Reichslande und die Marineverwaltung nach un⸗ erheblicher Debatte genehmigt. Der für den Generalarzt der Marine geforderte Posten von 8400 Mark wird an die Budgetcommission ver- wiesen.— Der Reichstag wird sich voraussichtlich nach der Etatsberathung auf 6 bis 8 Tage ver- tagen, um der Justizcommisston Zeit zu gewähren, über etwaige Anstände Vechandlungen mit dem Bundesrath zu pflegen.
— 6. Nov. Heute Mittag fand die seierliche Auffahrt des türkischen Botschafters Edhem Pascha zum kaiserlichen Palais statt, woselbst derselbe dem Kaiser in Gegenwart des Staatssecretärs v. Bülow seine neuen Accreditive überreichte.
Limburg. Nachdem Bischof Dr. Blum vor wenigen Tagen von den vollzogenen Einweihungen der neuen Kirchen zu Usingen und Biebrich zurück- gekehrt, hat derselbe nach den beiden Feiertagen Allerbeiligen und Allerseelen unsere Stadt wiederum verlassen, ohne daß man erfahren kann, wohin derselbe gereist sei. Es steht zu vermuthen, daß diese Abreise in Rücksicht auf das ihm nun, nach Ablauf der vom k. Ober-Präsidium gestellten Frist zur Niederlegung seines Amtes, bevorstehende Gerichts-Verfahren auf Amts- Entsctzung erfolgt ist. Es sollen dem Bischof, der jetzt über 34 Jahre der Diötese Limburg vorsteht, von ver schiedenen Seiten sichere Aufenthalts Orte im Auslande angeboten worden sein.
München. Verschiedenen Zeitungs-Nach · richten gegenüber erfährt die„Allg. Ztg.“ zuver⸗ lässig, daß auf das Resignations⸗Gesuch des Stifts Dekans Enzler ein Bescheid noch nicht erfolgte, daß aber die Annahme desselben un- zweifelhast ist. Was die Mittheilung anbelangt, daß von Seite der Staats Regierung Aufschlüsse über die Gründe der Beanstandung Enzlers von der Curie verlangt worden seien, so ist dieselbe, wie das Blatt bestimmt vernimmt, eine irrige.
Ausland.
Oesterreich- Ungarn. Wien. Die „Montags-⸗Revue“ schreibt: Die Annahme des russischen Ultimatums Seitens der Pforte hat die Waffenstillstands Frage zum Abschluß gebracht und die Gefahren eines Winter-Feldzuges definitiv ausgeschlossen. Die Regelung der Frage der Demarcations-Linie durch internationale Berath⸗ ungen ist bereits normirt: auch das Peters burger Cabinet vermag sich denselben nicht zu entziehen. Die Basis des territorialen status quo ist eben; sowohl dem Streite entzogen, als die principiellen Punkte der Resorm⸗ Fragen. Die Reform Note Andrassy's und das Berliner Memorandum weisen den Negociationen eine bestimmte Richtung an. So lange Rußland die Gefahren der Selbst⸗ Isolirung scheut, ist eine ernste Krisis nicht zu befürchten. Noch trennt sich Rußland nicht von den Mächten, noch behauptet es eine zwar ge⸗ sonderte, aber von den übrigen Cabinetten nicht grundsätzlich geschiedene Stellung. Es sind gegen wärtig gegründetere Aussichten auf die Realisirbar⸗ keit des Friedenswerkes vorhanden, als je zuvor.
— 6. November. Abgeordneten⸗Haus. Bei Fortsetzung der Debatte über die orientalische Frage vertrat Wosniak(Slovene) die Meinung, Oesterreich hätte bei Beginn des Aufstandes zu Gunsten der Slaven interveniren sollen. Fandolik (Mähren) sprach sich für die Lösung der orienta lischen Frage im slavischen Sinne aus; der Fort⸗ bestand der Türkei und die Einführung der zuge⸗ sagten Reformen sei mit der ethnographischen und religiösen Zusammensetzung der Bevölkerung der Türkei unvereinbar; Redner wies auch darauf hin, daß Bosnien altes österreichisches Reichsland sei. Menger warnte vor Krieg und vor Annexion. Oppenheimer verfocht die Aufrechterhaltung des status quo, aber nicht den Frieden um jeden Preis. Fux(Mähren) führte aus, daß Erober⸗ ungen nicht zur Steigerung der österreichischen Macht beitragen können. Schließlich wurden Herbst und Greuter zu General Rednern bestimmt.— 7. November. Die Debatte über die orientalische Frage wurde heute im Abgeordnetenhause durch die als Generalredner aufgestellten Abgeordneten Greuter und Herbst zum Abschluß gebracht.
