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hinabzutragen in die Gaue des deutschen Vaterlandes. Ihr Haupt schmückt ein Blumenkranz. 5 Zwischen beiden Figuren breitet sich ein Relief aus, den König Wilhelm, umgeben von seinem Kriegsvolk, auf dem Auszuge zum Kampfe darstellend. Alle Krieger eilen nach links, als hörten sie den Posaunenstoß des Jünglings, dem„Kriege“ 1 In der Mitte reitet König Wilhelm, rechts von ihm schreitet der König von Bayern, zu seiner Linken König Johann von Sachsen. Ihnen reihen sich die Fürsten des Reiches und die 7 55 des Heeres, vor Allem Bismarck und Moltke an. Aus nahezu 200 Figuren setzt sich das Relief zusammen, alle in Lebensgroße, viele mit portraitähnlichen Köpfen. Ueber dem Haupte des Kaisers sieht man, um die Flagge des norddeutschen Bundes gruppirt, die Fahnen der anderen Staaten, das Ganze stellt dar die„Wacht am Rhein“. Unter ihm sind die Strophen des Schnecken— burgischen Liedes eingemeiselt, in gröberer Schrift die Worte:„Lieb Vaterland magst ruhig sein, fest steht und treu die Wacht am Rhein.“ „Abschied“ und„Heimkehr“ stellen zwei an den Seitenwänden des unteren Sockels angebrachte Reliefs dar: Auf dem ersteren nimmt zur Linken ein bayerischer Cavalerist Abschied von Vater und Mutter. Der Vater hält segnend seine Linke auf den Kopf des Sohnes, die Mutter will ihn mit beiden Händen zurückhalten. Aus dem Gesichte des Vaters spricht gedankenschwerer Ernst, aus dem der Mutter bange Angst um das Schicksal des Lieblings, des Sohnes Gesicht und seine zum Himmel emporgehobene Linke zeigen an, daß er den Sieg erhofft. Im Mittelpunkt nimmt ein junger Krieger Abschied von einer Jungfrau, welche ihren Bräutigam mit den Armen am Halse umschlungen hält. Die ergreifendste Scene bietet die rechte Seite. Ein Landwehrmann, dessen Gewerbe, wie die umliegenden Taue, Netze und Segel andeuten, das eines Schiffers ist, nimmt Abschied von seiner Familie. Die Mutter, welche eingesehen, daß keine Bitten im Stande find, den Gatten zurück zuhalten, steht schluchzend, die Hände vor das Gesicht haltend, regsignirt da, drei Kinder, zwei Mädchen und ein Knabe, machen Anstrengungen, den Vater zurück— zuziehen, das ältere Mädchen hält ihn am Arme zurück, das jüngere steht vor ihm und will ihn zurückdrangen, der kleine Knabe hat des Vaters Hand erfaßt. Dieser selbst sucht eiligen Schrittes zum Heere zu gelangen. Das Relief„Heimkehr der Krieger“ ist von dem Künstler der Antike genähert worden. Die Ge— wandung der die einziehenden Truppen bewillkommnen— den Frauen und Mädchen ist nach altcelassischen Mustern gefertigt und die Uniformen der Krieger sind dement sprechend gleichfalls reichlich mit Falten versehen. Diese Aeußerlichkeit erhoht die weihevolle Stimmung, die durch das Relief hervorgerufen wird. Im Mittelgrunde schlingt ein liebendes Weib die Arme um den heim kehrenden Mann, Tochter und Sohn drängen sich jubelnd an, ihn heran. Rechts rücken die einziehenden Truppen näher, links stehen Männer, Frauen und Jungfrauen mit emporgehobenen Lorbeerkranzen, die bestimmt sind, die Helme der Sieger zu zieren.
wie ihn nur Menschen von sich geben, die sich ihrer
bedurfte es doch, um die Germania zu formen, 4 Gusse. von denen jeder nahezu 200 Centner Erz in Anspruch
Rings um einen zweiten höher gelegenen Sockel sind die Wappen der deutschen Staaten angebracht, in der Mitte der Vorderseite ein heraldischer Adler, über diesen Eiserne Kreuze und Lorbeerkränze. Dann folgt ein gewaltiges Postament, dessen abgestumpfte Kanten Palmenblätter schmücken und auf dessen Vorderseite die Worte verzeichnet sind:„Zum Andenken an die ein⸗ müthige, siegreiche Erhebung des deutschen Volkes und an die Wiederaufrichtung des deutschen Reiches 1870 bis 1871.“ Die Seitenwände zeigen die Namen der 1870 und 1871 geschlagenen größeren Kämpfe.
