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unter seinen Rathgebern Uneinigkeit hervorzurufen suchten.
— Die„Ag. Hav.“ will Nachrichten von bier erhalten haben, wonach die auf den Abschluß einer neuen Convention zwischen England und der Türkei bezüglichen Unterhandlungen jetzt einen schnelleren Verlauf nehmen sollen. Es fänden Unterredungen zwischen dem Sultan, dem Groß vezir und Lapard statt. Gerüchtweise verlaute, England werde die Abtretung des sprischen Hafens Alexandreite fordern unter Aufrechterbaltung der Oberherrlichkeit des Sultans gegen Leistung finan- zieller Compensationen und Garantie einer Anleihe von 20 Millionen Lstrl.
— 12. Dee. Nach Mittheilungen, welche der„Agence Havas“ zugingen, herrscht hier in Folge der Entdeckung einer die Absetzung des Sultans bezweckenden Verschwörung eine große Aufregung. Zahlreiche Patrouillen sind während der Nacht in Bewegung. Am Freitag wurden viele Verhaftungen vorgenommen; unter den Ver⸗ hafteten befindet sich Nedgi Pascha, Chef der Palastmusik. Der frühere Sultan Murad und der Thronfolger werden unter Aufsicht gehalten. Bei ehemaligen Ministern sind Haussuchungen erfolgt
— Der abgesetzte Großmeister der Artillerie, Reuf Pascha, soll nachträglich wegen seiner Haltung im letzten Kriege vor ein Kriegsgericht gestellt werden.
Griechenland. Athen, 12. Dec. Der Finanzminister unterbreitete der Kammer eine Vor- lage betreffend eine ausländische Anleihe von 60 Millionen. Die Kammer begann die Budget- Berathung.
— Der zum Gouverneur von Kreta ernannte seitherige hiesige türkische Gesandte Photiades Bey wurde angewiesen, seine Abreise nach Kreta bis auf Weiteres zu sistiren.
Rußland. Petersburg, 11. Dec. Heute Nachmittag versammelten sich vor des Großfürsten Thronfolger einige Hundert junger Leute, um eine Bittschrift zu überreichen. Die Ansammlung erregte Aufmerksamkeit; der Stadt- hauptmann erschien bald auf dem Platze, wobei es sich herausstellte, daß die jungen Leute Studenten waren, welche in einer Studentenangelenheit die Protection des Thronfolgers erbitten wollten. Letzterer befand sich in Zarskoe-Selo. Der Stadt- hauptmann nahm die Petition ab, worauf sich die Biitsteller zurückzogen.
— 12. Dec. Fürst Gortschakoff ist gestern Abend hier eingetroffen und wurde von dem Geh. Rath Giers, sowie von den obersten Beamten des Ministeriums des Auswärtigen am Bahnhof empfangen. Gortschakoff, der beute Vormittag vom Kaiser empfangen wurde, hat wieder die Leitung des Ministeriums des Auswärtigen über- nommen.
Aus Stadt und Land.
—p. Friedberg. Musikfreunde werden auf das 2. Con- cert des Gießener Concert-Vereins, welches am 15. Dez, Nachmittags 5 Uhr, im Clubsaale in Gießen stattfindet, aufmerksam gemacht. Außer größeren Orchesierstücken (Haydn, Symphonie in G-dar, Schumann, Ouverture, Scherzo und Finale) und Gesangs Vorträgen der Altistin Frl. P. Hoffmann aus Berlin, bietet dieses Concert den seltenen Genuß, den trefflichen Violinspieler E. Sauret aus Paris zu hören.(E-moll-Concert von Mendels⸗ sohn, Romanze von Beethoven, Fantasie über ungarische Tünze von Ernst.) Schluß des Conceris nach 7 Uhr, Abgang des letzten Zuges von Gießen nach Frankfurt 7 Uhr 50 Minuten.
