Ausgabe 
9.3.1876
 
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Bestreben gewisser Parteien, dem Reiche gegenüber in der Bevölkerung kein

achtung.

Es wird behauptet, in den obigen Worten sei der reichsfeind lichen Presse ein unbegründeter Vorwurf gemacht worden. Wer aber das Treiben der ultramontanen und der socialdemokratischen Partei, wer insbesondere die Erzeugnisse der ultramontanen und socialdemokratischen Presse in den letzten Jahren auch nur mit

anderes Gefühl aufkommen zu lassen, als das des Hasses und der Ver-

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wird gegen das Reich und seine Einrichtungen, um so schärfer und belei⸗ digender replizirt die liberale Presse. Das ist nur ein gegenseitiges Hetzen,

und zwar hetzt jedes Blatt immer die eigene Partei. Das ist gerade das

Gefährlichste bei der Sache. Die Presse wirkt nicht in dem Sinne als Gegengewicht, daß der andere Theil sich beruhigt, sondern sie hetzt die eigene Partei noch mehr auf, und hierin liegt gerade auf confessionellem Boden eine außerordentliche Gefahr, die coufessionellen Hetzereien zwischen Katholiken und Protestanten nehmen gerade durch die Art und Weise zu, wie die Presse von der einen und der anderen Seite kämpft. Nun, ich

einiger Aufmerksamkeit verfolgt hat, wird zugeben müssen, daß die bin nicht sehr ängstlich in dieser Beziehung, ich traue weunger der Einwir 5 Anklage wegen fortgesetzter Schmähung und Herabwürdigung des kung der Presse gegen sociale und ultramontane Vestrebungen, sondern ich 8 9 10 N ah 9* dig g. de vertraue mehr auf das gesunde Phlegma, das noch in unserem Volke herrscht Reichs und seiner Institutionen keineswegs aus der Luft gegriffen und von dem es noch eien großen Vorrath hat. Aber, meine Herren, 2 ist. Was insbesondere unser Land betrifft, in welchem das Ge- wenn dieses Phlegma einmal aufgezehrt ist, wenn es sich in Pathos umge* schäft des socialistischen Hetzens und Wühlens von den ultramon ent haben wird und daßn trügt gear. dir gezenseteige Austetung der tanen Blättern mit besorgt wird, so braucht. de Presse bei K dann wird es sehr schwer sein, in Deutschland noch Ordnung 0 besorgt wird, so braucht man nur einen der und Sicherheit aufrecht zu erhalten. Meine Herren, es ist sehr gefährlich 1. letzten Jahrgänge eines dieser Blätter aufzuschlagen, um die Be- und ich glaube, daß ich das dem Herrn Abgeordneten Lasker in Uebereinstimmung weise für jene Anklage in reichlichstem Maße zu finden. Da wird mit seinem Gesinnungsgenossen Herrn Bamberger vorhalten dar es mit methodischer Beharrlichkeit das Reich sammt seinen Einrich ist sehr gefährlich, sich ein zu poeusches Ideal von unserem Bolle zn 8 so hin estellt e d leiblichen Güter machen; wenn man seine eigenen edlen und erhabenen Gesiunungen auch 9 gestellt, als ob es die geistigen und leiblichen Güter auf das Volt überträgt, wenn man sie einem Jeden im Volke zutraut, des Volks demLiberalismus der Freimaurer, Juden und Grün- dann irrt man sich gauz gewaltig Es ist in unserem Volke noch ein 0 8 f der und demMilitarismus zum Opfer bringe. Das Reich Fonds von Rohheit vorhanden, für den Sie, wenn Sie die Motive der 5 3(mit leicht erkennbarer Ironie und in häufiger Wiederholung als n A. 9 haber 0 Beispiele gefunden 5 10 werden, in der Stanz Reich der Gottesfurcht A kr Sitt 0 D 8 die wahrhaft haarsträubend sind; 8 sind Dinge mitgetheilt, von denen ich en Reich der ottesfurcht und frommen Sitte bezeichnet) und die zur Ehre der Nation gewüuscht hätte, es wäre nicht nöthig gewesen, sie Bundesstaaten streben durch ihre vom Geiste des Liberalismus er- unter den Reichstagsdrucksachen zu veröffentlichen; aber es ist gut, wenn 3

