gericht schloß sich den Anschauungen an und ver⸗ nichtete das erstinstanzliche Urtheil, wogegen nun Seitens des General-Procurators am Obergericht Cassation angezeigt wurde. In gestriger Sitzung des Cassationshofes kam der Fall in höchster Instanz zur Verhandlung und war wieder der Anwalt des Bischofs erschienen. Nachdem der Generalprocurator Verwerfung des Cassations⸗ gesuchs beantragt hatte, wurde die Urtheilspubli- cation auf nächsten Montag vertagt.
Berlin. Es sind nunmehr die Ergebnisse von 380 Reichstags-Wablen bekannt. Endgültig sind gewählt; 29 Conservative, 105 National Liberale, 28 Mitglieder der deutschen Reichspartei,
11 Polen, 19 Mitglieder der Fortschrittspartei,
95 Klerikale, 10 Socialdemokraten, 6 elsässer Autonomisten, 3 der elsässer Protest Partei Ange- hörende, 8 keiner Fraction Angehörende, unter Letzteren 4 Partikularisten. Bei den 66 engeren Wahlen, welche erforderlich sind, kommen in Betracht: 48 National-Liberale, 24 Socialdemo- kraten, 15 Conservative, 14 Mitglieder der Fort- schrittspartei, 14 Klerikale, deutschen Reichspartei und 8 Partikularisten bezw. Polen.
— 15. Jan. Abgeordnetenhaus. 405 Abge- ordnete sind angemeldet und 382 Mandate von den Abtheilungen geprüft und gültig erklärt wor-
sam entfernt werden müßte. Um 5/8 Uhr führte Chudonoff den Renitenten zum Hotel Wagen. Tschernajeff suchte den Polizei Beamten zurückzu- drängen, dieser ließ sich jedoch nicht abhalten, stieg mit ihm ein, und der Wagen fuhr zum Staats bahn- hofe. Dort waren inzwischen sämmtliche Zugangs- Straßen von einem Bataillon und durch die Sicherheits-Wache von den Menschen-Massen ge⸗ säubert und abgesperrt worden. Auf dem Bahn— hoe trat Tschernajeff in die Restauration, sodann wurde er in einen Waggon erster Classe geführt, Neben ihm stieg Polizei-Commissär Hlawatschek ein, welcher den Zug bis Bodenbach begleitete. Der Polizei-Director, der Platz- Oberst und zaolreiche Polizei-Beamte waren auf dem Bahnhofe an— wesend. Kurz vor der Abfahrt des Zuges wurde der Wenzels-Platz durch Dragoner vollends ge— säubert. Nachmittags wurden Deputationen des
Comites dieses Vereins, ebenso Rieger, Gregr, die Tschernajeff besuchen wollten, von der Polizei zurückgewiesen. Das tschechische Theater,
9 Mitglieder der Tschernajeff vergebens erwartet wurde, war über—
füllt. Nach dem ersten Acte erfolgten Ura- und
Zivio-Rufe auf Tschernajeff. Ein Polizeibeamter betrat die Bühne und forderte die Tumultuanten auf, ihre Demonstration einzustellen, widrigenfalls die Vorstellung geschlossen würde. Hierauf trat
den. Man schreitet zur Präsidenten- Wahl, nach Ruhe ein und die Vorstellung wurde fortgesetzt.
welcher Bennigsen mit 351 von 384 Stimmen
zum Präsidenten gewählt wurde. Zum ersten Vice⸗Präsidenten wurde Klotz(Fortschritt) mit 211 von 383 Stimmen, wobei 84 auf Reichensperger und 66 auf Graf Bethusy⸗Huc fielen, gewählt; zweiter Vice-Präsident wurde Graf Bethusy Hue mit 223 von 334 Stimmrn. Zu Schriftfübrern wurden gewählt: Delius, Sachse, Beisert, Goltz, Hancke, Grütering, Graf Schmiesing⸗Kerssenbrock und Lutteroth.
Großbritannien. London. Eine De—
pesche der„Times“ aus Calcutta dementirt das Gerücht, daß die Beziehungen zwischen England und Afgbanistan getrübt seten.
Spanien. Madrid. Das Gerücht von bewaffneten Banden im Norden Spaniens ist 2— 5 falsch, es ist kein Anzeichen von Gährung in den nördlichen Provinzen.
Italien Rom. Die„Italie“ meldet: Der Papst unterbreitete den Cardinals-Congrega—
tschechischen Akademischen Lesevereins, des Ball-
wo
ist wahrscheinlicher. Der große Rath, aus 180 Mitgliedern und allen Würdenträgern bestehend, wird einberufen werden und die definitive Ant- wort bestimmen. Falls die Pforte, wie wahr- scheinlich, ablehnt, werden die Delegirten und die Bolschafter sosort abreisen.