Drei Stufen führen zur Germania. Nicht mehr wie sonst steht die hehre Maid mit vorgebücktem Leibe da, nicht wie die Wächterin des Rheines lugt und späht sie nach dem Feinde aus, der Deutschlands Grenze be— droht, in mafestätischer Ruhe hat sie sich aufgerichtet und aus ihren Augen blitzt jener Strahl der Sicherheit,
Kraft völlig bewußt sind. Und nicht diese allein, auch den Erfolg der Kraft simbolisirt die Gestalt. Ihr im Winde wehendes Haar, dessen mächtige Wellen sich um Schulter und Rücken lagern, krönt ein Eichenkranz, ein Lorbeerzweig windet sich um die Krone, welche die Jung—
frau in hoch erhobener Rechten dem bietet, der sie ge— wonnen und Lorbeer rankt sich um das auf den„ gestützte, von der Linken umklammerte Schwert, um das Schwert, welches der Jungfrau den Stempel der Sicherheit auf die Stirn und die Krone in die Hand zu drücken vermochte. Die Brust schmückt der deutsche Aar, ein breiter Gürtel hält das faltige Obergewand über den Leib, eine Spange dasselbe um den Hals zusammen. Das Gewand selbst zieren heraldische Adler und Thiere des deutschen Waldes, von denen besonders die Schwäne am unteren Saume gut gewählt sind, um nicht nur an
und für sich im Auge einen gefälligen Eindruck hervor— zurufen, sondern auch die Wellen des Gewandes zu
beleben. Der rechte Fuß tritt etwas zurück und diese Stellung ruft die Empfindung hervor, als wolle die Jungfrau die Krone herabschleudern auf das deutsche Land, damit der sie aufnehme, der die deutschen Lande wieder zu einem Deutschland gemacht hat. Die ganze Figur steht vor einem Sessel, dessen Lehne zwei Greife zieren, die zur Rechten und Linken der Germania hervor- schauen. Ihre trotzig blickenden Augen und spitzigen, aufgerissenen Schnäbel schrecken Jeden zurück, der un— befugt die Jungfrau berühren wollte.
Das Denkmal muß schon durch seine gewaltigen Dimensionen, durch die Größe der auf ihm errichteten Figuren erhebend wirken. Ist doch die Gemania allein 10½ Meter hoch und waren zu ihrer Darstellung 700 Centner Erz nothwendig. Beanspruchte doch der Guß sämmtlicher Theile des Denkmals die Zeit von 4 Jahren;
nahm. In die gesegneten Lande des Rheingaues hinein
gestellt, wirkt das Denkmal geradezu imponirend. Weithein öffnet sich das Panorama von der Platt
form des Denkmals aus. Vor uns fließt der Rhein,
zurief, so rufe ich auch heute an dieser bedeutungs vollen
Gedächniß, den Lebenden zur Anerkennung, den künftlgen
Drüben grüßt uns Bingen, die Thürme von Mainz länzen in der Ferne, am Naheufer sieht man die Ebernburg, der Mäusethurm weckt die Erinnerung an alte deutsche Sagen, die Rochuskapelle zeugt von dem frommen Sinn der Umwohner. Geisenheim, Ingelheim, Rüdesheim, Hattenheim, der weingesegnete Johannis— berg und Marcobrunn, wen heimelten nicht diese Namen an? Auf Deutschlands herrlichsten Gau, auf seinen schönsten Strom blickt das Denkmal herunter, es mahnt zur Einigkeit, wenn wir den Rhein ganz besitzen wollen.
Der Entwurf des gesammten Unterbaues ist das Werk des Architekten Weißbach, Professors am Poly— technikum in Dresden. Ausgeführt wurde das ganze Piedestal sammt der Terrasse von den Bauunternehmern Gebrüder Holtzmann in Frankfurt a. M.
