Ausgabe 
7.11.1876
 
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Einnahmen bei Post und Telegraphie(2½½ Mill.) und beim Wechselstempel(½¼1,ʒꝙ?:⁰aMMill.) würden durch Ersparnisse bei der Marine und bei den Zinsen für die Reichsschuld gedeckt.

3. Nov. Das Befinden des Kaisers ist, wenn auch der Schlaf in der bergangenen Nacht öfters unterbrochen war, im Uebrigen doch zu; friedenstellend. Die beabsichtigte Reise am Sonn tag nach Hannover zur Theilnahme an den Tauf⸗ feierlichkeiten hat, dem Vernehmen nach, der Kaiser aus Anlaß seines Unwohlseins aufgegeben.

Breslau. Die wegen vermeintlichen Angriffs arf seine amtliche und bürgerliche Ehre vom Pfarrer Kiesel in Leuthen(Schlesien) gegen den Bischof Reinkens eingereichte Denunciation ist vom Staatsanwalt zu Breslau zurückgewiesen worden, da aus den angeführten, angeblich von jenem Bischof(auf dem Breslauer Altkatholiken⸗Congreß) gesprochenen, allgemeinen Worten auch nicht im Entferntesten zu entaehmen sei, daß damit eine directe Beziehung auf die Person des Denuncian⸗ ten oder auch nur auf den Clerus seiner eigenen kirchlichen Gemeinschaft beabsichtigt worden.

München. Bezüglich der Speyerer Bischofs Angelegenheit hört derNürnberger Corr., daß, sobald die Staatsregierung auf officiellem Wege davon Kenntniß erhalten hatte, daß der zum Bischof ernannte Stiftsdechant Enzler von der Curie beanstandet wurde, sie sofort nähere Auf⸗ schlüsse über die Gründe dieser Beanstandung ver⸗ langt und ihrem Gesandten bei der Curie, Grafen Baumgarten, entsprechenden Auftrag erkheilt hat. Od diese Aufschlüsse bereits ertheilt wurden, ist zur Zeit noch nicht bekannt.

Stuttgart, 4. November. Heute Vormittag 10 Uhr wurde die Ständeversammlung von dem König in Person geschlossen.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Im Aus schusse für die Steuer ⸗Reformgesetze eröffnete der Finanzminister, daß der Kaiser ihn zu der Er⸗ klärung ermächtigt habe, daß rücksichtlich ihres Privatvermögens weder der Kaiser noch die Mit⸗ glieder seines Hauses eine Steuerbefreiung bean⸗ spruchen werden.

4. Nov. Abgeordnetenhaus. Die heute beginnende Debatte über die Interpellations⸗ Be. antwortung bezüglich der orientalischen Politik wurde vom Abgeordneten Baron eingeleitet, welcher sich gegen jede Gebietser weiterung seitens Oester⸗ reichs und gegen jede Veränderung des Besitzstan⸗ des der Türkei aussprach. Demel wendete sich gegen die Polilik Rußlands. Granitsch wollte der diesseitigen Regierung das formelle Recht ge⸗ wahrt wissen, ihren Einfluß auf die Leitung der auswärtigen Politik geltend zu machen. Graf Hohenwart erklärte, er sei zwar weder für Occu⸗ pation noch Annexion, jedoch dürfe man weder die eine noch die andere Eventualität unter allen Umständen perhorresciren. Plener führte aus, daß Oesterreich bei einem eventuellen Zusammenbruche der Türkei nicht isolitt dastehen dürfe; es könne nicht zugeben, daß an seinen Grenzen gegen seinen Willen staatliche Neubildungen entstehen. Oester⸗ reich müsse mit verwandten und benachbarten Staaten in Contact bleiben. Dies war der ge⸗ sunde Gedanke des Drei⸗Kaiser⸗Bundes, welcher Oesterreich eine ehrenvolle Stellung sicherte.

Der auf die Handelspolitik bezügliche Passus der deutschen Thronrede bildet den Gegen- stand lebhafter Erörterung in Wien. Nach offi⸗ ciösen Andeutungen soll dieser Passus auch in Regierungskreisen einen nichts weniger als ange⸗ nehmen Eindruck gemacht haben.

In bhiesigen diplomatischen Kreisen wird eingeräumt, daß die Art, wie die Pforte die Waffenstillstands⸗Verhandlungen in die Länge zog, um mittlerweile auf dem Kriegsschauplatze eine veränderte Situation zu schaffen, ganz dazu an⸗ gethan war, höchste Mißstimmung in den russischen Regierungskreisen hervorzurufen, und daß so das Ultimatum gerechtfertigt wird. Zudem fällt auf, daß türkischerseits verbreitet wird, Abdul Kerim

Alexinatz Winker Quartiere beziehen. Hledurch droht Gefahr, daß die Vorbedingung des status quo ante in nicht zulässiger Art alterirt würde.