Rumänien. Bukarest. Die„Pol. Corr.“ veröffentlicht den authentischen Wortlaut der zwischen der rumänischen und der türkischen Regierung be— treffs der Auslegung der türkischen Verfassung gewechselten Depeschen. I. Die Depesche des ru— mänischen Ministers der auswärtigen Angelegen⸗ heiten Jonesco an den Fürsten Ghika vom 3. Jan., in welcher die rumänische Regierung unter der Berufung auf die Capitulationen und Verträge, die Bestimmungen der ottomanischen Charte in Allem, was Rumänien betrifft, sür null und nichtig erklärt und in sormellster Weise gegen die Ver— letzung der durch Verträge garantirten Rechte Rumäniens protestirt. II. Die Depesche Savpfet Pascha's an Ghika vom 7. Jan,, welche bekräftigt, daß die Stellung der vereinigten Fürstenthümer durch die Verfassung nicht alterirt werde. III. Die Depesche Jonesco's an Ghika vom 10. Januar, welche sagt, daß nur eine formelle Erklärung der Pforte Rumänien befriedigen könne, welche zu— gleich erklärt, daß Rumänien nicht mit zu den von der Charte besprochenen Provinzen inbegriffen sei und daß die Rumänien an die Türkei knüpfen⸗ den Bande lediglich von alten, durch neuere Ver— träge besiegelten Capitulationen herrühren. Rußland. Petersburg. In dem Be— finden des Großfürsten Nikolaus ist ein Rückfall eingetreten. Der italienische Militärbevollmächtigte in Kischeneff ist gestorben. Der Flecken-Typhus ist daselbst ausgebrochen.
3 10. Jan. Alle in den fremden Gewässern sich befindenden Kriegsschiffe haben Befehl erhalten, sich in den italienischen Gewässern zu sammeln.
Würzburg. Gegen den Lieutenant Fuß in tionen zehn ihm von den Bischösen Deutschlands Die in Amerika angekausten Monikore werden Würzburg, dessen Strenge den Einjährig Frei- eingesandte Fragen bezüglich des Verhaltens des auch mit Genehmigung der italienischen Regierung
willigen Lutzenberger zum Selbstmord veranlaßt Clerus Angesichts der Haltung der deutschen Re- an den italienischen Küsten überwintern. gierung, welche strenge Beobachtung der kirchen
haben soll, ist Untersuchung wegen Mißbrauchs der Dienstgewalt eingeleitet worden.
feindlichen Gesetze heische. Die den Cardinälen
Am 7. d. hat die 19. Division der russischen Süd- Armee unter General-Lieutenant Soojew und die
Stuttgart, 15. Jan. Der König erschien vorgelegten Fragen nehmen ferner Bezug auf die 20 unter General-Lieutenant Geiman knapp an heute Vormittag in der Wohnung des comman- Auslegung einiger früher vom Papststuhl ertheilten der rumänischen Grenze ihre Stellung als Avant— direnden Generals des 13. Armee Corpe, von Instructionen. Die Entschließungen der Cardinäles garde der Armee bezogen.
Schwartzkoppen, um denselben zur Feier seines fünfzigjährigen Dienstjubiläums zu beglückwünschen. Heute Abend findet zu Ehren des Jubilars ein Festmahl der Officiere im Königsbau statt.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Prag, 13. Jan. In Folge Auftrages von Wien erschien heute um halb 1 Uhr Nachmittags eine polizeiliche Com- mission, bestehend aus dem Polizeirath Kreutzer, Ober ⸗Commissär Hutzelmann und Commissär Katzerovsky, in der Wohnung Tschernajeff's, der Tags zuvor in Prag angekommen war, und über gab einen französisch verfaßten Ausweisungsbefehl, dahin lautend, der General habe Prag und Böhmen zu verlassen und um 6 Uhr Abends abzureisen, Commissär Katzerovskg blieb zur Ueberwachung im Salon. Chudonoff telegraphirte vergebens an den russischen Botschafter in Wien, den Aus- weisungsbefehl rückgängig zu machen. Auf die Nachricht von der sammelte sich in den Abend- Stunden eine große Volks ⸗Masse auf dem Roßmarkt. Tschernajeff erschien trotz Abmahnung der Beamten wiederholt und demonstrativ am Fensler. Die tschechische Bevölkerung schrie sich mit„Ura!“ und„Ziviol“ die Kehlen heiser, stimmte abwechselnd Nationallieder an und schwenkte die Hüte unter infernalem Ge— johle. 5 Die Sicherheits-Männer suchten vergebens den Pöbel zurückzudrängen. Zahlreiche Verhaft- ungen wurden vorgenommen. Um halb 7 Uhr Abends mußte Militär requfrirt werden. Ein alaillon stellte sich mit der Front vor das Hotel. Das Publikum trat lärmend zurück. Polizei- Commissär Katzerovsky forderte Tschernajeff ver⸗ gebens auf, einzupacken. Dieser erklärte, sich lieber erschießen zu lassen, als Prag zu verlassen. Die Beamten holten Verhastungs- Befehle ein; darauf wurde Tschernajeff erklärt, daß er gewalt⸗
Ausweisung Tschernajeff's
werden wahrscheinlich veröffentlicht werden.
