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Das ist zugleich das beste Mittel zur Erreichung der von Deutschland auf den Samoa Inseln an- gestrebten Ziele: Sicherung wohlerworbener Rechte der auf Samoa ansässigen Deutschen und fried liche, weder durch innere Parteiungen noch äußere Einmischung gestörte Entwicklung des deutschen Handels.
— Die Veränderungen in den deutschen Ge— sandtschaftsposten sollen jetzt, den gleichlautenden Mittbeilungen verschiedener Blätter nach, definitiv abgeschlossen sein, und zwar gehe der jetzige Ge- sandte in Dresden Graf Solms nach Madrid, und der erste Rath bei der deutschen Botschaft in Wien, Graf Dönhoff, als Gesandter nach Dresden. Graf Dönhoff gilt für einen der befähigtsten jüngeren Diplomaten. Die jetzigen Gesandten in Stuttgart und Kopenhagen, von Magnus und v. Heydebrandt werden ihre Posten tauschen.
— Dem„Fr. Journ.“ telegraphirt man von hier von gut unterrichteter Seite: Die vertrau- lichen Unterhandlungen behufs Herstellung eines vollständigen Friedenszustandes, nicht eines Modus vivendi, zwischen hier und Rom finden jetzt zwischen dem deutschen Botschafter v. Keudell und dem Cardinal⸗ Staats Secretär Nina statt. Entziehen sich dieselben auch selbstverständlich der öffentlichen Besprechung, zumal von beiden Seiten das strengste Schweigen beobachtet wird, so verlautet doch darüber von unzweifelhaft zuverlässiger Seite Fol⸗ gendes: von Keudell bat bei seiner letzten An- wesenheit hier die genauesten Instructionen und ausführlichsten Anweisungen erhalten, wie weit er in jedem einzelnen Punkte gehen darf. Der Reichskanzler hat genau die Grenzen festgestellt, wie weit der Staat zu gehen vermag, ohne Ver— letzung seiner eigensten Interessen, und der Papst hat diese Grundlagen angenommen. Die jetzt mit größtem Eifer gepflogenen Besprechungen dürften jedoch kaum vor Ablauf des Jahres den beider— seits erwünschten Ausgleich erzielen. Sobald dieser erreicht ist, wird nach der Eröffnung des Reichs- tags ein Nuntius hier eintreffen mit der Vollmacht, die Unterhandlungen auch sormell zum Abschlusse zu bringen, so daß diese Angelegenheit im Verlauf der nächsten Session des Reichstags vollständig zum Austrage gelangen dürfte.
Wiesbaden, 9. Nov. Kaiser Wilhelm ist um 4 Uhr im besten Wohlsein hier eingetrossen, durchfuhr im offenen Wagen die prachtvoll ge— schmückte Stadt und wurde von einer unabsehbaren Volksmenge freudigst begrüßt. In deu Straßen bildeten alle Vereine, die Schulen und die Garnison Spalier. Das Befinden des greisen Monarchen berechtigt zu den erfreulichsten Hoffnungen. Die Arme sind so weit geheilt, daß der Kaiser auch mit dem rechten Arme bereits grüßen kann. Wenn derselbe noch in der Binde getragen wird, so soll das mehr aus Gewohnheit als aus Noth— wendigkeit geschehen. Der Kaiser verlangt nach einer wie früher geregelten Thätigkeit, was man als ein sicheres Zeichen seiner vollen Wiederher— stellung ansehen kann.
Ausland.
Oesterreich⸗llngarn. Wien, 7. Nov. Die Delegationen sind heute eröffnet worden. Die österreichische Delegation wählte den Grafen Coronini zu ihrem Präsidenten. Graf Andrassy legte das gemeinsame Budget vor, zu dessen Vor— berathung ein Ausschuß von 21 Mitgliedern ge⸗— wählt wurde.
— Sicherem Vernehmen nach hat der Kaiser
für den Bereich der occupirten Länder eine General- Amnestie erlassen und steht die unmittelbare Ver- öffentlichung der diesbezüglichen Proclamation an die Bewohner Bosniens und der Herzegowina bevor.
— Von den Angehörigen des Herrenhauses haben drei Mitglieder der österreichischen Delega⸗ tion: Koller, Jablonowski und Kellner ihr Man⸗ dat niedergelegt, und zwar angeblich wegen Ge⸗ sundheitsrücksichten, vermuthlich jedoch aus Gegner⸗ schaft gegen Andrassy. Es schweben gegenwärtig Verhandlungen zwischen den Delegirten beider Häuser. Wie die„Presse“ vernimmt, wollen die Delegirten des Abgeordnetenhauses für die Occu⸗ pationskosten stimmen, wenn die Delegirten des
Mißtrauensvotum ertheilt werde. Solchergestalt wird versucht, die Majorität der österreichischen Delegationen gegen Andrassy herzustellen.