Ersterer führte aus, mit der Annexion Bos nlens und der Herzegowina würde Oesterreich nur eine ihm gebührende Erbschaft antreten. Herbst er⸗ blickte die wahre Aufgabe Oesterreichs in der Ver⸗ besserung des Looses der slavischen Christen in der Türkei und drückte den Wunsch aus, der Monarchie möchte die Erhaltung des Friedens vergönnt sein.
— Die bier verbreitete Nachricht von einer zwischen Graf Andrassy und dem diesseitigen Minister- präsidenten Fürst Auersperg eingetretenen Spannung wird von unterrichteter Seite für unbegründet erklärt.
Frankreich. Paris, 6. November. Der „Agence Havas“ zusolge ist der diesseitige Bot- schafter, Baron Bourgoing, von Constantinopel hierher berufen worden, weil Herzog Decazes mit ihm conferiren und ihm neue Instruction ertheilen will.
Versailles, 6. Nov. Der Senat hat mit der Berathung des Militär- Verwaltungs-Gesetzes begonnen. In der Deputirtenkammer wurde mit der Berathung des Marinehudgets der Anfang gemacht.
Großbritannien. London. Der„Agence Havas“ zufolge wären Seitens der englischen Re- gierung Eröffnungen bezüglich des Zusammentrittes einer Conferenz der Botschafter in Constantinopel gemacht; jedem Botschafter würde ein Special⸗ Deligirter beigegeben werden.
— Die„Morning Post“ meldet: England hätte den Zusammentritt einer Conferenz auf der Basis der Integrität und Unabhängigkeit der Türkei in Constantinopel vorgeschlagen. Das Programm sei identisch mit den früheren Vor- schlägen Lord Derby's. Voraussetzung wäre, daß von den an der Conferenz theilnehmenden Mächten eine Gebiets-Vergrößerung nicht angestrebt werde.
Spanien. Madrid. In einer Versammlung von 250 Deputirten hielt der Minister-Präsident eine Rede, worin er sagte, noch niemals habe Spanien eine so starke Armee nach Cuba gesendet; aber Cuba müsse um jeden Preis gerettet werden. Der Verlust Cuba's würde unheilvoll für die Nation sein. Das Ministerium sei gegen das allgemeine Stimmrecht und für die Ansicht, daß, wer Nichts besitze, auch nicht stimme. In Betreff der religibsen Frage sehe die Bevölkerung, wie die Regierung den Art. 11 der Verfassung auslege.
Italien. Rom, 6. Nov. Es ist bis jetzt der Ausfall von 430 Wahlen zur Deputirten- Kammer bekannt; davon sind 277 endgültig ent⸗ schieden; 47 sind auf Mitglieder der gemäßigten und 230 auf Mitglieder der Fortschritts Partei ge- fallen. Unter den Gewählten befindet sich Sella. — Cardinal Antonelli ist heute gestorben. Der Unter Staatssecretär Vannutelli ist intermistisch mit den Geschäften des päpstlichen Staatssecretärs betraut. Antonelli hinterließ dem vaticanischen Museum eine Sammlung Edelsteine und Kunst⸗ gegenstände. Einem längeren Lebensbilde Antonelli's in der„Köln. Ztg.“ entlehnen wir folgende Stelle:„Giacomo Antonelli war am 2. April 1806 in Sonnino, einem kleinen Orte in der alten Diöcese Terracina, nicht weit von der früheren neapolitanischen Grenze, geboren. Seine Eltern waren arm, sein Vater Hirt. Der Name Antonelli ist ein in der Romagna bekannter, ihn tragen verschiedene Gelehrte früherer Jahr' hunderte; ob des Cardinals Familie ein Zweig davon war, wie es vielfach in seinen Biogra- pbien zu lesen ist, muß dahingestellt bleiben. Wer Giacomo Antonelli in der Zeit seiner vollen Manneskraft gesehen hat, den hageren Mann mit dem festen Knochenbau, dem schwarzen, gekräuselten Haar, dem scharfen Auge, das, ohne die Regungen des Innern zu verrathen, den Sprecher aufs Ein⸗ Eingehendste fixirte, der hätte ihn ohne den Anzug und Schnitt des Haares nicht leicht für einen Geistlichen gehalten. Den schlauen, durchtriebenen Italiener sah man sofort. Er war eine Persön⸗ lichkeit, der man die Fähigkeit ansah, sich in alle Lagen zu schicken: sanft, nachgebend zu sein, zu⸗ gleich sest und entschieden, die Menschen als Mittel zu gebrauchen, sich selbst zum Mittel berzugeben. Musterte man dann die zum Theil prachtvolle Einrichtung seiner Gemächer, die er im Vatican oberhalb der Wohnung des Papstes inne hatte, wandte man das Auge von einer trefflichen Madonna
