— 9. Febr. Die Börsensteuercommission hat gestern Abend die erste Lesung des Wedell'schen Antrags beendet und denselben mit 10 gegen 9 Stimmen angenommen. Bekanntlich ist diese Annahme nur formell, um die zweite Lesung, die nach Ostern stattfindet, zu ermöglichen.
— 10. Febr. Die Steuercommission des Abgeordnetenhauses hat, unter Ablehnung aller Anträge, den Gesetzentwurf, betreffend die Auf— hebung der beiden untersten Stufen der Classen— steuer, mit allen gegen vier Stimmen ange— nommen. Die Krankenkassen-Commission hat zu F. 4 beschlossen, Dienstboten, insofern sie sich freiwillig melden, zur Krankenversicherung zuzulassen.
— Die Geschäftsordnungs-Commission des Reichstags hat beschlossen, den Antrag des Kanz— lers auf strafgerichtliche Verfolgung der socia— listischen Abgeordneten Geyser und Frohme in Sachen des Mißbrauchs der Eisenbahnfreikarten dem Plenum zur Annahme zu empfehlen. Die Commission hat die beiden Angeschuldigen ver— nommen, die übrigens ihre Verfolgung sich selbst ausgebeten haben.
Kiel. S. M. Kanonenboot„Albatroß“, 4Geschütze, Comm. Corv.⸗Capt. v. Pawelsz, ist am 3. Januar in Montevideo eingetroffen und beabsichtigte am 9. Januar nach Frey-Bentos und Paysandu in Uruguay zu gehen.
— Aus Friedrichsort wird mitgetheilt, daß die erste unterseeische Torpedobatterie dort ein— getroffen und im Laufe dieser Woche bereits die ersten Versuche mit dieser neuen Erfindung ge— macht worden sind, von der man sich für die Vertheidigung von Hafeneingängen wesentliche Vortheile verspricht.
Hamburg, 8. Febr. Wegen des Zollan— schlusses hat die Bürgerschaft heute eine Sitzung abgehalten, in welcher der Senatsantrag abge— lehnt, dagegen das größte Project, welches mit einem Kostenaufwande von 119 Million den Zollkanal und die Einbeziehung der ganzen Kehr— wieder- und Wandrahm-Insel zum Freihafengebiet will, mit 73 gegen 53 Stimmen angenommen. Der Beschluß ist noch kein definitiver, sondern erfordert noch eine zweite Lesung, welche auf nächsten Mittwoch festgesetzt ist.
Straßburg. Die Elsaß⸗Lothringische Zeit— ung tritt der Nachricht französischer Blätter ent— gegen, daß bei der Bestattung Gambetta's elsaß— lothringische Gemeindeverwaltungen offiziell ver— treten gewesen seien. Man habe Erhebungen veranstaltet, welche dann ergaben, daß jene Blätternachricht nur auf Kundgebungen von den in Paris lebenden elsaß-lothringischen Emigranten und einzelne wenige den Reichslanden noch Angehöriger, die aber ohne jegliches Mandat waren, zurückzuführen sei.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 9. Febr. Die Acten in Betreff der Affaire Kaminski sind bereits dem Staatsanwalt übergeben.
— 10. Febr. Vor überfülltem Hause be— autwortete Handelsminister Pino die Inter— pellation in Sachen der Kaminski-Affaire. Nach Aufzählung der sachlichen Gründe für die Bau— vergebung an Baron Schwarz erklärte er, daß die Regierung eine Commission von höheren Beamten an Ort und Stelle entsendet habe, um zu ermitteln, ob die staatlichen Organe incorrect vorgegangen. Etwaige Schuldige wer— den mit voller Strenge behandelt werden. Das Haus nahm die Beantwortung der Interpellation mit tiefer Stille entgegen. Hierauf begann der Abg. Kopp seinen Antrag auf Einsetzung einer parlamentarischen Commission zu begründen. Nach der Rede Kopp's erklärte der Minister— präsident Graf Taaffe: Die Regierung habe gegen die Einsetzung eines Ausschusses nichts einzuwenden, wenn aber die Spitze des An— trags gegen das Verhalten der Regierung selbst gerichtet sei, so möge man lieber andere, durch die Verfassung gebotene Mittel wählen: Die Auklage und Verantwortung vor dem Staats— gerichtshof.
Prag, 10. Februar.
Auf dem Gipfel des Ziskaberges erhenkte sich gestern der 18jährige Handschuhmacherlehrling Wenzel Dreßler. In einem hinterlassenen Briefe an seine Eltern er— klärte er, daß er als Mitglied eines Geheim— bundes den Auftrag erhielt, den Prager Polizei—
director Steiskal zu ermorden. Da er diesem Auftrage nicht nachgekommen, müsse er sterben, weil ihn sonst seine Kollegen umbrächten. In Folge der eingeleiteten Untersuchung wurden sechs jugendliche Arbeiter verhaftet.
