Ausgabe 
5.7.1877
 
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wachung des Balkan⸗Passes zusammengezogen wird. Der Sohn Schamyl's verläßt demnächst den Kaukasus, um als activer Offizier in die anatolische Armee einzutreten.

Im Balkan⸗Gebiete, besonders bei Sofia, Slivno, Schibko, Philippopel und Adrianopel, desgleichen in Constantinopel werden auf's Eiligste Befestigungen vorgenommen. Constantinopel soll auf der ganzen Strecke vom Marmara ⸗Meere bis zum Schwarzen Meere durch Befestigungen ge deckt werden.

Erzerum. Die russische Division, die im Gebiete Alaschkert operirt, beging auf ihrem ge zwungenen Rückzuge überall Grausamkeiten. Die von ihnen durchzogenen muselmänischen und christ⸗ lichen Dörfer wurden angezündet, die Einwohner geplündert. Diese Meldung wird auch ander weitig bestätigt.

Montenegro. Cettinie, 1. Juli. Der Stand der Dinge ist erheblich günstiger geworden. Die Türken haben das Ziel ihrer Operationen nicht erreicht. Die Vereinigung von Mehemed Ali mit Suleiman Pascha auf montenegrinischem Gebiete hat nicht stattgefunden. Augenblicklich steht kein einziger Türke auf montenegrinischem Boden.

Serbien. Belgrad, 3. Juli. Gestern wählte die Skupschtina Demeter Jovannovic (liberal) zu ihrem Präsidenten und Alexander Nikoljevie zum Virepräsidenten.

Rumänien. Bukarest. In der Nacht auf den 1. Juli ist bei Zetate der Uebergang der ersten rumänischen Truppen über die Donau be werkstelligt worden. Vorläufig sind 2000 Mann auf das bulgarische Ufer vorgeschoben worden. Bon Kämpfen biebei verlautet nichts, doch wird bei Florentin ein Gefecht erwartet. Bei Gruja wird eine Brücke gebaut für den Uebergang der rumänischen Haupt⸗Macht.

3. Juli. Das russisch- rumänische Schutz⸗ und Trutz Bündniß soll gestern unterzeichnet wor- den sein; ein Bündniß⸗Vertrag stünde auch zwischen Rumänien und Serbien bevor.

Griechenland. Athen, 2. Juli. Durch königliches Decret wird die Einlösung der Bank noten durch Metall auf elf Tage sistirt und erhalten die Banknoten Zwangs- Cours. Die Banknoten gewähren der Regierung ein zweiprocentiges Metall- Anlehen von 20 Mill. Frs.

Rußland. Petersburg. Officiell. Aus Simnitza wird vom 24. Juni gemeldet: Gestern ist das Haupt⸗ Quartier des Kaisers und des Großfürsten Nikolaus nach Simnitza verlegt worden. Heute Morgen besuchten der Kaiser und der Großfürst die Verwundeten in den Spitälern. Der Verlust der Russen ist noch nicht genau be⸗ kannt. Bis jetzt find 100 Todte und 360 Ver- wundete aufgezählt, darunter einige Offiziere. Am 28. Juni ging der Kaiser auf das rechte Donau ⸗Ufer über, unter begeisterten Hochrufen der Truppen, denen er seinen Dank aussprach. In Sistowa wurde der Kaiser durch die Geist lichkeit und die christlichen Bewohner enthusiastisch

begrüßt. Er wohnte dem Gottes dienste in der Cathedrale bei. Frauen bestreuten den Weg mit Blumen. Abends kehrten der Kaiser und der

Großfürst nach Simnitza zurück. Die Ueberfahrt der Truppen wird auf Pontons fortgesetzt. In Maischin ist bereits ein von den Einwohnern gewählter nationaler Municipalrath eingesetzt, sowie eine Polizei- und Gerichtsbehörde constituirt worden.