HW. Friedberg, 11. Dez. Gestern Abend fand die Schlußsitzung des Comité's der Gewerbe ⸗Ausstellung im Lokale des Gewerboereins statt. In dieser Sitzung er— statiete Kaufsmann Ed. Hirsch im Namen der Finanz⸗ Commission Bericht über Einnahme und Ausgabe genannten Comiié's. Wir ersehen daraus, daß trotz der in mancher Beziehung ungünstigen Verhältnisse, dennoch auch finanziell dieses Unternehmen als ein recht gelungenes bezeichnet werden kann. Nach Abzug aller Kosten und nachdem nicht unbeträchtliche Summen als Remunerationen für die ver⸗ schiedenen Dienstleistungen vertheilt worden waren, verblieb noch ein Ueberschuß, welcher der Kasse des Gewerbvereins zugewiesen wurde. Ein solches Resultat ist wohl die beste Antwort auf die mannigfachen Anfeindungen, welche dem Unternehmen zu Theil wurden. Vielleicht wäre das Re- sultal ein noch günstigeres geworden, wenn von gewisser Seite nur der zehnte Theil jenes Eifers, der aufgeboten wurde, dasselbe zu schädigen, aufgeboten worden wäre, dasselde zu fordern; wenn es also dennoch gelungen ist, so gebührt sowohl dem Gesammt⸗Comité sowie einzelnen Mugliedern desselben ganz besonders der Dank und
dem Palais
die volle Anerkennung seitens der Bewohner unserer Stadt und unseres Kreises. An Eintrittsgeldern wurden im Ganzen M. 1145. erzielt, und zwar: von 93 Abonnenten à M. 1.20, 2391 Personen 3 30 Pf., 592 Schülern höherer Lehranstalten à 15 Pf., 438 Volksschülern à 5 Pl.; Concert⸗ karten à 20 Pf. wurden an 3 Concert⸗Tagen 1029 gelöst. Die gesammte Einnahme belrug rund M. 6045.
Friedberg. Bezüglich der Hanau⸗Frieoverger Bahn verlautet officiell:„Von dieser Bahn liegen 16 4 km auf hessischem Gebiete. Auf letzterem wird der Bau wohl erst im Frübjahr 1879 beginnen können, weil die Erwerbung des Terrains, welche durch die Gemeinden zu erfolgen hat, noch im Rückstande ist. Durch Pachtung der Ländereien wurde wenigstens die Möglichkeit geboten, mit den Fun⸗ dirungsarbeiten größerer Brücken zu beginnen. In dem preußischen Theile der Strecke ist der Grunderwerb sast beendet. Da auf Bahnhof Hanau besondere Gebäude nicht erforderlich sind und auf Bahnhof Bruchköbel nur provisorische Anlagen zur Ausführung kommen, so wird die Eröffnung der Strecke Hanau⸗Windecken voraussichtlich am 1. Juli 1879 erfolgen können.“
r. Bad⸗ Nauheim. Freunde des Eissports seien darauf aufmerksam gemacht, daß das Eis unseres großen Teiches trägt und spiegelglatt ist. Es tummelt sich bereits eine muntete Schaar seit einigen Tagen auf demselben herum.
Allenstadt. Die„O. N.“ schreiben: Kürzlich wurde hier einem lebenden Pferde die Zunge abgeschnstten. Der Hanauer Thierschutzverein, welcher davon Kenntniß erhielt, hat den Beschluß gefaßt, demjenigen, der zur Ermittelung des Unmenschen beiträgt, so daß letzterer gerichtlich zu be⸗ langen ist, eine Prämie von 20 Mark zu verwilligen.
Butzbach. Von bier schreiben die„O. N.“: Als ein Zeichen von besonderer Fruchtbarkeit dieses Jahres in Erdgewächsen mag gelten, daß bei einem Landwirih in Ober⸗Hörgern Weißrüben im Gewicht von 6 Pfund und Dickwurz bis zu 24 Pfd. zu sehen sind. Der 24 Pfünder ist unien abgeplaltet und füllt den Platz eines Kinder— stuhls vollständig aus. Umfang 90 Ct. Größe und Gestalt der schwersten Weißrübe ißt reichlich die eines so— genannten Sauerwasserkeugs.
Gießen. Für das Wintersemester 1878/79 fell! sich die Frequenz unserer Universttät wie folgt: Neu imma— trikusiet 93, geblieben oder von anderen Universiläten zurückgekommen 259, zusammen 352 Studenten. Davon sind Hessen 266, Nichtbessen 76. Nach den Fächern tbeilen sich dieselben in: Juristeß 98, Mediein 64, Pbilosophie, Nalurwissenschaften ꝛc. 38 klassische Philologie 29, Mathe⸗ matik 29, Pharmacie 23, Theologie 17 Fotstwissenschaft 16, Coemie 15, Thierarznei⸗Wissenschaft 10, neuere Philo— logie 8 Cameralia 5.
Groß-Buseck. In einer biesigen Lehmgrube wurde ein sossiler Knochen gefunden, der, nach seinen bedeuten— den Dimensionen zu schließen, von einem Mammuth her⸗ rühren dürsie.
Grünberg, 11. Dec. In dem benachbarten Groß— Eichen gerieih gestern ein Mann mit seiner Schwägerin in Streit, in dessen Verlauf er jene mit einem Stuhl derartig an den Kehlkopf schlug, daß sie heute Mor gen slarb. Der Thäler befindet sich in Haft.
