ihrem Vorhaben abstehen. Der Sprecher der De Ignatleff soll bei der Pforte auf dem sichswöchent⸗ Türken. Am Timok haben erneute Recognoscirungs⸗ 0
pulation erklärte, er werde morgen der Versamm⸗ lung der Studenten das Gehörte vortragen und zu reiflicher Erwägung empfehlen.
— 23. Oct. Die Studenten haben beschlossen, den Fackelzug für den türkischen Consul trotz der Abmahnung Tisza's darzubringen. Die Demon⸗ stration findet wahrscheinlich Donnerstag statt.
Schweiz. Basel, 23. Oct. Den„Basler Nachrichten“ wird aus Bellinzona gemeldet, daß die politischen Unruhen fortdauern und neue Excesse vorgekommen sind. Am Sonntag seien in Stabbio von Ultramontanen Schüsse auf Liberale abgefeuert worden, wodurch zwei Personen getödtet und vier verwundet wurden.
Frankreich Paris. Der französische Botschafter beim heiligen Stuhle, v. Corcelle, tritt aus dem Staatsdienste. Dies soll zu folgenden Ernennungen Anlaß geben: Baron Baude, bisher Gesandter in Brüssel, zum Botschafter beim Vatikan, Tissot, bisher Gesandter in Tanger, zum Gesandten in Brüssel, Le Sourd, bisher General-Consul in Bukarest, zum Gesandten in Tanger; ferner soll der französische Gesandte in Kopenhagen, von Terréol, zurücktreten und durch den Grafen Duchatel, einen Sohn des ehemaligen Ministers Ludwig Philipps, ersetzt werden.
Lyon. Die Versammlung der Bischöfe hat sich nach dreitägigen Berathungen wieder aufgelöst. Den gefaßten Beschlüssen zufolge wird die zu grün- dende katholische Universität fünf Facultäten haben, nämlich für Theologie, Literatur, Natur wissen⸗ schaften, Medicin und Recht. Die naturwissen- schaftliche und die literarische Facultät, sollen so⸗ gleich in's Leben treten, und die Rechtsfacultät, die schon seit einem Jahre besteht, soll um einen Lehrstuhl für kanonisches Naturrecht bereichert und dieser dem Jesuitenpater Dumas anvertraut werden. Die Bischöfe werden, wie die„Union“ meldet, am 6. März nächsten Jahres zu einer neuen Con- ferenz zusammentreten. In Marseille ist ebensalls eine katholische Rechts- Facultät im Entstehen be⸗ griffen. Die Kosten sind der„Gazette du Midi“ zufolge schon gedeckt und die Vorlesungen werden zwischen dem 15. und 20. Nov. beginnen können.
Großbritannien. London. Der Minister⸗ rath in Balmoral hat beschlossen, das Parlament weiter bis zum 12. December zu vertagen.
Spanien. Madrid, 23. Oct. Amllich wird gemeldet: Bereits seit lange hat die Regier⸗ ung die socialistische Verschwörung überwacht, welche von Ruiz Zorilla und Salmeron mit Unter- stützung einiger föderalistischen Militärs organisirt war. Nach einer an der Grenze erfolgten Be- schlagnahme eines Brieses von Ruiz Zorilla, worin derselbe den sofortigen Losbruch anbefiehlt, beschloß die Regierung zu handeln und verhaftete die Haupt- schldigen, darunter die Generale Mereto, Areyro, Patino und Acosta, welche nach dem Militärgesetz bestraft werden sollen, sowie mehrere föderalistische Deputirte. Einige Verschworene haben sich geflüchtet.
