Gerüchte, Oesterreich werde Bosnien und die Her- zegowina otcupiren. Man behauptet, daß gegen- wärtig bierüber Berathung unter Theilnahme der ungarischen Minister stattfinde. N
— Das„Fremdenblatt“ schreibt: Um Miß verständnissen vorzubeugen, sei es nothwendig, darauf aufmerksam zu machen, daß Oesterreich, indem es den Boden des Pariser Vertrags be- treten, keineswegs gesonnen sei, alle Bestimmungen desselben aufrecht zu erhalten. Oesterreich verlange nur, daß bei allen Aenderungen des Tractates sein Votum gebührend berücksichtigt werde.
— Die Berathungen zwischen den österreichi⸗ schen und ungarischen Ministern über die noch bestebenden Ausgleichs Schwierigkeiten haben am 16. Januar begonnen. Man versichert, Tisza und Szell würden diesmal Wien nicht früher verlassen, als bis eine endgültige Verständigung erfolgt sein wird.— Gleichzeitig sollen die beiderseitigen Minister auch über die Frage der Wiederaufnahme der Zoll- Verhandlungen mit dem deutschen Reiche schlüssig werden.
— 18. Jan. Das Abgeordnetenhaus nahm den Gesetzentwurf, betr. das Zoll⸗ und Handels- Bündniß mit Ungarn, an, abgesehen von einigen Paragraphen, die an den Ausschuß zurückver wiesen wurde.
Pest, 18. Jan. Mileties ist wegen Hochver⸗ rathes zu sünfjährigem Kerker verurtheilt.
Frankreich. Paris. Das„Journal officsl“ veröffentlicht einen Bericht des Minister? Freycinet, welcher besagt, daß Commissionen mit der Aufgabe einzusetzen seien, die Vollendung der Häfen und des Netzes der Wasserwege vorzube⸗ reiten. Eine Milliarde werde für diese Arbeit erforderlich sein. Diese Arbeiten in Verbindung mit den Arbeiten zur Vollendung des Eisenbahn— Netzes würden eine Ausgabe von 4 Milliarden Frs. in höchstens zehn Jahren verursachen.
Schweden. Stockholm, 17. Jan. Die heute zur Eröffnung des Reichstages gehaltene Thronrede erwähnt der ungünstigen wirthschast- lichen Zeitverhältnisse und bestätigt, daß diesmal keine Vorlage wegen der Armee-Organisation in Aussicht genommen sei. Angekündigt werden Vor⸗ lagen administrativer Natur und das Budget für 1879; in letzterem gleichen sich Einnahmen und Ausgaben mit 74,700,000 Kronen aus; unter den ersteren siguriren 6,400,000 Kronen Ueber- schutz vom Vorjahre, unter den letzteren 9,517,500 Kronen für den Dienst der Staatsschuld.
Großbritannien. London, 17. Jan. Im Oberhause erklärte Beaconssield: Die Regier- ung habe vor Ausbruch des Krieges einstimmig die Aufrechthaltung der Neutralität heschlossen und sei nie davon abgewichen. England sei nicht isolirt. Falls die Regierung in ihren gegenwärtigen Hoffnungen und Aussichten enttäuscht, gezwungen sein werde, die Interessen Englands zu vertheidigen, so werde sie nicht zögern, wieder und wieder an das Parlament wegen Bewilligung der nothwendigen Mittel zu appelliren.— Aehnlich sprach sich der Schatzkanzler Northeote im Unterhause aus.
— 18. Jan. Im Unterhause kündigte Hub— bork einen auf das See ⸗Kriegsrecht bezüglichen Antrag an, da solches eine eingehende Erwägung und Revifion erheische. Auf Anfrage Wolff's erklärte Schatzkanzler Northeote: ein Bericht über die politisch- historischen Verhältnisse hinsichtlich der Schifffahrt im Schwarzen Meere, dem Bos porus und den Dardanellen existire nicht; Aus— züge aus den bezüglichen Verträgen könnten aber vorgelegt werden.
— 18. Jan.„Morning Post“ meldet: Das Budget für Heer und Flotte sei gemäß dem Friedensfuße entworfen und werde dem Parlament baldigst vorgelegt.—„Daily Telegraph“ berichtet aus Pera, daß die britische Flotte die Rückfahrt nach der Besika⸗Bey antreten werde.
Spanien. Madrid, 17. Jan. Im Senate erklärte der Minister-Präsident Canovas del Castillo: Die Heirath des Königs ist dessen uneingeschränktes Vorrecht; er gibt dem Parlamente davon lediglich wegen der V'rantwortlichkeit der Minister Rechenschaft. Die Heirath wird von den anwesenden 216 Senatoren einstimmig gebilligt.
