Ausgabe 
22.2.1877
 
Einzelbild herunterladen

15 1 1. 0 1 1 1

8

3

2

11 1 1

1

überzugehen. Fürst Lichtenstein beantragte gleich- falls Uebergang zur Tagesordnung unter der Mo⸗ tivirung, daß die Regierung demnächst einen Gesetzentwurf zur Regelung der Ehe-Gesetzgebung einbringen werde. Hierauf erklärte sich Sections⸗ Chef Konrad Schmidt dafür, daß die den anderen Confessionen gewährten Freiheiten auch auf die Katholiken angewendet würden. Schließlich sprach noch v. Arneth für den Gesetzentwurf, während Prosessor Neumann sein Wort für die obligatorische Civilehe und gründliche Reviston der Ehe-Gesetz⸗ gebung einlegte.

Holland. Haag, 19. Febr. Die zweite Kammer bat die mit Preußen abgeschlossene Con- vention, betreffend die Verbindung der nieder- ländischen mit den preußischen Canälen, genehmigt.

Italien. Rom, 19. Febr. In der Sitzung der Deputirtenkammer fahrte der Ministerpräsident Depretis in Beantwortung einer Interpellation Guvini's den Nachweis der Unmöglichkeit der Aufhebung der Mabl-Steuer; im Weiteren führte der Minister aus, daß die Finanzlage sich gebessert babe, und sagte die demnächstige Vorlegung von Gesetzentwürfen zu, betreffend die Abänderung der Vermögenssteuer, den Zwangscours und die Mahl- steuer; das Ministerium werde alle seine Ver⸗ sprechungen verwirklichen innerhalb der öconomischen und finanziellen Grenzen, sowie mit Rücksicht auf die Lage des Staatsschatzes.

Türkei. Constantinopel, 19. Febr. Die Lage ist hier äußerst bedrohlich. Edhem's Entlassung steht bevor. Die Softas verlangen die Zurückberufung Midhat's. Der Sultan zeigt angeblich Symptome eines Gehirn-Leidens. Ueber den Zustand des Sultans sind auch demTemps beunruhigende Mittheilungen zugegangen; danach sei zu besorgen, daß eine Lähmung des Gehirns ein trete. Midhat Pascha ist am 16. Febr. in Neapel angelangt. Eine Botschaft des Sultans ist daselbst eingetroffen. Midhat's Rückberufung steht bevor Es ist indeß zweifelhaft, ob Midhat das Groß vezirat übernehmen oder Minister ohne Portefeuille werden wird.

19. Febr. Die serbischen Friedens-Unter- händler haben heute dem Großvezir und dem Minister des Auswärtigen ihre Aufwartung ge macht. Am Freitag werden die montenegrinischen Abgesandten erwartet. Bei der versöhnlichen Haltung der Pforte hofft man auf das Zustande kommen des Friedens Schlusses.

Rumänien. Bukarest, 20. Febr. Die Deputirtenkammer hat das Budget des Ministeriums des Innern bewilligt und das Budget des Jastiz ministeriums in Betracht gezogen. Nachdem Seitens der Commission für die gerichtliche Verfolgung mehrerer ehemaliger Minister mitgetheilt war, daß die Vorarbeiten zur Anklage beendigt seien, ge nehmigte die Kammer die Ausgabe von 5000 Fr., um den Anklagebericht in Druck zu legen.

Amerika. Wasbington, 18. Febr. Eine gestern statigehabte Versammlung von Senatoren und Abgeordneten der demoktatischen Partei ver warf zunächst die ihr vorgelegten Anträge, welche gegen die Beschlüsse der Fünfzehner Commission gerichtet waren, und dieselben für ungültig zu erklären vorschlagen, und beschloß sodann mit 69 gegen 40 Stimmen, die Zählung der Stimmen für die Präsidentenwahl fortzusetzen und die Be schlüsse der Commission gemäß den Vorscheiften des Wahl⸗Gesetzes anzunehmen und auszuführen. Gleichzeitig jedoch erließ die Versammlung einen Protest gegen die Gesetzwidrigkeiten, welche die Majorität der Fünfzebner Commission bei Be urtheilung der Wahlen von Florida und Louistana sich habe zu Schulden kommen lassen.

18. Febr. In Folge eines Erlasses des Finanz- Ministeriums ist die Einfuhr von Rindvieh und Rinder Häuten aus Deutschland bis auf Weiteres verboten.