Frankreich. Paris, 9. Febr. Die An- klagekammer erkannte in der Untersuchung wider den Prinzen Napoleon auf Einstellung der Uuter— suchung. Der Prinz ist bereits freigelassen und in seine Wohnung zurückgekehrt.
— 9. Febr. Man spricht von neuen De— missionen im diplomatischen Corps. Graf Mouy in Athen und Courcel in Berlin jedoch bleiben. Indeß muß die Bestätigung hiervon noch ab— gewartet werden.
— 10. Febr. Wie versichert wird, fand eine Besprechung Grevy's mit Ferry und Freyeinet statt. Beide hätten jedoch den An— trag zur Bildung eines neuen Cabinets abge— lehnt, weil sie auf die Majorität der Kammer nicht rechnen zu können glaubten.
— 10. Febr. Im Senat erklärt der Be— richterstatter Allou, die Commission lehne die Prätendentenvorlage ab, hinsichtlich der zur Vorlage eingebrachten Amendements beantrage sie aber, zur Berathung der einzelnen Artikel überzugehen. Die Debatte wird schließlich auf Montag vertagt.
Großbritannien. London, 9. Febr. Die Gesandten Madagascar's hatten gestern eine Audienz bei Granville, von welcher sie sich sehr befriedigt erklärten.
— 10. Febr. Nach Meldung des Reuter'schen Bureaus beschloß die Donauconferenz heute, Serbien zur Conferenz zuzulassen mit consul— tativer Stimme, ohne Recht der Abstimmung wie die Großmächte. Bulgarien werde wahr— scheinlich nicht zugelassen. Die Conferenz be— schloß im übrigen, die Berathungen geheim zu halten.
Dublin. Die deutsche Brigantine„Cato“ aus Blankenese, welche, wie bereits mitgetheilt, von den englischen Behörden mit Beschlag be— legt wurde, weil man an Bord die enorme Quan— tität von 50 Tons Dynamit entdeckte, liegt jetzt acht Meilen unterhalb Hull vor Anker. Bei seiner Sistirung gab der Capitän des„Cato“ an, sein Schiff sei mit Steinen beladen und befinde sich auf der Fahrt von Hamburg nach Mexico. Da sich aber herausgestellt hat, daß dasselbe für eine so lange Reise nicht genug Proviant an Bord hatte, so werden diese An— gaben als Täuschungen angesehen, welche in Verbindung mit der vorgefundenen Ladung den Verdacht erhöhen.
— 10 Febr. Im Complotprozeß erschienen Brady, Fitzharris, Kelly, Carey, Palk, Delancy, Hanlon, Moroney, Curley und zwei Brüder Muttek unter der Anklage der Ermordung von Cavendish und Burke; der Kutscher Kavanah erschien als Zeuge und sagte, er habe Brady, Kelly und zwei andere in den Phönixpark bis in die Gegend gefahren, wo der Mord begangen wurde, bis zu deren Rückkehr gewartet und die— selben sodann nach Dublin zurückgefahren.
Spanien. Madrid, 9. Febr. Die Kam⸗ mer beschloß einstimmig, den Antrag, betreffend die Förderung und Reorganisation der Kriegs— marine, in Erwägung zu ziehen. Der Marine— minister erklärte, die Regierung sei mit der Re— organisation ernstlich beschäftigt; es seien 9 Kriegs— schiffe bereits im Bau, resp. in der Reparatur begriffen.
Italien. Rom. Die Antwort des Papstes auf das Schreiben des Kaisers geht dahin, ein Uebereinkommen betreffs des Einspruchsrechtes könne nur gleichzeitig mit einer Revision der organischen Maigesetze stattfinden; ein Schreiben des Cardinal-Staatssecretärs regele die ganzen Verhandlungen.
Rußland. Petersburg, 9. Febr. Der Botschafter Fürst Orloff hat sich gestern auf seinen Posten nach Paris zurückbegeben.
Egypten. Kairo, 9. Febr. Die Nachricht von der Uebergabe El Obeids hat sich nicht bestätigt. Heutigen Nachrichten zufolge siegten die Egypter in zwei kleinen Gefechten.
