Ausgabe 
5.8.1876
 
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Dauer. Der Vorgang zeigt übrigens, bis zu welchem Grade die Erbitterung in dem Kampfe zwischen Staat und Kirche gestiegen ist.

Kaiserslautern, 3. Aug. Bei der in Folge der cassirten Urwahlen des Bezirkes Pir⸗ masens stattgefundenen Nachwahl sind von 84 Wahl männern 23 ultramontan, 61 liberal. Die Ultramontanen verloren gegen die vorige Wahl 10 Stimmen. Die Wiederwahl der drei liberalen Abgeordneten ist gesichert.

Mainau, 4. August. Der Kronprinz und die Kronprinzessin des Deutschen Reiches trafen gestern aus München über Krauchenwies zum Be⸗ such hier ein. Sie reisen im streugsten Incognito.

Karlsruhe, 1 Aug. Der Kaiser und die Kaiserin von Brasilien sind heute Mittag 2 Uhr mit Gefolge hier eingetroffen und im Gasthofe zum Erbprinzen abgestiegen. Die Herrschaften wurden von Oberhofmarschall von Gemmingen begrüßt, lehnten die Seitens der Stadtcomman⸗ dantschaft angebotene Ehrenwache ab und ver- bleiben im strengsten Inconito bis Donnerstag hier.

Ausland.

Oesterreich⸗UUngarn. Wien. Nach einer Meldung derPresse lehnte der Finanz⸗Minister die von der Nationalbank angeregte Sistirung des Umtausches von Silberbarren gegen Noten ab und erklärte, daß das Münz- Amt in der Aus- prägung von Silber fortfahre. g

Der österreichische Ober-Stabsarzt Mundy bat in Belgrad die oberste Leitung des Sanitäts- Wesens übernommen und erläßt einen Aufruf an die österreichischen Militär. Aerzte, Urlaub zu nehmen und nach Serbien zu kommen. Er erläßt einen weiteren Aufruf an das Genfer Comite, von der Pforte die Neutralität der Feld Spitäler, Ambulanzen und Aerzte zu erwirken.

Frankreich. Versailles, 1. August. Die Deputirten-Kammer bewilligte einstimmig den von dem Kriegsminister beanspruchten Nachtrags Credit von 32 Millionen, nachdem der Minister das von der Budget-Commission aufgestellte Princip angenommen hatte, daß keine Ausgabe- Verpflichtung ohne vorgängige Genehmigung der Kammer ein- gegangen werden dürfe. Die Linke hat ein Wachsamkeits⸗ Comite an Stelle der früheren Permanenz⸗Commission für ein Dauer der Ferien eingesetzt.

2. Aug. erster Lesung den Gesetzentwurf, betreffend die Be- schränkung der Ausprägung von Fünf- Franken Stücken, an. Guyot befragte den Finanzminister Leon Say über die Instructionen, welche man dem Vertreter Frankreichs im Auslande Angesichte des Münz Congresses ertheilen werde. Leon Say erklärte, es sei inopportun, diese Frage sofort zu beantworten, und ersuchte Guyot, bis October zu warten, da der Congreß erst im Jahre 1877 stattfinden soll.

Spanien. Madrid. Der spanische Bot⸗ schafter, Marquis v. Molins, ist, nachdem er die Königin Isabella bis Santanter geleitet, von dort nach Frankreich zurückgekehrt und hat sich direct auf das Schloß Randau in der Auvergne zum Herzog von Montpensier begeben. Man bringt diese Reise mit dem mehrfach erwähnten Project einer Vermählung des Königs Alphons mit seiner Cousine, Donna Mercedes, in Zusammenhang.

Türkei. Constantinopel. DieKöln. Ztg. theilt mit, jedoch unter allem Vorbehalt, sie habe von einem ihrer Pariser Berichterstatter, aẽs gewöhnlich gut unterrichteter Quelle, ver; nommen, daß Murad am 28. Juli gestorben sei, daß das Großvezirat aufgehoben, und statt dessen das Amt eines Präsidenten des Minister-Rathes geschaffen werden, daß das Kriegs-Ministerium und das Ministerium des Auswärtigen andere In haber erhalten, daß alle ottomanischen Botschaften aufgehoben und durch Geschäftsträger ersetzt werden sollen; ferner, daß die Pforte die Vermittlung Eng⸗ lands angenommen habe unter der Bedingung freien Spielraums für die türkischen Truppen während der Unter handlungen. Der Peraer Correspondent derAllg. Ztg. dementirt in einem Briefe vom 28. Juli aus unmittelbarer Quelle

Formellste die über den Zustand des Sultans verbreiteten Gerüchte und sagt: Dank einer sehr zweckmäßigen Behandlung seines Arztes hat der leidende Zustand des Sultans schon seit mehreren Wochen aufgehört. Er besucht die Moschee, be⸗ faßt sich mit Staats-⸗Geschäften, liest die ihm zur Unterschrift vorgelegten Documente, liest Zeitungen, ja er spielt schon wieder auf seinem Piano, gebraucht Seebäder, macht Spaziergänge und