19. Febr. In der gemeinschafilichen Sitzung beider Häuser wurde die Entscheidung der Wahl: Commission verlesen, wonach das Votum Louistana's als für Hapes abgegeben erklärt wird; während der Senat in gesonderter Abstimmung diesem Urthel zustimmte, beschloß das Repräsentantenhaus Vertagung bis Dienstag, um den demokratischen

wendungen gegen die Abstimmungen in Oregon zu lassen.

Abgeordneten Zeit zur Formulirung ihrer Ein⸗

Aus Stadt und Land.

Darmstadt, 17. Febr. Gestern Abend um 9 Uhr zog das erste diesjährige Gewifter hier vorüber; dasselbe bat nach der Aussage zur Stadt kommender Landleute in der Gegend von Balkhausen mit der vollen Macht eines Sommergewitters gewütet.

Mainz, 17. Febr. Der Rhein fällt in Kehl und Max iu. In Mannheim ist derselbe von gestern auf heute noch um 8 Zoll gestiegen. Der Main in Würzburg fällt rasch.

Mainz, 20. Febr. In Folge des Hochwassers sind eine Anzahl Pioniere nach Oppenbeim abgegangen, um den Damm, welcher im vorigen Frübjahr durchgebrochen wurde, zu verstärken. Seit heute wird überall Fallen des Wassers gemeldet.

Allerlei.

Hersfeld. Seit einigen Tagen sind hier sieben Ger hülfen eines Schlossers, der vor circa 3 Wochen 2 Schweine geschlachtet hal, an der Trichinose erkraukl. Auch von Fulda wird gemeldet, daß dem Vernehmen nach die älieste Tochter eines Seilermeisters Schum an Trichinen erktankt ist und haben zwei Aerzte bei der mikroskopischen Unter suchung eines Stückchens Schinkens von dem von Schum geschlachteten Schwein Trichinen vorgefunden.

Köln, 17. Febr. In dem Vororte Ebrenseld wurde gestern eine Falschmünzet-Bande in ihrem verbrechetischen Treiben von der Polizei überrascht. Es gelang, zwei Personen festzunehmen und die Steine, wie auch jwer Packete mit Hundert⸗Maikscheinen mu Beschlag zu belegen. Diese Münz⸗Verbrecher beabsichtigten in großantigem Maß stabe dies saubere Geschäft zu betreiben. Die Scheine zu einem Betrage von mehreren Hunderuausend Mark waren schon sast fertig gestellt. Personen, welche diese Scheine und die Steine gesehen, bewundern die saubere und ge schickte Arbeit. Auf die übrigen Miglieder der Bande wird gefahndet.

Stralsund. Aus Sagard(Insel Rügen) wird der Sitals. Zig. unter dem 12. d. M. berichtet:Gestern Abend wurde bier ein merkwürdiges Naturcteigniß wahr genommen. Nachdem der Wind sich jüdwestlich gedreyn und nach befugem Schneesturm um 10 Uvor starker Regen eintrat, snieg das Quecksilber im Tbermomeler auf 3 Gras Wärme, wobei das Barometer eiwas berunterging. Ganz plötzlich um 10½ Uhr war es auf unserer Halbinsel hellet, lichter Tag; eine großartige, feuerfarbene Beleuchtung ließ uns über die ganze Halbinsel Alles deutlich, wie am bellen Tage, erkennen. Dieser Schein konne wobl einige Secun den dauern; nach dem Aufblitzen stellte sich in der Luft ein eigentdümliches Geräusch ein, ähnlich dem Lärm, der in der Regel das Rutschen der Stüble verursacht, wenn sich in einem großen Raume viele Personen von einer Tafel erbeben. Dies Geknatter dauerte wohl ein paar Minuten und ist hier vielseilig bemerkt worden.

San Sebastran. Die Pulverkammer der hiesigen Citadelle, in weicher sich 50000 Panonen und ein de deulendes Quantum Pulver befand, flog Samstag den 17. Februar in die Luft. Neun Ar ulleristen wusden ig lödiet

Handel und Verkehr

Friedberg, 21. Febr. Walzen M. 24.50. Koln N. 20.. Gerne M. 18.20. Hafer M. 1519. Kar⸗ soffeln M.. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo = 200 Zollpfund.

cankfunt, 19. Febr(Viehmarkt.) Der beutige Markt war gut befahren. Angetrieben waren: 360 Ochsen, 210 Kühe und Rinder, 240 Kälver und 400 Hämmel. Ole Preeise stellten sich: Ochsen 1. Qual. N. 63-65. 2. Qual. M. 5860. Küve und Rinder 1. Qual. N. 60., 2. Qual. M. 5052. Karber 1. Qual. N. 50., 2. Qual. M. 4044. Hämme! 1. Qual. N. 4850., 2. Qual. M 40.. Ochseufleisch per Pfund 70 Pf., Rinoflaisch 50 60 Pf., Kalbfleisch 5065 f. dammelfleuch 5065 Pf., Schweinefleuch 70-80 Pf.

