Beim Empfange einer Deputation äußerte gestern
Großbritannien. London, 23. Jan. Gladstone, die Person Lord Salisburp's könne wegen des ungünstigen Ausganges der Conferenz nicht getadelt werden. Da die Psorte auch die ermäßigten Forderungen der Mächte abgelehnt habe, so verdienten etwaige künftige Vorschläge der europäischen Muchte überhaupt keine Erwägung. Es sei klar, daß die Mächte der türkischen Re gierung überhaupt keine Vorschläge empfehlen dürften, wenn sie nicht zugleich die Absicht hätten, auch auf deren Durchführung zu bestehen. Die wichtigste Frage sei die, ob die Pforte, nachdem sie die von ihr gemachten Versprechungen schmäh⸗ licher Weise unerfüllt gelassen habe, fortfahren dürfe, die durch den Pariser Vertrag ihr zuge⸗ sicherten Vortheile zu genießen. England trage eine schwere Verantwortung, es sei an der Re- gierung das Land über die Folgen des Scheiterns der Conferenz aufzuklären. Schließlich erklärte Gladstone, er müsse es ablehnen, die Leitung der liberalen Partei wieder zu übernehmen. Italien. Rom, 20. Jan. Im Verlaufe der Debatte über den Gesetz- Entwurf, betreffend die Mißbräuche der Geistlichkeit, ergriff der Justiz minister in der Sitzung der Deputirten-Kammer das Wort, um die Zeitgemäßheit des Gesetzent- wurfs nachzuweisen, wobei er bervorhob, daß die sich kundgebende größere Versöhnlichkeit der geist⸗ lichen Behörden eine Folge der Festigkeit des gegenwärtigen Cabinets sei. Das Papstthum er- kenne nur die Vereinigung Lombardo-Venetiens mit dem ehemaligen Königreich Sardinien an, sehe in dem übrigen Königreich Italien nur das Resultat von gewaltthäligen Fusionen und lasse die Geist— lichkeit für die politische Auflösung wirken; daher nähmen allerlei Mißbräuche ihren Ursprung. Schließlich ersuchte der Minister das Haus, den Entwurf ohne Abänderungen anzunehmen.
Türkei. Canstantinopel, 21. Januar.
Ueber die gestrige Sitzung der Conferenz verlautet noch weiter: Nachdem General Ignatieff seine Bemühungen zur Verhütung des Krieges dargelegt hatte, führte er in seinen Schlußworten aus, daß, wenn die Pforte jetzt eine Action gegen Serbien und Montenegro unternehmen würde, oder wenn die chrisliche Bevölkerung fernere Leiden zu er- dulden hätte, so würde Europa davon Kenntniß nehmen. Endlich erwähnte Ignatieff auch noch, daß die Mitglieder der Conferenz eine Petition von christlichen Bewohnern Macedoniens, Epirus, Thessaliens und Kreta's erhalten hätten, mit der Bitte, die Conferenz möge sich auch mit der Ver— besserung ihrer Lage beschäftigen; die Conferenz habe zwar diese Bitten nicht in Erwägung ziehen können, da ihr Mandat bereits beendet sei, dennoch wolle er die Thatsache an sich noch in heutiger Schlußs'tzung constatiren.
— Das„Tel. Corr.-Bür.“ meldet vom 21. d.: Bei der heutigen Soires auf der österreichischen Botschaft wurde das Schluß-Protokoll der Con- ferenz von sämmtlichen Bevollmächtigten unter- zeichnet. Die Bestimmungen über die Abreise der Delegirten sind dahin getroffen, daß morgen früh Marquis Salisbury, Dienstag früh Ignatieff, im Laufe desselben Tages Graf Zichy und Baron Calice, die österreichischen Bevollmächtigten, und Frlihr. v. Werther, der deutsche Botschafter, abreisen. Mittwoch wird Graf Bourgoing, Donnerstag Sir Henry Elliot und Freitag Graf Chaudordy und Graf Corti abreisen. Gerüchtweise verlautet, daß die Pforte mit Serbien und Montenegro direct Frieden schließen werde. Der Großvezier stattete heute dem armenisch-katholischen Patriarchen einen Besuch ab und hielt dabei eine Rede, in welcher er der Treue der Armenier gedachte und die aus der Verfassung resultirende Gleichheit aller Otto— manen constatirte.
