Ausgabe 
3.8.1876
 
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31. Juli.

baben und in Serbien in der Richtung auf Gurgussowatz eingedrungen seien. Widdiner Depeschen melden gleichfalls, daß die Türken die Offensive ergriffen. Aus Podgoritza wird gemeldet, daß die Montenegriner bei Antivari geschlagen seien.

Montenegro. Cettinje, 28. Juli. Ein neues Telegramm des Fürsten von Montenegro aus Vrbica meldet: Mukthar Pascha ist vollkommen vernichtet Von seinen 16 Bataillonen retteten sich vier mühsam durch die Flucht. Wir haben außer Osman Pascha 300 Nizams gefangen, 5 Kanonen, eine große Anzahl Waffen, viel Munition, Fahnen und andere Gegenstände den Türken abgenommen. Uasere Verluste sind ver hältnißmäßig gering. In den ersten Reihen fochten die nächsten Verwandten, von denen u. A. Philipp Petrovie schwer verwundet wurde. In unserem Heere herrscht großer Enthusiasmus.

30. Juli. DerAgence Havas wird aus Ragusa von heute gemeldet, daß die Montene griner in einer Stärke von 2500 Mann einen neuen Angriff der Türken bei Rutschi abgeschlagen haben.

DiePol. Corr. veröffentlicht einen aus führlichen Bericht über die Schlacht bei Vrbica, worin der Sieg der Montenegriner als eine Folge der leichtfertigen Operation Mukhtar Pascha's dargestellt und berichtet wird, daß Letzterer von seinem Corps acht Bataillone gerettet habe und in Bilek eingeschlossen und von den Montenegrinern blokirt sein soll.

Serbien. Belgrad, 30. Juli.Reuter's Bureau meldet von hier von gestern Abend: Tscholak Antisch, Commandeur der serbischen Cen trums⸗Armee, belagert seit dem 27. Juli Sienitza, wo Mehemed Ali fest eingeschlossen ist.

DiePol. Corr. meldet: Der an der Beschießung des Donau-DampfersTisza Schuld tragende Commandant der serbischen National- Miliz, Peter Jakovitsch, ist seiner Charge ent hoben und entlassen worden.

Rumänien. Bukarest, 31. Juli. An Stelle Fillipesco's wurde Jean Cantacuzeno zum diplomatischen Agenten in Petersburg ernannt. Der Finanz⸗Minister brachte in der Kammer eine Vorlage, welche die Umwandlung der Personal Steuer in eine Vermögens Steuer beantragt.

1. Aug. Kammer der Deputirten. Die Motion, die Minister des früheren Cabinetes in Anklagezustand zu versetzen, wurde nahezu ein- stimmig in Betracht gezogen. Ueber den Antrag Zonesku's versprach der Minister eine Vorlage der diplomatischen Correspondenz bezüglich der Neu- tralität. Die Regierung machte die Mittheilung, daß Rumänien mit Einwilligung der Türkei der rumänischenAmbulanz der rothen Kreuzes den Uebertritt nach Serbien gestattet habe.

Rußland. Petersburg. Die in öster reichischen Blättern enthaltene Nachricht, daß unter den Muhamedanern des Kaukasus ein Auf stand ausgebrochen sei, ist unbegründet; wohl aber ist constatirt, daß türkiksche Emissäre dort Unordnungen hervorzurufen versuchten.

Aus Stadt und Land.

r. Bad⸗Nauheim. In einem Concerte, das der Mainzer Domchor, bestehend aus 30 Mitgliedern, nächsten Sonntag Nachmittag 4 Uhr im Kursaal dahier gibt, kommen Stücke klassischer Kirchenmusik des XVI. Jahr⸗ hunderts von Palestrina, Orlandus Lassus und anderen Meistern jener Zeit zur Aufführung. Selten bietet sich Gelegenheit, derartige Musik in so meisterhafter Ausführ⸗ ung, wie solches vom Mainzer Domchor bekannt ist, zu hören und machen wir alle Musikfreunde auf dieses Con cert aufmerksam.

Mainz, 30. Juli. Das Schützenfest wurde gestern unter colossaler Betheiligung von auswärtigen Schützen und sonstigen Gästen bei herrlichstem Weiter eröffnet und sind im Laufe des Tages 7500 Eintrittskarten gelöst wor den. Innerhalb des Festplatzes wurden 4000 Flaschen Schützenwein und 73½ Hectoliter Bier consumirt.

Mainz, 1. Aug. Der zweite Festiag verlief bei einer primären Vorgängen rasch ein solch' edles Organ Von Nach- vernichten können? Die primitive Zelle, welche

tropischen Hitze in der herrlichsten Weise. mittags 4 Uhr ab wogte eine unabsehbare Menschenmasse

auf dem Festplatz und in die umliegenden zahlreichen

Wirthschaften. bis zum letzten Winkel besetzt.

