall sich gar nicht zugetragen hat.
Warschau. Wie man den polnischen Blättern
telegraphirt, hat der General-Gouverneur Gurko dem römischen Bischofe von Lublin, Pater Wnorowski, und dem Bischofe von Wilno, Pater Hryniewiecki, Pässe mit dem Auftrage, Rußland unverzüglich zu verlassen, zustellen lassen. Auch die Stellung des Waschauer Erzbischofs Popiel soll erschüttert sein, angeblich weil der— selbe sich geweigert habe, dem Auftrage Gurko's
gemäß bei irgend einem öffentlichen Aufzuge zu⸗
gleich mit dem orthodoxen russischen Erzpriester zu erscheinen.
Egypten. Kairo, 22. Novbr. In dem heutigen Kriegsrathe, dem der Präsident des Ministerraths, Kriegs-Minister Abdel-Kader— Pascha, Siegler Pascha und Baring beiwohnten, sollte die militärische Lage geprüft und eine Eutscheidung darüber getroffen werden, ob
Khartum resp. andere noch südlicher gelegene
Punkte noch zu halten seien, ein Beschluß wurde jedoch noch nicht gefaßt.
— 23. Nov. Der britische Admiral Hewet befahl, das britische Geschwader des Rothen Meeres behufs Schutzes der egyptischen Inte— ressen durch mehrere Kanonenboote des Mittel— meergeschwaders zu verstärken. Einer Havas— meldung zufolge soll der Abzug der englischen Truppen keine Verzögerung erleiden und die Räumung Kairo's in 14 Tagen bewerkstelligt sein. Baring empfahl der egyptischen Regier— ung die Räumung des Sudan.— 24. Nov. Die
Eröffnung des gesetzgebenden Raths hat heute in
Gegenwart der Minister stattgefunden. Der Khedive hat der englischen Regierung für die an den Contreadmiral Hewett erlassenen Befehle zur Verstärkung des englischen Geschwaders im Rothen Meere seinen Dank ausgesprochen. Der Ministerrath hat beschlossen, 2000 Mann egyp⸗ tischer Gendarmerie und 6000 Beduinen nach Suakim zu entsenden und dieserhalb mit den Beduinenhäuptling Unter- und Oberegyptens zu unterhandeln. Die Expedition soll für Suakim die Berberstraße wieder eröffnen und eine Ver— bindungslinie offen halten, um den Rückzug der egyptischen Truppen aus Khartum und Sennaar zu sichern. Die ersten 300 Mann Gendarmerie dürften sofort abgehen. Aus Khartum sind keine neuen Nachrichten eingelaufen.
— 24. Nov. In Folge der Vorstellungen des Gouverneurs vom Sudan, des Gouverneurs Cotterels und Haidar Paschas, welche alle drei sich in Khartum befinden, ordnete der Khedive tele— graphisch die Evacuirung der militärischen Posi— tionen am weißen Nil an. Die Truppen am blauen Nil sollen in Sennaar, die vom weißen Nil in Khartum concentrirt werden, wodurch die Garni— sonen Sennaars und Khartums auf je 4000 Mann erhöht werden. Im Nothfalle soll die Garnison Sennaars diesen Ort räumen und zur Ver— stärkung von Khartum dienen. Der Gouverneur Cotterel und Haidar Pascha wurden angewiesen, sich wegen der Vertheidigungs-Maßregeln zu verständigen.
Amerika. Washington. Staatssecretär Freelinghuysen hat geheime telegraphische Ordres
an den Commandanten des amerikauischen Ge— 1
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