Das bier coursirende Gerücht, Oesterreich bereite sich zum Einmarsch in Serbien vor, wird von unterrichteter Seite für unbegründet erklärt. In Betreff des Ultimatums wird aus Serajewo und anderen Vilajets ⸗Hauptstädten nachträglich gemeldet, daß die russischen Consuln für den Fall eines Bruches mit der Pforte bereits angewiesen waren, abzureisen, und sollten für diesen Fall die rufsischen Unterthanen dem Schutz der österreichischen Consuln überlassen werden.

Pest, 3. Nov. Der Finanzminister verwies im Finanz Ausschusse auf das seit den letzten Jahren gebesserte Budget und sprach die Hoffnung aus, im Jahre 1880 zum Gleichgewicht im Staatshaushalte zu gelangen.

Frankreich. Versailles, 2. November. Herzog Decazes theilte heute in der Budget- Commission mit, er werde morgen in der Kammer eine Erklärung verlesen, welche die absolute Neu- tralität Frankteichs bei eventuellen Verwickelungen und die Hoffnung aussprechen werde, daß es der Weisheit der Regierungen gelingen werde, den Frieden zu erhalten, wofür der Waffenstillstand ein Unterpfand sei. Ueber den Antrag Gatineau's auf Einstellung der gerichtlichen Verfolgung der Commune⸗Mitglieder ist ein Einvernehmen zwischen der Regierung und der Linken nicht erzielt. Die Deputirtenkreise nehmen auch ohne ein solches an, die Majorität werde für die Regierung stimmen, weil selbst die Linke eine Ministerkrise nicht will.

3. Novbr. In der Kammec sprach sich Dufaure formell gegen den Antrag Gatineau's auf Einstellung der gerichtlichen Verfolgung der an dem Commune-Aufstand Betheiligten aus. Die Linke brachte einen Vermittlungs⸗Antrag ein, wo⸗ nach einen Monat nach Erlaß des Gesetzes die Verjährung eintreten soll. Ueber diesen Antrag wird noch zwischen der Linken und dem Mini- sterium verhandelt.

4. Nov. Die Deputirtenkammer nahm heute den Gesetzentwurf über die Einstellung der gerichtlichen Verfolgung der am Commune-Ausstand Betheiligten an.

Spanien. Madrid, 3. Nov. General Gouverneur von Havanna, Campos, ist daselbst eingetroffen.

Türkei. Constantinopel. Rach einer Meldung aus dem türkischen Hauptquartier haben die türkischen Truppen am 1. November die von den Serben besetzten Höhen in der Richtung auf Kruschewatz erstürmt, die feindlichen Linien durch- brochen und 10 Kanonen erobert. Die Verbind- ung der Serben mit Kruschewatz sei abgeschnitten. Die Türken rücken weiter vor.

3. Nov. Officiell. Die hohe Pforte hat einen zweimonatlichen Waffenstillstand vom 1. No⸗ vember ab acceptirt. Alle türkischen Truppen⸗ Commandanten erhielten Befehl, sofort die mili⸗ tärischen Operationen einzustellen. Seit gestern sind die Verhandlungen behufs Verständigung über die Grundlage einer Demarkationslinie, die von frem⸗ den Officieren festgestellt werden soll, im Gange. Ueber den baldigen Zusammentritt zur Conserenz courstren noch unbestätigte Gerüchte.

3. November. Die Gesandten der Mächte versammelten sich heute bei Sir Henry Elliot, um die Frage bezüglich der Demarkations Linie zu erörtern. Man hofft ein Einverständniß zu erzielen.

4. Nov. DiePol. Corr. meldet von hier, die Conferenzfrage trete stark in den Vorder grund. Ignatieff befürworte das Zusammentreten der Conferenz in einer oceidentalischen Stadt, etwa Venedig oder Bern, und wolle in den nächsten Tagen den Mächten ein fertiges Programm für die Conferenz unterbreiten. Die Pforte sei keines- wegs gegen die Conferenz, vorausgesetzt, daß sie zur Theilnahme eingeladen werde.

4. November. Der französische Botschafter Bourgoing hat sich heute auf dem hiesigen fran⸗ zösischen StationsschiffePetrel nach Marseille eingeschifft, am sich nach Paris zu begeben. Die

Der neue Martinez

wollte sich in seinem Siegeslaufe nicht Halt ge- meisten Botschafter haben ihre Winlerresidenz in

bieten lassen und jedenfalls

in Deligrad und Pera bezogen.

In der nächsten Woche gehen

Offiziere der Mächte zur Feststellung der Demar⸗ cationslinie für den Waffenstillstand nach dem Kriegsschauplatz ab.

Montenegro. Cettinje. Fürst Nikita hat am 1. d. alle türkischen Gefangenen, ausge⸗ nommen die Offiziere, entlassen und ste über Rieka nach Schabljak heimgesandt.

