Ausgabe 
14.12.1878
 
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Stiefkinder alle zu versoͤhnen. 13 nach besseren Zuständen trachtet.

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2 e N W lee begründete Wechsel des Glückes nicht geeignet, dessen

Der Glüuͤckswechsel trifft nur Einzelne, während eine große Zahl Unzufriedener Wir, die Zeitgenossen, hatten uns gleichsam daran gewöhnt, daß die Stief kinder des Glückes nicht murrten gegen ihr Loos, daß sie sich ruhig verhielten bei ihren Kämpfen, Mißerfolgen und Leiden. Es ist anders geworden, obschon die Gesammt lage der Unbemittelten jet viel besser ist als in früheren Zeiten. Wie war es doch? Noch in den 40er Jahren betrug der Taglohn eines Mannes auf dem Lande 12 kr., natürlich bei freier Kost. Das Duͤrrholz-Sammeln im Walde zum Verkaufe gewährte höhere Einnahmen. In den nahe beim Walde gelegenen Orten gab es deshalb Familien und einzelne Personen, die ausschließlich vom Waldfrevel lebten. Unehrenhaft und dürftig blieb immer diese Existenz, allein sie bildete oft den einzigen Ausweg. Die Kinder dieser Armen gingen in ihrer Jugend betteln. Dieses Schattenbild früheren wirthschaftlichen und soeialen Lebens zu vervollständigen, sei daran erinnert, daß ein⸗ zelne Gemeinden, um die Zahl ihrer Armen und Wald frevler zu vermindern, ganze Schiffsladungen derselben nach Amerika sandten. Dort, im ersten besten Hafen ans Land gesetzt, sind viele dieser Armen verschollen und verkommen. Wie anders sind die neu entwickelten Zu stände! Seit einem Menschenalter ermuntern überall die Eisenbahnen zu einem früher ungeabnten Welt- und Großhandel, welchen die stoffgewinnende und die for mirende Industrie mit ihren Produkten wahrhaft über schütten; denn die Anwendung von Maschinen und die Arbeitstheilung sind im Stande, die Produktion unendlich zu steigern. Viele Fabriken entstanden und ihr ge⸗ waltiger Aufschwung richtete an die ländlichen Arbeiter

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eine verlockende Einladung, in die Fabrik-Städte zu

kommen, einen höheren Lohn zu verdienen und freier, auch angenehmer zu leben als daheim. Die Wanderungen begannen. Freizügigkeit und Gewerbefreiheit waren Thatsachen geworden in Frankreich, Italien, England, Belgien, Oesterreich und in Dentschland, ehe das neue Reich die sog. Wirthschafts-Gesetze gab, um die in all⸗ mäliger Entwickelung geänderten Verhältnisse rechtlich zu ordnen. Die Arbeitskräfte wurden inzwischen immer mehr gesucht. Jener Massen-Versandt der Armen nach Amerika und die Verbrecher-Schulen im Walde haben längst aufgehört. Dagegen ist in den großen Städten rund Bezirken der Industrie eine Bevölkerungsmenge zu ssammengeströmmt, die, von Hand zu Mund lebend, micht nur die Armenlast der Städte beschwert, sondern auch der soeialdemokratischen Lehre leicht zugänglich ist, dem Wahne, die Produetionsverhältnisse könnten für die UUnbemittelten eine heilsame Gestaltung erfahren durch Beseitigung des persönlichen Eigenthums und Einführung tines gemeinsamen Eigenthums. Die Bethörten sehen nicht, daß Dieses einer Untergrabung aller Cultur und Gesittung gleich käme. Oder hätten wir jemals gehört don Glück, von segensreichen Ideen aus den eommu nistischen Gemeinden Amerikas und Rußlands? Nichts dieser Art, eher das Gegentheil ist bekannt!

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Zu lange hat man die Verführung der Arbeiter ge⸗ schehen lassen. Das Socialisten-Gesetz ist der endliche Haltruf.