Der Guß der Germania-Statue erfolgte in der von Miller'schen Anstalt in München. Die ebendaselbst bestehende Gießerei Lenz besorgte den Guß der Colossal statuen von„Krieg“ und„Frieden“. Nächst diesen beiden Instituten wurde Meister Bierling in Dresden beschäftigt, er führte die Gruppe„Rhein und Mosel“ aus, das Mittelstück des Haupt-Reliefs und das Relief der„Heimkehr“. Unter den Auspicien des Directors Heyer und des Ciseleur-Werkstatt-Dirigenten Rudholzner in Lauchhammer sind die Seitenstücke des großen Haupt— Reliefs entstanden, ebenso der Adler, die Kränze, die Wappen und die Relief-Inschrift. Endlich ist auch noch der Gießermeister Gladenbeck in Berlin betheiligt, das Relief des„Abschieds“ ist sein Werk.
Das Hauptmaterial für den Steinunterbau ist Ober— kirchner sogen. Kohlensandstein von den Ufern der Weser. Derselbe hat sich beim Bau des Hermanns-Denkmals im Teutoburger Walde als vorzüglich geeignet bewährt,
Die Figur des Krieges ist von den deutschen Krieger vereinen gestiftet, die Kosten der Friedensstatue hat eine Sammlung in den höheren Lehranstalten bestritten.
Als hauptsächliche Mitarbeiter an dem großen Werke Schilling's sind folgende Schüler des Meisters zu nennen: Rudolph Höller aus Lippe-Detmold, Ockelmann aus Hamburg, Ernst Paul aus dem Fürstenthum Waldeck, Martin Engelke aus Tilsit, Otto Staudinger aus Dresden( Anfang 1883), Bruno Kruse aus Hamburg, Theodor Bausch aus Stuttgart, Kircheisen aus Johann georgenstadt, Schade aus Kassel, Lochmann aus Dresden,
Werner Stein aus Braunschweig, Paul Werner aus
Magdeburg, Joachim Tietjens aus Altona und Scheibe aus Sachsen-Weimar.
An der Fronte der Unter-Terrasse befindet sich in Goldbuchstaben auf einer Granit-Tafel folgende Inschrift: „Seine Majestät der Kaiser und Konig Wilhelm vollzog die Grundsteinlegung des Denkmals am 16. Sept. 187“ mit den Worten:„Wie mein koniglicher Vater einst dem preußischen Volke an dem Denkmale bei Berlin
Stelle dem deutschen Volke zu: Den Gefallenen zum
Geschlechtern zur Nacheiferung!“
Bekanntmachung.
Das Verfahren in dem Konkurse des Weißbinders Heinrich Martin Weitz zu Vönstadt wird nach Abhaltung des Schlußtermins, sowie nach Vollzug der Schlußver tbeilung hiermit aufgehoben.
UAltenstadt den 27. September 1883. Großberzogliches Amtsgericht Altenstadt. Hofmann.
Veröffentlicht: Orth, 3542 Gerichtsschreiber.
999 1 ir.
Oeffeutliche Aufforderung.
Nachdem der Herr Graf Wilderich v. Walder— dorf zu Molsberg darum nachgesucht hat, ver schledene in den Gemarkungen Vilbel, Kloppenheim, Okarben und Petterweil gelegene Immobilien, über welche Grundbuchsauszüge dahier vorgelegt worden sind, dem früher errichteten Familien-Fideieom— misse einzuverlelben, werden in Gemäßheit des Gesetzes vom 13. September 1858 alle bierbet Vetbeiligten und etwa vorbandene unbekannte Gläubiger hierdurch auf gefordert, etwaige Einsprüche gegen die Fideieommiß Errichtung binnnen einer Frist von drei Monaten
unter dem Rechtsnachtbeil dabier vorzubringen, daß nach fruchtlosem Ablauf dieser Frist, obne Rücksicht auf solche Einsprüche, Beurkundung dahin, daß der Erricht— ung des ziebung nichts im Wege stehe, ertbeilt werden wird. Vilbel den 25. September 1883. Großberzogliches Amtsgericht Vilbel. Wegelin.
F Weiß.