Fraukfu de, 19. Febr. Fruchtbericht. Ureyl der. N. 41., Nr. 2 M. 37., Ni. 3 M. 33., Nr. 4 M. 29., er. 5 M. 23. Roggenmehl% O(Berliuer Marke) M. N o. II.(Lernen Marke) M. 22., Weizen ab Babnyof bier M. 25.25., ab unserer Ungegend M. 24 7525.. ftemder je nach Qualiiäl M. 2124. Korn M. 17.75 bis 19.25, Gerne M. 1921., Hafen M. 15.5018. Erbsen M. 2124., Wicken M. 19., Ansen N. 2130. züböl M. 82. Die Preise verstehen sich sämmtlich pei 200 Pune Zoll gewicht 100 Kilo.

Nach einer oom 12. d. M. datirten Verfügung des Kasserlichen Generalpouamtes müssen in Folge eines von der eänischen Regierung zum Schutz gegen die Rinder pest erlassenen Einsubeverboles bis auf Weiteres sämmiliche nach Dänemark bestimmie Packetsendungen von Inhalts⸗ ingaben begleitei sei. Die Postanstallen baben die Ab sender von Packeisendungen nach Dänemark einnetenden Falles auf eas obige Erforderniß aufmerksam zu machen.

Verloosung.

Darmsta dt, 19. Febr. Bei der am 15. d. Mts. begonnenen Verloosung der Gkoßh. Hess. 25. fl.-Loose wurden bis jetzt folgende Nummern mit nachnehenden Gewinnen gezogen: Ni. 4107 30,000 fl. 90,971 6000 fl.

30 934 2000 fl., 90,529 1000 fl. 11424 und 71,980 400 fl.,

8 71 D. Frankfurt a. M., 20. Februar. Die Spekulation befleißigte sich beute in Folge des Mangels jeglicher An⸗ regung von Außen großer geschäftlicher Zurückhaltung und documentirte daher die Tendenz einen äußerst farblosen Charakter. Die Course der internationalen Speculations⸗ werthe blieben auf einem gegen gestern um Bruchtbeile niedrigerem Niveau zlemlich siabil, gegen Schluß zogen dieselben auf höheres Paris wieder eiwas an. Credit⸗ actien bewegten sich zwischen 1228/122½ und 123. Staatsbahnactien zwischen 197¾ô197⅝ und 197½¼. Lombarden nahe 64. Von aus ländischen Fonds zeigten sich österr. Renten ziemlich behauptet. Ungar. Schatzbons I. Em. gaben eine Kleinigkeit nach, II. Em. stellten sich etwas höher. Oesterr. Prioritäten blieben im Ganzen preishaltend, 30 Lombardische nachgebend. Loose fest, 1864er besser. Oesterr. Bahnen weisen nur unerhebliche Coursveränderungen auf, Elisabetb niedriger. Banken still, Brüsseler und Württemberg. Vereinsbank je ½0%, Frankfurter Wechslerbank 3¼/% höher, Oesterr. National- bank büßten fl. 5. ein. Wechsel tbeurer, Wien 30 Pf.

Landwirthschaftliches und Gewerbliches.

Oelfarben⸗Anstrich der Fußböden. Zur Her siellung eines solchen bediene man sich ausschließlich der Erdfarben. Allen Farben, denen Bleiweiß zugesetzt wurde, sind zu weich und treien sich leicht ab. Bei einem mit Oelfarben angestrichenen Fußboden, der sich unverhäliniß⸗ mäßig rasch abtritt, kann man sicher sein, daß die Farde mit Bleiweiß versetzt wurde. Es geschiehr dieses in der Regel, weil solche Farben besser decken und sich bequemer streichen lassen. Selbst die Anwendung des mit Bleiglätte gekochten Firnisses ist zu verwerfen und ein Firniß vorzu- ziehen, der mit borsauerem Manganopydul gekocht ist. Man gibt in der Regel zwei Anstriche. Hierbei hat man vor Allem Sorge zu tragen, daß man den zweiten An⸗ strich nicht eher aufträgt, als bis der erste völlig trocken. Soll der mit Oelfarbe angestrichene Fußboden noch einen besonderen Glanz und die obere Decke eine größere Festig⸗ keit erhalten, so überstreicht man ihn wohl auch noch mit einem sogenannten Fußbodenlack. Einen sehr guten Lack dieset Art bereitet man sich auf solgende Art: Man löse 30 Gramm Schellack in 125 Gramm Spiritus von 80 Procent auf, füge der Lösung 4 Gramm Kampfer zu und fistetire dieselbe durch ein leinenes Tuch von dem Bodensatze ab. Mit diesem Lack bestreicht man den Fuß boden. Die obere Decke wird durch den Schellack fester. Tritt sich dieselbe ab, so hat man nur von Zeit zu Zeit den Lacküberzug zu erneuern, um einen steis glänzenden und leicht abwaschbaren Fußboden zu besitzen.