füllte Gesetzgebung der Schilderung jener Blätter zufolge, haupt⸗ sächlich danach, dem Volke die Religion zu rauben, die Sittlichkeit zu untergraben, jede Freiheit zu vernichten und die ärmeren Klassen in der ungerechtesten Weise zu Gunsten derGeldsäcke und Mastbürger auszubeuten. Auch derMilitarismus dient da

ine Proposition wegen Errichtung eines Jusg⸗ beate den Rest des Eisenbahn-Etats ohne erheb- liche Debatte;

Hebäudes zu Gießen vorgelegt und wird für zasselbe, sowie für Erbauung eines neuen Arrest- genehmigt. hauses daselbst ein außerordentlicher Credit von

Die von verschiedenen Seiten verbreitete

man erfährt, wie viel Rohheit und Bestialität in unserem Volke noch steckt. Und nun denken Sie sich, meine Herren, daß die Agitationen noch weiter gehen, daß die Parteien sich gegenseitig in ihrem Haß bestärken. daß die Agitationen gerade in den unteren Schichten des Volles zu einem Punkte gelangt sind, wo das Phlegma ganz aufgezehrt ist, und wir werden viel⸗ leicht eine Commune haben, gegen die die Pariser Commune noch eine

sämmtliche Positionen wurden

Zurückgezogenheit begehen wird.

DieProv.⸗Corresp. schreibt: Der Kaiser gedenkt die hundertjährige Geburtsfeier der Königin Louise im Kreise der königlichen Familie und der