Steinkohlenliefer Steinkohlenlieferung. Die Anlieferung von ca. 2000 Centner Kesselkoblen für die städtische Wasserleitung soll im Submissionswege vergeben werden. Angebote sind bis zum 5. Stelle einzureichen. Friedberg den 1. October 1883.
d. Mts. bei unterzeichneter
Fideieommisses in rechtlicher Ve-
Großherzogliche Bürgermelsterei Frledberg. 3359 Steinhäußer.
Uergebung von Drainage-Arbeiten, Fertig— ung und Anfuhr der Röhren, sowie Lieler— ung der Mündungssteine
Donnerstag den 4. October d. JI, Vormittags 11 Uhr, sollen in dem Rathhause dahler die bei Ausführung von Feld Dralnagen in hiesiger Gemarkung vorkommenden Arbeiten und Lieferungen, veranschlagt wie folgt:
1) Fertigung der Grabenarbetlten, ein- M. Pf. schließlich des Röhrenlegens und Zu— füllens der Gräben, 2) Fertigung der erforderlichen Drai zlegelröhren von 37— 137 mm vicht—⸗ weite ca. 15700 Stück— 3) Anfuhr der Röhren, ea. 1003 Ctr. 4) Lieferung zweier Mündungssteine von Haustein nebst Eisengitter„ 30 an die Wenigstnehmenden in Accord gegeben werden.
Reichelsheim am 28. September 1883.
Großherzogliche Vürgermeisterei Reichelsheim. Schmid.
Arbeits— Vergebung.
3522
Mittwoch den 3. d. Mis., Nachmittags 3 Uhr, sollen in der Wirthschaft des Herrn Müller zu Ober— Wöllstadt die zur Unterhaltung der dortigen Kirche und des Thurmes nöthigen Arbeiten öffentlich vergeben werden:
Dachdeckerarbeit mit Materiallieferung, veranschlagt zu 78 Mark, Spenglerarbeit 3 Schreinerarbeit 10 Weißbinderarbeit 2 Friedberg, 1. October 1883. Zörb, 3550 Bezirks bauaufseber.
Zur Vermittelung des Ankaufs und der Erpachtung
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Zusicherung strengster Diseretson. Solide Mitarbeiter gewünscht.
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9
Langgasse Nr. 82.
Obligations-Verloosung. Von den Partial Obligationen der israel. Gemeinde Vilbel wurde beute mittelst Verloosung dle Nr. 16 à 50 fl. zur Rückzahlung gezogen. Der Inhaber derselben wird hierdurch aufgefordert, gegen Rückgabe der Obligation und der nicht fällig gewordenen Zinsabschnitte am 31. Dezember 1883 vorgenannten Vetrag beim Rechner der israel. Gemeinde dahrer erheben zu lassen mit dem Anfügen, daß mit dem 1. Januar 8d die Verzensung der genannten Partlalschuldverschreibung aufhört. Vilbel am 28. September 1883 3541 25 Der israel. Vorstand. 9 5* 8 Arbeits-Vergebung. Die Anlieferung von 2 Straßenlaternen mit elsernen
Laternenstöcken soll im Submissionswege an den Wenigst⸗ nehmenden vergeben werden und sind blerbei veranschlagt:
die Maurerarbeit zu 7 Mark,
„ Stetnbauerarbeit zu 13
„ Schlosserarbeit zu 422
„ Spenglerarbeit zu 39
„ Weißbinderarbelt zu 6 4
Die Angebote auf die einzelnen Arbeiten sind bis zum 10. d. Mts, bet der unterzeichneten Stelle, allwo auch die näheren Bedingungen zu erfahren sind, einzureschen.
Assenheim den 1. Oktober 1883.
Großberzogliche Vürgermelsterei Assenheim. Best.
Taso i Faselochs-Versteigerung. 2562»Donnerstag den 4. October l. J., Vormitlags 10 Uhr, soll ein der biesigen Gemeinde gehöriger zu schwer gewordener Faselochs, welcher sich sehr zum Schlachten eignet, in der Wirthschaft des Herrn Grünewald an den Meistbietenden versteigert werden.
Ober Florstadt am 28. September 1883.
Großherzogliche Vürgermeisteret Ober Florstadt.“ n Emmerich, Beigeordreter.
3561
Ein jüngerer Mensch wird als Hausbursche gesucht. 3537 Vad Nauheim. Deutscher Hoj.
„Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze“. 1
Un bon er ge mi 0 100 her


