Ausgabe 
25.1.1877
 
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sehr anerkennenswerther Weise* neuen Einrichtung amtlich den deutschen Namen Rohr- post gegeben. Beide Namen bezeichnen ganz gut dasselbe, wiewohl sie einander nicht voll · kommen decken. Der erstere bezeichnet die trei bende Kraft, den Athem, das Blasen, der zweite die Bahn für die Sendung, das Rohr, beide zusammen geben uns recht gut den voll ständigen Begriff der Sache: die neue Post ist ein großes Blaserohr mit einer entsprechend ausgiebigen Lunge, so dauerhaft wie nur wünschenswerth und wie sie ein Kesselschmied nur herstellen kann. Das Blaserohr ist ja wohl Jedermann bekannt und das Gesetz seiner Wirkung leicht zu entdecken. Steckt man in die Hoͤhlung etwa auf Fingertiefe eine weiche Thonkugel, so kann man dieselbe auf zweierlet Weise an das andere Ende befördern. Daß sie die einmal erlangte Bewegung auch noch darüber hinausträagt, kommt zunächst nicht in Betracht; wir wollen nur sehen, wie wir sie von einem Ende zum andern bringen. Wenn wir da, wo wir die Kugel hineinsteckten, hin einblasen, so drängen wir damit die in unserer Lunge vorräthige Luft in den kleinen Raum des Rohres hinter der Kugel. Während vor derselben im Rohre sich Luft von der gewöhn lichen Dichte befindet, entsteht dadurch hinter der kleinen Scheidewand, welche die Kugel bildet, Luft von bedeutend größerer Dichte, und ihr Bestreben, sich auszudehnen, bewirkt

ein Fortschieben dieser beweglichen Zwischen wand. Wir sagen dann: wir blasen die Kugel hindurch. hat aber jede Gasart und so auch die athmo- sphärische Luft in ihrem gewöhnlichen Dichtig- keitszustande. Ob es zur Geltung kommt, hängt nur davon ab, ob irgend ein Raum mit weniger dichtem Gase angefüllt vorhanden ist, in welchen das dichtere eindringen kann. Wir können daher auch statt auf der einen Seite die Luft zu verdichten, sie auf der anderen ver dünnen. Es geschieht das, wenn wir das Blaserohr mit dem Ende, an welchem sich die

Kugel nicht befindet, an den Mund setzen und

die in demselben befindliche Luft einathmen. So vellständig, daß gar keine Luft mehr in diesem Theile des Rohres wäre, treffen wir das freilich nicht, aber indem wir doch mög lichst viel Luft in unsere Lunge aufnehmen, wird die etwa noch zurückbleibende doch wesent lich verdünnt und nun erlangt die äußere vuft, die in das andere Ende eindringt, in ihrem Bestreben, sich auszudehnen, Erfolg und die Zwischenwand wird in den Raum mit ver⸗ dünnter Luft hineingedrängt die Kugel nähert sich unserem Munde. Wir sagen dann, wir hätten sie angesaugt. Wenn wir statt der schmiegsamen, weichen Thonkugel ein rundliches Steinchen in das Rohr legen, dann wird das Fortblasen und Ansaugen schwieriger und unter Umständen unmöglich werden. Dies kommt daher, daß sich das Steinchen nicht wie die formbare Kugel allseitig an die Wandung des Rohres anschmiegt und somit die dünnere Luft von der dichteren nur unvollkommen scheidet. Durch die kleinen Lücken, welche dann zwischen Rohr und Steinchen bleiben, dringt vielmehr die dichtere Luft in den Raum der dünnern und es findet ein Ausgleich statt, ohne daß die Zwischenwand wesentlich weiter geschoben wird. Will man daher einen Gegenstand, der selbst keine luftdichte Scheidewand zu bilden vermochte, wie etwa einen Eisenstift, durch das Blaserohr bewegen, so heftet man ihm eine Bolzenquaste an, welche namentlich, sobald die einzelnen Seidenfäden durch die dichtere Luft aufeinander gedrückt werden, diesen luftdichten Verschluß bildet. Das Alles haben die Her stellexr der Rohrpost sehr wohl in Betracht ge alen und wenn es einmal der Bediener der elden außer Acht läßt, dann versagt die Rohr post grade so wie ein Blaserohr. Daß die Gegenstände, welche man als Einlagen des Blaserohrs fortbewegen kaun, recht verschieden artig sein konnen, haben wir schon gesehen.

Das Bestreben, sich auszudehnen,

Warum sollten wir statt eines Bolzens nicht ein kürzeres blechernes Nadelbüchschen einlegen und von der Luft sortschieben lassen können?