zu, dieGroß⸗Industriellen auf Kosten des Volkes zu bereichern ꝛc. eee Wekuschaft war 5 5* de ihren Die Interessen desliberalen Mastbürgerthums sind maßgebend Nachdem wir im Obigen, die in der Rede des Gr. Minister⸗ für den Gang der Reichspolitik; der ganzeCulturkampf! ist präsidenten zu Gunsten des 5131 der Strafgesetznovelle vorge in u von den deutschen Regierungen in Scene gesetzt worden, um die brachten Gründe mitgetheilt haben, bleibt uns noch übrig, auch öffentliche Aufmerksamkeit von den Schwindelgeschäften der Gründer die Gegengründe zu prüfen. f N abzulenken c. Vor uns liegt der Jahrgang 1875 desStarken⸗ Von den Rednern, welche in der Reichstagsdebatte vom 3 burger Boten. Wir schlagen, um eine Stichprobe zu geben, die 28. v. Mts. gegen den§ 131 der Strafgesetznovelle sprachen, A Nr. 68 auf, welche einen Artikel über die Sedanfeier enthält. wurde zwar zugegeben, daß bei der jetzigen Lage der Strafge 2 N Darin werden die Folgen der Schlacht bei Sedan, wie setzgebung der Staat gegen beleidigende Angriffe weniger geschützt en r Sæder folgt, geschildert: ist, als die Privatpersonen, sowie die Kirchen- und Religions beanEin übermüthiges Franzosenthum wurde niedergeworfen und ein gesellschaften. Aber es wurde das Bedürfniß bestritten, dem Staat ie noch übermüthigeresThum trat an seine Stelle und mit einen weitergehenden strafrechtlichen Schutz gegen Ehrenkränkung er ee e i 1 zu verschaffen. Man hielt die bestehenden Strafbestimmungen für t n chelei, Sauhirten- und Reptilienwirthschaft, Stellen ausreichend und zwar aus eee Von einer 18 jägerei und Parteiherrschaft u. s. w. Seite wurde nämlich geltend gemacht, daß man die Wahrung le bntagn Wir denken, diese Probe genügt für unsere Leser, um daraus der Ehre des Staats füglich den Bürgern selbst überlassen könne. n zu entnehmen, welche Schmähungen gegenwärtig ungestraft gegen.Wir sind der Meinung so sagte der betreffende Rednerdaß n das Reich gewagt werden dürfen. o so mit t, Daß aber die gehässige, hämische Sprache der ultramontanen Staates, e Bürgern Nb die Derthedigung der Ehre. Nr EAAn Blätter gegen Alles, was vom Deutschen Reiche kommt, nicht ohne des Staates anheimgeben können.. d b n Einfluß auf die Gesinnung des Volkes bleiben kann, daß die In welcher Weise diese Selbsthülfe ausgeübt werden soll, 1 err Achtung vor dem Gesetz und der Rechtssinn darunter leiden, wenn wurde nicht näher angegeben. 5 Ausschreitungen, wie die oben erwähnten, ungeahndet begangen Von anderer Seite wies man darauf hin, daß der Staat werden, daß mit dem Respekt vor dem Staat und seinen Eia- auch bei der jetzigen Lage des Strafgesetzes genügend gegen Be richtungen auch der Gehorsam schwindet, dies sind Sätze, die leidigungen geschützt sei, weil Angriffe auf die Ehre des Staates 5 eines besonderen Beweises nicht bedürfen. nicht leicht vorkämen, ohne daß zugleich eine Person oder Körper 3 * Zum Schlusse seiner Rede ging der Herr Minister auf die schaft oder Behörde beleidigt sei, welche dann den Strafantrag be 6 Frage ein, ob man von der Presse selbst die Heilung der durch wegen der ihr zugefügten Beleidigung stellen könne. ö sie verursachten Schäden erwarten dürfe. Er bemerkte in dieser Einer der Redner, welche diese Ansicht vertraten, der Herr 1 . Hinsicht wörtlich: Abgeordnete Lasker, sprach sich folgendermaßen aus: 7 2Es ist gestern davon die Rede gewesen, daß die Presse selbst dennDer Staat ist getragen und umgeben von lebendigen Organen, welche le auf die Presse kommt es ja hauptsächlich an das Gegengift gegen ihre ihn, seine Gesetze und seine Verwaltung überall repräsentiren, so daß es d J eigenen Ausschreitungen enthalte. Das mag ein Körnchen Wahrheit haben, ein wahres Kunststück ist, den Staat zu beleidigen, ohne das Ministerium le wenn es sich darum handelt, Meinungen auszutauschen. Wenn also bei- oder sonst eine lebendige Person als betheiligt in die Beleidigung hinein 4 * spielsweise die Theorie der Socialdemokraten in der Presse vertreten wird zuziehen. 4 1 so läßt sich derselben eine andere Theorie eutgegenstellen, aber wenn ein Daher entspringen die Massenverurtheilungen, deren zu Grunde liegen 1 * ultramontanes oder socialdemokratisches Blatt das Reich beschimpft, so ist des Sachverhältniß, wenn man es genau definirt, als Beleidigung des 2 doch das lein Gegengewicht, wenn ein liberales Blatt die Kirche beschimpft. Staats sich erweist, während die Verfolgung an die Beleidigung der Per 4 Dies aber ist die Gegenwirkung der Presse, ich beobachte das genau Je sonen anknüpft, die den Staat vertreten. Meinen Sie, daß der Fülrst a * schärser, je beleidigender die ultramontane und die socialdemokratische Presse Bismarck zu seinem Vergnügen so viele Blankette unterschreibt zur Ver 0 12 te n r 9 un 8 8 8 8 2 N 1 n Fragen zu verzögern. für vie Berg⸗, Hütten- und Salinen Verwaltung.] Ausflug nach seinen lauenburgischen Besitzungen, Die Großb. Regierung hat den Ständen 9. März. Das Abgeordustenhaus erledigte wo er vielleicht auch seinen Geburtstag in stiller

498,000 Mk. gefordert. Nachricht, der Kronprinz werde nach Italien zur Feier eingetroffenen fürstlichen Anverwandken Butzbach, 8. März. Bei der heute statt-reisen, ist völlig unbegründet. Eine solche Reise in aller Stille zu begehen. Vormittags 1171 Über sehabten Wahl wurde Obersörster Ditlmar mit ist gar nicht in Frage gekommen. wird im Mausoleum zu Charlottenburg Festgottes⸗