0 Reiches untersagt worden, die Abonnementsbeträge
den Legationskassen zu entnehmen. Das Alles hat sich geändert: die„Kreuz⸗Zeitung“ ist überall wieder zugelassen worden.“ In der„Kreuz-Zeitung“ hat sich aber auch Vieles geändert. Seit die Chef- Redaction von Nathusius- Ludom an Dr. Niebel- schütz übergegangen, ist sie ein musterhaft zahmes Organ geworden.
— Die„Voss. Ztg.“ veröffentlicht ein Schreiben des Grafen Hompesch an das Berliner Stadt- gericht, wonach die Aussage des Zeugen Matthiä in Sachen Arnim's falsch sei. Hompesch erklärt an Eidesstatt, den Grafen Arnim fast gar nicht zu kennen, mit dem Verleger des Buches„Pro Nihilo“ gänzlich unbekannt zu sein und dasselbe erst nachdem es erschienen, gelesen zu haben. Das- selbe erklärt Graf Waldbott- Bassenheim. Der Buchhändler Schabelitz entkräftet sämmtliche Aus- sagen des Matthiä. Dieser sei bei dem Druck von„Pro Nihilo“ gar nicht beschäftigt gewesen. Schabelitz bedauert, daß Matthiä zu falschen An- gaben verleitet worden sei und solche beschworen habe.
— Allerhöchster Bestimmung zufolge soll, wie man dem„Rh. K.“ meldet, der das Kasseler Gym— nasium besuchende Prinz Friedrich Wilhelm zu Beginn des künftigen Jahres, und zwar am 18. Januar, mit 16 anderen Ober-Primanern das Maturitäts- Examen machen.
Wilhelmshafen. Die Land-Befestigungen werden durch Anlage von drei detachirten Forts, welche bei Mariensiel, Rüstersiel und Schaar er— richtet werden sollen, bedeutend verstärkt werden; die Submissionen dazu sind bereits ausgeschrieben und dem Vernehmen nach sollen die Forts inner— halb vier Jahren hergestellt werden.
Schwerin. Der ordentliche Landtag ist auf den 15. November ausgeschrieben.
München. Im Hinblick auf die Reichstags: wahl ist eine vollständige Einigung der extremen und gemässigten Ultramontanen beschlossen. Im Wahl⸗Comite sitzen Sigl und der Casino-Vorstand Graf Arco.
Karlsruhe, 5 General Synode
Sept. Die evangllische wurde heute vom Präsidenten des Oberkirchenrathes, Nüßlin, eröffnet. Die angekündigten Vorlagen betreffen die Gehalts- erhöhung für Hülfsgeistliche, Penstonen und Witt— wengehalt. Sämmtliche Wahlen wurden für gältig erklärt. Zu ihrem Präsidenten wählte die Synode den Synodal-Abgeordneten Freitag. Der Synode sind serner folgende Vorlagen zugegangen; betr. die Diäten der Synodalmitglieder, das Einkommen der Pfarrer, die allgemeinen kirchlichen Ausgaben, die militärkirchlichen Verhältnisse und der Bericht des Oberkirchenraths über das Kirchenvermögen und die Entwicklung der Landeskirche. Es sind 5 Abtheilungen gewählt und zwar: für biblische Geschichte, Agende, Katechismus, Verfassungsfragen und ökonomische Vorlagen.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Heute sind die Minister Graf Auersberg und Lasser zu den Verhandlungen wegen Formulirung der Aus- gleichgesetze nach Buda⸗Pest abgereist.
— Wie in hiesigen Regierungskreisen verlautet, wäre ein Vorschlag wegen Zusammentretens einer europäischen Conferenz bisher von keiner Seite formell aufgestellt, ein solcher scheine lediglich französischen und englischen Staatsmännern vorzu— schweben.
Pest. Die ungarische Regierung hat die Betheiligung Ungarns an der Pariser Weltausstell— ung beschlossen; zumeist sollen landwirthschaftliche, Forst⸗ und Bergwerks Erzeugnisse ausgestellt wer— den; die Kosten für die Vorarbeiten sollen durch freiwillige Beiträge der Großgrundbesitzer aufge— bracht und von Seiten des Staates ein kleiner Zuschuß gewährt werden.
— Dem Abgeordnetenhause wurde vom Finanz- minister das Budget für 1877 vorgelegt; die Aus- gaben desselben sind bezüglich des Ordinariums ziemlich die nämlichen wie für 1876; die vor genommenen Reductionen betragen unter Berück— sichtigung der nothwendigen Mehrausgaben 4½ Millionen Gulden. Die Bilanz stellt sich wie folgt:
sund letztere geneigt sei, dies zu gewähren.