Officiell. Simnitza, 3. Juli. Die Brücke ist vollendet und wird der Uebergang ununter brochen fortgesetzt. Nach dem 27. Juni zogen sich die Türken auf Tirnowa zurück. Die bei Nikopolis befindlichen türkischen Monitors sind dermaßen beschädigt, daß sie seeuntüchtig geworden sind. Ein Theil von Rustschuk und der türkischen Stadtheile von Nikopolis brannten in Folge des Bombardements. Nach dreimaligen heftigen Zusammenstößen mit den Türken haben die Russen die alte Zarenstadt Tirnowa besetzt. Fürst Tscher⸗ laßki, Civilgouverneur von Bulgarien, hat eine russische Post⸗ und Telegraphen- Verwaltung ein⸗ gerichte. Sieben türkische Monitors sind bei

Aus Stadt und Land.

Darmstadt. Die auf Anregung des Polizeirath Haas aus Sachverständigen aus verschiedenen Berufs⸗ kreisen zusammengetretene Conferenz hat zur Frage über die Controle der Lebensmittelverfälschung in rechtlicher und technischer Hinsicht folgende Thesen aufgestellt: 1) Als Verfälschung eines Lebensmittels, im Sinne der strafgesetz⸗ lichen Beslimmungen, ist nicht allein jede Beimischung von gesundheitsschädlichen sondern auch von anderen fremd artigen, namentlich geringerwerthigen Substanzen zu be⸗ trachten. Es gilt dies für den Verkauf sowohl von Roh⸗ materialien als von Halb und Ganzfabrikaten, insoweit die Beimischung nicht als unbedingt erforderlich zur Be⸗ schaffung der Waare bezeichnet werden muß. 2) Im gleichen Sinne verfälscht ist ein Nahrungsmittel zu be⸗ trachten, dessen Gehalt an wertbvollen Bestandtheilen über die im Nachfolgenden festgesetzten Grenzen hinaus ver⸗ mindert worden ist. 3) Ein Lebensmittel, bei dessen Zu⸗ bereitung ursprünglich mit denselben vermischte gering⸗ werthige Stoffe nicht gehörig abgeschieden worden, ist als schlecht bereiten, dagegen nur dann als verfälscht anzuseben, wenn die Menge der letzteren die weiter unten festgesetzten Gtenzen überschreitet, und hauplsächlich guch dann, wenn Stoffe beigemengt wurden, welche dazu dienen, die genannten geringwerthigen Bestandtheile zurückzuhalten. 4) Geeignete Bekannigabe des Zusatzes fremdarliger, aber nicht gesundheitsschädlicher Sloffe Seitens der Verkäufer kann die Voraussetzung der Verfälschung beseitigen. 5) Das Feilhalten oder der Verkauf nachgeabmter Lebens mittel(3. B. Kaffee von gefärbtem Thon ꝛc.) unterliegt selbstverständlich der strafgesetzlichen Verfolgung nach Maß⸗ gabe der bestehenden gesetzlichen Besummungen. 6) Für die betreffenden Lebensmittel gelten folgende Normallv bestimmungen darüber, ob dieselben als durch fremde Zu⸗ sätze verfälscht, oder nur als schlecht bereitet oder als ver dorben zu betrachten sind.(Folgen die Grenzwerihe der betreffenden Lebensmittel hinsichtlich des Gehalts derselben an geringwerthigen Stoffen.)

Allerlei.

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Ems, 1. Juli. Bei der heute hier staltgefundenen und vom schönsten Wetter begünstigten Regatta hat Frank furt(Gecmania) mit acht Bootslängen gegen Rotter bam den Kaiser-Preis gewonnen. Der Stadt-Preis wurde ebenfalls Frankfurt(Germania) zu Theil. Den Damen Preis gewann Hamburg mit zehn Beots-Längen gegen Köln. Der erste Kur-Verwaltungs Preis wurde von Beul gegen Bonn gewonnen. Im Zwei-Ruder-Rennen wurde der zweite Kurverwaltungs-Preis von Rotterdam ge wonnen. Der Kaiser sprach mit dem Sieger und übergab ihm den Pokal. Die Zuschauer-Menge zählte mindestens 12,000 Personen.

München. Der Zustand des Bischofs von Mainz ist immer noch sehr bedenklich, um so mehr, als die Krank heit sich im Ganzen auf derselben Höhe erhält. Als einzig befriedigend wird das Aufhören der Affektion der Lungen bezeichnet. 5

Botzen, 2. Juli. In dem gegenwärlgg sich hier ab spielenden Proceß Tourville sprachen die Geschwornen den Angeklagten mii 11 SummenJa, gegen 1 Stimme Nein schuldig. Oer Gerichtshof verhängte Todesstrafe.