zu einer üppigen Venus und einem Sultan, dem eine Odaliske vorspielt, welche in treuer Gesell⸗ schaft sich vorfanden, so hatte man den Mann in seinem ganzen Wesen erfaßt. Nichts Geistliches steckte in ihm, er war durch und durch weltlich, das Geistliche, Kirchliche war ihm reines Mittel; dieses Herz hatte keine religiöse Innigkeit nöthig, ihm genügte die Form; die beim Südländer so häufige frivole Auffassung bildete offenbar seinen innersten Kern. Leidenschaften durchzuckten den Mann, aber er wußte sie zu beherrschen, daß sie seiner größten nicht schadeten: dem Streben, Pius IX. zu beherrschen, um durch ihn die Welt zu beherrschen.“
Türkei. Constantinopel. Der„Pol. Corr.“ wird telegraphirt: Am 3. Nov. fand bei deu englischen Botschafter Elliot eine Conferenz über die Feststellung der Demarcations-Linie statt. Nach Allem, was über den Verlauf derselben von beglaubigter Seite verlautet, dürfte die Feststellung der Demarcations-Linie nach in solchen Fällen übligen Principien schwerlich auf besondere Schwierigkeiten stoßen. Samstag und Sonntag wurde an den Details der Instructionen für die Militär⸗Atkachés der hiesigen Botschaften gearbeitet. Dieselben sollen spätestens Mittwoch nach Serbien abreisen. Hierzu sind designirt von Oesterreich Oberst-Lieute⸗ naut Raab, von Frankreich Oberst-Lieulenant Dorey, von England Kambell, von Rußland
Oberst Zelenoj, für Italien und Deutschland werden
die Mil'tärattachés der betreffenden Wiener Bot⸗ schaften fungiren. Für Montenegro wurden von Oesterreich Oberst-Lieutenant Thömmel, von Ruß⸗ land Oberst Bogolubow zu Commissären designirt.
— 6. November. Privat-Nachrichten zufolge finden lebhafte Pourparlers statt behufs Erzielung einer directen Verständigung zwischen Rußland und der Pforte, welche eine Conferenz unnöthig mache. Ein höherer türkischer Beamter würde demnächst nach Petersburg gehen.
— 6. Novbr. In den letzten Tagen haben mehrere außerordentliche Ministerraths⸗ Sitzungen und Botschafter⸗Berathungen stattgefunden. Ge- neral Ignatieff schlägt Morgen seine Residenz in Pera auf. Rußland ist gegenwärtig mit Aus- arbeitung eines Projectes für die Friedensbeding⸗ ungen auf Grundlage der englischen Propositionen beschäftigt. Die Militär⸗Attachés der französischen, österreichischen und russischen Botschaften gehen Morgen nach dem Kriegsschauplatze ab,
Montenegro. Cettinje, 5. November. Vorgestern eröffneten die Türken von Spuz aus trotz des Waffenstillstandes eine Kanonade. Der Fürst von Montenegro beauftragte seine Comman⸗ danten, sofort mittelst Parlamentär mit den be⸗ treffenden türkischen Befehlshabern in Verkehr zu treten und sie einzuladen, bis auf Weiteres den militärischen Status quo zu wahren. Die von den Mächten behufs Festsetzung der Demarcations⸗ Linie abzuordnenden Delegirten werden in Ragusa zusammentreten, um sich über ihr Vorgehen zu einigen. Ihre Aufgabe dürfte keine Schwierig⸗ keiten bieten, da die Situation bis auf die Cernir⸗ ung von Niksit ziemlich einfach und der Fürst von Montenegro sehr entgegenkommend ist. Commissäre behufs Feststellung der Demarcations Linie sind bereits abgereist, und zwar, nach noch nicht ver⸗ bürgten Gerüchten, auf Grundlage des factischen Besitzstandes. Die blokirten Plätze sollen blokirt bleiben, jedoch während der Dauer des Waffen⸗ Stillstandes zu gewissen Terminen nach dem Ver⸗ hältniß zur Zahl der Garnison und Einwohner verproviantirt werden.
Serbien. Belgrad. Gegenüber den Ge⸗ rüchten von Zerwürfnissen zwischen der serbischen Regierung und dem Armee Ober- Commandanten läßt der Minister des Innern erklären, daß weder früher noch jetzt Zerwürfnisse stattgefunden. Tscher⸗ najeff habe bei seiner Zusammenkunft mit dem Minister in Deligrad seine vollste Zufriedenheit kundgegeben.
— 6. Nov. General Tschernajeff wird morgen bier eintreffen und auf Einladung des Fürsten im Palais wohnen. Andere Nachrichten melden im Widerspruch hiermit: Tschernajeff sei seines Com⸗ mandos enthoben.
16. russi
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