Korkumhüllung der Dampfleitungen. Die Firma J. Prochaskz in Wien(VI. Favoritenstraße 16) bringt seit einiger Zeit ein neues Umbüllungsmittel in Verkehr, das für viele Fälle vor allen bis jetzt bekannten, den Vorzug verdienen dürfte. Es sind dies 10-20 Mm. flarke Streisen aus Kolk, welche segmentsörmig nach dem beiläufigen Durchmesser der zu umhüllenden Rohte ge schnüten werden und dann, faßdaubenartig neben einander über das Rohr gelegt, mit Binddraht festgebalten werden können. Die geringe Wärmeleitungssähigkeit von Kork ist bekannt, und der verhälinißmäßig billige Preis ermög licht eine allgemeine Anwendung, die Umbüllung wird sehr rasch und einfach hergestellt, nachdem sich der Kork auch an gebogene Stellen leicht anschmiegt und läßt sich jeder Zeit bei Leckungen oder dergleichen leicht entfernen, ohne Schaden zu leiden. Nach französischen Berichten haben die Marine Ingenieure Versuche mit Kork als Nichileiter angestellt und darüber einen befürwortenden Bericht an die Admiralitäf gerichtet, welche nun den Auf⸗ trag gegeben hat, die fünf militärischen Häfen Frankreichs nach ihren Anforderungen mit diesem Material zu versehen. Electromagnet aus Eisenfeile. Jamin hat neulich der französischen Akademie eine Mittheilung darüber gemacht, daß Freilspäne von weichem Eisen, welche in einer Kupferröhre zusammengepreßt werden, magnetisch gemacht werden können und eine Anziehungekraft besitzen, welche der eines Stahlstabes von denselben Abmessungen mindestens gleichkommt. Man hat es bier also mit einem Metall zu thun, welches als Ganzes keine Correktivkraft desitzt in kleine Theilchen zertheilt und bei Annäherung duser getrennten Theilchen an einander durch den Druck eine ebenso große Corrcktivkraft erlangt, wie der Stahl. Jamin wirft die Frage auf, ob man die beobachtete Polarität nicht gerade der Zertheilung der Trennung der Theilchen zuschreiben müsse, und ob es nicht auch beim Stahl mögtich ist, die Correktivkraft aus der nämlichen Uisache zu erkläreu. In ähnlicher Weise hatte de Haldat im Jahre 1836 Eisenfeile in einem Messingrohre magnetisch ge macht.

Was wir athmen. Man hält gewöhnsich das Herz für den Mittelpunkt des ganzen Organismus, für den Ausgangspunkt aller Bewegung, für den Mittelpunkt des Denkens und Trachtens dos ist ein Irrihum: nicht das Herz, sondern die Lunge ist die Ulquelle des Lebens und des Lebenssaftes und das Herz ist nur ein eingeschalteties Triebwerk, um diesen Lebens saft durch alle Theile des Körpers zu treiben. Die Kohlensäure, ein sehr bekanntes, durch Verbrennen der Kohle enistehendes, das Brennen nicht unterhallendes und deßhalb auch alle athmenden Wesen erstickendes Gas, diefixe Lust ist somit ein Hauplergebniß bes Aihmungs⸗ prozesses, sie ist zugleich das erste aller Lungengiste, und

wir selbst sind die Haupifabrikanten desselben;z aber wir

abnen dies Verhältniß nicht einmal, weil wir eben die Alhmungsexcremenie unserer Lungen nicht sehen, nicht

81,510 und 93,618 200 fl., 71,779 und 92,015 100 fl.

hören, nicht riechen, ja weil wir dieses Gisi sogar genießen;