Groß Gerau. Als letzten Montag Abend das Fuhrwerk des Bauunternehmers Heider aus Groß Gerau von Astheim nach Nauheim unterwegs war, sprangen plötzlich zwei Kerle aus dem Nauheimer Tännchen, da wo der Weg nach dem Viaduct abzweigt, auf das Fuhrwerk zu, der eine saßle die Pferde, während der andere den Kulscher angriff. Glücklicherweise halte letztrer einen massiven Wagenschraubenschlüssel neben sich liegen, mit dem er ohne langes Besinnen dem Angreiser so kräftig auf den Kopf schlug, daß er besinnungslos vom Wagen siel, worauf auch der zweite Strolch durchging.
Darmstadt, 10. Dec. Heute suchten in einem Wald⸗ teich bei Bessungen zwei junge Leute, die 17jährige Tochter eines penstonirten Offiziers und der etwa 19jährige Sohn eines Gymnasial-Lehrers, freiwillig gemeinschaftlich den Tod. Ihr Vorhaben erreichte nur sie, denn der junge Mann, welcher in dem nassen Element den Tod nicht finden konnte, versuchte nachträglich sich die Pulsadern zu öffnen, was ihm jedoch nur unvollständig gelang, in welch traurigem Zustand er schließlich noch lebend von dem Forflpersonal aufgefunden wurde.
Mainz. Wegen der schweren jüngsten Ausschreitungen hiesiger Garnisons Angehörigen hau das Gouvernement die trengste Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen an- geordnet.
Allerlei.
Geisingen(Württemberg), 6. Dec. Eine explo-⸗ dirende Schachtel hat hier ein größeres Unglück angerichtet, als in Hayingen, wo eine solche glücklicher Weise so geöffnet wurde, daß der Schuß sich nicht entlud. Am Mitiwoch den 4. Dezember erhielt der Privatier Martin Fischer in Geisingen von der Post eine Schachtel mit seiner Adresse, bel deren Eröffnung sich eine darin befindliche, mit acht Posten geladene Pistole entlud. Der Schuß verletzte den Adressaten derart, daß er zu Bette liegt. Die Schachtel ist in Biberach auf die Post gegeben. Die ganze Gegend ist in großer Aufregung.
Biberach, 11. Dez. Dem Aufgeber der Höllenmaschine an Verwaltungsaktuar Götz in Hayingen ist man auf der Spur. Hier wurde nämlich das zweite Kisichen, welches den Martin Fischer in Geisingen schwer verletzte, zur Post gegeben. Die Adresse an den Verunglückten wurde von einer hiesigen Gastwürthin auf Bitten eines Gastes geschrieben, weil dieser vorgab, eines bösen Fingers wegen nicht schreiben zu können. In einer zweiten Wirthschaft wurde der gefährliche Inhalt verpackt und hatte der
Frembe zu biesem Zwecke ein besonderes Zimmer verlangt, „weil er nicht wissen lassen wollte, welche Nikolausgeschent
er an seine Familie schicke.“ Das Gericht ist m voller Thätigkeit und dürfte der Verüber des doppelten Schurken, streichs bald den gebührenden Lohn erhalten.
München, 5. Dec. Eine wabre Bestie in Menschen⸗ gestalt macht seit Längerem die etwas abgelegenen Wege in Ober- und Niederbayern unsicher und hat nunmehr im Verlauf von wenigen Jahren 14 Frauenspersonen an⸗ gefallen, theilweise beraubt und erwürgt. Seit eiwa 6 Tagen hai dieser Unmensch zwei junge klästige Mädchen angegriffen, die Bedauernswerthen erdrosselt, beraubt und liegen gelassen. Eine davon kam nach einigen Stunden wieder zu sich, während die andere todt aufgefunden und unter ungemeiner Theilnahme in Reischach begraben wor⸗ den ist. Samstags fiel der Unhold, welcher ein großer flarker Mann sein soll und einen schwarzen Schnurrbart hat, eine Bäuerin in der Nähe von Oetting(Oberbayern) an, warf sie zu Boden und beraubte sie. Auch diese brutal Mißbandelte kam nach einiger Zeit wieder zu sich. Wie der„K. f. N.“ erfährt, soll dieses Scheusal in einem Brauhaus in Altöning verhaftet worden sein.
Berlin. Wie der„Post“ nachträglich aus Kassel mitgetheilt wird, ist der Extrazug, welcher am 5. d. M. das Kaiserpaar nach Berlin führte, nicht ganz außer Ge⸗ fahr gewesen. Zwischen den Stationen Dransfeld und Göttingen der Hannover'schen Staatsbahn, wo das Ge⸗ fälle ein sebr beträchtliches und andauerndes ist, nahm der Zug plötzlich eine besonders große Schnelligkeit an; alle Versuche des Führers, dieselbe zu reduciren, blieben vergeblich, da die Bremsen in Folge der schlechten Witler⸗ ung den Dienst so ziemlich ganz versagten. Schließlich gab der Locomolivführer Contredampf, wodurch der Zug wenigstens einigermaßen im Laufe gehemmt wurde. Un⸗ mittelbar darauf fuhr derselbe in die Station Göttingen ein und jede Gefahr war gehoben.