Ausgaben 233 Millionen, Einnahmen 218 Millio- nen, mithin Deficit 15 Millionen Gulden, welches der Finanzminister ohne Aufnahme einer Anleihe durch Verwerthung von Eisenbahn- Obligationen, durch Emission von Rente bis zur Höhe der jähr- lich zu amortistrenden Staatsschulden- Quote und durch Mittel aus den gemeinsamen Aetiven decken will. Die Budget- Vorlage wurde beifällig auf⸗ genommen.
— Auf Antrag des Ministeriums hat das Abgeordnetenhaus beschlossen, nach Erledigung der Angelegenheit des Abg. Mileties die Sitzungen bis Anfangs November zu vertagen; die Finanz- und die Justiz⸗Commission werden jedoch ihre Arbeiten fortsetzen.
Großbritannien. London. Steinsfeld, unter dem Ministerium Gladstone Präsident des Gemeinde Verwaltungs Collegiums, hat sich in einer Zuschrift an das Comite für die orientalischen Angelegenheiten zu Westminster für Fortsetzung der Agitation in Bezug auf die von den Türken verübten Greuelthaten und für Erlangung that— sächlicher Garantien zum Schutze der Christen in der Türkei ausgesprochen.
— Der Rath des Vereins der City ⸗Conser- vativen hat Anträge angenommen, worin Ver— trauen zur Regierung ausgedrückt und die Ein— berufung des Parlaments für unnöthig erklärt wird.
— Das auswärtige Amt veröffentlicht eine Depesche Lord Derby's an den Botschafter in Constantinopel, Elliot, betreffend die von den Türken verübten Greuelthaten. Die britische Re— gierung spricht darin ihr Bedauern aus, daß durch die eingegangenen amtlichen Berichte diese Greuel— thaten, welche durch keinerlei politische Rücksichten sich rechtfertigen lassen, vollauf bestätigt seien, und ertheilt Elliot die Anweisung, dem Sultan das Ergebniß der Untersuchungen des Botschafts-Secre— tärs Baring und die Namen der Urheber dieser Missethaten mitzutheilen; auch solle Elliot auf Bestrafung bezw. Entschädigung, sowie auf Ge— währung von Garantien für künftige Sicherheit der christlichen Bevölkerung dringen. Schließlich wird in der Depesche die Ernenn ang eines energischen Special Gouverneurs von Bulgarien befürwortet welcher, wenn auch nicht selbst christlicher Religion, doch das Vertrauen der Christen genieße.
Spanien. Madrid, 6. Oct. Alonso Martinez, früherer Justizminister, hat eine geistvolle Interpretation des Artikels 11 der Verfassung in einem für die Protestanten günstigen Sinne ge— schrieben.
Italien. Rom. Die Kammer ist durch königliches Decret aufgelöst worden. Die Neu- wahlen finden am 5. und 12. November, der Zusammentritt der neuen Kammer am 20. Novbr. statt.— Ein Vertreter der Schweiz wird wegen der Verhandlungen wegen des Handelsvertrages am 20. October hier erwartet.
Türkei. Constantinopel, 5. October. Der britische Botschafter, Sir Henry Elliot, überreichte heute in seierlicher Audienz dem Sultan seine neuen Creditive und hatte sodann in Gegen- wart des Ministers des Aeußern eine Privat- Audienz bei dem Sultan.— Der neulich zum Handelsminister ernannte Riza Pascha wird Minister ohne Portefeuille.
— 6. Oct. Von unterrichteter Seite wird bestätigt, daß die Mächte zunächst an die Pforte eine Sommation richten, mit Montenegro und Serbien Waffenstillstand abzuschließen, auch die Forderung der Autonomie der drei Provinzen wieder geltend machen, gleichzeitig jedoch durch Druck auf Serbien die definitive Annahme des etwaigen Waffenstillstandes herbeizuführen beab⸗ sichtigen. Betreffs der Stimmung in Ungarn wird bemerkt, die anfänglich sehr bedeutende Er— regung habe einer kühleren Erwägung der Situation Platz gemacht. Nach einer Meldung der„Presse“ aus Belgrad hätten die Türken am 4. d. M. die Offen- sive ergriffen, auf der ganzen Linie sei gekämpft, das Resultat noch nicht bekannt. Verschiedene Zeitungen theilen mit, daß der Fürst von Montenegro die Abtretung des Zeta⸗Thales von der Pforte fordere
berichtet aus Ragusa, ein Separat-Frieden zwischen völkerung in der Türkei stattgefunden, wobei auch
Montenegro und der Pforte stünde in sicherer Aussicht, wenn auch der formelle Abschluß für spätere Zeit vorbehalten sei. Nach Mittheilungen aus türkischer Quelle beruhen diese Meldungen vorläufig auf Combinationen.