Es käme nur darauf an, daß es mit dem vor⸗

dern Ende moͤglichst wenig anstoße und mit dem hintern gut anschließe, um wie ein Bolzen

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kreise noch einige einfache Ausläufer, vorläufig drei, angeschlossen. Diese Ausläufer bestehen nur je aus einer einzigen Rohrleitung, an deren Ende sich wohl ein Postamt, aber keine Vorrichtung zum Blasen und Saugen, keine Lunge befindet. Sollen nun auf diesen Strecken

mit möglichst geringer Kraft fortbewegt zu die Bolzen, beispielsweise vom Leipziger Platze werden. Wir wollen daher die kleine Nadel- nach der verlängerten Genthinerstraße und von büchse vorn abrunden und rückwärts etwa mit da zurück befördert werden, so werden sie in einer doppelten Reihe von Lederschuppen um- demselben Rohre dahin geblasen und zurück tränzen, die sich dachziegelartig übereinander gesaugt; das heißt, man schickt vom Rohrpost⸗ legen, wenn sie die sich aus dehnende Luft an⸗amte des Leipziger Platzes aus hinter dem

einander und an die Wandung des Rohres anpreßt. Haben wir nun in Blechbüchse statt der Nadeln, ein beschriebenes Papierstreifchen, so ist aus dem Blaserohre eine wirkliche Rohrpost geworden, und wir konnten das Briefchen beliebig befördern, so weit das Rohr und unsere Lunge reicht. Was das Rohr anlangt, so hat es begreiflicher Weise gar keine Schwierigkeit. In Berlin sind solche Rohre gelegt worden in einer Gesammtlänge von nahezu 26 Kilometern, also mehr als drei Meilen. Man hat sie der Haltbarkeit wegen aus Schmiedeeisen gemacht und um sie vor Beschädigung zu sichern, mindestens einen Meter tief unter das Straßenpflaster gelegt. Damit man aber in die Büchsen doch mehr als ein Zettelchen stecken könne, hat man sie beiläufig armdick gemacht, so daß der innere Raum sechs und einen halben Centimeter weit ist. Daß sie auch noch auf und ab, nach links und rechts gebogen sein mußten, das hat für die Wirkung gar keinen Belang, falls nur der Bogen nicht so stark ist, daß eine Büchse bei ihrer Länge von 15 Ceutimeter nicht umbiegen könnte, son dern stecken bleiben müßte. Wie man bei den Bahnkurven auf die Länge des Waggons, so mußte man hier auf die Länge der Büchsen Rücksicht nehmen, um den zulässigen Halbmesser der Kurve zu bestimmen; im Uedbrigen ist die Richtung gleichgültig. Die drei Meilen Länge kommen keineswegs auf ein einziges Rohr, denn dann könnte man eben auch blos von einem Ende zum andern Briefe blasen, sie ver theilen sich vielmehr auf sechszehn Rohre, deren je zwei Enden in fünfzehn Rohrpostämtern zu sammentreffen. Wenn man daher einen Brief so blasen wollte, daß er die ganzen Rohre durchläuft und wieder zurückkommt, so müßte er fünfzehnmal von je einer postbediensteten Hand am Ende eines Rohres in Empfang ge nommen und in den Anfang des andern Rohres hineingesteckt werden, was freilich immer nur wenig Sekunden zu dauern braucht. Aus diesen sechszehn Rohren sind zunächst unterhalb der Stadt Berlin zwei große, etwas eckige Ringe gebildet, der eine südlich, der andere nördlich von der Spree und diese beiden Ringe sind so mit einander verknüpft, wie die beiden Schleifen eines Achters(8). Im Bereiche dieser Ringe wird nun immer nur nach einer Richtung geblasen, so daß ein Brief, welcher vom letzten Postamte dieses Ringes zum vor letzten gelangen soll, den ganzen Kreis vom letzten zum ersten und vom ersten zum vor letzten durchlaufen muß. Soll er von Süden nach Norden gehen, so beschreibt er zuerst im südlichen Ringe den betreffenden Kreisbogen bis zur Kreuzung der Achterschlingen und tritt dann in den zweiten Ring, innerhalb dessen er wieder immer nur nach einer Richtung hin die betreffende Strecke durchläuft. Dadurch ist eine sehr große Einfachheit und Uebersichtlich keit der Handhabung erreicht, der gegenüber der Zeitverlust um so weniger in Betracht kommt, als ein Brief zum Durchlaufen beider Kreise unter den ungünstigsten Umständen, ein schließlich aller Uebertragungen noch keine 40 Minuten brauchen würde. In diesen Haupt kreisen werden die Briefbolzen im Allgemeinen herumgeblasen, wenn es auch mitunter foͤrder lich erscheinen kann, an einem Ende durch gleichzeitiges Saugen dem Blasen am andern nachzuhelfen. Um nun auch die entferntesten Stadttheile zu erreichen, sind an die Haupt-

hinzugerichteten Bolzen verdichtete Luft, und

dieser kleinen verdünnt die Luft, wenn der Bolzen zurück

kommen soll.(Schluß folgt.) Handel und Verkehr.