— 9. Febr. Der Ministerrath genehmigte die ersten 34 Artikel der von Borelli Bey für Egypten ausgearbeiteten Vorschläge Lord Duf— ferin's, enthaltend die neue Verfassung.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Rudolf Falb, der bekannte Astronom, erklärt die auf seiner eigenen Lehre basirende Prophe— zeihuag des amerikanischen Professors Stone Wiggins, es werde sich am 9. März im Golf von Mexleo ein ge⸗ waltiger Sturm erheben und am 11. März die Atlan- tische Küste erreichen, für— amerikanisch. Falb fügt sodann aber hinzu:„Allein mit voller Sicherheit lassen sich vom 7. bis 9. März 1883(die Verfrühung von zwei Tagen ist Beobachtungsresultat) die Zeichen des Kampfes zwischen Aequatorial- und Polarstrom erwarten: Stürme, Cyelonen, Gewitter mit Hagel, Niederschläge ꝛc. Und selbst an Orten, wo heiteres Wetter berrscht, werden zarte, eirrisirende Lämmerwölkchen den Aequatorialstrom in der Höhe verrathen; denn am 9. März treffen drei Fluthfactoren, Neumond, Erdnähe und Aequatorstand des Mondes zusammen. Annähernd Aehnliches dürfte sich auch um die Tage vom 5. bis 7. und vom 19. bis 22. April d. J. ereignen.“
Friedberg. Der Ortsgesundheitsrath in Karls— ruhe veröffentlicht folgende Bekanntmachung:„Unter der Ueberschrift„Zur Heklung der Lungentuberkulose“ wird seit einiger Zeit durch Reklamen und Inserate in hiesigen und auswärtigen Blättern eine angeblich bisher unbe— kannte, nach ihrem Entdecker„Homeriang“ genannte sibirische Pflanze als untrügliches Heilmittel gegen Schwindsucht den Leidenden empfohlen. Bei der Unter— suchung der Pflanze, die wir kommen ließen, erwies sich dieselbe als Polygonum aviculare, Vogelknöterich, welcher bekanntlich am Wege, auf Aeckern und Gärten bei uns
in großer Menge wächst und die angepriesene Hellwirk⸗
ung nicht im Entferntesten besizt. Die„Homerkana“ ist von der sog.„Centralen Vetriebsstelle hygienischer Er— zeugnisse des J. Kirchhöfer in Triest zu beziehen. Ein Packet von allerhöchstens 10 Pf. Werth kostet 2 Mark. Wir warnen vor diesem Schwindel.“
Castel, 9. Februar. Als gestern Nachmittag um 2 Uhr 27 M. der von Coblenz kommende Zug in den hiesigen Bahnhof eingelaufen war, fand darauf das Ueberladen der Poststücke für den Mainzer Postwagen statt. Kaum war der von dem Zug übernommene Packet— sack auf den Postkarren gelegt worden, als aus dem Sack plötzlich ein sofort wieder verlöschender Feuerstrahl hervorbrach, der von einem dumpfen Knall begleitet war. Die Untersuchung über diesen Vorfall ergab, daß der Inhalt eines in dem Sack befindlichen kleinen viereckigen Holzkistchens, aus Feuerwerkskörpern bestehend, explodlirt war. Durch die Flamme war der Sack fast vollständig verbrannt und die darin befindlichen Packete mehr oder weniger angebrannt. 5
Allerlei.
Frankfurt, 9. Febr. In einem Hause der Großen Bockenheimergasse ist heute Nacht ein Mann Namens Halberstadt mit Frau und zwei Kindern durch Offen— lassen und Abschrauben der Gaskrahnen erstickt. Die That geschah zweifellos mit Absicht, Gründe sind noch unbekannt. Als das Dienstmädchen Morgens eintreten wollte, war die Thüre verschlossen und wurde auch auf Rufen und Klopfen nicht geöffnet. Es eilte ein Stock— werk höher, um Hilfe zu holen. Man öffnete das Zimmer. Da sah man die Frau in dem einen Bette liegen; in ihren Armen hielt sie eines der Kinder krampf⸗ haft umschlungen. Die Züge des Kindes waren ent— stellt, die der Frau ebenfalls. In einem anderen Bett lag der Vater, ein noch ziemlich junger Mann und hielt das andere Kind in den Armen.
Hamburg, 10. Febr. Das Seeamt hat heute die Verhandlung über die Collission der„Cimbria“ mit dem „Sultan“ begonnen.
Wien, 9. Febr. Die Nichtigkeitsbeschwerde Jauner's, Geringer's und Nitsche's gegen das Urtheil des Erkennt⸗ nißgerichts im Ringtheaterprocesse ist vom obersten Ge— richtshofe als unbegründet verworfen worden.
Gerichtssaal.
Bad-⸗Nauheim. In der Donnerstag den 15. Febr. stattfindenden Schöffen-Gerichtssitzung kommen folgende Fälle zur Aburtheilung: 1) die Strafsache gegen Jost Sohn von Lohra, wegen Betrugs; 2) die Strafsache gegen G. H. Freundlieb von Friedberg, wegen Bauge— brechens; 3) die Strafsache gegen Peter Reitz von Steinfurth, wegen Beleidigung; 4) die Strafsache gegen Heinrich Hartmann II. von Bad-Nauheim, wegen Ver⸗ gehens wider die Sittlichkeit; 5) die Strafsache gegen Ludwig Langsdorf, Heinrich Steuernagel V. und Bern⸗ hard Steuernagel II., sämmtlich von Bad-Nauheim, wegen Beleidigung und Mißhandlung; 6) die Straf— sache gegen Christian Mathes und Joseph Mathes, Beide von Nieder-Mörlen, wegen Beleidigung; 7) die Straf— sache gegen Adam Sauter von Affolterbach, wegen Wider— stands; 8) die Strafsache gegen Hermann Ekarius von Bad Nauheim, wegen Körperverletzung und Mißhandlung.
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