Italien. Rom, 17. Jan. Heute fand die Ueberführung der Leiche Victor Emanuels nach der Pantheons-Kirche statt. Vormittags 10 Uhr verließ der Leichenzug den Quirinal. Den Zug eröffnete eine Abtheilung der Armee. Hierauf solgten eine große Anzahl von Deputationen, die Senatoren, die Deputirten, Geistliche, die Groß— würdenträger, die Vertreter fremder Nationen und Regierungen, die Prinzen regierender Häuser, der erste Flügel- Adjutant Victor Emanuel's zu Pferde mit dessen Degen. Nun kam der Leichenwagen. Die Enden des Bahrtuches hielten der Minister— Präsident, der Minister des Innern, die Präst— denten des Senats und der Kammer, sowie zwei Ritter des Annunziaten-Ordens. Dem Sarge folgte der Ceremonien-Meister, die eiserne Krone Victor Emanuel's tragend; dann das Schlacht: Roß des Verstorbenen und Ehren-Escorten mit den Fahnen der Armee. Den Schluß bildeten die Vertreter von Municipien, Gesellschaften und Corpocationen. In den Straßen, die der Zug berührte, stand eine ungeheure Volksmasse. Die Balkone der Häuser waren schwarz behangen. Der allemeine Eindruck war ein tief ergreifender. Um 1½ Uhr langte der Zug in der Pantheons- Kirche an, wo die kirchliche Feier stattfand.
— 19. Jan. In Anwesenheit des ganzen königlichen Hofes, der Königin und des Keon— prinzen von Portugal, des deutschen Kronprinzen, Erzherzogs Rainer und Marschalls Conrobert leistete heute der König den Eid nach der üblichen Formel und unterzeichnete das Eides-Instrument. Hier- auf leisteten die Senatoren, unter ihnen die Prinzen Amadeus und Carignan, sowie die Deputirten den Eid; von letzteren waren etwa 460 erschienen. Der König hielt sodann eine kurze Ansprache, wiederholt von Beffall unterbrochen, worauf der Hof in den Quirinal-Palast zurückkehrte. König ward auf dem Hin- und Rückwege vom Publikum herzlich begrüßt. Durch königliches
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sind in dem russischen Hauptquartier zu Kasanlyk eingetroffen. Die Verhandlungen begannen sosort. Izzet Bey, Enkel Fuad Pascha's, ist gestern mit neuen Instructionen für die türkischen Bevoll⸗ mächtigten nach Kasanlyk abgereist.
— 19. Jan. Nachrichten aus Adrianopel vom Heutigen zufolge verlassen fortdauernd die mohamedanischen Einwohner die Stadt. Der Ministerrath hat die Räumung Adrianopels nicht aus militärischen, sondern aus politischen Gründen beschlossen. In Folge der Erwartung, daß der Waffenstillstand abgeschlossen werde, sind die Vor— bereitungen, welche für Uebersiedlung des Sultans nach Brussa getroffen wurden, sistirt worden. Die Patriarchen in Adrianopel halten vermittelst der christlichen Bürger Garde die Ordnung aufrecht. Ein Munitions⸗Depot ist in die Luft geflogen, Das alte Serail in Konstantinopel steht in Flammen.
Montenegro. Cettinje, 16. Jan. Die Montenegriner zogen gestern kampflos in Duleigno ein. Die meisten Mohamedaner schiffen sich nach Durazzo und Constantinopel ein.
— Der Fürst hat wegen Proviant- Mangels die meisten von den aus den albanesischen Nach- bar Orten stammenden türkischen Gefangenen in ihre Heimath entlassen.
Griechenland. Athen, 19. Jan. In Thessalien ist ein Aufstand ausgebrochen; 500 Auf- ständische haben die Waffen ergriffen und sich in den Dörfern Viztitza und Pinacotes unweit der türkischen Festung Volo concentrirt. Die Türken fliehen nach Volo; 200 flüchtige christliche Familien sind in Athen eingetroffen. Heute haben sich 800 türkische Soldaten von Larissa gegen die Aufständischen in Marsch gesetzt.
Rußland. Petersburg. Das russische Reichs⸗Budget für 1878 beziffert die Einnahmen
Der auf rund 573 Millionen, und die Ausgaben auf
600 Millionen Rubel Das Deficit von 27 Mil-
lionen, welches durch die Verzinsung der drei
Decret werden alle bis jetzt wegen politischer oder letzten Anleihen und Cours Verluste entsteht, wird
Preß Vergehen verurtheilten Personen amnestirt; deßgleichen soll auch bei anderen Vergehen, wenn keine höhere als sechsmonatliche Strafe verwirkt ist, das Straf-Verfahren eingestellt werden.