Rustschuk. Die Kriegsbereitschaft der türkischen Armee ist ziemlich durchgeführt. Nach Daten aus türkischen Quellen beträgt die ottomanische Streit- macht in ganz Bulgarien 184 Bataillons Nizams, 76 Bataillons Redifs, 21,000 Mann Cavallerie und 292 Geschütze. Das Balaillon Nizams darf zu 600 Mann, ebenso stark das Redif Bataillon
angenommen werden. Im Ganzen darf die Zahl
der Combattanten auf 146,000 Mann veranschlagt werden. Dabei sind die Irregulären und die noch immer eintreffenden Reservisten nicht mitgerechnet.
Griechenland. Athen, 23. Januar. Neun britische Panzerschiffe unter dem Ober- Com-: mando des Vice Admirals Drummond sind im Piräus vor Anker gegangen.— Der Herzog und die Herzogin von Edinburg werden aus Malta hier erwartet.— Marquis Salisbury und Elliot werden auf ihrer Heimreise von Constantinopel hier durchpassiren.
Rußland. Petersburg. Nach einem Telegramm des„Regierungs-Anz.“ aus Kischineff vom 21. d. M. haben sich an diesem Tage im Hauptquartier der Bevollmächtigte der Gesellschaft des rothen Kreuzes Abasa und sein Gehülfe Fürst Wolkowskg vorgestellt, um Instructionen zu empfangen, an welchen Punkten sanitätliche Hülse am nothwendigsten wäte, im Falle der Krieg zum Ausbruch käme. Der Gesundheits-Zustand der Armee ist durchaus beftiedigend. Obige beiden Delegirten haben gestern die Spitäler besucht.
— Der„Golos“ hebt als wichtiges Resultat der Conferenz hervor, daß die Türkei nicht mehr als europäische Macht dastehe und Europa nun— mehr jeder Pflicht entbunden sei, die Integrität des muselmänischen Reiches zu schützen. Seit Sonnabend sei die orientalische Frage in eine neue Phase eingetreten, indem die Pforte durch ihre Ablehnung alle Folgen des Pariser Friedens vernichtet habe. Fortan könne die eventuelle Ein- mischung irgend welcher Macht in die türkischen Angelegenheiten nicht mehr eine Verletzung der internationalen Verträge bedeuten. Der„Golos“ schenkt den in Constantinopel verbreiteten Gerüchten, die Türkei beabsichtige in ein separates Einver- nehmen mit Rußland zu treten, kein Vertrauen.
Aus Stadt und Land.
H- V. Friedberg. Nach amtlicher Anzeige verjähren die Hess. fl. 50.—⸗Loose am 1. Juli 1877, worauf deren Besitzer bierdurch wiederholt aufmerklam gemacht werden. Die Einlösung dieser Loose vermittelt u. A. der hiesige Vorschuß- und Credilverein.
Friedberg. Im Hinblick auf die im März statt⸗ findenden Prüfungen für Einjährig Freiwillige machen wir darauf aufmerkam, daß die Bestimmungen über die Erwerbung der Berechtigung zum einjährigen Militärdienst vom Nachweis der wissenschaftlichen Befähigung event. solche junge Leute entbinden,„welche sich in einem Zweige der Wissenschaft oder Kunst oder in einer andern dem Gemeinwesen zu Gute kommenden Thäligkeit besonders auszeichnen oder als Kunstveiständige oder mechanische Arbeiter in der Art ihrer Thätigkeit Hervorragendes leisten. Diese Personen haben ihrer Meldung die erforderlichen, amtlich beglaubigten Zeugnisse beizufügen. Sie sind nur einer Prüfung in den Elementarkenninissen unterworfen, nach deren Ausfall die Ersatzbehörde driiter Instanz ent— scheidet, ob der Berechligungsschein zu ertheilen ist oder nicht.“— Hiernach können also auch Handwerker die Berechtigung zum einjäbrig freiwilligen Militär dienst erwerben, ohne die im übrigen vorgeschriebene wissenschaftliche Bildung zu besitzen. Sowen es uns bekannt ist, wird von dieser Bestimmung der Prüf⸗ ungs⸗Ordnung nur in sehr geringem Umfange Gebrauch gemacht, aus dem Grunde, weil sie von Seiten Derer, die sie betrifft, zum Theil jedenfalls bisher nur wenig oder gar nicht beachtet worden ist. Wie sehr sie übrigens be— rufen sein dürfte, sobald sie nur erst in ihrer ganzen Trag⸗ weite erkannt und von allen Seiten gewürdigt wird, die Leistungen in den einzelnen Gewerken zu heben, bedarf wohl keines Beweises.