Excursionen auf dem Bosporus; kurz, von seiner

ganzen Krankheit ist in diesem Augenblicke nichts weiter übrig, als eine gewisse physische und mo; ralische Schwäche, die sich aber bei zweckmäßiger Behandlung spätestens binnen einem Monat ganz verlieren wird. Von einer Gehirn-Erweichung ist keine Rede, noch viel weniger kann von einer Regentschaft oder wohl gar von einem abermaligen Thronwechsel mittelst Abdankung zu Gunsten des Prinzen Hamid die Rede sein. Nach einer weiteren Notiz soll sogar ein Courier der türkischen Bot schaft in Berlin ein eigenhändiges Schreiben Murad's V. zugestellt haben, worin derselbe den Königen von Bayern, Sachsen, Württemberg und den anderen deutschen Bundesfürsten seine Thron besteigung anzeigt.

1. Aug. Mukhtar Pascha ist leicht ver- wundet und hat sich von Bilek nach Trebinje zurückgezogen, wo er die Ankunst von 1000 Baschi⸗ Bozuks erwartet. Die Montenegriner haben Bilek gestern angegriffen, weßhalb Mukhtar Pascha mit allen Truppen neuerdings dorthin abgerückt ist. Der Kampf bei Bilek ist noch unentschieden und dauerte noch heute Vormittag an. In Trebinje sind auf Befehl der Behörden sämmtliche Kauf läden geschlossen. Man scheint dort auf das Aeußerste gefaßt zu sein.

1. August. Eine Meldung derAgence Havas aus Ragusa von heute bestätigt, daß Mukhtar Pascha, nachdem er neue Truppen an sich gezogen, nach Bilek marschirt ist, wo er einen Angriff der Montenegriner erwartet. Die Türken haben in Majdam(Bosnien) mehrere Hundert Christen ermordet und die umliegenden Ortschaften verbrannt. 5000 Türken griffen Kamengrad an. Nach dreistündigem Kampfe unterlagen die In- surgenten. Die Türken zündeten das Dorf Trubar an. Die Einwohner flüchteten auf österreichisches Gebiet.

1. Aug.

Ejub Pascha's stieß gestern, während es im Vor rücken auf Gurgussowatsch begriffen war, auf ein serbisches Corps. Nach einem mehrstündigen Kampfe waren die serbischen Positionen von den Türken genommen. Suleiman Pascha hat seine Verbin dung mit Ejub Pascha auf serbischem Boden be werkstelligt. Die serbische Armee unter Tschernajeff soll bei Gurgussowatsch stehen. Eine Schlacht ist bevorstehend.

2. Aug. Der Regierung sind vom Kriegs- schauplatze folgende Meldungen zugegangen: Mukh⸗ tar Pascha ist, nachdem er die Insurgenten aus aus der Umgegend von Nevesinje zerstreut hatte, in Bilek eingetroffen. Als er am Morgen seiner Ankunft erfuhr, daß der Feind sich auf den An- höhen bei Bilek contentrire, sandte er ein Corps zur Recognoscirung vor; dasselbe rückte unverzüg⸗ lich ab und traf auf so beträchtliche Massen Mon- tenegriner, daß es nach Bilek zurückgehen mußte. Die Avankgarde des Corps, die zu weit vorge gangen war, erlitt bei der numerischen Ueberlegen⸗ heit des Feindes einige Verluste und büßte drei Kanonen ein. Zwei höhere Offiziere sind gefallen.

Die Pforte beschloß, dem hier gefangen gehaltenen Sohn Bibdoda's, eines Häuptlings der Miriditen, den TitelMihulimira und den Rang eines Brigade-Generals zu verleihen, damit die Miriditen die Montenegriner bekämpfen.

Rumänien fordert von der Pforte bestimmten Termin für die Erledigung seiner Note. Mukhtar Pascha ist mit 9 Bataillonen in Trebinje cernirt.

Montenegro. Cettinje. Der von Fürst Nikita gefangen genommene Osman Pascha, ein

Mukhtar Pascha 200 Mann; aber keinen höheren Offizier. Die Türken verloren: Selim Pascha, Kurschid⸗Bey, Hussein⸗Aga und Hadjenecurt⸗ Aga. Sie vermissen 2 Oberstlieutenants und 3 Majore,

Serbien. Belgrad, 2. Aug. General Fadejeff ist hier eingetroffen und hat Audienz bei der Fürstin genommen; er ist angeblich in serbischen Dienst getreten.