Türkei. Constantinopel. Server Pascha hat letzthin dem Parlament vertraulich mitgetheilt, die Pforte sei bereit, Bosnien und der Herzego— wina vollständige Autonomie zu gewähren, vorbe— haltlich vertragsmäßiger Sicherstellung der Moha— medaner und Erhaltung der Kirchengüter zu Gunsten derselben.
— 18. Jan. Dem mehrstündigen Minister⸗ Rathe, der gestern im Seraskierate unter dem Vorsitze des Sultans stattfand, wohnten die Ulemas, die Generale und die ehemaligen Minister bei. Man verkehrte telegraphisch mit den Armee-Corps- und den Festungs-Commandanten und discutirte die Lage für den Friedens- wie für den Kriegs- fall. Nach dem Conseil wurden mehrere Deputirte dem Sultan vorgestellt, der ihnen für die getroffenen Vorkehrungen zur Unterstützung der Ausgewan— derten dankte. Fortwährend langen Flüchtlinge ein. Dieselben werden in den Minister Palais und in Privathäusern untergebracht.
— 18. Jan. Telegrammen aus Adrianopel von heute zufolge haben die Türken die Ver- heidigung Adrianopels aufgegeben und alle Truppen und Kanonen zurückgezogen. Der General-Gou— verneur verließ heute Morgen Adrianopel und ließ nur 72 Gendarmen zur Aufrechthaltung der Ordnung bis zu dem bevorstehenden Einmarsch der Russen zurück. Nachdem die Russen gestern in Musta-⸗ pha⸗Pascha, einige Kilometer von Adrianopel, ein- trafen, wurden Maßregeln getroffen, daß die zurück- gebliebenen Gendarmen nach dem Einmarsch der Russen unbehelligt abziehen können. Heute Morgen ging ein Eisenbahnzug von Adrianopel ab, welcher alle Fremden und Einheimischen, welche die Stadt zu verlassen wünschten, mitnahm. Der französische Consul blieb zum Schutze seiner Nationalen in der Stadt zurück. Ein Irade des Sultans ruft alle Ottomanen unter die Waffen zur Verthteidigung des Vaterlandes, das in Gefahr ist.
— Von Suleiman Pascha liegt noch keinerlei Nachricht vor. Die türkischen Bevollmächtigten
aus dem Anleihefonds gedeckt. Im Uebrigen ent— spricht die Gesammtsumme der gewöhnlichen Ein- nahmen und Ausgaben derjenigen von 1877.
— Der„Regierungs- Bote“ publieirt das Reichs-Budget pro 1878, welches in Einnahme und Ausgabe mit 600,398,425 Rubel Silber abschließt
— Aus Kasanlyk wird amtlich gemeldet: die Zählung der bei Schipka gewonnenen Trophäen dauert fort. Die Zahl der Gefangenen beträgt nicht 25,000, sondern 32,000, die der erbeuteten Geschütze 93, der Fahnen 10. Die Türken haben Kotci, Stacorjeka und Sliwna geräumt und sich bei Jamboli concentrirt, alle Vorräthe unterwegs verbrennend. Twarditza wurde durch den Vor— trab des Detachements von Malachoff besetzt.
— 16. Jan. Die Russen haben Hermanli, acht Meilen von Adrianopel gelegen, besetzt; ihre Cavalerie streift bereits bis Mustapha Kioprösu. Man erzählt, Suleiman Pascha's Corps sei von Adrianopel abgeschnitten und gegen Süden in das Gebirge gedrängt.
— 17. Jan. Nach heute eingegangenen eng lischen Telegrammen sollen Oesterreich und England gegenüber Rußland kundgethan haben, sie würden einen ohne ihre Zustimmung geschlossenen Frieden nicht anerkennen. Solche Erklärungen liegen jedoch bis jetzt hier nicht vor.
— 18. Jan. Hier eingelaufenen Nachrichten zufolge waren in Remenli zwei Schwadronen Kosaken eingetroffen, um die türkischen Unterhändler nach Kasanlyk zu geleiten. Der türkische Com- mandeur hielt den Angriff der Russen für bevor stehend und ließ deßhalb eine Eisenbahn- Brücke sprengen.
— Das Jaurnal„Kawkas“ enthält ein amt⸗ liches Circular des Chefs des Terek- Gebietes, worin derselbe die vollständige Unterdrückung der aufständischen Bewegung und völlige Wiederher- stellung des normalen, friedlichen Zustandes meldet.
Aus Stadt und Land.
Mainz, 17. Jan. Der frühere Kreisrath von Mainz, Provinzialdirector und Territorialcommissär, Geheimeralh Schmitt, ist gestern nach langem Leiden in Wiesbaden verschieden.
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