Gießen, 20. Jan. Das Schwurgericht vom ersten Quartal erkaunte bis zum gesteigen Schlusse seiner Sitz⸗ ungen in den nach verzeichneten Anklagesachen: Am 12. Jau. gegen den Gemeinderechner H. Hartmann von Reichlos wegen Verbrechen im Amle, Zuch:hausstrafe von 1 Jahr 3 Mon. Dens. gegen J. Schneider III. von Geiß⸗Nidda wegen Urkundenfälschung, Gesängnißstrase von 10 Tagen. Am 13. Jan. gegen Ph. Ratz von Schlitz wegen Dieb— stahls, Zuchthausstrafe von 2 Jahren und gegen Anna B. Weisbeck von da wegen Hehlerei, Gefängnißstrase von 3 Wochen. Am 15. Jan. gegen H. Bien von Feeiensteinau wegen Diebstahls, Zuchthausstrase von 3 Jahren unter Aberkennung der Ehrenrechte. Am 16. Jan. gegen Katharina C. Kippes Wiw. von Lehrbach und Anna Marie Böcher von da wegen Verleilung zum Meineid, und zwar gegen Erstere Zuchthausstrafe von 1 Jahr, gegen Letztere auf Freisprechung. Am 17. Jan. gegen W. Amend zu Gießen, Schreiner, wegen Diebstahls, Zucht hausstrafe von 1 Jahr 3 Mon. unter Aberkennung der
Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren. Am 18. Jan. gegen W. Bücking von Homberg a, d. Ohm bezüglich der
Anklage wegen versuchter Tödtung, auf Freisprechung. Am 19. Jan. gegen den Feldschützen C. Heyer von Melbach wegen Erpressung, Gesängnißstrafe von 2 Monaten. Lindenfels, 21. Jan. In den Morgenstunden des heuligen Tages wiederholten sich die Eroslöße vom 10. d.
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verboten,
und waren sebr deutlich wahrzunehmen. Heftige Winde waren in deren Gefolge. Es ist auffallend in unserer Gegend, diesen Winter östers jene wahrzunehmen. Auch in dem oberen Weschnitzthale und im Steinachgebiete war die Erschütterung so slark, daß die Bewohner aus den Belten eilten.
Worms. Unsete Stadt bat einen ihrer verdiens⸗ vollsten Bürger verloren. Am 19. Jan. Abends verschied im 63. Lebensjahre nach längerem Leiden das lebens- längliche Mitglied der ersten Kammer der hessischen Stände, der Geh. Commercienrath und kal. spanische Consul Leonhard Heyl. Als Chef des Geoßhandlungshauses Leonhard Heyl und Cie. versah derselbe während zwanzig Jahren die Funktionen eines Präsidenten der Wormser Handelskammer, welche Corporation erst noch in den jüngsten Tagen dem Verstorbenen aus Anlaß seines Rück⸗ triites von diesem Amte eine Abresse überreichte, in welcher sie demselben ihren Dank für seine Wirksamkeit in den wärmsten Worten aussprach.
Allerlei.
Frankfurt, 22. Jan. Heute Morgen ließ sich ein Einjährig⸗Freiwilliger von der Taunusbahn überfahren. Gestern Abend sprang ein junger Mann, dessen Identität noch nicht festgestellt ist, von der neuen Brücke herunter in den Main. Nettungs-Versuche blieben erfolglos, da der Lebensmüde nicht mehr fähig war, die ihm hingereichte Stange zu erfassen, und plötzlich unterging.