2. Aug. Officiell wird aus dem Haupt⸗ quartier Deligrad von heute mitgetheilt: Die Türken sind, indem sie sich unsere ausgedehnte Vertheidigungslinie zu Nutze machten, über Gra made in mehrere Ortschaften des Departements Kujagewatz eingedrungen und richten dort uner⸗ hörte Verwüstungen an. So z. B. bombaroiren sie die Kirchen; die Tscherkessen sind in Banden von je vier Bewaffneten organisirt, denen einer mit zwei Flaschen Petroleum folgt, um die Dörfer niederzubrennen.

Rumänien. Bukarest, 3. Aug. Der neue russische Agent Stuart hat dem Fürsten heute seine Creditive überreicht. Holland hat den Wunsch ausgedrückt, eine Handels Convention mit Rumänien abzuschließen.

Griechenland. Athen. Der König kehrt am 1. September hierher zurück. Das Mini⸗ sterium sandte dem Könige das Deeret zur Eröff nung der Kammern am 19. September nach Petersburg zur Unterschrift.

Aegypten. Cairo. Der Bericht Villet's über die ägyptischen Finanzen constatirt, daß die Gesammt-Einnahmen 10,953,000 L. erreichen und die Ausgaben 9,986,000 L. betragen sollen.

Amerika Washington, 1. Augufl. Der ehemalige Kriegsminister Belknap ist freige- sprochen. 35 Senatoren erklärten ihn schuldig, 25 unschuldig; es fehlte somit die für die Ver⸗ urtheilung ersorderliche Zweidrittel- Mehrheit. Die Staatsschuld hat sich im Monat Juli um 1,139,000 Doll. vermindert. befinden sich 59 843,000 Doll. in Gold und 12,590,000 Doll. in Papiergeld.

2. Aug. Präsident Grant hat eine Procla- mation erlassen, laut deren das Territorium Colo⸗ rado als Staat in die Union aufgenommen wird. Präsident Grant zeigt dem Senate an, daß er in

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Renegat, der eigentlich Farcas(Wolf) heißt, ist

einem Schreiben an den Gouverneur von Süd- Carolina die Nievermetzelung von schwarzen Milizen

b. Der Regierung ist folgende im Hamburg(District Edgefield) gemißbilligt und Die Deputirtenkammer nahm in Depesche aus Nisch zugegangen: Das Armeecorps

den Gouverneur zur Ergreifung ernstester Maß⸗ regeln behufs Bestrafung der Schuldigen aufge⸗ fordert, auch demselben jeden Schutz zugesagt habe. Nach einer Mittheilung derNewyork Tribune sind wegen der Ermordung der schwarzen Milizen in Hamburg 53 Weiße in Anklagestand versetzt worden,

Aus Stadt und Land.

Bad⸗Nauheim, 1. August. Gestern Abend wurde von dem um 7 Uhr von hier nach Butzbach abgehenden Zuge kurz binter dem Viaducte ein Mann in mittleren Jahren überfahren. Derselbe scheint den Tod gesucht zu haben, denn man fand nur ein Messer und einen Strick bei ihm vor, sonst weder Gegenstände von Werth noch Papiere. Man vermuthet in ihm einen gewissen Lehr von Fauerbach v. d. H. e

Mainz, 3. Aug. Der Besuch des Fesiplatzes dürste gestern seinen Höhepunkt u erreicht haben. 7500 Tageskarten wurden allein genommen; hierzu kommen circa 500 Abonnements-Karten. Der mittelrheinische Schützentag wählte Mainz als Vorort. Vom Verbandstage wurde Karlsruhe als nächsijähriger Festort gewählt, nachdem Mannheim von der Concurrenz zurückgetreten.

Allerlei.

Berlin. Der Vorstand des Vereins der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer erläßt einen Aufruf an alle Arbeiter Deuischlands, den 1000 strikenden Buchdruckern Berlins, unter welchen sich 500 verbeirathete befinden, zu Hülfe zu kommen. Von den Strikenden, welche bereits in der vierten Woche ohne Arbeit sind, müssen noch 750 unterstützt werden. Es ist daher erklärlich, daß die Ver⸗ eins⸗Casse erschöpft ist, und Hülse von auswärts angerufen wird. Auf eine von der Commission der Berliner Buch⸗ druckerei⸗Besitzer ergangene Aufforderung zur Anmeldung von noch bestehenden Lücken in den Officinen haben nur 11 Firmen im Ganzen 27 Setzer verlangt, ein Beweis, daß keine wesentliche Nachfrage nach Setzern mebr stattsindel.

Hammelburg, 29. Juli. Heute sind bei heftigem Winde 17 Häuser sammt Nebengebäuden ein Raub der

mit 30 gefangenen Nizams in Cetlinje angelangt. Flammen und meist unbemiltelte Leute in die traurigste auf dae Die Montenegriner verloren in der Schlacht gegen Lage versetzt worden. Verdächtig der Brandstiftung und

Im Staats-⸗Schatze

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