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bisberige Schutzverband weggelassen werden können. Gestern aufgetretene rheumatis be Beschwerden in den verletzt gewesenen Theilen haben aufgehört.
— 2. Juli. Der von Petersburg hier ein- getroffene Prinz Alexander von Hessen stattete gestern den Mitgliedern der königlichen Familie, dem Fürsten Bismarck und mehreren Congreß- Delegirten Besuche ab und empfing deren Gegen- besuche. Der Kronprinz machte dem Prinzen Alexander im Hötel Ropal einen längeren Besuch. Der Prinz reiste Abends nach Darmstadt ab.
— 2. Juli. In der gestrigen 10. Congreß sitzung wurden die rumänischen Vertreter durch Radowitz eingeführt. Bratiano gab eine Ueber- sicht über die tussisch-rumänischen Beziehungen. Er las alsdann das Memorandum vor und ver theilte zwei Broschüren. Bismarck erklärte: der Congreß werde sich mit der rumänischen An- gelegenheit ernsthaft beschäftigen, worauf Bratiano und Cogalniceanu den Congreßsaal verließen. Darauf verlas Karatheodori einen türkischen Protest gegen den Einmarsch der Oesterreicher in Bosnien. Es kam zwischen ihm und Bismarck zu scharfen Worten. Die Türken drohten sogar, den Congreß zu verlassen. Die Armenier ver- theilten privatim eine Denkschrift, die eine ganz neue Verwaltungs- Organisation verlangt. Dem Vernehmen nach ist gegründete Aussicht vorhanden, daß Rumänien ein kleines Stück Bessarabiens nördlich von der Kiliamündung verbleibt; ferner würde Rumänien eine Kriegskosten-Entschädigung, die Dobrudscha und einen kleinen Theil des an letztere angrenzenden bulgarischen Gebietes erhalten. Serbien wurde Veranje, Pirot und Akpalanka zugestanden. Die serbischen Delegirten äußerten sich über die Zugeständnisse befriedigt. Montenegro wird Antivari erhalten, welches für neutral erklärt
werden, aber für österreichische Kriegsschiffe zu
gänglich sein soll. Die von dem griechsschen Ver-
treter im Congreß verlesene Declaration macht
Provinzen griechischer N land geltend. In
icht, Kreta zu erlangen, ist sehr verringert, . d 9 9
Berathung des rumänischen Memorandums statt.
Ueber den Umfang der Berücksichtigung desselben
hat der unter dem Fürsten Hohenlohe tagende Sonderausschuß Vorberathungen vorzunehmen, wie auch über alle anderen Fragen, welche für den Congreß zu umfänglich sind.
— Der„Reichsanzeiger“ publicirt das Gesetz preußzischen Regierung bezüglich einiger der vacanten
betreffend die Tabaksenquete und die Ernennung des Grafen Stolberg zum Bundesrathsbevoll- mächtigten; ferner eine kalserliche Verordnung be— treffend die vorübergehende Einführung der Paß: pflichtigkeit für Berlin auf Grund des§. 9 des Bundespaßgesetzes; danach muß bis auf Weiteres jeder in Berlin ankommende Fremde oder Neu- anziehende sich durch Paß oder Paßkarte über seine Person ausweisen.
— 2. Juli. Der Vice-Präsident des Staats- ministeriums, Graf Stolberg, begibt sich heute über Wernigerode nach Wien, woselbst er mit dem Prinzen Reuß zusammentreffen wird. Der französische Botschafts-Secretär Herbette, Mitglied der europäischen Donau⸗Commission, ist gestern Abend hier eingetroffen.
— Die Regierung will nicht den Zusammen⸗ tritt des neu zu wählenden Reichstags abwarten, um wenigstens mit einem Theil der gegen die Social⸗Demokratie beabsichtigten Maßregeln vor- zugehen. Es wird erwogen, ob bei den großen Mißständen, welche das auf Grund des Frei— zügigkeits⸗ Gesetzes entwickelte Vagabundenthum, namentlich für die Bewohner des platten Landes, aber auch für die Städte im Gefolge hat, nicht schon jetzt an ausreichendere Controle mittelst des Paß⸗ und Melde- Wesens gegen die gemein- gefährlichen Zustände zu denken sei.