— Die„Pol. Corr.“ dementirt die Nachricht englischer Blätter über ein angebliches österreichisch · englisches Abkommen wegen Räumung des türkischen Gebiets seitens der russischen Truppen.
— Mehrere Blätter melden aus Sarajewo vom 9. Nov.: Gestern überreichte eine Deputation von Begs dem Obercommandanten eine Adresse an den Kaiser, worin um die Annexion Bosniens und der Herzegowina durch Oesterreich Ungarn, die Ausscheidung dieser Länder aus der religiösen Jurisdiction des Scheik ül Islam, die Organi— strung einer selbständigsten mohamedanischen Kirchen- behörde für Bosnien und die Herzegowina und weiter um die Auflösung der confessionellen Schulen und Errichtung von Volksschulen und um Amnestie gebeten wird. Die Adresse trägt 59 Unterschriften der reichsten und verläßlichsten Mohamedaner Sarajewo's. Auf eine Ansprache Murtaj Begs erwiederte der Ober-Commandirende, Baron v. Philippovich: Er sei umsomehr durch die Adresse erfreut, als dieselbe aus der eigenen Initiative der Mohamedaner hervorgegangen sei. Die Am- nestie sei bereits bewilligt.
Pest, 8. Nov. Der Kaiser empfing eine Deputation, welche die Adresse des kroatischen Landtags überreichte. Derselbe nahm die Ver- sicherungen der Loyalität mit Wohlgefallen ent- gegen, bemerkte jedoch, daß sich der Landtag auch mit auswärtigen Angelegenheiten beschäftigt habe, welche außerhalb seines gesetzlichen Wirkungs- kreises fielen.— Im Oberhause gab Tisza in Betreff der Ministerkrise eine analoge Erklärung wie im Unterhause ab und legte den Berliner Vertrag vor. In der Adreß⸗ Debatte erklärte
Graf Szechen, es sei unbillig, von dem Minister des
Aeußeren ein Programm zu verlangen. Wenn die Sicherheit der Monarchie und militärische und commercielle Rücksichten Aenderungen der Grenzen erheischten, acceptire er dieselben. Der Adreß- Entwurf wurde hierauf angenommen. Die un- garische Delegation wählte Szlayy zum Prä— sidenten, nahm die Budget⸗Vorlagen entgegen und wählte den betreffenden Ausschuß,
— 9 Nov. Der Budget- Ausschuß der Reichsraths⸗ Delegation erledigte das Budget des Finanz-Ministeriums. Der Reichs-Finanzminister erwiederte auf Interpellation Dumba's, daß Alles geschehen sei, um die Ausgabe von neuen Staats- Noten, die dringend erscheine, zu beschleunigen. Das einzige Hinderniß sei die noch zu lösende Wappenfrage.— Bei Berathung des Erforder- nisses des Kriegs-Ministeriums wurde auf Antrag Sturm's eine Resolution angenommen, daß die Berathung unter Verwahrung des Rechts der Reichsvertretung, den Kriegsstand und das Rekruten- Contingent festzustellen, vorgenommen werde.
— 9. Nov. In einer Conferenz der ungarischen Delegirten verlas der Präsident der ungarischen Delegation, Szlavy, seine bei dem morgigen Em⸗ pfange der Delegation bei dem Kaiser zu haltende Rede. Dieselbe berührt das Berliner Mandat, hebt die tapfere Haltung der Armee und den durch den Feldzug errungenen Erfolg hervor und spricht die Bereitwilligkeit aus, Alles zu thun, was die Stellung der Monarchie als Großmacht erfordere und die materielle Kraft des Landes zulasse. Die Rede betont besonders die Nothwendigzkeit, daß die Delegation die Details der Oecupation und den durch dieselbe zu erreichenden Endzweck kennen lerne, beleuchtet die finanziellen Gesichtspunkte und drückt schließlich Loyalität und Huldigung gegen- über dem Kaiser aus. Die Conserenz nahm die Rede mit allgemeinem Beifalle auf.
Großbritannien. London, 8. Nov. Oesterreich hat den Vorschlag gemacht, es möge eine Conferenz zur Revision des Berliner Ver- trages zusammentreten. Der Cabinets-Rath hat gestern über die Angemessenheit bes Vorschlags berathen, ohne eine Einigung zu erzielen.