Thorn, 1. Juli. Nach einer Meldung von hier ist in der letzten Nacht ein Drittel der hiesigen hölzernen Weichsel-Brücke abgebrannt.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 3. Juli. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 1.30. Eier 1 Stück 5 Pf., 2 Stück 11 Pf.

Friedverg, 3. Juli. Waizen M. 26.50. Korn M. 22.. Gerste M. 18.50. Hafer M. 14.5019. Alle Preise versteben sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.

Gießen, 3. Juli. Wochenmarkt. Butter per Pfund M. 1.20 1.30. Eier per Stück 6 Pf. Käse per Stück 5 10 Pi. Tauben das Paar 60 Pf. Hühner per Stück 70 Pf. Hahnen per Stück 60 Pf. Alte Kartoffeln, 100 Kilo, M. 10, neue Kartoffeln, 100 Kilo, M. 35 38.

Frankfurt, 2. Juli. Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Angetrieben waren: 430 Ochsen, 160 Kühe und Rinder, 230 Kälber und 200 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 6870., 2. Qual.

1418 1448 1575 1742 2046 2109 2116 2207 2215 2829 2987 3079 3160 3293 3647 3785 4114 4723

Die Prämien⸗Ziehung findet am 1. August d. J. statt.

Braunschweigische 20 Thlr.⸗Loose von 1868. Bei der am 30. Juni statigehabten Prämienziebung fielen auf folgende Nummern böhere Gewinne: 48,000 M. auf Nr. 15 der Serie 9795; 15,000 M. auf Nr. 23 der Serie 1778; 7200 M. auf Nr. 43 der Serie 47423 3000 M. auf Nr. 28 der Serie 9247. Die Zahlung er⸗ folgt am 30. September.

Wien, 2. Juli. Bei der heutigen Ziehung ber österreichischen Loose von 1854 wurden die folgenden Serien gezogen: 37 585102 157 338 341 510 677 772 900 1154 1249 1268 1317 1544 1719 2003 2055 2149 2179 2184 2647 2865 2878 2973 2976 3148 3427 3679 3702 3874 3891 3911 3923.

Wien, 2. Juli. Bei der heutigen Ziehung der Credit⸗Anstalt 100 fl.⸗Loose von 1858 fiel der Haupttreffer von 200 000 fl. auf S. 3642 Nr. 80, 40,000 fl. auf S. 2779 Nr. 32, 20,000 fl. auf S. 1635 Nr. 16, e 5000 fl. auf S. 1644 Nr. 41 und auf S. 164 Nr. 17. Es wurden überhaupt folgende Serien gezogen: 164 238 1126 1244 1532 1635 1644 1891 2179 2779 3083 3223 3642 4119.

Wien, 2. Juli. Bei der heute vorgenommenen Ziehung der Wiener proc. Anlehens-Loose von 1871 wurden folgende Gewinne gezogen: S. 2265 Nr. 89 gewinnt 200,000 fl., S. 2123 Nr. 14 50,000 fl., S. 2123 Nr. 41 10,000 fl., S. 2123 Nr. 83 1000 fl. Die gezogenen Serien sind: 715 2116 2123 2121 2178 1358 1253 2340 2265 2616 1347 2778.

Soeial⸗Demagogie.