— Ein vom„Reichs- Anzeiger“ veröffentlichter Brieswechsel des Kaisers und des Kronprinzen mit dem Papst macht ungeheures Aufsehen, auch in
diplomauischen Kreisen. Hervorgehoben wird die
e 5 pellation Aufklärung über diesen beklagenswerthen hauptsächlich im Interesse des Friedens die Oppor⸗ Vorfall, führte indiß Umstände an, welche die tunität eines engeren Anschlusses Kretas und der ationalität an Griechen daß die Bevölkerung Venedig's die Unruhen miß⸗ Hohenlohe berieth die serbischen billigte, indem Bürger und und griechischen Forderungen. Griechenlands Aus- dem Consul ihr lebhastestes Bedauern darüber aus drückten. der heutigen 11. Congreßsitzung fand die n
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die Auskunft des Ministers befriedigt.
Bedeutung dieser Veröffentlichung gerade jetzt vor den Wahlen, weil sie wiederum die energische Zurückweisung der päpstlichen Forderung, die Ge⸗ setze zu ändern, betont. Dies gilt als Hinweis, daß die Regierung die Stimmen der ultramon- tanen Wähler kaum für sich rechnet.
— Der„Reichs⸗Anzeiger“ meldet: Der Bot⸗ schafter Prinz Reuß hat nach Ueberreichung seines Abberufungs-Schreibens Constantinopel am 28. Juni verlassen; die Geschäfte der dortigen Botschaft leitet interimistisch Boischaftsrath Graf Radolinski.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Die „Presse“ meldet augenscheinlich offielös, daß eine Verstärkung der in Croatien und Dalmatien stehen⸗ den Truppen stattfinden werde, Es sollen drei weitere Divistonen mobilisirt und croatische Land— wehr einberufen werden. Die Türken haben ihre Truppen im Norden und Westen von Bos nien concentrirt. Aus Serajevo ist Proviant mit Muni⸗ tion an die Grenzen abgesendet worden. In Bosnien und der Herzegowina stehen 40,000 Mann, zwischen Novibazar und Prizrend 20,000 Mann.
Holland. Haag. Die Regierung von Niederländisch Indien hat angezeigt, daß die Atschinesen den Kampf gegen die niederländischen Truppen wieder aufgenommen hätten. Zur Ver stärkung der letzteren sind zwei Bataillone aus Java abgesendet; ein drittes folgt demnächst nach.
Italien. Rom, 29. Juni. Gestern Abend sand in Venedig eine Demonstration einiger Indi- viduen gegen den dortigen österreichisch-ungarischen Consul statt; dieselbe soll durch das Gerücht ver— anlaßt worden sein, der Consul hätte eine von einigen jungen Leuten veranstaltete Vergnügungs⸗ fahrt von Triest nach Venedig verhindert. In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer gab der Minister des Innern anläßlich einer Inter-
Bedeutung desselben verringern und auch beweisen, 9
Behörden der Stadt Der Minister fügte noch hinzu, die Regierung beklage solche Acte, werde sich informiren, ob die Localbehörden ihre Schuldigkeit gethan hätten und die schuldig Befundenen unverzüglich bestrafen. Die Interpellanten erklärten sich durch
— Dem„Tel. Cor. Bur.“ wird von hier ge⸗ gemeldet, der päpstliche Nuntius in Bayern, Mon- signore Aloist, sei beauftragt worden, mit der
Bischofssitze in Preußen in Verhandlung zu treten. Türkei. Constantinopel, 30. Juni. Der Großvezir Sapfet Pascha ist erkrankt und hat bereits am Sonnabend an den Berathungen der hohen Pforte nicht tbeilgenommen. Die türkischen Congreß- Delegirten haben hierher ge— meldet, daß sie Seitens des Congresses nach ihrer Mittheilung von dem ablehnenden Beschlusse des großen Raths über die von Oesterreich angeregte Occupation Bosniens und der Herzegowina ver⸗ anlaßt seien, neue Instructicneu von der Pforte zu erbitten. Oesterreichischer Seits werden bei der türkischen Regierung außer Rückerstattung der für die bosnischen Flüchtlinge verauslagten 9 Mil- lionen Gulden noch zwei andere Geldforderungen geltend gemacht, von denen die eine älteren Datums ist, die andere die Herstellung von zerstörten Kirchen und Schulen betrifft. Rumänien Bukarest, 1. Juli. In
Regierungskreisen verlautet, das zwölfte russische Corps unter Wanoweki sei aus Rustschuk nach Silistria abmarschirt; zu welchen Zweck, sei nicht bekannt und werde sorgfältig verheimlicht. In Rumänien stehen zur Zeit kaum über 25,000 Russen, deren Zustand als nicht durchaus befrie⸗ vigend bezeichnet wird.