Karlsruhe. In dem benachbarten Mosbach saßen am Abend des 19. Jan. im Gafihause„Zur Krone“ der Bezirksamimann, der Oberamtsrichter, der prakt. Arzt Dr. Orilieb und andere Honoratioren in traulichem Ge— lpräch beisammen, als kurz vor 11 Uhr zu einem Fenster der Gaststube herein geschossen wurde und Dr. Ortlieb, von einer Kugel in den Kopf getroffen, sosort todt nieder— sank. Der Thäter, ein Schreiner, Heinrich Appel von Mosbach, wurde alsbald ermittelt und gesänglich einge— zogen. Derselbe wird allgemein als zeilweise geisteskrank geschildert und soll schon Pflegling der Heilanstalt Illenau gewesen sein. Wem eigentlich der Schuß galt, weiß man z. Z. noch nicht. Dr. Ortlieb, ein allgemein beliebter und hochgeachteter junger Mann soll bei seiner Leutseligkeit niemals Anlaß zu einem Gewalt- oder Rache Act ge⸗ geben haben.
Wittenberg. Einer hier wohnenden Wittwe halte sich die fire Idee bemächtigt, sie dürfe nicht mehr essen und trinken. Mit entsetzlicher Energie verweigerte sie un⸗ geachtet alles Zuredens jede Speise und was man ihr mit Gewalt einflößte, spie sie wieder aus. Am 14. Tage aß sie noch einmal einen Bissen Semmel, von da ab benetzte sie nur noch ihre Lippen, um den brennenden Durst zu löschen, bis der Tod sie von ihren Qualen erlöste.
Pontarlier. Am 19. Januar wurde das nabe an der schweizerischen Grenze im Departement Doubs bei Pontarlier auf einem steilen Berge gelegene alte Fort Joux(Chateau de Joux) nebst der vorbeiführenden Eisen⸗ bahn durch eine Explosion vollständig zerstört. Bis jetzt sind zehn Todie aus den Trümmern gegraben; die Zahl der Verwundeten ist groß. Nach genaueren Nachrichten wurde diese Explosion durch einen entzündlichen Sioff, die sogenannte Malaziette Bie herbeigeführt. Diese explosible Malerie wird seit einiger Zeit in der Fabrik von Biet zu Fabry(Gemeinde Satigny) in der Nähe von Genf sabricirt, und die Fabrik ist selbst erst kürzlich in die Luft geflogen, wobei eine g oße Anzahl von Personen ums Leben kam. In Frankreich war die Mataziette und als kürzlich auf dem Bahnhose von Pontarlier 3000 Kilogramm davon, die man als Dünger einzuschmuggeln suchte, mit Beschlag belegt wurden, schaffte man den gefährlichen Stoff in Tonnen, wie er wor, nach dem Fort Lormont(Joux) wo er durch noch nicht aufgeklärte Ursache explodiite.
Bern. In Cleven hat sich eine Actien⸗Gesellschaft behufs Wiederausgrabung des am 18. August 1618 durch einen Bergsturz verschülteten reichen Fleckens Plurs in Graubündien mit einem Actienkapital von 100,000 Frs. zusammengethan. Es kamen damals 1000 Personen um; verschültet wurden 200 Häuser. Goldwaarenläden, Kupfer⸗ waaren, Töpfeteien, welche den Lavetzstein verarbeiseten, befanden sich daselbst; ebenso reich ausgeschmückle Kirchen. Man hofft daher auf reiche Beute.
Christiania. Ueber den bereits gemeldeten Brand des großen Theaters liegen einige nähere Mittheilungen vor. Das Feuer soll in der in der oberen Etage befind- lichen Damengarderobe entstanden sein, von wo es nord- wärls nach dem oberen Theil des Zuschauerraumes sich ausbreitete. Die Bübne ist durch Feuer und Wasser zer⸗ slört worden. Am 15. d. M. um 3½ Uhr Nachmittags war das Feuer gelöscht. Das Gebäude ist für 124,000 Kronen in der allgemeinen norwegischen Brandcasse und das In- ventar für 24,000 Kronen in Magdeburg versichert. Die Wiederherstellung des Theaters im Laufe der Saison ist unmöglich.
Die Rohrpost. (Aus:„Der Bildungs-Verein.“)
Seit dem 1. December des eben verflossenen Jahres ist in Berlin ein neuartiges und nicht minder großartiges Beförderungs-Mittel in Thätigkeit, durch welches innerhalb der Grenzen der Hauptstadt Briefe und Postkarten schneller befördert werden als vordem Drahtbriefe. Die Art solcher Beförderung nannte man früher die pneumatische, der Generalpostmeister hat in
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