Türkei. Konstantinopel, 15. In der heutigen Conferenz⸗ Sitzung theilte Mar- quis Salisbury Namens seiner Collegen die letzten reducirten und, wie signalisirt, gemilderten Vor: schläge der Mächte mit, nach welchen die Vor- schläge über die Gendarmerie, Truppen-Canton- nirung und Delimitation Bulgariens aufgegeben und die Frage wegen der Abtretung Zwornik's san Serbien in suspenso belassen werden. Der Punkt bezüglich der Vergrößerung Montenegro's wurde in der von der Pforte angenommenen Weise redueirt, so daß mithin alle streitigen Punkte fallen gelassen worden sind mit Ausnahme von zweien, nämlich die Ernennung der Gouverneure und die Ueberwachungs-Commission. Aber auch diese zwei Punkte wurden gemildert und zwar sollen die Gouverneure nur für die ersten fünf Jahre Seitens der Mächte bestätigt werden und die europäische Commisston würde durch eine gemischte europäisch- türkische Commission ersetzt werden. Nach dieser Mittheilung erklärte Salisbury, wenn die Pforte diesen letzten Vorschlägen nicht zustimme, habe er Befehl, sich zurückzuziehen. Sir Henry Elliot erklärte gleichfalls, daß er beauftragt sei, sich zurückzuziehen und alle andern Bevollmächtigten gaben dann successive identische Erklärungen ab, einige, indem sie das Interesse der Pforte betonten, zuzustimmen. Hierauf erklärte Sapfet Pascha, er bedauere diesen Entschluß? er müsse an die Pforte wegen einer endgültigen Antwort berichten, halte es aber nicht für möglich, in zwei bereits abge- lehnten Pankten, betreffende die Commission und die Gouverneue, nachzugeben, welche die Unab- hängigkeit der Pforte berührten. Indeß die Pforte werde die Mittheilung prüfen und in der nächsten Sitzung definitiv antworten. Die Sitzung soll am Donnerstag oder wenn die Türken dann noch nicht bereit sind, am Samstag stat i finden. Letzteres
Jan.
Amerika. Washington, 16. Januar. Das Repräsentantenhaus hat eine Resolution an— genommen, wonach alle Versuche, die öffentliche Meinung bezüglich der Präsidenten- Wahl zu be— einflussen, bevor diese Frage auf verfassungsmäßigem Wege erledigt sei, für gefährlich und unpatriotisch erklärt werden.
Neworléeaus, 16. Jan. Der Befehlshaber der hiesigen Bundes-Truppen erhielt Befehl vom Präsident Grant, den republikanischen Gouverneur Packard anzuerkennen, falls sich die Anerkennung eines der beiden Gouverneure nicht vermeiden lasse. Packard forderte die Demokraten auf, das Justiz⸗ Gebäude zu räumen und auseinander zu gehen. Packard hat an den Commandeur der Bundestruppen das Ersuchen grrichtet, bei Wiedereinsetzung des höchsten Gerichtshofes Beistand zu leisten.
Indien. Calcutta. Das Indische Amt veröffentlicht eine an den General- Gouverneur abgesandte Depesche, betr. die Hungers-Noth in Ost-Indien. Die Hungers ⸗Noth betrifft in den Prästdenturen Madras und Bombay zusammen ungefäbr 134,000(englische) Quadrat- Meilen mit 26 Millionen Menschen, ausschließlich des nicht englischen autonomen Gebiets. Der Höhe— punkt der Noth wird für April erwartet und da⸗ nach die allmähliche Abnahme bis September, wo dieselbe voraussichtlich aufhören wird. Lord Cacnarvon heißt die von der dortigen Regierung eingeleiteten Maßregeln gut, namentlich die öffent- lichen Bauten, bei welchen augenblicklich über eine Million Menschen beschäftigt sind. Anscheinend ist staatlicher Ankauf von Getreide-Vorräthen unnöthig.
Aus Stadt und Land.
Kostheim, 15. Jan. Am Samstag Abend ließ sich ein Arbeiter von Kosheim von der Bahn den Kopf wegfahren. Motive sind unbekannt.
Gernsheim, 6. Jan. Gestern Nachmitiag wurde einer unserer Zörster im hiesigen Walde über und über
5
ieklamute Keller e die Gor bald if Reher Schwein bum net. linen 3 war am Gendarr ung det
Kt wagen,! kommen Vosthau
sehen v
K gestern böser
Ka flossene⸗ Morgei dem 8 Mule einige delann Der 1 wen if in w 889 fanden duch