— Man schreibt von Wien: Es ist nun kein Zweifel mehr gestattet, daß alle Großmächte, um Rußlands Kriegs⸗Erklärung an die Türkei hintan⸗ zuhalten, eine gemeinsam energische Drohung gegen die Pforte durch eine Flotten-Demonstration aus- führen wollen. Oesterreichs Theilnabme hieran wird heute bereits hochofficiös angekündigt, und es erscheint wenig wahrscheinlich, daß England allein von der Action sich ausschließen sollte, Merkwürdig dabei ist, daß eine österreichische Stimme das Einfahren in den Bosporus signali⸗ sirt, allerdings mit dem Beisatze, es werde hoffent⸗ lich genügen, daß alle Flaggen an der Punta di Seraglio erscheinen, um„den Starrsinn der Pforte zu brechen“, und es werde in Folge dessen auch nicht ein Mann der österreichischen oder der russischen Armee türkischen Boden zu betreten brauchen. Hierin liegt das Geständniß, daß die beabsichtigte De— monstration nur ein Ersatz für die österreichisch⸗ russische Intervention sei, die man in Wien erst in allerletzter Linie in Anwendung bringen will. Die Meldung, daß über eine eventuelle Occupation der aufständischen türkischen Provinzen, nämlich Bul⸗ gariens durch Rußland, und Bosniens wie der Herzegowina durch Oesterreich, unter sämmtlichen Mächten bereits eine Vereinbarung erzielt sei, wird in Petersburger Kreisen als ein der Be⸗ stätigung bedürfendes Gerücht angesehen; ebenso sei die Meldung englischer Blätter, daß an einer etwaigen Flotten Demonstration nur russische und österreichische Schiffe theilnehmen würden, durchaus irrig, da von vornherein bei einer derartigen Eventualität die Mitwirkung sämmtlicher Groß- mächte beabsichtigt gewesen sei.
— 6. Oct. Die„Pol. Corr.“ meldet aus London, die Pforte wäre zu einer weiteren Ver— längerung der Waffenruhe nur unter der Beding— ung bereit, daß der Zuzug nach Serbien von Außen aufhöre. In der diesbezüglichen bindenden Zusage Rußlands erblicke aber das britische Cabinet momentan die brennendste Schwierigkeit. Die Mission des General- Adjutanten Sumarokoff sei den russischen Botschaftern durch eine russische Circulardepesche mitgetheilt worden, ohne daß auf das Wesen des Ohjects der Mission näher einge⸗ gangen sei.
Montenegro. Cettinje, 5. Oct. Eine Abtheilung Insurgenten und Montenegriner griff gestern Abtheilungen von Mukhtar Pascha's Arriste⸗ Garde auf dessen Rückzugslinie bei Vrbno, Du⸗ bochano, Jasen und Kravica an und schlug die⸗ selben, wobei sie diese Ortschaften besetzte. Die Türken zogen sich auf Gorica zurück.
— 7. Oct. Die„Int, Telegr. Ag.“ meldet aus Ragusa, daß Montenegro die Verlängerung der Waffenruhe bis zum Abschlusse eines Waffen⸗ stillstandes bewilligt habe. Die Pforte habe nach viertägigem Zaudern gestern die Bedingung Mon⸗ tenegro's, daß die Verproviantirung der cernirten türkischen Forts nur unter Controle von Mon- tenegro geschehen dürfe, angenommen. Somit be stehe zwischen der Pforte und Montenegro neuer dings auf unbestimmte Zeit Waffenruhe und sei dies Resultat den Bemühungen des englischen Consuls Mousson zu danken.
Serbien. Belgrad, 6. Okt. Das Gros Tschernajeff's befestigt sich auf dem linken User der Morawa von Sevetinesow bis Veliki⸗Siljegovae. Die Türken haben sich gleichfalls verschanzt. Die Timok Armee ist in der Richtung auf Knjazevat und Pljevac abmarschirt. Vor Alexinatz herrscht Ruhe.
Rumänien. Bukarest. Zur Begrüßung des Kaisers von Rußland begibt sich eine aus dem Minister⸗Prästdenten, dem Kriegs-Minister, dem Hofmarschall und einem Flügel- Adjutanten des
Fürsten bestehende Gesandtschaft nach Livadia.
Griechenland. Athen, 6. October. In Patras, Nauplia, Zante und Piraeus haben
Man Demonstrationen zu Gunsten der griechischen Be⸗
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