Im Hinblick auf diese sehr traurigen Folgen des Mißbrauchs gewährter Freiheiten wird eine Beschränkung derselben von Denjenigen gewünscht, die, kurz- und selbstsüchtig, sich zurücksehnen nach den Vor- und Bann⸗ rechten der alten Zeit. Allein trotz aller Klagen, die wir zu führen haben, müssen wir doch gestehen, daß die Gesammtwohlfahrt große Fortschritte gemacht hat. Wie es in den 40er Jahren noch war, erzählten wir bereits; früher ist es viel schlimmer gewesen.

Da die neuen Zustände aus den vorhandenen Ver hältnissen hervorgegangen sind, so wären jene nur da durch aufzuhalten gewesen, daß man die Eisenbahnen zerstört und die Lebensweise der Menschen zurückgedrängt hätte in die Zustände der Voreisenbahnzeit. Wir können und wollen Dieses gar nicht. Es ist menschenwürdiger, die gegebenen Verhältnisse fortschrittlich zu entwickeln, d. h. so, daß ihr Schaden geringer, ihr Segen größer wird. Nachdem die Eisenbahnen den Handel und die Produktion zu massenhaften Leistungen gesteigert und dadurch auch die Arbeiter zu großen Massen vereinigt hat, ist die Lösung der soeialen Frage zwar schwieriger, dagegen auch die Pflicht, zur Lösung dieser Frage bei zutragen, eine allgemeine geworden. Aber, was kann, was soll geschehen? Offenbar haben diejenigen nicht unrecht, welche sagen, die Antwort liegt in dem Gebot: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Berthold Auerbach, der sich jüngst einen Soldat der Humanität nannte, deutete dabei dieselbe Richtung für Lösung der soeialen Frage an, indem er sagte:Auf die Frage: wo ist dein Bruder? vernehmen wir immer noch die Kains antwort, die Gegenfrage nämlich: Soll ich meines Bruders Hüter sein? Damit meint Auerbach, wir sind nicht genug Hüter der Brüder, obschon kein Zeit alter so sehr wie das unsrige sich in Uebung der Nächstenliebe ausgezeichnet habe. Ganz recht, wir be schränken uns nicht mehr darauf in der Weise unserer Vorfahren durch Almosen und fromme Vermächtnisse für die Armen und Kranken zu sorgen; besser helfen wir, seit der erleichterte und vermehrte Verkehr, sowie die Genossenschaften und die Selbstverwaltung in Staat, Kirche und Gemeinde unsere Gesichtspunkte erweitert haben: für die Wohlfahrt der Gesammtheit eintretend, sehen wir zugleich und zwar vorsorgend nach den Ge schicken der Einzelnen. Ja, offenbar sind unsere Fort schritte im Führen der armen und kranken Brüder! Allein rühmen können wir uns derselben dennoch nicht. Einen Beweis für unsere Pflichtversäumniß bildet das saumselige Vorgehen in der freiwilligen Armenpflege. In den wenigen Städten, wo dieselbe eingeführt, ist sie ein großer Segen. Warum also das Zaudern? Es fehlt an den freiwilligen Armenpflegern, an den Männern und Frauen, welche es über sich gewinnen können, für ihre Schutzbe⸗ fohlenen gerade so zu sorgen, als wären diese ihre Angehörigen. Jeder Pfleger soll nur

eine hülfsbedürftige Person oder Familie unter seiner Obhut haben und die Pflicht jeden Pflegers ist, die Noth nicht nur zu lindern, sondern auch, wenn äußerst möglich, zu beseitigen, dadurch, daß man die Armen auf die eigenen Fuͤße stellt, also Arbeitsverdienst ver⸗ schafft. Da es indessen auch arbeitsscheue und kranke Armen gibt, so erfordert die Durchführung der frei⸗ willigen Armenpflege: Kreis-Arbeitshäuser und Kreis⸗ Hospitäler.(Schluß folgt.)

Handel und Verkehr.

Gießen. Auf dem am 10. und 11. d. M. dahier abgehaltenen Viehmarkt waren aufgetrieben: 3 Pferde, 530 Stück Rindvieh und 38 Schweine. Die Preise stellten sich sehr hoch. Nächster Viehmarkt am 21. Jan. 18 79.