Türkei. Constantinopel. Bezüglich der Wirkung, welche die russische Sommation auf die Pforte ausüben wird, schreibt die Wiener„Montags Revue“: Die bevorstehende Entscheidung in Con- stantinopel ist allem Ermessen nach nicht aussichtslos; wenn die Pforte sich der erneuerten Forderung Rußlands betreffs des sechswöchentlichen Waffen⸗ stillstandes rasch und bedingungslos fügt, hat sie damit jeden Vorwand zu weiterem Eindringen auf ihre Entschließungen und neuer Demüthigung ihrer staatlichen Würde abgeschnitten. Unzweifelhaft würde die Annahme des sechswöchentlichen Waffenstillstan⸗ des die erste Etappe zum Abschlusse eines wenigstens relativ entsprechenden Friedens bezeichnen.— Von Berlin schreibt man: Wie bestimmt verlautet, ist die russische Sommation, welche eine Waffenruhe von sechs Wochen, administrative Autonomie für die südslavischen Provinzen und Durchführung von Reformen unter Garantie der Großmächte ver⸗ langt, abgelehnt worden. Großfürst Michael Nikolajewitsch, Statthalter im Kaukasus, ist in Folge dessen zum Commandeur von zehn vereinigten Armeecorps ernannt worden und wird der Krieg immer unvermeidlicher.— Eine Depesche des Jour-
nal„Le Nord“ aus Wien lautet dagegen: General“
lichen Waffenstillstande bestehen und die Gründe auseinander setzen, welche Rußland hindere, sich
bei dem Vorschlage eines sechs monatlichen Waffen ⸗
stillstandes zu beruhigen. Man glaubt zu wissen, daß die Sprache Ignatieffs in Constantinopel sehr gemäßigt sei und keineswegs den Charakter eines UÜltimatums haben werde. Man hat berechtigten Grund zu glauben, daß die fünf andern Groß- mächte den Vorschlag Rußlands unterstützen werden, nachdem Serbien und Montenegro erklärt haben, nur einen sechs wöchentlichen, höchstens einen zwei monatlichen Waffenstillstand annehmen zu wollen. Die Zeitungsgerüchte, daß die gemeinsame Media ⸗ tion jetzt aufgegeben sei, ist mindestens verfrüht.
— 21. Oct. In der Versammlung der Bot⸗ schafter betonte General Ignatieff die Nothwen⸗ digkeit, die aufgeregte Stimmung Rußlands zu beruhigen durch Nöthigung der Pforte, gewisse unumgängliche Concessionen zuzugestehen. Rußland bestehe ersteus auf einem sechswöchentlichen Waffen- stillstand, zweitens auf der Autonomie Bosniens, der Herzegowina und Bulgariens, drittens auf Garantien. Der erste Punkt wäre unverzüglich erlangt worden. In Betreff der beiden andern würde es einer Conferenz, worin die Türkei nicht vertreten sei, zustehen, die Bedeutung der Worte „Autonomie“ und„Garantien“ festzusetzen.
— In Betreff des sechs wöchentlichen Waffen⸗ stillgandes scheint die Türkei nachzugeben bereit, wofern eingewilligt werde, den Waffenstillstand um weitere sechs Wochen zu verlängern, falls die Friedens Bedingungen nicht innerhalb der ersten Periode geregelt würden. In Betreff einer Con- ferenz gilt als zweifelhaft, ob die Türkei, selbst wenn sie die bedingungsweise Waffenstillstands- Verlängerung erlangte und Vorbehalte wegen der Nationalität der mit Ueberwachung der Ausführ⸗ ung ihrer Entschließungen bet auten Commissäre machte, sich im Voraus wird bereit erklären können, sich den Beschlüssen einer Conferenz zu unterwerfen, in welcher ihr eine berathende Stimme nicht zustände.
— 23. Oct. Die Regierung hat ein Com- plott gegen das Leben des Grovezirs und Midhat Pascha's entdeckt. Die Rädelsführer, zwei Ulemas vom höchsten Range und Ramiz Pascha, sind ver⸗ haftet und nach Rhodus deportirt. Weitere Ver⸗ haftungen werden erwartet.