— 10. Nov. Bei dem gestrigen Lordmayor⸗ Banket in der Guidhall berührte Lord Beacons
n, we field zunächst die indische Frage und hob hervor, Herrenhauses dazu einwilligen, daß Andrassy ein daß ein Einfall in Indien guf der Nordwestgrenze Cassen
physisch unausführbar sei. land dort leicht Verlegenheiten bereitet werden, Als es sich darum gehandelt, derartige Incon⸗ venienzen zu beseitigen, seien Umslände eingetreten, welche die ernsteste Erwägung erfordert hätten, Man habe sich entschlossen, hiermit wenn möglich
ein Ende zu machen. Die erforderlichen Maß, regeln dazu seien ergriffen. Wenn dieselben zur vollen Ausführung gelangt seien, so würde dieser Theil der Grenze aufhören, eine Quelle der Be⸗ unruhigung zu sein. Es sei zu hoffen, daß man alsdann in guten Beziehungen mit den nächsten Nachbarn würde leben können. Vielleicht sei die Stunde nicht mehr fern, wo dies möglich sei, — Ferner: Die Ergebnisse des Berliner Congresses hätten dem Sultan die Unabhängigkeit seiner Hauptstadt und die unbezwingbare Controle der Dardanellen gesichert. Was die Nichtausführung des Berliner Vertrages betreffe, so sei nur die der Türkei für die Ausführung des Vertrages vorge⸗ schriebene Zeit verstrichen. Alle wichtigen Be⸗ stimmungen des Berliner Vertrags aber seien auf dem Wege der Erfüllung. Die Insinuation, daß irgendeine Macht der vollständigen Ausführung des Berliners Vertrages sich entziehen wolle, müsse er entschieden zurückweisen. Die engliche Regier⸗ ung sei entschlossen, auf der buchstäblichen Aus- führung des Vertrages zu bestehen. Sie werde, wenn nothwendig, an das englische Volk, appelliren, um den Vertrag mit aller Energie und allen Hülfs⸗ quellen aufrecht zu halten. Die politische Lage sei gegenwärtig gewiß eine ernste, aber keine ge⸗ fahrvolle. Wenn die englische Bevölkerung würdig bleibe ihrer Vorfahren, werde das Reich niemals eine Minderung seiner politischen Stellung erleiden,
Italien. Rom, 8. Nov. Der Papst legte den Cardinälen die Frage zur Prüfung vor, ob es für opportun zu erachten sei, daß sich die italienischen Katholiken an den politischen Wahlen betheiligen. Mehrere Bischöfe, die gleichfalls hierüber befragt waren, antworteten bejahend. Der König und die Königin sind in Florenz enthusiastisch empfangen worden.
— Der Deputirte Pessina hat das Portefeuille des Handels definitiv angenommen.
— Bei der bevorstehenden italienischen Wahl⸗ Reform soll das Wahlrecht auch auf die Soldaten im activen Dienst ausgedehnt werden. Die Sol- daten hätten das Wahlrecht jedoch nicht in ihrer Garnison, sondern in ihrem Wahlort auszuüben.
— Das Journal„Diritto“ veröffentlicht ein formelles Dementi der Nachricht, nach welcher der italienische Delegirte bei der Rhodope-Commission, nachdem er den Schlußbericht der Commission schon unterzeichnet gehabt, seine Unterschrift wieder zurückgezogen hätte.
Türkei. Constantinopel, 8. Nov. Ein Trupp von 4000 Bulgaren verbrannte 14 Ort⸗ schaften im Distrikt Demotika. Die Pforte übergab dem russischen Botschafter eine Note, welche er⸗ klärt, die Russen seien unfähig, den bulgarischen Ausstand zu unterdrücken. Eine andere Note be⸗ handelt die Angelegenheit der noch nicht voll: zogenen Räumung der von den Russen besetzten Gebiete. Die Pforte bereitet die Zurückgabe von Podgoritza an Montenegro in Gemäßheit des Berliner Vertrages vor.
Rußland. Petersburg. Gegenüber den Meldungen auswärtiger Blätter von der Er nennung Schuwaloff's zum Vicekanzler und der bevorstehenden Uebernahme der Leitung der aus! wärtigen Angelegenheiten durch denselben ist constatiren, daß bisher keine solchen Mittheilungen aus Livadia eingegangen sind. Ebensowenig liegt eine Meldung von einem Demissionsgesuch Gott schakoff's vor. Die Nachricht von der Ersetzung Schuwaloff's in London durch Orloff ist gleich falls unbegründet; eine derartige Eventualität war früher mehefach besprochen, aber Privatvethältnisse sollen den bezüglichen Wünschen Orloff's eine ganz negative Richtung gegeben haben.
— In Abrianopel fand ein Kriegsrath statt, an welchem alle Befehlshaber der russischen Truppen in Bulgarien und Rumelien Theil nahmen. Russischerseits wird die Rückgabe der öffentlichen Rumeliens von der Rückerstattung der
Indessen könnten Eng⸗
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