In Philppopel sind 400 ein- gekerkerte Bulgaren freigelassen worden. De⸗ peschen aus Nisch melden, daß die türkischen Truppen die Offensive ergriffen, die Serben zurückgedrängt, sich ihrer Verschanzungen bei Dervent bemächtigt

Schützenmeister Römhild von Karlsruhe auf das Central⸗ comite, der Schützenmeister von Speyer auf die Frauen und Jungfrauen, Hecht von Mainz dankte Namens der Frauen in gelungener Weise. Der von P. J. Burg in Mainz gelieferte Schützenwein mundete so seyr, daß von den angekauften sieben Stück gestern am zweiten Tage bereits fünf Stück getrunken waren.

Allerlei.

Köln, 31. Juli. Das heute veröffentlichte Urtheil in dem Processe gegen die Directoren und Verwaltungs räthe der Rheinischen Effectenbank lautet auf dreijähriges Gefängniß für Horn, sechswöchentliches Gefängniß für Wendelstädt und Willemsen und dreimonatliches Gesängniß für Suren. Die übrigen Angeklagten sind freigesprochen.

München, 28. Juli. Ueter ein gestern Nachmittag zwischen den Stationen Immenstabt und Oberndorf ein, getretenes Eisenbahn-Unglück erhält derNürnb. Corr. solgende Mittheilung: Der Kurier-Zug entgleiste im sog. Werthensteiner Moos, die der Lokomotive angehängten 11 Wagen geriethen aus den Schienen, muthmaßlich durch einen Achsen-Bruch an einem Personen-Wagen verursacht. Der Post⸗Wagen und ein Waggon wurden nach der Ent⸗ gleisung wiedet in das Geleise zurückgerissen, ohne daß die Insassen derselben Schaden erlitten. Die anderen Waggons glitten die Böschung hinab, von diesen über⸗ stürztien sich zwei derart, daß elf Reisende minder oder mehr Verletzungen erlitten. Zwei Damen trugen Bein- brüche, ein Knabe einen Armbruch davon. Die zwei Damen mußten zur Heilung in Immenstadt zurückbleiben. Die Personen⸗ Wagen sind fast alle zertrümmert, haupt sächlich der sächsische Waggon, in welchem die zwei Damen und ein Kind saßen. Die Zahl der stärker Beschädigten ist fünf.

Schutz für die menschliche Lunge.) Von Dr. med. Michaelis in Freiburg i. Schl. Die hohe Sterblichkeitsziffer liefert allein schon

den traurigsten Beweis, daß wir den Ansprüchen,

welche die Menschheit an die Wissenschaft zu stellen glaubt, zur Zeit nur in sehr verschiedenem Maße gerecht werden können. Ein eigentlicher Aufschwung aus der früher rein empirischen Behandlungsweise datirt erst seit Einführung der physikalischen Unter- suchungsmethode und theilte sich der einmal ge gebene Impuls rasch den verschiedenen anderen

Gebieten der Mediein mit. Mit der genaueren

Erkenntniß der Krankheit hielt aber die praktische

Behandlung nicht gleichen Schritt. Die Diagnose

wurde zwar exakter, aber die Resultate der Krank

heitsbehandlung blieben weit hinter den Anforder ungen der Zeit zurück. Erst die beiden letzten

Decennien haben einen wesentlichen Fortschritt und

Vervollkommnung in den Behandlungsmethoden

gebracht: ältere Theorien, die dem Aufkommen

einer natürlichen und rationellen Anschauung hinderlich waren, wurden beseitigt, die Scheidung der beiden hauptsächlichsten Krankheitselemente genau charakterisirt, die soziale Basis der all- gemeineren Entstehungsursachen aufgedeckt, die kli matischen Unterschiede und deren Heilanzeigen speziell aufgefaßt und allgemeiner verwerthet; vor Allem die öffentliche Gesundheitspflege, ein wichtiger Faktor in der Entwickelung unserer staat lichen und gesellschaftlichen Verhältnisse, wurde ein immer dringenderes Bedürfniß der Gegenwart. Die Vernachlässigung der einfachsten und natür- lichsten Forderungen der Hygiene, die Gefahren, welche anscheinend simple Schädlichkeiten, vernach lässigte Katarrhe, entzündliche Vorgänge und deren Folgen mit sich bringen, treten bei keinem andern Organ so sehr zum Nachtheil der mensch lichen Gesundheit hervor, und ist namentlich der

Einfluß konstitutioneller Erkrankung noch für

spätere Generationen bemerkban. Wenn man

sieht, wie alljährlich Tausende von Menschen als

Opfer einer unvernünftigen und unbedacht⸗thörichten

Lebensweise dahin siechen, in sich jenen zerstörenden

Krankheitskeim, der in seiner weiteren Entwicklung,

Umwandlung und Rückwirkung fast unaufhaltsam zum Tode führt, und welch ein verschwindend kleiner Prozentsatz von Menschen es ist, denen der Stern der Genesung noch einmal leuchtet, so muß man sich fragen, welches sind denn die Schutzmittel der Wissenschaft gegen einen solchen Erbfeind des Menschengeschlechts und wie beschaffen sind jene Elementarstoffe, die unter so räthselhaften