Serbien. Belgrad. Am 1. November bat der Ministerprästdent dem russischen General- Consul amtlich im Namen des Fürsten erklärt, daß die serbische Regterung den vorgeschlagenen Waffenstillstand annehme. Gleichzeitig ist aber der serbische Ober-Commandant angewiesen, an den türkischen Ober⸗Commandanten einen Parlamentär behufs Verständigung über die Einstellung der Feindseligkeiten abzusenden.

3. Nov. Der Fürst ist heute vom Kriegs- schauplatz zurückgekehrt. 4. Noobr.(Amtliche Meldung.) Die

Nachricht, daß Deligrad gefallen sei, ist unrichtig; es haben lediglich auf Vorposten von Deligrad, ehe der Waffenstillstand publicirt wurde, Plänke⸗ leien stattgefunden. Alexinatz ist nicht mit Sturm genommen, sondern nach dem Fall von Djunis geräumt worden, damit die Besatzung nicht von Deligrad abgeschnitten werde.

Numänien. Bukarest, 2. Nov. Die Thronrede, welche in ihrem Schlußsatze an die Eintracht aller Rumänen appellirt, ist sehr bei⸗ fällig aufgenommen worden. Als der Fürst die Versammlung verließ, begleitete ihn der einmüthige Zuruf der Senatoren, Deputirten und des Pub⸗ likums auf den Tribünen.

Griechenland. Athen. Der König billigte in einem Handschreiben an Comunduros dessen Politik und militärische Vorbereitungen. f

Rußland. Petersburg, 3. Nov. Wie dieMorning Post erfährt, thut die russische Regierung Schritte zur Beschleunigung der Unter⸗ handlungen zum Zwecke der Regelung aller sch weben · den Fragen auf der Basis der englischen Vorschläge.

Aegypten. Kairo. Das dem Khedive übergebene Projeet Göschen- Joubert setzt die Staats schuld durch Trennung der Daira's und Verpacht⸗ ung der Eisenbahnen auf 59 Millionen herab, auch sollen die Zinsen der Meliorations Bonds auf 15 pt. herabgesetzt werden. Das Project hält vie ursprünglichen Bedingungen der drei kleinen Anlehen unversehrt aufrecht, aber amortisirt sie schon zu 80, und reduclrt die Zinsen der 59 Mil⸗ lionen bis 1885 auf 6 pCt. In diesem Jahre soll dann die Schuld auf 34 Millionen reducirt und die Zinsen wieder auf 7 pCt. gestellt werden. Das Project empfiehlt, als Haupt⸗Garantie zwei englisch ⸗französische Beamte dem Finanzministerium beizugeben, die vom Minister unabhängig sind, und General-Einnehmer im ganzen Lande ernennen werden.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Am 24. October ist nach kurzem, schwerem Leiden der 1. landw. Fachlehrer und Dirigent der Ackerbauschule zu Friedberg, Dr. phil. August Heuser, verschieden. An seinem Grabe beweinten ihn eine liebevolle, theure Gattin, drei Brüder, eine Schwester und Schwäger, sowie seine zahlreichen Freunde, Bekannten und Schäler. Der Verstorbene, ein Sohn des verlebten Buchhändlers Heuser zu Neuwied, war daselbst am 30. Juli 1843 ge⸗ boren, besuchte und absolvirte das Neuwieder Gymnasium mit glänzenden Zeugnissen und brachte sodann 3 Jahre auf einem größeren Gute in der preuß. Rheinprovinz als Lehrling zu, worauf er auf einem solchen während einiger Zeit einer Verwalterstelle vorstand. Praktisch in der Land⸗ wirihschaft durchgebildet, besuchte er die landw. Schule zu Hof⸗Geisberg bei Wiesbaden, studirte alsdann weitere 3 Jihre an der Universilät Bonn und verließ dieselbe nach ehrenvoller Erlangung der phylosophischen Doctor⸗ würde. Beseelt von dem Wunsche, als Lehrer der Land⸗ wirthschaft in das Leben zu treten und zu wirken, nahm er eine Lehrerstelle an der landw. Schule zu Hof⸗Geisberg, später eine solche zu Hildesheim in Hannover an, bis er endlich im Herbst 1869 einem Rufe des Badischen Handels⸗ ministeriums als Wanderlehrer und Vorstand der landw. Schule zu Eppingen Folge leistete und daselbst 4 Jahre lang mit dem günstigßsten Erfolge thätig gewesen war. Im Herbste 1873 wurde ihm endlich die 1. Fachlehrer⸗ stelle an der Acker bauschule des landw. Provinzialpereins von Oberhessen zu Friedberg und die Stelle eines Dirigenten derselben, denen er bis zu seinem Ableben vorstand, über⸗ tragen. In ihm verliert der landw. Verein für die Pro⸗ vinz Oberhessen einen pflichtgetreuen, sirebsamen Beamten, bei welchem sich mit umfassender, wissenschafllicher Bildung

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