— 24. Oct. In Verfolg der Entdeckung des Complottes, welches die Einführung der beab⸗ sichtigten Reformen zu verhindern bezweckte, sind noch einige Ulemas, die mit der Verschwörung in Ver⸗ bindung standen, ausgewiesen worden. Ueber das Complott hat die Pforte an ihre diplomatischen Vetreter im Auslande mittheilen lassen, daß die Ruhe in Constantinopel bei Entdeckung der Ver- schwörung und den damit zusammenhängenden Verhaftungen nicht gestört ward.
— 24. Oct. Das Gerücht vom Ausbruche von Unruhen in Jamboli in Bulgarien wird von der Regierung dementirt. Ein Telegramm des Gouverneurs von Islinna(Sliwno) erklärt, daß die Ruhe in Jamboli nicht gestört und kein Mord vorgekommen sei.
— Das„Tagblatt“ meldet: Der Kampf an der Morawa ist über Samstag und Sonntag sort⸗ gesetzt worden. Die Türken sind abermals bis Siljegovatz und Gredetin avancirt; auch Krevet befindet sich in ihren Händen.— Die„Deutsche Zig.“ meldet aus Parazin: Die Serben haben Krevet aus strategischen Gründen verlassen. Die Türken stehen unmittelbar vor Deligrad.
Montenegro. Cettinje, 24. Oct. Der Fürst von Montenegro hat den Vertretern der
Mächte officiell eröffnet, er könne aus zwingenden
Opportunitäts⸗Gründen keinen längeren als sechs⸗ wöchentlichen Waffenstillstand annehmen. Serbien. Belgrad, 22. Oct.(Amtliche Meldung.) Vorgestern und gestern schritten die Türken auf der ganzen Linie zum Angriff vor; namentlich am Ufer ver Morawa bei Krevit wurde aufs hartnäckigste gekämpft; die wiederholten An⸗ griffe der Türken wurden überall zurückgeschlagen.
Dasselbe war der Fall bei den am 16. und 17. gegen die Ibar- Armee gerichteten Angriffen der
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Gefechte stattgesunden. g
— 22. Oct. Bei der heutigen Taufe des Sohnes des Fürsten vertrat der russische Consul den Zaren als Pathe. Sämmtliche Consuln der fremden Mächte waren bei der Tauf; Feierlichkest zugegen.
Rumänien. Bukarest. Das„Amtsblatt“ veröffentlicht die Ordre de Bataille der combi nirten rumänischen Armee, deren Commando Fürst Karl übernimmt.
Griechenland. Athen, 23. Oct. Der König von Griechenland ist gestern früh in Folge dringender Depeschen von hier, ohne die Rückkehr des Kaisers abzuwarten, von Wien nach Triest und heute von Triest nach Brindist abgereist.
Rußland. Livadia. Der russische Finanz⸗ minister hat Livadia verlassen und die Erlaubniß zur Aufnahme zweier Anleben erhalten. Das Con- sortium Hope übernimmt 20 Millionen Ducaten; fünsprocentige 200 Millionen Rubel sind in Ruß'⸗ land ratenweise nach Bedürfniß emittirbar.
Amerika. New-⸗Nork, 23. Oct. Der zum Gouverneur von Südcarolina gewählte Demo⸗ krat Wade Hampton richtete in seiner Antrittsrede an die Bevölkerung die Mahnung, den Widerstand gegen die Regierungstruppen aufzugeben.
Aus Stadt und Land.
Mainz. Das in diesem Sommer hier abgehaltene Schützenfest ergab einen Ueberschuß von 24,000 Mark.