̃ g) Aus dem binnen Kurzem in Elberfeld erscheinen⸗ Bis nach Mitternacht war die Festhalle den Werk des Verfassers Die Ra der Beim Banket toastirte Athmungsorgane nach ihren Folgen.

zerstört wird, kennt man bis in ihte feinste Struktur

und Funktion, aber der prinzipielle Vorgang, das

vernichtende Prinzip bleibt ein ungelöstes Räthsel! gibt es doch überall, wo Leben und Gesundheit bedroht sind, mannigfachen Schutz gegen Krank- heits⸗ und Ansteckungsstoff, warum sollte man nicht im Stande sein, ein wenn auch langsam und verborgen schleichendes, in seinem ersten Ent. steben und primärer Entwickelung anscheinend un⸗ verdächtiges, späterhin erst nach erfolgter Um⸗ wandlung und Zerfall zur Geschwürsbildung intendirendes Krankheitsprodukt, durch allgemeine Kenntniß und Verbreitung gemeinnütziger, popu⸗ lärer Anschauungen so in seinem wahren Wesen und Charakter zu kennzeichnen, daß Jedermann an sich und in seinem nächsten Wirfungskreis das Eigenthümliche und Charakteristische desselben mit seinen weiteren Folgen und fast verhängnißvollen Rückwirkungen frühzeitig zu erkennen vermöchte! Und liegt nicht gerade hierin, in dem frühzeitigen Erkennen einer drohenden Gefahr, das beste Schutzmittel?

In jener wohl bewußten Ueberzeugung, daß der alssogenannter Tuberkel den eigentlichen späteren sekundären Schwindsuchtsherd bildende Krankheitskeim nur in äußerst seltenen Fällen von vornherein vorhanden, vererbt, oder übertragen wird, während dieSchwindsuchtsanlage, be stehend äußerlich in einem dürftigen, mangelhaft entwickelten Körperbau, mit flachem, schmalen und verengtem Brustkasten, wohl in den meisten Fällen von schwächlichen und kranken Eltern vererbt wird und die größte Gefahr für die Nachkommenschaft in sich schließt, obwohl gerade diese Krankheits- anlage durch geeignete Lebensweise und richtige Wahl des Berufs oder passenden Berufs wechsel, bei strenger Vermeidung alles dessen, was schäd⸗ liche Gewohnheit und unsinnige Modethorheit dem Körper unbewußt zuführen, auch in vielen Fällen wieder zu heben ist. Dieser persönliche Schutz,

den Jeder für sich und die Gesundheit seiner

Mitmenschen auszuüben im Stande ist, beruht zuvörderst auf der möglichst rechtzeitigen Erkennt⸗ niß jener rein entzündlichen Krankheitsprozesse der Lungen, deren charakteristische Folgen und Aus- gänge die eigentliche substanzielle Grundlage bilden für die später nachfolgende Zerstörung des be treffenden Organgebiets. Die weitere Umwand- lung und Einwirkung dieses meist auf entzündlichem Boden wuchernden Prodrkts, sein allmäliger Zerfall und die Rückwirkung desselben auf das umgebende Lungengewebe umfassen eine länger oder kürzer dauernde Reihenfolge von Kranksein und Siech⸗ thum, die in ziemlich rasch auf einander folgenden Stadien das blühendste, oftmals auch reich begabte, für alles Edle und Schöne empfängliche Menschen⸗ leben zu vernichten und in seinen besten Hoffnungen zu zerstören im Stande sind. Nicht selten, obwohl nur schwer und bei mithelfender Willenskraft von Seiten des Kranken, gelingt es, den Verlauf der Krankheit zu unterbrechen, oder zum gänzlichen Stillstand zu bringen; die anfangs meist unbe⸗ achtete erste Entstehungsursache bildet oft, unter wiederholter Einwirkung, den eigentlichen Aus- gangspunkt der Krankheit und genügt wohl dieser Hinweis, um alle später eintretenden, oft so traurigen Folgen mit diesem meist unbeachdeten und häufig unterschätzten ersten Beginn in Ver bindung zu wissen. Vorwiegend ist es die bereits erwähnte, charakteristische Körperanlage, verdorben noch durch fehlerhaftes und anhaltendes Sitzen auf mangelhaft konstruirten Schulbänken, oder durch eine einseitige Haltung bei schlecht gewählter

Profession oder durch tagelangen Aufenthalt in

mit Gaslicht erleuchteten, nicht ventilirten Arbeits- sälen, mit staubiger, sauerstoffarmer Atmosphäre, wodurch die größte Gefahr bei einer noch hinzu- tretenden Entzündung für die ganze spätere Ent⸗ wickelung hervorgerufen wird. Kommi hierzu noch eine dürftige Ernährung, oder eine angeborene

oder übertragene skrofulöse Entwickelung, hat ein Mensch mit solcher Körperanlage noch einen leiden-

schaftlichen Hang zur Sinnlichkeit, zum Spiel, Tanz und all den andern hiermit meist in engster Beziehung stehenden sogenannten Vergnügungen in gas- und dunsterfüllten, mit feinen Staub

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