Ausgabe 
22.2.1877
 
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6) Praklische Uebungen 1 f

1877. N 22.

Oberhessischer Anzeiger.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. 97 8

Donnerstag den 22. Februar.

Die Petitzeile wird mit 11 Pfennig berechnet.

Amtlicher Theil.

Betreffend: Die Abbaltung eines Obsibaumwärter Cursus an der Ackerbauschule zu Friedberg. Friedberg am 18. Februar 1877. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien.

Unter Bezugnahme auf nachstehende Bekanntmachung des Cura- in dieser Angelegenheit nichts versäumen um zahlreiche Anmeldungen toriums der Ackerbauschule dahier, empfehlen wir Ihnen, Leute Ihrer zu bewirken. Gemeinden, welche sich zur Ausbildung als Obstbaumwärter eignen, Würde sich einer oder der andere mittellose junge Mann zum Eintritt in den am 12. k. Mis. beginnenden Unterrichtscursus entschließen, an dem Cursus sich zu betheiligen, um nach der Hand zu veranlassen und uns über den Erfolg Ihrer Bemühungen bis zum sich in seiner Gemeinde als Obstbaumwärter zu beschäftigen, so wird 5. k. Mis. zu berichten. Da in den Gemarkungen unseres Kreises gewiß der Gemeinderath in wohlverstandenem Interesse der Gemeinde der Obstbau sich so sehr rentabel zeigt, seine Forderung daher volks- sich zur Bewilligung einer entsprechenden Unterstützung aus der Ge wirthschaftlich durchaus nothwendig erscheint, hierin aber nicht viel meindekasse bereit finden lassen. Auch machen wir darauf aufmerksam, geschehen kann, wenn sachkundige Huͤlfe bei dem Pflanzen und dei daß wenn Gemeinden Obstbaumanlagen besitzen, es sehr passend er⸗ der pflege der Bäume mangelt, wie dies in vielen Gemeinden der scheint, den Feldschützen deren Pflege zu übertragen und diese zu dem Fall, so glauben wir mit Bestimmtheit annehmen zu dürfen, daß Sie Behufe als Obstbaumwärter ausbilden zu lassen. Dr. Braden.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Fuͤr den Monat Maͤrz kann auf denOberhessischen Anzeiger bei der Verlags-Expedition mit 34 Pf., bei den Poststellen mit 50 Pf. abonnirt werden.

Bekanntmachung,

den Obstbaumwärtercursus an der Ackerbauschule des landwirthschaftlichen Provinzialvereins Oberhessen zu Friedberg für 1877 betreffend.

Zur Ausbildung tüchtiger Obstbaumwärter

wieder ein Obstbaumwärter-Cursus dahier abgehalten werden.

Es umfaßt der Cursus die Zeit vom 12. März bis 21. April laufenden Jahres unter achttägiger Aussetzung des Unterrichts während der Osterfeiertage, sowie in diesem Herbste vom 13. August bis 1. September.

Der Unterricht wird von tüchtigen Lehrkräften ertheilt und umfaßt:

1) Geschäfts⸗Rechnen und kleinere Geschäftsaufsätze 2) Bodenkunde und Dünger lehre 3) Bau und Ernährung der Pflanzen

4) Oostbaulehre en eee

Der Unterricht wird durch mittel und Instrumente unterstützt. einem bestimmten Plane in dem zu diesem Zwecke Garten der Ackerbauschule vorgenommen, wie

eine reiche Sammlung Die praktischen Uebungen werden nach

Wöchentlich findet anlagen statt.

wird im laufenden Jahr

haben die Schüler selbst

Zahlung. wöchentlich 4 Stunden.

Der Unterricht wird unentgeltlich ertheilt.

eine Excursion nach benachbarten größeren Baum-

Für Kost und Logis

zu sorgen. Wollen Schüler in freien Stunden

in dem pomologischen Garten thätig sein, so erhalten sie hierfür entsprechende Anmeldungen sind möglichst bald und längstens bis zum 7. März laufenden Johres an das unterzeichnete Curatorium oder an den Vorstand des Obstbaumwärter-Cursus, Reallehrer Würth dahier, ein- Etwaige Anmeldungen bei den landwirthschaftlichen Bezirks- vertinen oder den Großherzoglichen Bürgermeistereien bitten wir uns ge

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57 2/ zureichen.

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1 8 fälligst übermitteln zu wollen. 71 19 1 1

3 f d der besten Lehr- ing

Dr. Braden,

Kreisrath.

1 angelegten pomologischen auch außerdem mehrere

größere Obstbaumschulen dahier zur Benutzung kommen.

18. Februar 1877.

Das Curatorium der Ackerbauschule zu Friedberg.

Klietsch, Kreis-Assessor.