Friedberg, 23. Jan. Waizen M. 24.50. Korn N. 20.. Gerste M. 18.. Hafer M. 1520. Kar⸗ toffeln M. 3.50. Alle Preise vetstehen sich auf 100 Kilo = 200 Zollpfund.

cFTrankfurt, 22. Jan.(Viehmarkt.) Der heutige Markt war ziemlich gut befahren. Das Geschäft ging, rotzdem daß meist geringe Qualität am Platze war, sehr lebhaft, da durch den Schluß des Berliner und Breslauer Viehhose, bezw. Ausfuhr Verbote, dedeulende Händler dier eingetroffen waren und viel aufkauften. Angelrieden warten: 340 Ochsen, 200 Kühe und Rinder(gute Qualität sehr

esucht), 300 Kälder und 360 Hammel. Die Preise siellien sich: Ochsen 1. Qual. M. 6264., 2. Qual. M. 5860. Kübe und Rinder 1. Qual. M. 60., 2. Qual. M. 4448. Kälber 1. Qual. M. 50. 2. Qual. M. 4648. Hämmel 1. Qual. M. 50., 2. Qual. M. 4648.

Frankfurt, 22. Jan. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1

N. 41., Nr. 2 M. 37., Ni. J M. 33., Nr. 4 N. 29., Nr. 5 M. 23. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 27., o. II.(Berliner Marke) M. 22., Weizen M. 25.., Korn M. 18½19½., Gerte M. 17½19½., Hafer N. 15½18. Koblfsamen M.., Erbien M. 2124., Dicken M. 19., Linsen M. 2130., Kübel M. 85. Die Preise versieben sich sämmtlich per 200 Pfund Zoll⸗ cwicht 100 Kilo.

Mainz, 22. Im. Producten-Markt. Wazzen per März 23.. Kern per März 17.25. Hafer pet März 17.15. Rüböf per Mai 38.50.

D. Frankfurt a. M., 23. Januar 1877. Die Ten⸗ denz der Börse trug auch beute ein sestes Gepräge und scheint es sast, als wenn man in den Kreisen der Specu⸗ laion dem xesultatlosen Ausgang der Consetenz eine ge⸗ wisse günstige Interpretation zu Theil werden ließe. Ma dem nun sein, wie idm wolle, wir müssen constatiten, daß auch die heutigen Meldungen, daruntet die Rede Glad⸗ stont's, keinen nachtbeiligen Einfluß auf die allgemeine Pbysiognomie des Verkehrs ausüben, welcher sich etwas velebter als gestern gestaltete. Der Optimismus det Börse in Betreff der Beurtheilung der politischen Simalon kam am internationalen Speculationsmarkt am meisten in der sestern Haltung der Creditactien zum Ausdruck, welche sich zu 116½ 5 0 ½ und 116½, circa/ fl. üder ihrem gestrigen Mittagentveau dewegten. Staatsbabn⸗ actien lagen auf Berlin matt und gingen zu 194½195 und 194½ um. Man schätzt ihr Wochenminus auf citca 200 250,000 fl. Banken bielten sich sest. Deutsche Ver⸗ inebank ½% böber. Ein lebhaftes Geschäft fand in österr. Nalionalbankactien, die von 657 auf 686 stiegen, abet auf stacke Wiener Verkäufe schließlich wieder auf 672 berabsanken, stant. Deulsche und ausländische Fonds sest. Ungarische Schatzbons I. Em. ½% besser, II. Em. ½% maltec. Oesterr. Prioritäten theuweise anziehend. Von Loosen 1860er%, 1864er 1 Mark böͤder. Oesterr. Bahnen ziemlich debauptet. Galizier sind 8 fl. höher. Von Wechseln London und Wien, letzteres 80 Pf. theurer, Amsierdam schwöächer.

Geld Cours.

Frankfurt am 23. Januar 1877.

20, Frankenstücke. Mk. 16 2024 Englische Sovereiaggg gs 20 33-38 Nussische Imperiales i 16 70-75 Holländische fl. 10⸗Stücke 16 Dukaten. 1 9 6065 Dneaten al mares 9 9 64-69 Dollars in Gold 416 19

240 An der Burgkirche zu Friedberg sollen die zur Herstellung neuer Fenster aus Schmiedeisen und des äußeren Verputzes erforderliche Schlosserarbeit, veranschlagt zu 1120 M. Glaserarbeit 8 Weißbinderarbeit 1000 bis zum Montag den 5 Februar d. J., Vormittags

11½ Uhr, oͤffentlich im Submissionswege vergeben werden. Die Angebote sind in Prozenten auf den ganzen Betrag des Voranschlags bis zu obigem Termin verslegelt und als Submisston für Herstellung der Burgkirche de⸗ zeichnet portofrei bei unterzeichneter Stelle einzureichen, woselbst Voranschlag und Bedingungen offen liegen. Friedberg am 16. Januar 1877. g Großherzogliches Kreisbauamt Friedberg. Reuß