Mainz. Der Schusterjunge, wie ihn die Ueberliefer⸗ ung schildert, schwindet immer mehr. Trotzdem zeigen sich noch hin und wieder Exemplare des Schusterjungen, wie er ursprünglich ist, boshaft wie ein Aff und keck wie ein Spatz. Ein solches Stück zukünftigen Schusters kam dieser Tage in die Heiliggrabgasse, wo die Kussche eines Arztes hielt, während der Arzt selbst imm Hause beschäftigt war. Der Anblick des leeren Fuhrwerks brachte den Jüng⸗ ling sofort auf eine Idee; ohne sich zu besinnen, stieg er mit einem Paar Stiefel, das er abliefern sollte, in die Kutsche, schlug die Thür heflig zu und rief mit fester Stimme:„Mitternacht Nr. 9.“ Der Kulscher, der nicht weiter um sich gesehen batte, setzte die Pferde in Bewegung und einige Minuten später war der junge Schuster an seiner Adresse angelangt und stieg dort vor den Augen des verblüfften Kutschers aus, bei dem er sich höflichst bedankte. 5
Mainz, 21. Oct. Seit einigen Tagen wurde ein preußischer Feldwebel der hiesigen Garnison vermißt. Gesiern Nachmittag wurde die Leiche desselben vor dem Raimundithor geländet.
Allerlei.
Colmar, 19. Oct. Heute Vormittag ereignete sich hier ein sehr bedauerliches Unglück. Die Dienstmagd des Dr. Albrecht, Professor am Lyceum, befand sich auf dem Balkon des zweiten Stockes mit einem 14 monatlichen Kinde auf dem Arme, als plötzlich ein epilepuscher Anfall sie rücklings zu Boden warf, während sie das Kind auf die Straße fallen ließ, wo das arme Geschöpf mit zer⸗ schmettertem Schädel todt aufgehoben wurde.
Bonn, 17. Oct. Ein seltenes Fest wurde gestern in unserm Nachbar⸗Orte Beuel gefeiert. Im Kreise seiner weitverzweigten Familie beging, laut der„D. Reichs⸗Ztg.“ nämlich der Rentner Hubert Münch das böchst seltene Fest seines 99. Geburtstages in bewundernswerther Ge⸗ sundheit und Geistesfrische. Dem sehr achtungswerthen Greise wurde eine besondere Freude und Auszeichnung zu Theil durch ein Glückwunsch⸗Telegramm des Kronprinzen, welcher sich den Jubel⸗Greis bei Gelegenheit des Godes⸗ berger Festes hatte vorstellen lassen und dabei das Ver⸗ sprechen gab, den 100 jährigen Geburtstag, sofern derselbe dem Kreise beschieden werde, selbst mitzuseiern.
Boppard, 23. Oct. In verflossener Nacht entstand im oberen Stadttheil Feuer, welches, begünstigt vom Winde, 14 Gebäude in Asche legte. Erst gegen Morgen gelang es, dem verheerenden Elemente Einhalt zu thun, so daß das per Telegraph berufene Detachement Pionniere aus Coblenz wieder abbestellt werden konnte.
Köln, 18. Oct. Der„Allg. Anz.“ erzählt: Gestern spielte sich im Circus Renz eine Wette zwischen Oscar Carrs(welcher mit seinem Circus gegenwärtig in Elber⸗ feld Vorstellungen gibt) und Renz ab, daß letzterer keine zwölf Hengste vorführen könne, welche sich auf Com⸗ mando erheben und auf den Hinterfüßen stehen könnten. Carré hatte 14 Plätze im Circus belegt und war selbst anwesend. Die betreffenden Hengste kamen, elegant auf den Hinterfüßen gehend, in die Circusbahn. Alle 12 stellten sich im Kreise um Renz auf und erhoben sich nach gegebenem Commando auf die Hinterfüße. Der Applaus war großartig, Renz wurde wiederholt gerusen und hat so, dem allgemeinen Urtheil gemäß, die Weite— der Preis betrug 10,000 Mark— gewonnen. Es wurde
behauptet, einer der 12 Hengste habe nicht regelrecht auf den Hinterfüßen gestanden, vielleicht weil an seiner Stelle die Pferde zu gedrängt standen. Das allgemeine Urtheil und der Applaus sprachen für Renz; daher ist man ge⸗ spaunt, welche Erklärung die Jury abgibt, deren Zu⸗ sammensetzung noch unbekannt ist.
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