An der Spitze einer der jüngsten Nummern des Berliner Centralorgans der socialdemokratischen Partei ist zu lesen:Wir glauben Niemanden etwas Unerwartetes oder Neues zu sagen, wenn wir die Ansicht aussprechen, daß die Republik die- jenige Staatsform ist, in der allein sich der frei heitliche, der demokratische Gedanke voll und ganz durchführen läßt. Da unsere Gegner hundertmal erklärten, daß ste Compromisse verachten und den Kampf für volle Durchführung ihrer Grundsätze beschlossen haben, so ist eine andere Folgerung nscht zulässig, als daß die socialdemokratische Partei neben derBeseitigung der Privatwirthschaft, der Armuth und des Lasters für den Sturz der deutschen Monarchien zu Gunsten einer deutschen Republik einsteht. Es gibt eine ganze Menge un⸗ schuldiger Schwärmer, welche das MottoFreiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zum Leitstern ihres politischen Denkens erwählt haben. Realschüler und Gymnasiasten bilden den Hauptstamm dieser von Freiheitsidealen Berauschten. Während ihnen indessen die Männertugend des klassischen Alter thums vorschwebt, die unter republikanischer Staats- form am besten zur Entwickelung gelangen könne, schaaren sich die Herren Socialdemokraten um die in Blut getauchte Fahne, welche in den Schlachten vorangetragen wurde, die vergeblich, aber doch grausam und nichtswürdig zum Zweck des Um- sturzes der gesellschaftlichen Ordnung, der Berau bung der Wohlhabenden, der Beleidigung der Bildung und zu Gunsten der Pöbelherrschaft ge schlagen wurden. Eine Partei solcher Tendenz, welchen Namen verdient sie? Fast jede Nummer desVorwärts beschäftigt sich mitUnseren Brü⸗ dern in der Armee. Daß dies Blatt Aufhebung des stehenden Heeres und Einführung der Volks- wehr verlangt, rechnen wir ihm nicht zum Vor⸗ wurf an. Die Motive dieses Verlangens sind

M. 6065. Kühe und Rinder 1. Qual. M. 60., 2. Qual. M. 5658. Kälber 1. Qual. M. 5860. 2. Qual. M. 4550. Hämmel 1. Qual. M. 5254., 2. Qual. M. 50.. ö Frankfurt, 2. Juli. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 42. Nr. 2 M. 38., Nr. 3 M. 34., Nr. 4 M. 30., Nr. 5 M. 24. Noggenmehl%(Berliner Marke) M. 27., do. II(Berliner Marke) M. 22., Weizen ab Bahnhof hier M. 27.50., ab unserer Umgegend M. 27.., fremder je nach Qual. M. 22 26.75. Korn M. 16 20.25. Gerste M. 19 21. Haf, M. 1417.25. Kohlsamen M. 3233. Erbien M. 2124., Wicken Be. 17.50., Linsen M. 2130. Rüvöl M. 72. Die Preise verhehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht 100 Kilo. Main:, 2. Juli. vrooncten-Markt. Waizen per Juli 23.50, per Nov. 22.15. Korn per Juli 16.15. per Nov. 15.70. Hafer per Juli 15 05., per Nov. 15.25. Rüböl per Juli.., per Oct. 34.60.

Verloosungen. Karlsruhe, 30. Juni. Gewinnziehung der badischen 35 fl.⸗Loose. Die folgenden 10 Nummern acwannen je 1000 Gulden: Nr. 4335 27094. 70457, 70497, 117611 133111 203317, 280786 302321, 324819.

Wilkow am Kilija-Donau-Arm eingetroffen.

Meininger 7 fl. Loose vom Jahre 1870. Ziehung am 2. Juli. Gezogene Serien: Nr. 191 838

freilich nicht verborgen. Die Socialdemokratie fühlt, daß das Heer eine der Hauptsäulen der bestehenden Gesellschaftsordnung ist und daß diese ultima ratio alle Pläne der Feinde des Eigen- thums zu Schanden machen muß, sollte es wirk⸗ lich, was wir nicht befürchten, zur Ergreifung der äußersten Mittel bei Niederhaltung der Freunde des Umsturzes kemmen. Der Einsturz dieses Pfeilers

würde daher unsern Gegnern selbstverständlich will. kommener als alles Andere sein.

Aber dies Ver langen trägt doch so sehr den Charakter eines frommen Wunsches, ist so aussichtslos, und Diejenigen, welche Erfüllung desselben verheißen, machen sich so grenzenlos lächerlich, daß wir dieser Seite socialdemokratischer Politik mit Achselzucken begegnen können. Schlimmer ist es schon, daß die Freunde der Armee es sich angelegen sein lassen, im Schooße derselben Mitarbeiter für ihre eigene Agitation zu werben. Soldaten sind gern gesehene Correspondenten socialdemokratischer Blätter. Sie benutzen die Spalten unserer Gegner zur Lästerung

5083 5771 6863 7507 7692 8441 8590 8677 9368 9550 f

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