Frankfurt, 12 Dee. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 39., Nr. 2 M. 35., Nr. 3 M. 31., Nr. 4 M. 27., Nr. 5 M. 21. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 22., do. II.(Berliner Marke) M. 19. Walzen, effeetiv hies. ab Bahnhof hier M. 19.25, ab unserer Umgegend M. 18.25 bis 18.50, do, fremder je nach Qual. M. 18 50-19 50, Roggen je nach Qual. M. 13.50-15.75. Gerste M. 14.18. Hafer M. 1213.50. Kohlsamen M. 27. 28. Erbsen M. 19. 23. Wicken M. 15. 16. Linsen M. 17. 23. Rüböl, detail, M. 68. Die Preise verstehen sich sämmt⸗ lich per 200 Pfd. Zollgewicht 100 Kilo.

Geld Cours. Frankfurt am 12. Dezember 1878.

20⸗Frankenstücke 5 M. 16 16 20 Englische Sovereign gs 20 3843 Russische Imperlales 16 6570 Holländische fl. 10-Stücke. 10 65

Ducaten 5 4 9 5560 Ducaten al marco 9 5863 Dollars in Gold. 4 1720

Brodpreise vom 16. bis 31. Dezember. Für Friedberg, Bad⸗Nauheim und Butzbach unverändert.

Fleisch⸗ ꝛc. Preise vom 16. bis 31. Dez. Für Friedberg, Bad Nauheim und Butzbach unverändert.

FFP Huste⸗Nicht 7 von L. II. Pietsen

1 Co. in Breslau, Honig-Kräuter-Malz-Extrakt u. Caramellen) Jeder Husten kann höchst geführlich werden. Wir machen darauf aufmerksam.

*) Zu haben in Friedberg in der Wetterau bei Herrn Wilh. Berunbeck. 3510

Immobiliar-Versteigerung.

a 3610 Samstag den 28. Dezember l. J., Vormittags 0 Uhr, sollen in biesigem Rathhause die nachbeschriebenen

Immobilien des Franz Faust öffentlich meistbietend ver

ttleigert werden:

Gemarkung Friedberg.

Flur. Nr. Klftr. 15 27. 9½1ỹ0. Hofratthe in der Stadt, 1. 28. 91/10. Hofraithe daselbst, 2. 112. 80. Grabgarten, Liebfrauengärten,

2. 134,5. 40. desgleichen daselbst. Friedberg den 14. November 1878. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. ol ede.

Immobiliar-Versteigerung.

Dienstag den 17. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, zollen in hiesigem Rathhause die nachbeschriebenen Immo vilien auf freiwilligen Antrag des Weißbindermeisters Friedrich Carl Hieronimus öffentlich meistbietend ver teigert werden:

Gemarkung Friedberg.

Fl. Ny. Elfi. 2. 454. 11,6. Hofraithe in der Stadt, 2. 81. 40. Grabgarten(Liebfrauengärten).

Friedberg den 3. Dezember 1878. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Feen ea

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Faselochs-⸗Versteigerung.

Dienstag den 17. Dezember d. J., Mittags Uhr, zoll ein zur Zucht untauglicher, Jahre alter, gut ehaltener Faselochs im hiesigen Versorgungshaus öffent ich meistbietend versteigert werden.

Friedberg den 9. Dezember 1878. Großherzogliche Bürgermeisterel Friedberg.

Fo uc a r.

875

Feinsten grünen 3910

Java ⸗Kaffee, vochfein in Geschmack, roh per Pfund M. 1.20, ge⸗ rannt per Pfund M. 1.50 zollfrei, 9 Pfund portosrei, gegen Nachnahme empfiehlt. 66680.) Heinrich Hein, Hamburg.

Submission.