Amerika. Washington, 30. Juni. Wie verlautet, soll der früher erlassene Befehl, die Marodeure an der mexikanischen Grenze noch auf mexikanisches Gebiet zu verfolgen, künstig strenger
W
auf Protestationen von mexikanischer Seite, da W die Regierung Mexiko's durch Unterdrückung des he e, Marodeur⸗Wesens an der Grenze dem Betreten K mexikanischen Gebietes durch nordamerikanische Truppen vorbeugen könne,
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Die Auslegung der Wählerlisten für die Neuwahl zum Reichstage hat mit dem 1. Juli begonnen und dauert bis Montag den 8. Juli Abends. Wähler für den Reichstag ist jeder Deutsche, der das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat, Nur Diejenigen sind zur Theilnahme an der Wahl berechtigt, welche un die Wählerlisten aufgenommen find. Das Auslegen dieser Listen auf den Bürgermelstereien hal den Zweck, jedem Wähler Gelegenheit zu geben, sich zu über zeugen, ob sein Name in die Liste eingetragen ist. Fehlt sein Name in der Liste, so hat er das Recht, hiergegen Einsprache bei der betreffenden Bürgermeisterei innechalb 8 Tagen nach Beginn dee Auslegung bei Meidung des Ausschlusses zu erheben. Wird seine Einsprache als be⸗ 0 gründet erachlet, so hal die nachträgliche Aufnahme seines Namens in die Liste zu geschehen. Kein Wähler sollte vecsäumen, innerhalb der vorgesehenen Frist(1.—8. Juli) auf das Rathhaus zu gehen und sich Gewißheit darüber zu verschaffen, daß sein Name in der Wählerliste sieht.
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Gießen. Am 1. Juli verurtheiste der Schwurgerich is: iin feuniget A hof: die Elise, Wilhelm Wiens Ehefrau, von Hainchen J i Solz bl wegen Uikundensälschung in eine Gefängnißstrase von hn, mit Acht
1 Woche und den Heinrich Müller VI. von Birklar wegen gleichen Verbrechens in eine Gefängnißstrafe von 10 Tagen.
Gießen, 1. Juli. Professor Dr. Weigand ist gestern nach längerem Leiden im 73. Lebensjahre gestorven. Der Verblichene war eine Zierde der hiesigen Hochschule, gleich geschätzt als Mensch wie als Gelehrter.
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2 waten. D Allerlei. Unseres K München. Seit 39 Jahren saß ein Mörder in dem in seiner S bayerischen Zuchthaus Hals heim. Er halte einst seine Ehe⸗ der Drang scau erschlagen, war zum Tode verurtheilt und dann zu 5 lebenslänglicher Gefangenschaft begnadigt worden, er war 0 der Letzte, der in Arnstein am Pranger stand. Seit Jahren el hatte er nur den einen Wunsch, noch einmal, sei es auch a nur auf Stunden, die Freiheit zu genießen, aber Niemand Frag verwendete sich für ihn, endlich wurde doch ein Gnaden⸗ in legen gesuch für ihn eingereicht, es hatte Ersolg, er wurde frei. maschine Wie staunte er die Welt an, wie sah sie anders aus nach Die N. 39 Jihren. Eisenbahnen und Telegraphen hatte er nie dried gesehen, kaum eine Vorstellung von ihnen; vor lauter 0 9 165 Jubel suhr wer zweiter Class'; er hatte sich ja 112 Mark 2166 gespart! Er schwelgte im Glück. Seiner Heimalbgemeinde 5 will er nicht zur Last fallen, er zieht vielmehr als 69 jähriger. Mann übers Meer nach Ametika, wo ihm wohlhabende 8 Verwandte wohnen. i In be
Wer Oberförste Y Frauenn
Das Potsdamische große Militär⸗Waisenhaus.