Berlin. Der Mörder der Wittwe Hall ist jetzt, so erzählt die„Trib.“ ermittelt. Die Polizei brachte heraus, daß zwei derselben gehörige Uhren durch einen Dienst⸗ mann Klose versetzt worden waren. Dieser hatte sie zum Versetzen von seinem Bruder Hch. Klose erhalten, welcher mit einer außerehelichen Tochter des verstorbenen Restau⸗ rateurs Hall(des Mannes der Ermordeien) verheirathet ist. Die beiden Klose wurden verhaftet; Heinrich Klose läugnete Alles; aber seine Schwiegermutter gab am Tage nach seiner Verhastung, um ihr Herz zu entlasten, an, Heinrich Klose habe den Mord begangen.
New⸗Pork, 11. Dez. Ein heftiger Südosiflurm richtete während zweier Tage viel Schaden im ganzen Lande an. Mehrere Eisenbahn-Unfälle fanden in Folge
von Ueberschwemmungen statt. Einige Personen sind umgekommen. 4 Zur socialen Frage. Es ist diese, die Menschheit bewegende Frage
namentlich in unseren Tagen eine recht sorgenvolle ge⸗ worden. In den Städten kennt man den schweren Druck dieser Sorgen aus eigenen Erlebnissen; auf dem Lande aber haben viele Menschen kaum eine Ahnung von der außerordentlichen Bedeutung der soeialen Frage und ihrer Lösung. In denjenigen Blättern, welche dem Volke zu⸗ nächst zur Hand sind(Local- und Kreisblätter), genannte hochwichtige Angelegenheit zu erörtern, dürfte somit sehr an der Zeit sein. Möchten nachfolgende Zeilen diesem Zwecke entsprechend erscheinen!
Suchen wir zunächst einige Belehrung über die soeiale Frage zu gewinnen.
Wie vor Jahrtausenden in der alten Welt, so ver⸗ läuft auch jetzt noch in den Urwäldern Amerikas die Kulturentwickelung. Jäger und Landwirthe sind die ersten Ansiedler. Deren zerstreut liegende Wohnungen haben keinen oder nur wenigen Verkehr unter einander; die Bedürfnisse des einsamen Lebens sind gering. So— bald jedoch Zuzug kommt, erweitern sich die einzelnen Gehöfte zu Dörfern und Städten, die durch Straßen verbunden werden. Nun gibt es Verkehr, Austausch der Arbeit und des Eigenthums, ein Ueber- und Abbieten, eine Coneurrenz, einen Wettstreit, einen Kampf um's Dasein. Hierbei machen sich die verschiedenen Anlagen und Neigungen der Menschen geltend, in der Art, daß die Tüchtigen, Fleißigen, Sparsamen und Vernünftigen mehr erlangen und behalten, als die Untüchtigen, als die Schlemmer und Unvernünftigen. Niemand, der rechtlich denkt, wird Dieses beklagen, im Gegentheil, jeder Vernünftige wird es als eine weise Einrichtung ansehen, daß auch im materiellen Leben Tugenden die Grundlagen des Vorankommens, die Laster dagegen die Ursachen des Rückganges sind. Meistens ist es so; andere Resultate sind immer Ausnahmen. Weil nun Gleichheit unter den
Menschen unmöglich, insbesondere im wirthschaftlichen
und socialen Leben, so ist das Nebeneinander von Reich und Arm, von Herren und Dienern unvermeidlich. Dieses Nebeneinander von Hoch und Nieder ist die soeiale Frage, welche nach Vorstehendem nicht von heute oder gestern ist, sondern die immer da war und immer da sein wird.
Die Folgen der Ungleichheit im Können und Wollen, in der Begabung der Menschen sind jedoch, wie bekannt, einem unausgesetzten Wechsel, dem Loose des menschlichen Lebens, einem Kommen und Gehen unterworfen. Nach den statistischen Ermittelungen vollzieht sich dieser Wechsel innerhalb dreier Generationen, d. h. durschnittlich werden in je 90 Jahren die Reichen arm, die Armen reich; durchschnittlich ist es so, was selbstverständlich einen längeren oder kürzeren Besitz bei einzelnen Familien nicht ausschließt. Trotz seines mächtigen Ein⸗ und
Durchgreifens ist freilich jener in der menschlichen Natur
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