3894 Die Lieferung der für das Versorgungshaus und Hospital pro 1. Halbjahr 1879 erforderlichen Vietualien soll im Submissionswege an den Wenigstnehmenden ver- geben werden, als: Crystallöl, Seife, Kaffee, gerollte Gerste, Griesmehl, Reis, Hinse, Ochsenfleisch, Schweine fleisch, Nierenfett, Schweineschmalz und Brod.

Die Submittenden haben ihre Offerten bis längstens zum 16. d. Mts. Vormittags 11 Uhr, auf Großherzog licher Bürgermeisterei dahier abzugeben. Die Bedingungen können bei Verwalter Gatzert im Versorgungshaus eingesehen werden. Friedberg den 11. Dezember 1878.

Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg. De».

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DObligations-Verloosung. 3909 Bei der heute stattgehabten Verloosung der Partial Obligattonen der Gemeinde Spies heim wurden die Nummern 4. 10. 20. 24. 25. 27. 42. 46. 48. 53. 55. 58. 60. 61. 66. 69. 76. 83. 92. 98 und 112 zu je 100 fl. zur Rückzahlung gezogen.

Die Inhaber dieser Obligationen werden hiermit auf gefordert, gegen Rückgabe derselben und der noch nicht fälligen Zinscoupons den Betrag am 31. Dezember l. J. bei dem Gemeinde-Einnehmer dahier in Empfang zu nehmen, indem mit diesem Tage der Zinsenlauf aufhört. Spiesheim den 11. Dezember 1878.

Großherzogliche Bürgermeisterei Spiesheim. Kelle n

Bekanntmachung.

3932 Die Anfuhr des Salzes von der Saline in die Niederlage zu Büdingen soll für das Jahr 1879 auf dem Submissionswege vergeben werden und sind Offerten bis zum 17. d. Mts., Vormittags 11 Uhr, anher einzu reichen. Bad⸗Nauheim am 10. Dezember 1878. Großherzogliches 8 und Bergamt Bad- Nauheim. Ae

Einige 1000 Mark

sind hypothekarisch auszuleihen. Wo? fagt die Expedition des Anzeigers. 3891

Holz⸗Versteigerung. 3915 Dienstag den 17. Dezember d. J., Vormittags um 10 Uhr, sollen im Rodheimer Gemeindewald in ver schiedenen Distrikten folgende Holzsortimente öffentlich meistbietend versteigert werden: 11,82 Raummeter Buchen⸗Scheitholz,

2,56 5 Eichen⸗ 5 28,66 4 Nadel⸗ 7,92 r Buchen Prügelholz, 5,4 Eichen⸗ 5 88,73 5 Nadel⸗ 5 9,65 5 Buchen ⸗Stockholz, 7,35 5 Eichen⸗ 5 6,9 5 Nadel⸗ 5 230 Stück Buchenwellen, 204 Eichenwellen, 1762 Nadelwellen,

31 Eichenstämme, 13,65 Kubikmeter enthaltend, 18 Nadelstämme, 3,27 2 4 Eichenstangen, 2 Nadelstangen.

Die Zusammenkunft ist auf der Bahn am Anfang

(des Waldes.

Rodheim v. d. H. den 12. Dezember 1878. Großherzogliche Bürgermeisterei Rodheim v. d. H. nn

Wehrheim, Beigeordneter.

Faselochs-Versteigerung.

3886 Mittwoch den 18. Dezember, Vormittags 11 Uhr, soll ein der hiesigen Gemeinde gehoͤriger, zweijähriger, zum Schlachten und noch zur Zucht geeigneter Faselochs auf dem Rathhause öffentlich meistbietend versteigert werden. Dorn Assenheim den 11. Dez. 1878. Großherzogliche e Dorn⸗Assenheim. a ck.

Faselochs⸗Versteigerung.

3892 Im Gemeindehaus zu Ober Rosbach wird Dienstag den 17. d. Mts., Nachmittags 1 Ubr, ein zur Zucht untauglicher, zum Schlachten geeigneter Faselochs öffent⸗ lich meistbietend versteigert. Ober⸗ Rosbach am 11. Dezember 1878. Großherzogliche Bürgermeisterei Ober-Rosbach Blech er.

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