Nach einer amilichen Miltheilung ist es dem Dixeclo⸗ 2 Mont rium des Poisdamischen großen Militärwaisenhauses in 170 Stück Folge des Gesetzes vom 29. April d. J. ermöglicht, die 14 Raum Waisen von Soldaten der zur Preußischen Armee gehören⸗. den Contingente von jetzt ab an den Wohllhaten der ge⸗ 100 Suck nannten Stiftung theilnehmen zu lassen. Die Wohltgaten, 1 Naumm welche diese Stiftung bedürftigen, elternlosen und vater⸗ 2 Kellerberg losen Soldatenwaisen, die während des activen Militär⸗ Dienstag dienstes des Vaters ehelich geboren sind, oder deren Valer 30⁰⁰ Stit als Soldal gestorben ist, gewährt, bestehen: in der Auf⸗ 9 Raum nahme in eine Erziehungsanstalt oder in der Bewilligung 7 8 eines Pflegegeldes. Hinsichtlich der Aufnahme in eine 9000 Sue Erziehungsanstalt gelten folgende Bestimmungen: 1) Kinder Ober 1. im Aller vom zurückgelegten 6. bis zum 12. Lebensjahre 91 können, wenn sie ganz gesund sind, im Militärknaben⸗ 3 Waisenhause zu Potsdam, im Mililäcmädchen⸗Waisenhause 1 zu Pretzsch, sowie auf Kosten der Stiflung in anderen, Stam der Confession der Kinder entsprechenden Erziehungsanstallen a U — Kinder katholischer Confession in karbolischen Erziehungs⸗ l Sonfz anstalten— untergebracht werden, soweit der Raum und! Enna in hö die Miltel es gestalten und vorausgesetzt, daß solchs An cchang, bon stalten zur Verfügung stehen. 2) Die Knaben finden zu Aiatmet Dure Ostern und zu Michaelis die Mädchen nur zu Ostern llün Vemseizer jeden Jahres Aufnahme. 3) Der Andrang zur Aufnahme Vilbel de ist indeß steis so groß, daß nur ein Theil der Bewerber 0
aufgenommen werden kann. Die Auswahl derselben aus der Zahl der als berechtigt und berücksichtigungswerth zu dieser Wohlthat aufgezeichneten Kinder erfolgt nach Maß⸗ gabe der militätischen Verdienstlichkeit der Väter und de
Bedürftigkeit der Familien, unter Berücksichtigung des* 0
Alters der Kinder und unker thunlicher Beachtung der Zei e a0 ihrer Aufzeichnung. Was die Bewilligung eines Pflege 0 Uhr, auf geldes anlangt, so wird dasselbe 1) auf jedes dazu ange an ncht nu meldete Kind— wenn die Elatsmittel es gestatten— vo 10 en(Finder dem Monate ab bewilligt, in welchem das mit den nöthige Jurte Bewelsstücken eingegangene Gesuch als berücksichtigungswer te Ie en dis anerkannt ist und bis zum vollendeten 14. Lebensjahre de 100 erlangen
Kinder oder bis zu ihrer etwaigen Aufnahme in eine Er Friedberz ziehungsanstalt gezahlt. 2) Wenn solche Kinder Aufnahm Groß
finden, für welche Erziehungsgelder aus Staatsfonds ge zahlt werden, so hört diese Zahlung selbstverständlich mie dem Monat der Aufnahme auf. 3) Das Pflegegeld erfolg in bestimmten Sätzen nach Maßgabe der Mililär⸗ Charge und der militärischen Verdienstlichkeit des Vaters und dez 1 Bedürstigkeit der Familie als ein Beitrag zu den laufen den Kosten für die Ernährung und Bekleidung der Kindes und daher niemals für eine rückliegende Zeit. Mit de Enllassung der Waisen aus den Anstalten oder mit der
zur Ausführung gebracht werden ohne Rücksicht
zurückgelegten 14, Lebensjahre der Kinder hört die Füß