Schmidt, Kreis ⸗Schulinspector.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Febr. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde der Gesctzentwurf wegen Verwendung von disponiblen Beständen für außerordentliche Bedürfnisse der Bau-Verwaltung pro 1877/78 und wegen Aufnahme einer Anleihe zur Deckung der Ausgaben für Bau-Ausführungen auf den Staats- Bahnen nach längerer Debatte unter Befürwortung des Handels-Ministers an die Budget- Commission verwiesen, und sodann die Vorlage betreffs Revision der Reglements der offentlichen Feuer- Socictäten in dritter Lesung genehmigt. Demnächst lehnte das Haus den Ge setzentwurf bezüglich Erweiterung der Verwendungs- Zwecke der Provinzial Dodations Fonds ab, beschloß dagegen die Aufforderung an die Regierung, den genannten Gesttzentwurf zur Begutachtung an die Provinzial-Land tage zu überweisen. Im wei⸗ teren Verlaufe der Sitzung wurde die Berathung des Etats des Cultus- Ministeriums sortgesetzt. Einen Antrag auf Erhöhung der Bureau? und Reisckosten für die Superintendenten verwies das Haus an die Budget- Commisston. Hierauf wurde bas Capitel betreffs der katholischen Consistorien nach langer Debatte unverändert genehmigt. 20. Febr. Zweite Berathung über den Gesetz entwurf betreffs der Tbetlung der Provinz Preußen. Nachdem Reuter und Mohrmann gegen und Graf Bethusy Huc und Hirsch für den Gesetzentwurf gesprochen, rechtfertigt der Minister Graf Eulen⸗

burg die Vorlage unter Hinweis auf den dringen den Wunsch der Bevölkerung West-Preußens, von Ost- Preußen getrennt zu werden. Hierauf wird die Debatte geschlossen und principiell§. 1 ange- nommen. Die folgenden Paragraphen der Gesetzes⸗ Vorlage werden ebenfalls genehmigt, der auf die Vermögens- Auseinandersetzung bezügliche§. 4 mit den von Seydel und Miquel gestellten, die even- tuelle gesetzliche Regelung betreffenden Amendements. Hierauf wird in fortgesetzter längerer, meist von Mitgliedern des Centrums geführter Debatte der Cultus-Etat bis einschließlich des Capitels, die katholischen Geistlichen betreffend, genehmigt.

Ein kaiserlicher Erlaß vom 18. v. M.

gibt über die Organisation und den Lehrplan des Cadetten-Corps neue Anordnungen. Danach soll der Lehrplan mit der Realschule erster Ordnung sin Uebereinstimmung gebracht werden. Abweich- ungen dürsen nur so weit ersolgen, als sie durch die besonderen Aufgaben des Instituts und die Interessen der Armee für einzelne Lehrfächer er forderlich werden. e 20. Febr. Auch in der gestrigen Sitzung des Bundesrathes ist der Gesetzentwurf wegen Ver legung des Sitzes des Reichsgerichtes nach Berlin noch nicht zum Abschluß gelangt; dit endgültige Entscheidung ist noch vorbehalten.

Köln. Dem Vernehmen derKölnischen Zeitung nach hat der ebemalige Erzbischof Melchers aus dem Exil, welches er, wie bekannt, freiwillig

im niederländischen Limburg, nabe der Grenze, wählte, an diejenigen Pfarrer, welche bis jetzt den Denunciationen der ultramontanen Blätter muthig die Stirn geboten haben, Verfügungen gerichtet, wodurch ditselben aufgefordert werden, entweder der Staatsbebörde den Verzicht auf den ferneren Bezug der Staatsleistungen anzuzeigen, oder vor Ablauf von sechs Wochen durch öffent⸗ liche Erklärung in derKölnischen Volkszeitung ihm(Melchers) und dem katholischen Volke die Gewißheit zu geben, daß sie den Mai-Gesetzen ihre Anerkennung versagen.

Frankfurt. Am 27. d. M. werden dahier Regierungs-Commissarien der Main-Ufer⸗Staaten Bayern, Baden und Großherzogthum Hessen zu einer Conferenz zusammentreten zur Prüfung, bezw. Genehmigung der von der preußischen Regierung in Vorschlag gebrachten Main-Correetton zwischen Frankfurt und Mainz.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 19. Febr. Im Herrenhause befürwortete bei der Berathung des Gesetzentwurss wegen Abänderung des Ebe Rechtes Bürgermeister Felder die Aufhebung der religibsen Hindernisse der Ehe- Schließung. Da- gegen erklärte sich Fürst-Bischof Kutschker gegen Misch⸗Ehen und gegen die Zulässigkeit der Ebe Schließung ehemaliger Priester, und beantragte demnach, über den Gesetzentwurf zur Tagesordnung